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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

01JUN2019
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Gib dem Frieden eine Chance! Mit dieser Botschaft gingen heute vor fünfzig Jahren John Lennon und seine Frau Yoko Ono an die Öffentlichkeit. Wobei, eigentlich war es andersherum: sie holten die Öffentlichkeit zu sich in ihr Hotelzimmer in Montreal in Kanada. So viele Menschen, bis keiner mehr hineinpasste. Das Paar selbst saß auf seinem Bett. Dort sangen sie dann in dem total überfüllten Zimmer alle zusammen: Give peace a chance. Gib dem Frieden eine Chance.

Diese Chance braucht der Frieden bis heute. Denn Menschen setzen immer wieder auf den Krieg. Damals zu Zeiten des Kalten Kriegs und des Vietnamkriegs genauso wie heute. Im Bett vom Frieden zu singen, das war nicht einfach eine verrückte Idee. In Amerika nennt man es hootenanny, wenn Menschen spontan zusammenkommen um Lieder zu singen. Für mehr Aufmerksamkeit verlegten Yoko Ono und John Lennon ihr hootenanny einfach ins Bett.

Eigentlich, wenn nicht Dutzende von Menschen für eine Musikaufnahme drum herum stehen, ist das Bett ja ein intimer Ort. Wo ich hoffentlich die Tür zumachen und für mich sein kann. Oder wir für uns. Wo es nachts dunkel und ruhig ist, damit ich Schlaf finde. Wenn das Bett und der Frieden zusammengebracht werden, dann bedeutet das: Wenn es etwas werden soll mit dem Frieden, dann musst du ihn an dich heranlassen. Ganz nah. Der Frieden muss mit dir das Bett teilen. Er fängt bei dir an, in deinem Herzen. Und wenn dann dein Herz für den Frieden schlägt, dann lässt es dich auch nicht mehr kalt, wenn auf unserer Erde Krieg herrscht. In den letzten fünfzig Jahren hat sich da wenig geändert: aktuell gibt es bewaffnete Konflikte und Krieg auf allen Kontinenten unserer Erde außer in Australien (das ist ein einzelner Staat) und in der Antarktis (da leben vor allem Pinguine). Also praktisch überall. Und jeder Krieg ist einer zu viel.

In unsere Betten gehört beileibe nicht alles und jeder. Aber der Frieden hat eine faire Chance verdient. Mit dem Frieden sollten wir unter einer Decke stecken.

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31MAI2019
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Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren! Diese Zeilen stammen von Joachim Neander, heute ist sein Todestag.

Der Text gehört zu einem Lied. Eines meiner Lieblingslieder im Evangelischen Gesangbuch. Ich muss aufpassen, dass ich nicht anfange vor mich hin zu singen. Lobe den Herren ist einfach ein wunderschönes Kirchenlied. Wobei der Begriff Kirchenlied in die Irre führt. Denn der Dichter hat beim Dichten gar nicht an die Kirche oder den Gottesdienst gedacht. Er hat sich vorgestellt, dass man das Lied „auff Reisen / zu Hauß oder bei Ergetzungen im Grünen“ singt. Joachim Neander selbst war gerne draußen in der Natur. So gern, dass das Tal des Flüsschens Düssel ihm zu Ehren in Neandertal umbenannt wurde.

Ich finde seine Vorschläge großartig. Allein die Sprache: wann habe ich mich das letzte Mal im Grünen ergötzt?  Und dann auch noch dazu gesungen? Das muss Ewigkeiten her sein. Also nix wie raus in die Natur und dann geschmettert: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.

Zum Glück muss ich nicht allein singen. Ich habe ja eine Seele und die singt mit. Genau genommen singt sogar vor allem meine Seele. Denn, ehrlich gesagt, mir ist es eher peinlich, in aller Öffentlichkeit fromme Lieder zu singen. Wenn das einer hört! Von der Qualität meines Gesangs ganz zu schweigen. Doch meine Seele hat da keine Skrupel. Sie ist ganz unbefangen. Denn sie verkörpert sozusagen die religiöse Seite in mir. Sie ist ein Sachverständiger in Glaubensfragen. Eine Art Kontaktmann oder Kontaktfrau zu Gott. Mit meiner Seele kann ich in einen inneren Dialog treten und sie auffordern: mach du mal lieber, fang doch schon mal an, ich trau mich noch nicht so richtig. Und dann legt sie los: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.

Klasse, so eine Seele. Meine geliebte Seele. Befreit mich von falscher Scham. Lehrt mich Begeisterung. Zeigt mir, wie das geht, Gott zu loben: Auf Reisen, zu Hause, im Grünen. Wahrhaft ergötzlich!

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29MAI2019
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In der Kirche darf nicht einer über die anderen bestimmen. Egal welche Position er innehat.  Das hat vor 85 Jahren eine evangelische Kirchenversammlung in Wuppertal-Barmen aufgeschrieben. Als Bekenntnis. Und wer ein Bekenntnis ablegt, der sagt damit: Darauf kommt es an. Das darf gar nicht anders sein. Egal welches Amt einer in der Kirche bekleidet – niemals hat er das Recht über andere in der Kirche zu herrschen. So soll Kirche sein. Gleichberechtigt. Miteinander im Gespräch. Und die Kirche soll damit einen Hinweis geben, wie Menschen insgesamt miteinander umgehen sollen. Die Bibel wussten die Verfasser der Barmer theologischen Erklärung auf ihrer Seite. Denn schon Jesus hatte gesagt: Mächtige tun den Völkern Gewalt an. Aber wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.

Als sich Christinnen und Christen in Barmen trafen, war das so genannte Dritte Reich gerade mal ein Jahr alt. Und doch hatten die Nazis von der Demokratie schon nichts mehr übrig gelassen. Alles sollte von oben nach unten bestimmt werden. Einer befiehlt, die anderen gehorchen. Auch in der evangelischen Kirche gab es etliche, die fanden das gut. Schluss mit dem Diskutieren, Verhandeln, Abstimmen. Einer bestimmt und damit ist es genug.

Gott sei Dank sahen das die Christenmenschen, die sich damals in Barmen trafen, anders.  Alle miteinander müssen wir schauen, reden, entscheiden. Die Bekenntnissynode von Barmen schrieb es der Kirche und der Gesellschaft insgesamt ins Stammbuch: Klar ist es anstrengend, verschiedene Meinungen auszuhalten und zu diskutieren. Aber genau darum geht es, dass wir Unterschiede ertragen. Das gibt unserem Miteinander Würde und Menschlichkeit. Darauf können wir stolz sein, wenn unser Gemeinwesen von Vielfalt und Respekt voreinander geprägt ist. Führer und Einheitsbrei brauchen wir nicht. Wer so etwas will, dem muss man widerstehen. Um des Glaubens und der Gemeinschaft willen. Davon waren die Menschen in Barmen überzeugt.

Ist die Zusammenkunft in Barmen wirklich schon 85 Jahre her? Für mich klingt es so aktuell, als wäre es heute aufgeschrieben.

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28MAI2019
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In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Sagt Jesus. Und der muss es ja schließlich wissen. Als Sohn kennt er die Vermögensverhältnisse seines himmlischen Vaters sehr gut. Und achtet auch auf die feinen Unterschiede.  Denn genau genommen redet er nicht von Wohnungen, sondern von Bleiben: In meines Vaters Haus sind viele Bleiben.

Das mit dem Bleiben ist Jesus wichtig. Er spricht es immer wieder an. Es geht um eine Alternative zu aktuell, kurzfristig, derzeit, vorübergehend. Da weiß man oft nicht, wie es weiter geht. Doch wo ich bleiben kann, da ist es anders. Da muss ich mich nicht täglich neu erfinden. Da muss ich mich nicht immer wieder auf die Suche machen. Sondern da habe ich eine Langzeitperspektive und weiß:

Ich bin willkommen. An guten wie an schlechten Tagen. Es gibt einen Platz für mich. Reserviert auf Lebenszeit und sogar noch danach.

Keiner wirft mich raus. Komme da, was wolleDas klingt traumhaft. Ja, von Gott als Wohnungsgeber darf man träumen. Wohnberechtigungsscheine für alle. Denn er will uns Gerechtigkeit widerfahren lassen. Keine Fehlbelegungsabgabe. Ganz im Gegenteil. Dieser Hausbesitzer hält es ganz und gar nicht für einen Fehler, uns aufzunehmen.

Keine Kündigung wegen Eigenbedarf. Stattdessen ist es ihm ein Bedürfnis, uns auf Dauer bei sich wohnen zu lassen.

Kaution? Miete? Können wir alles vergessen. Will er nicht, braucht er nicht. Ihm geht es nicht ums Verdienen. Ihm geht es darum, uns zu Diensten sein. Schluss mit der spirituellen Wohnungsnot. – Es klingt verrückt, aber zu wissen, wo man hingehört, das gerade macht frei. Frei, wenn ich Entscheidungen treffen muss.. Frei  unter einem Berg voll Arbeit.  Frei, auch wenn mein Leben ins Wanken gerät. Frei, auch wenn ich Fehler mache.

Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Weil Menschen nach Auffassung ihres himmlischen Vaters nicht nur eine Wohnung, sondern auch eine Bleibe brauchen.

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27MAI2019
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Im Verborgenen Gutes tun. Das klingt wie ein gutes biblisches Motto. Denn wer seine guten Taten nicht vorzeigt, dem geht es nicht darum anerkannt oder belohnt zu werden. Sondern da tut einer das Gute um des Guten willen und fordert für sich keinen Ausgleich. Sonst wäre es ja auch keine gute Tat mehr, sondern ein Geschäft.

Im Verborgenen Gutes tun. Dieser Grundsatz wird derzeit aber auch noch in einem ganz anderen Zusammenhang verwendet. Mit diesem Motto wirbt der Verfassungsschutz um neue Mitarbeiter. Nun, wie verborgen der Verfassungsschutz arbeiten soll und ob er immer nur Gutes bewirkt hat, darüber kann man streiten. Der Werbeslogan spricht aber  (zumindest) für Humor und Bibelfestigkeit.

Das biblische Original funktioniert allerdings anders als die Personalsuche des Inlands-Geheimdienstes. Jesus sagt es in der Bergpredigt so: Wenn du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Ich finde, das ist ein cleverer Ansatz um Gutes zu tun! Beide Hände handeln völlig unabhängig voneinander. Keine weiß von der anderen. Wenn die rechte Hand spendet, dann  muss die linke Hand das ja nicht wissen und kann gerade noch mal etwas geben. Sie kann sich sagen: das mach ich doch mit links. Und hat völlig recht damit . Wenn dagegen beim Verfassungsschutz die rechte nicht weiß, was die linke tut, ist das weniger gut. 

Pianisten können mit beide Händen völlig unabhängig voneinander in die Tasten greifen und spielen. Wer Gutes tut und dabei virtuos seine beiden Hände einsetzt, der spielt ein göttliches Spiel. Denn da sieht Gott hin, ins Verborgene, und lässt es an Liebe und Barmherzigkeit nicht fehlen.

Was konkret jeder tut, wo er oder sie sich wie engagiert, das bleibt offen. Es geht um die Haltung, die zugrunde liegt: sich großzügig und ohne Berechnung einer Not annehmen.

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