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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Heute vor 120 Jahren wurde Erich Kästner in Dresden geboren. Der Dichter und Kinderbuchautor hatte im Leben oft nichts zu lachen. Die Ausbildung im Militär war schlimm für ihn. Seine Bücher wurden teilweise verbrannt, weil er gegen die Nazis war. Und auch nach dem Krieg, als Pazifist, hatte er keinen leichten Stand. Und doch hat er nie seinen Humor verloren. Im Gegenteil - sich selbst und die Gesellschaft immer wieder zu belächeln und auf die Schippe zu nehmen, das macht die Welt manchmal erst erträglich, davon war er überzeugt.

"Humor ist der Regenschirm der Weisen", hat Kästner mal gesagt. Der Autor vom „Fliegenden Klassenzimmer“ und vom „Doppelten Lottchen“ hat damit für mich etwas Wunderbares zum Ausdruck gebracht: Wir können manchmal und sollen auch gegen Irrsinn und Unrecht Widerstand leisten und den Mund aufmachen. Aber wo wir vor unlösbaren Problemen stehen, da ist es nicht gut zu resignieren. Wer Humor hat, wird nicht bitter. Und wer nicht bitter ist, resigniert nicht. „Humor ist der Regenschirm der Weisen.“ Wie schön! Wenn es wieder unschöne Dinge in meinem Leben regnet, dann schützt mich dieser Regenschirm. Wenn mich unfaire Kritik trifft oder ich nicht begreifen kann, wie unfassbar schwer sich Menschen manchmal gegenseitig das Leben machen, dann will ich ihn wieder aufspannen, diesen Regenschirm: Humor hilft, genug Abstand zu haben. Und dann vielleicht auch Dinge zu ändern, da, wo es geht.

Ich glaube, Humor ist eine ganz besonders wunderbare Gabe Gottes. Und Humor kann man üben, in der Familie, im Freundeskreis, auf der Arbeit. Mal einen Witz erzählen, statt zu kritisieren. Ein herzhaftes Lachen statt Ärger und Groll. Die Fastnacht ist für viele so eine Einübzeit für den Humor. Und neben Büttenreden und Maskenspiel hilft manchmal schon ein Scherz, um den Humor wieder aufzuwecken.

Etwa ein Spruch eines anderen Februargeburtstagskindes, Heinz Erhardt: „Wer sich selbst auf den Arm nimmt, der erspart anderen die Arbeit.“

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„Schlimm, was für ein Unheil Religionen schon über Menschen gebracht haben!“ Aufgebracht erzählt mir der Mann, den ich besuche, was in seinen Augen schon alles Schlimmes durch Religion geschehen ist: Kriege, Verfolgungen und vieles mehr. In vielem kann ich nur zustimmen. Aber was davon hat wirklich mit Religion zu tun? Geht es nicht oft viel mehr um das Machtstreben von Menschen und nicht um Gott? Wir reden weiter über Religion und Gott und Glauben. Und stimmen bald überein: Vieles, was sogenannte religiöse Menschen machen, hat mit Gott oder Glauben gar nichts zu tun.

Religion und Frieden schließen sich nicht aus und Glauben und Toleranz sind keine Gegensätze! Im Gegenteil: wie oft hat sich Jesus gerade den Fremden zugewandt! Wie oft hat er Ärger gehabt, weil er sich mit Fremden mehr befasst hat als mit seinesgleichen und wie oft hat er daran erinnert, dass die Friedfertigen selig sind?

Für ihn war klar: Es ist nicht unser Part, zu kämpfen, zu beurteilen oder uns über andere zu erheben! - Der Mann, der sehr krank ist, sagt dann: „Glauben will ich ja schon. Auch, dass ich nicht Angst vor dem Tod haben muss. Aber ich habe mich immer gefragt: Wie kann ich an Gott glauben, wenn in seinen Namen so viel Unrecht geschieht?“

Was Menschen machen und was Gott will, das fällt sicher oft weit auseinander. Immerhin war dieses Gespräch für mich, die Pfarrerin, und für ihn, den Atheisten, eine gute Übung: Wir haben geübt, tolerant zu sein und über unseren Glauben zu sprechen, so unterschiedlich er auch sein mag: Denn er redet sonst nicht mit Kirchenleuten und ich will ihn ja vor allem verstehen und nicht überzeugen. Gemeinsam haben wir erlebt, wie wohltuend es ist, wenn verhärtete Fronten weich werden. Wie gut es tut, wenn gegenseitiger Respekt da ist und Verstehen beginnt. Dann bringt Religion kein Unheil, sondern dann ist das Reden über Glauben schon etwas Heilsames.

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Wenn Menschen einen langen Weg vor sich haben, packen sie einen Koffer. Und neben den Dingen, die man so einpackt, sind es oft auch bestimmte Eigenschaften, die man für eine Reise braucht - Eigenschaften, die mich oder die Gemeinschaft stärken, in der ich lebe. Der Apostel Paulus hat immer wieder Dinge benannt, die Menschen für ihren Weg und ihr Zusammenleben brauchen. Die auf der Lebensreise nicht fehlen sollten. Und einer seiner Sätze spricht noch heute viele Menschen an: „Nun aber bleiben Glauben, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Was für ein leuchtender Satz, bis heute! Paulus beschreibt die Liebe als Möglichkeit, die jeder Mensch in sich trägt. Und er erklärt: Es geht um eine Liebe, die geduldig ist und großzügig. Geduld ist eher selten unter Menschen - aber Paulus meint: Bei Gott ist das anders! Er liebt ohne Bedingungen, er vergibt, egal was ist. Diese Art von Liebe übersteigt wohl das, was wir Menschen können. Trotzdem kann sie auf uns abfärben, uns Vorbild sein.

Paulus schreibt weiter: Uns würden alle Reichtümer und alles Können nichts nützen, wenn wir nicht die Liebe hätten. Da steckt etwas sehr Wahres drin: Ein Patient merkt, ob er mit Liebe gepflegt wird oder nur eine Nummer ist.

Ein Kind spürt, dass die Mutter, der Vater oder die Großeltern es lieben und dass es auch in schwierigen Situationen dieser Liebe vertrauen kann. Eine Freundschaft wäre leicht austauschbar und oberflächlich, wenn nicht zu spüren ist: Ich liebe mein Gegenüber, habe Geduld und kann vergeben.

Solche Liebe ist  das, was im Leben trägt. Etwas, was mich aufbaut, wenn ich hilflos bin und was ich anderen geben kann. Viel mehr, als man mit Geld je kaufen könnte.

Und was durch Gottes Liebe möglich ist. Wenn ich Gottes Liebe in meinem Leben fühle und ich mich angenommen fühle, dann fällt es mir leichter, andere anzunehmen und zu lieben. Damit ausgerüstet mache ich mich gerne auf den Weg: Mit dem, woran Paulus uns erinnert: „Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

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Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Ich habe da oft meine Zweifel. Jedenfalls haben mir schon Menschen gesagt: Ich habe die Hoffnung aufgegeben. Das waren manchmal depressive Menschen. Oder auch ein Schwerkranker, dem der Arzt gesagt hat: „Wir wissen nicht mehr weiter.“

Und ich kenne das auch: Es gibt Situationen, in denen es mir überhaupt nicht leicht fällt, zu hoffen. Zeiten, in denen das Leben schwer fällt. Ich habe erfahren: Gerade da ist Unterstützung für meine Hoffnung wichtig. Das eine, was die Hoffnung unterstützen kann, ist das Gebet. Menschen können manchmal nicht selber beten, weil sie sich fragen: Bringt das überhaupt etwas? Wie wohltuend kann es dann sein, wenn andere an einen denken und für einen beten. Das ist wie mit einem Streichholz. Alleine kann es nicht brennen. Aber wenn jemand die Reibung erzeugt, dann entsteht die Flamme. So ist es auch mit der Hoffnung. Sie kann neu entzündet werden, wo der Funke eines anderen überspringt.

Und das andere, was die Hoffnung unterstützt, ist für mich die Zuversicht. In dem Wort Zuversicht steckt das Wort „Sicht“ drin. Wie sehe ich die Zukunft? Zuversicht bedeutet nicht, die Zukunft durch eine rosarote Brille zu sehen. Sondern: tiefer zu sehen und darauf zu vertrauen, dass etwas wieder gut werden kann. Zuversicht ist so etwas wie eine Geh-Hilfe für die Hoffnung.

In der Klinik hat eine Familie mir das vorgelebt. Die erwachsene Tochter war schwer erkrankt, sie wurde auf der Intensivstation schon aufgegeben. Auch jetzt ist sie noch schwer krank. Aber als es am schwierigsten war und die Ärzte keinen Rat mehr wussten, da haben ihre Eltern bei ihr ausgehalten. Sie haben jeden Tag versucht, neue Zuversicht zu haben, und wussten, wie viele für sie beten. Auch jetzt ist der Ausgang noch nicht klar. Aber die geschenkten Tage und die gespürte Zuversicht, die kann ihnen niemand mehr nehmen. Dass Gott an der Seite ist: Diese Hoffnung kann tragen in guten und schweren Tagen und sogar über unsere Lebenstage hinaus. Und manchmal helfen mir andere – mit ihrem Gebet und ihrer Zuversicht, diese Hoffnung wiederzufinden.

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Spring doch! Rufen viele. Ich sehe, wie der Junge hadert. Das ist viel zu hoch, scheint er zu denken. Dann fasst er sich doch ein Herz und springt. Fünf Meter runter ins kühle Nass. Das war Mut!

Jeder Mensch hat andere Situationen, in denen er viel Mut braucht: Der Eine fürchtet sich vor großen Höhen, andere haben Angst vor einer Prüfung oder davor, vor vielen Menschen zu sprechen. Auch einen Fehler einzugestehen kostet Mut. Mut ist eine Eigenschaft, die wir alle brauchen.

Es ist faszinierend zu sehen, wie mutig kleine Kinder sind. Den Eltern bleibt fast das Herz stehen, während das Kind einfach nur darauf aus ist, alles auszuprobieren, ohne Rücksicht auf Verluste. Weil man dabei auch manchmal auf die Nase fällt oder eine Schramme mitnimmt, lernen wir, vorsichtig zu sein. Und manchmal verlieren wir dabei manches von unserem ursprünglichen Mut.

Josua, dem Anführer des Volkes Israel, dem wird der Satz gesagt: „Sei mutig und entschlossen, lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst: Ich, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ So steht es in der Bibel. Ich verstehe das so: Es ist möglich, wieder etwas Mut zurückzuerobern, und der Glaube, dass Gott uns beisteht, kann dabei helfen! Die Gewissheit, dass Gott bei mir ist: Sei mutig und entschlossen!

Ich finde, dieser Satz passt sehr gut gerade dort, wo man nicht nur für sich selber, sondern auch für andere Mut braucht. Wo es darauf ankommt, für andere einzutreten. Wie viel Mut braucht es, etwas zu sagen wenn andere verleumdet werden oder gegen andere gehetzt wird. Sei mutig und entschlossen: lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Mir tut dieser Spruch gut, wenn ich mal wieder Mut und Zivilcourage brauche. Mutig sein für andere ist wichtig und oft noch schwerer als der Sprung vom Fünfmeterbrett – und vielleicht ist heute schon die Gelegenheit, sich etwas von diesem Mut zurück zu erobern.

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Schon wieder Montag! Was hilft, um die neue Woche gut zu schaffen? Ich finde, am Anfang der Woche tut eine ganze Portion Gelassenheit gut. Klingt einfach. Ist es aber nicht. Nur wenige Menschen wirken heutzutage wirklich gelassen. Im Straßenverkehr, im Geschäft oder sonst wo treffe ich oft auf gestresste Menschen. Und ich weiß ja selber, wie schwer es ist im Alltag gelassen zu sein. Dabei wäre das so nützlich!

Manche verdienen heute sogar Geld mit dem Versprechen: So wirst du gelassener! Bieten Workshops und Seminare dazu an und schreiben viele Bücher dazu. Was dazu wohl Meister Eckhart gesagt hätte? Dieser Erfurter Dominikanermönch hatte schon vor mehr als 700 Jahre Ideen zur Gelassenheit. Er wird auch der „Entdecker der Gelassenheit“ genannt. Er meinte: Jeder kann gelassener sein. Es braucht keine Anleitung dazu, man muss dafür kein Geld bezahlen. Allerdings: Üben muss man schon.

Meister Eckhart hat es so formuliert: Nimm dich erst einmal selber wahr. Durch das Wahrnehmen findest Du Dich selber. Und dann lass Dich – lass ab von zu viel Wollen, Planen, Tun. Für Meister Eckhart war klar: Ich brauche keinen Seminarleiter für mehr Gelassenheit. Gott schenkt sie mir. Wenn ich bei mir selber anfange.

Am Anfang der Woche kann das heißen: Nimm Dir mal Zeit, in Dich zu gehen. Und schau, was Du vielleicht lassen kannst. Was bringt diese Woche, was hilft, was stresst? Und ich kann mir klar machen: Das Meiste habe ich gar nicht selber in der Hand, das Meiste kann ich nur auf mich zukommen lassen. Mit Gottvertrauen und ganz gelassen. Solche Gelassenheit ist eine Haltung. Und die gute Nachricht: Ich kann sie einfach und täglich üben, in der Familie, auf der Arbeit, auf der Straße oder im Haushalt. Nimm dich wahr – und lass Dich. Und wenn es heute nur einmal gelingt, ist das schon ein Erfolg!

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