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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Anfangen oder Aufhören. Das ist oft die Frage. Wenn etwas einfach nicht klappen will, wenn unsere Mühe vergeblich, alle Anstrengungen umsonst zu sein scheinen. Dann haben wir irgendwann keine Lust mehr. Dann wollen wir lieber aufhören als dass wir damit noch was anzufangen wissen.

Einmal hat Jesus von einem Ölbaum erzählt, der seinen Besitzer total frustriert, weil er keine Früchte trägt. Jahr um Jahr Fehlanzeige. Da reicht es dem Besitzer. Und er beauftragt seinen Gärtner damit, ihn umzuhauen. Weil mit dem einfach nichts Gescheites anzufangen ist.

Das kennen wir ja auch ganz gut. Denn im Garten unserer Liebesmüh steht ja auch mindestens ein solcher Feigenbaum, ob in echt oder symbolisch. Jeder Mensch hat da seinen ganz eigenen Weinberg, in dem auch so mancher feige Baum steht und vor sich hin astet, ohne dass was dabei rauskommt.

Eltern sind enttäuscht, wenn die Kinder alles anders machen. Aber auch abseits vom Stammbaum passiert Frustration, nämlich überall, wo Menschen miteinander unterwegs sind, wo es um Bringschuld geht.

Wie oft wird Vertrauen enttäuscht, werden Versprechen nicht gehalten, Absprachen vergessen, Zugesagtes nicht ausgeführt. Da möchte man irgendwann wie die Axt im Wald um sich hauen und abhauen.

Aber Jesus erzählt, dass der Gärtner dem kurzen Prozess widerspricht und zu seinem Besitzer sagt:
„Gib ihm noch ein Jahr!“ Noch ein letzter Versuch ist es wert. Gnade vor Recht. Spaten statt Axt.

Und in der Zeit der Verschonung, will sich der Gärtner kümmern und den ganzen Kummer, will düngen und pflegen, fördern und helfen mit seiner ganzen Gärtnerliebe samt grünem Daumen. Da hört man ja von Weitem schon, wie sich der Feigenbaum einen Ast lacht vor Freude über so viel Unterstützung.

Wer möchte da nicht aufblühen und seinen Verhältnissen, Beziehungen, Partnerschaften, Lebenswelten eine neue Chance geben. Gott will, dass wir noch ein weiteres Jahr auf Bewährung freigelassen werden und dabei bewahrt bleiben. Wohl denen, die damit was anzufangen wissen.

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Für neue Anfänge sind wir nie zu alt. Im Gegenteil. Je älter wir werden, umso mehr können wir mit uns anfangen. Die Entwicklungspsychologen, also die Fachleute, die den Lebenszyklus des Menschen erforschen, die behaupten ja, dass wir praktisch alle 7 Jahre spätestens, wieder von vorne anfangen. Unser Leben kennt ganz viele Abbrüche und  Aufbrüche. Ganz viele Schwellen gilt es da zu überschreiten. Irgendwann sind wir kein Kind mehr, wissen aber überhaupt nicht, was wir dann sind, pubertieren uns wund, bis es heißt, wir seien erwachsen jetzt.

Dann versuchen wir alles Mögliche und vor allem Unmögliche in den Griff zu bekommen. Sind überall gleichzeitig unterwegs, werden aus und fortgebildet, eingebildet womöglich auch, bringen unser Leben irgendwie unter Dach und Fach, verpartnern uns waghalsig, bekommen Kinder und  andere Sorgen…Und schon ist wieder ein Stück zu Ende, mittendrin statt nur dabei, haben wir Grenzen und Brüche zu verkraften, machen Erfahrungen, die wir nicht gebraucht hätten, hören immer öfter den Satz: Hauptsache gesund! Schön wärs.

Und dabei bleibt es nicht. Denn das Leben geht weiter mit uns. Und wieder nehmen wir Abschied, von Menschen, die zu uns gehörten, von Aufgaben, die jetzt andere tun, von Ämtern und Verpflichtungen, Unruhestände aller Art kommen auf uns zu.

Es bleibt immer spannend. Wie beim Vater Abraham, dem im hohen Alter noch Gott sagt:
„Geh aus deinem Vaterland, lass alles hinter Dir und komm, ich führ Dich in ein neues nie gesehenes Land.“

Und da packt der sogenannte Vater des Glaubens beherzt seine 7 Sachen, mitsamt seiner Frau Sarah und bricht auf zu neuen Ufern. Völlig ahnungslos aber vertrauensvoll sagt er sich:
Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Wir hören am besten nie auf mit dem Anfangen. Damit wir nicht aus der Übung kommen. Es ist Land in Sicht. Und Gott ist schon da und erwartet uns. Wohin das führt? Wir werden uns noch wundern…

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„Na, habt Ihrs gut angefangen?“ Mit der Frage haben wir uns in den ersten Tagen des Neuen Jahres oft begrüßt. Gut anfangen-ist wichtig. Was braucht es, damit wir was Gutes anfangen mit 2019.

Unsere Kirche hat ja für jedes Jahr eine Losung. Da wird ein Bibelwort ausgesucht, das wie ein Motto über allem stehen soll. Wie ein Programm, eine Ansage für die to do Liste des neuen Jahres. Sie lautet für 2019:

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ „Give peace a chance!“ Gib dem Frieden eine Chance! So singt John Lennon in seinem weltbekannten Friedenslied. Jeder hat eine Chance verdient. Der Friede auch.

Während die Nachrichten aus Fern und Nah gleich wieder vom Gegenteil berichten, beruft uns die Losung des neuen Jahres zu Gottes Friedensboten. Wir sollen geschickte Leute sein. Mit einem klaren Auftrag. Wir sollen herausfinden, wie  man Frieden macht. Der Friede soll sich ausbreiten, wie eine ansteckende Gesundheit. Er will gesucht und gefunden werden. Wir sind hochbegabte in Sachen „Give peace a chance! Eigentlich sind wir das.

Haben Sie Lust und Liebe dafür, erfinderisch in diesem Jahr unterwegs zu sein in Sachen Friedensmission?

Und das nicht nur ein bisschen, nicht halbherzig langsam, zögerlich ungewiss, sondern mit jeder Menge speed, rasend fast, jagend jedenfalls, schnell allemal. Wir haben nämlich keine Zeit mehr zu verlieren. Schnell muss der Friede her.

Es ist meines Wissens noch völlig offen, wer in diesem Jahr den berühmten Friedensnobelpreis bekommen wird. Aber potentielle Kandidaten dafür sind wir um Gottes Willen alle. Ich gratuliere Ihnen schon heute dazu, alleine deswegen, weil Sie alle mit viel Phantasie und Erfindungsgeist dem Frieden auf die Spur kommen wollen in ihrer Umgebung, bei allem, was Sie heute tun. Und der Friede Gottes bewahre ihre Herzen und Sinne dabei.

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Gott ist auch ein Anfänger! Überhaupt ist er der Anfang von allem. Denn die Bibel sagt im allerersten Satz:
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde!“ So fängt also alles an. Und was macht Gott da als erstes? Er macht Licht. Und Gott sprach: „Es werde Licht! und es ward Licht!“

„Mach doch mal das Licht an!“ Bis heute ist es doch so. Wir starten in den Tag und machen als erstes mal Licht. Im Dunkeln finden wir den Anfang nicht. Wir tappen im Dunkeln. Bis uns etwas einleuchtet. Sonnenaufgang ist angesagt, damit das Leben starten kann.

Und was sind wir doch froh, wenn die Tage jetzt wieder länger werden und es mehrt Licht gibt als Nacht. Übrigens sagen die Leute bis heute auch, wenn ein Kind geboren ist: „Es hat das Licht der Welt erblickt.“

Natürlich könnte man auch pessimistisch sagen: Das arme Kind hat jetzt auch Anteil an der Dunkelheit dieser geplagten Welt. Das würde ja leider auch allzu sehr zutreffen. Aber so reden wir Gott sei Dank nicht. Lieber sprechen wir vom Licht der Welt. Wir sind Lichtmenschen. Wollen lieber hellsehen, als schwarzmalen.

Jesus sagt einmal zu seinen Freunden und Freundinnen:
„Ihr seid das Licht der Welt!“ Für ihn war klar: Wir Menschen haben vor allem die Aufgabe, hier Licht zu machen. Bis auf Weiteres sind wir also zuständig hier und heute für Helligkeit zu sorgen. Sollen einander heimleuchten und nicht hinters Licht führen. Klar sein, einander mit einem strahlenden Gesicht begegnen.

Wenn wir das verstanden haben, wird uns ein Licht aufgehen, wie das Sprichwort sagt. Ganz schön helle, was?

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Aller Anfang ist schwer! „Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll!“ Ein Klassenkamerad sagte das früher immer, wenn wir einen Aufsatz schreiben sollten. Dann saß er, oft die erste volle Stunde komplett vor dem leeren Blatt und war verzweifelt. Erst recht, wenn dann unser Deutschlehrer seine bedrohlichen Runden im Schulsaal drehte und jedes Mal die Stirn runzelte beim  besorgten Blick über die Schulter.

„Ich weiß einfach nicht, wie ich anfangen soll!“ Der erste Satz ist der schwerste. Wenn der erst mal gefunden ist, dann läufts wie von allein. Fast. Wie oft sitzen wir vor einem Problem und starren es an wie ein leeres Blatt und wissen einfach nicht, wie wir anfangen sollen.

Wie oft warten wir darauf, dass ein anderer anfängt, was zu sagen und das elende Schweigen durchbricht. Wie erlösend kann es sein, wenn endlich einer anfängt und den Mund aufmacht. Erlösende erste Worte und Sätze und Zeilen sind das. Sie sind wie Türöffner und Einstiegsluken.

Wenn wir uns heute Morgen wieder begegnen, im Bad, auf dem Flur, am Küchentisch, im Treppenhaus, an er Haltestelle, auf der Straße, im Geschäft-welche ersten Sätze und Bemerkungen werden da fallen?

Das wird auch heute wieder spannend und geheimnisvoll. Wie werden wir heute das Konzept des Tages aufsetzen? Der erste Satz für den Aufsatz. Das erste Wort nach langem Schweigen. Die ersten Sätze beim Start in den Tag. Aller Anfang ist schwer.

Dabei helfen kann uns, wie Gott das macht. Er hat nämlich sein erstes Wort über uns schon gesprochen. Und das heißt: JA! Ja, ich will Dich! Ja, du sollst leben und da sein und kein unbeschriebenes Blatt bleiben. Ich will heute ganz viel mit Dir anfangen.

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Anfänger sind unterwegs. Überall und irgendwo- immer. Vor ein paar Tagen habe ich wieder mal einen getroffen. An der Ampelkreuzung. Vor mir ein Kleinwagen mit einem Aufkleber, auf dem ANGFÄNGER steht. Da weiß man doch gleich Bescheid. Jemand teil aller Welt mit:
„Achtung Leute, ich habe zwar den Führerschein, aber fahren lernen, das muss ich erst noch.“ Es wird grün, aber das Auto vor mir bleibt stehen. Hinter mir hupen sie schon.

Und ich sehe im Rückspielgel wie mein Hintermann schimpft. So muss man aber doch niemanden anfahren, nur weil der nicht gleich anfährt. Endlich geht’s los. Der Anfänger startet behutsam. Geht doch. O, man hats nicht leicht als Anfänger in der Welt der Alleskönner. Dabei sagt sein Aufkleber am Heck doch ganz bescheiden:

Achtung, ich übe noch. Seid ein bisschen nachsichtig mit mir. Ich bin noch nicht so lange dabei wie ihr. Ich mach noch viel verkehrt im Verkehr.

Anfänger sind unterwegs. Überall und irgendwo-immer. Nicht nur auf der Straße. Und jetzt, im noch jungen Jahr sind wir alle Anfänger. Gerade erst haben wir mit diesem Jahr 2019 angefangen.

Starten und warten sind noch sehr nah beieinander. Was fangen wir an? Womit hören wir auf? Wohin geht die Reise mit mir, mit uns, im Beruf, in der Familie, im Miteinander hi und da?  Die Ampel ist schon grün, alles ist wieder auf Anfang gestellt. Und jetzt üben wir, versuchen was Vernünftiges anzufangen mit der neu geschenkten Zeit.

Da tut es gut, dass Gott uns Anfänger mag. Ja er liebt es, wenn seine Leute sich aufmachen und ihren Weg in die Zukunft suchen.

Und damit sie nicht zu lange an der grünen Ampel stehen bleiben, ruft er allen zu:
Fürchte Dich nicht, Du Anfänger! Fahr los trotz Gefahren, ich will ein mitreisender Begleiter für Dich sein. Es gibt ja das begleitete Fahren für Anfänger. Gott sei Dank! Also: Grüner wird’s nicht. Gute Fahrt!

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