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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Aus dem Blickwinkel Gottes gesehen ist die Welt gut. So steht es im ersten Buch der Bibel, im Buch der Schöpfung. Gott betrachtet die gerade fertiggestellte Welt und kommt zu dem Urteil: Siehe alles ist sehr gut.

Die Menschen scheinen dem aber nicht zu trauen. Heutzutage jedenfalls geht es überall um Bewertungen. der neue Staubsauger oder das zuletzt erstandene Buch, die Urlaubsunterkunft oder das Essen im Lieblingsrestaurant. Alles soll bewertet werden. Denn gute Bewertungen erhöhen den Marktwert eines Produktes. Es gibt mittlerweile Menschen, deren Beruf es ist Kundenbewertungen zu schreiben und im Netz zu platzieren. Das Bewerten ist zu einem Wirtschaftszweig geworden.

Und nicht nur Dinge, sondern auch Menschen werden auf diese Weise bewertet. Liken heißt das. Gut finden – könnte man es übersetzen. Als Symbol dafür gibt es den nach oben gestreckten Daumen.

Alle wollen gut gefunden werden. Das kann ich verstehen. Das möchte ich auch. Aber wird man so nicht abhängig vom Urteil anderer? Manche tun Dinge nur noch , um möglichst oft geliked zu werden. Das Anhäufen von likes wird zur Antriebskraft für das, was man von sich selbst preisgibt. Und wenn die likes ausbleiben wird das oft als Kritik an der eigenen Person verstanden.

Wie gut, denke ich da, dass Gott sein Urteil schon längst abgegeben hat! Aus dem Blickwinkel Gottes gesehen ist die Welt gut. Und Gott gibt den Menschen auch eine Anleitung an die Hand, wie man diesen Blickwinkel einüben kann. Am Sonntag, nachdem Gott die Welt geschaffen hatte, hat er sich Zeit genommen. Ausgeruht. Um alles mit Liebe zu betrachten, was er geschaffen hat. Jeden Sonntag können wir das wiederholen. Können uns Zeit nehmen und es Gott gleich tun. Und dabei erfahren: Was man mit Liebe betrachtet, das wird von alleine schön. Das find ich gut. Das kann ich liken! 

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Ich habe einen Pakt geschlossen mit Gott. Das dachte ich zumindest. Ich habe ihm einen Tausch angeboten: Wenn Du meine Lieben verschonst habe ich gesagt, dann werde ich einen Teil meines Gehaltes spenden. Jeden Monat. Für den Rest meines Lebens. Ich habe gedacht: Gott müsste doch ein Interesse haben an einem so guten Tausch. Er hält das Leid fern von denen die ich liebe und dafür kann mit meinem Geld an anderer Stelle vielleicht Leid verhindert werden. Um es gleich zu sagen: Es hat nicht funktioniert. Weder Krankheit noch Tod konnte ich fernhalten von denen, die ich liebe.

Was ich daraus schließe: Mit Gott kann man nicht handeln. Mit ihm kann man auch keine Geschäfte machen! Die Bibel, die Quelle aus der wir von Gott wissen, verschweigt das gar nicht. Ganz im Gegenteil. Sie ist voller Geschichten in denen Menschen mit Gott hadern, weil er unvorhersehbar ist. Selbst Jesus, Gottes Sohn, hat diese Erfahrung gemacht. Als er verurteilt worden ist, verspottet und gefoltert, als er am Kreuz hängt da hat er Gott angeklagt: Mein Gott, mein Gott warum hast Du mich verlassen?  Gott ist daraufhin nicht vom Himmel herabgestiegen und hat Jesus vor dem Tod bewahrt. Jesus ist gestorben.

Und trotzdem. Viele Menschen vertrauen sich diesem unberechenbaren Gott an. Immer wieder. Als ich eine ältere Freundin frage, warum sie an Gott festhält, obwohl er so unberechenbar ist da sagt sie: Du hast recht: Mit Gott kann man nicht rechnen. Gott ist ja keine Maschine. Wenn Gott wie eine Maschine wäre die man berechnen könnte, dann könnte er aber auch nie barmherzig sein. Niemals verzeihen. Niemals lieben. Und das wäre doch schrecklich. Mit Gott kann man nicht rechnen, zum Glück. Denn ich habe trotzdem erfahren: Wenn es in meinem Leben schlimm kam, da konnte ich mich auf Gottes Beistand verlassen. Mit Gott kannst Du nicht rechnen, aber Du kannst immer auf ihn zählen!“ 

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Manchmal bin ich erschöpft und verzagt. Ich gebe mir so viel Mühe, aber irgendwie klappt es nicht. Aber das muss nicht so bleiben. Das lerne ich von Simon, dem Fischer.

Simon war nicht besonders erfolgreich in seinem Beruf. Auf jeden Fall nicht an diesem Tag. Oft ist er schon aufs Meer hinaus gefahren. Vergeblich. Das war schlimm, denn wovon sollte er sich und seine Familie ernähren, wenn er keine Fische gefangen hat? Simon war erschöpft und verzweifelt. Da hat er einen Fremden getroffen. Jesus. Der hat Simon freundlich angesprochen. Er hat ihn ermutigt. Geh! Fahr noch einmal hinaus. Ich bin sicher – jetzt wird es klappen.

Simon hat ihm vertraut. Er sagt: „Ich werfe die Netze aus – auf Dein Wort!“

Die Netze auswerfen – die Fühler ausstrecken. Darauf vertrauen: Was mir begegnet, wird gut sein. Die Mühe lohnt! Mutig sein, ohne an die mögliche Enttäuschung zu denken. Simon hat sich das getraut. Er hat Jesus vertraut. Auf sein Wort hin hat er der Sache noch eine Chance gegeben und sich erneut aufgemacht. Obwohl er schon einmal gescheitert ist. Obwohl er schon enttäuscht wurde. Obwohl er gewusst hat, wie vergeblich das sein kann. Aber was Jesus geagt hat, hat ihm eingeleuchtet.  . Es schenkt ihm Hoffnung gegen alle Erfahrung. Und er wird belohnt. Seine Netze füllen sich – auf Jesu Wort hin macht er einen großen Fang. Und sein Leben ändert sich von Grund auf.


Mit solch einem Vertrauen möchte ich gerne durchs Leben gehen. Mein Netz auswerfen. Tun, was zu tun ist und Gutes erwarten. Von den Menschen und vom Leben. Ich will auf Worte hören, die mir diese Hoffnung schenken. Und ich glaube dazu muss ich sehr aufmerksam sein. Denn es könnten ja Gottes Worte sein, die ich höre. Ich glaube, Gottes Wort kommt auf ganz unterschiedlichen Wegen zu uns Menschen. Und oft von unerwarteter Seite. Seit Jesus nicht mehr persönlich unter den Menschen lebt, schickt Gott Boten und Botinnen, die sein Wort an den Mann und die Frau bringen. Und mir Mut machen, es neu zu probieren.

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Bei mir um die Ecke hängt an der Tür eines Hauses das Bild eines Hundes. Darunter hat jemand etwas geschrieben. Das hat mich neugierig gemacht. Ich bin hingegangen uns habe gelesen, was da stand. Es ist ein Abschiedsbrief gewesen. Der Hund auf dem Foto, er hieß Hannibal, verabschiedete sich von den Menschen in seiner Nachbarschaft. Offenbar ist er gestorben. In seinem Abschiedsbrief bedankte er sich bei allen, die ihn in seinem Leben begleitet haben. Bei der Nachbarin, die ihm immer etwas Leckeres vom Metzger mitgebracht hatte. Bei den Schulkindern, die ihn so gerne gestreichelt hatten. Danke, hieß es da zum Schluss, ohne Euch wäre ich niemals der liebe Kerl geworden, der ich war.

Natürlich haben Hannibals Besitzer diesen Brief geschrieben und nicht Hannibal selbst. Aber ich finde, sie haben das richtig gut gemacht. Die Formulierung: „Sterben wie ein Hund“ verliert dabei etwas von ihrem Schrecken. Und es steckt in diesem Brief eines Hundes sogar etwas, das mir Mut macht für mein eigenes Sterben.

Ich wünsche mir auch, beim letzten Blick auf den Weg, den ich gegangen bin, Dank zu empfinden. Dank für die Menschen, die diesen Weg gekreuzt haben. Dank für ihre Aufmerksamkeiten und die Streicheleinheiten, die sie mir entgegengebracht haben.

Wenn ich einmal sterbe und nicht mehr selbst Danke sagen kann, dann möchte ich, dass ein anderer Danke sagt in meinem Namen. So wie es Teil einer christlichen Bestattung ist: Dank an Gott, für die Zeichen seines Segens im Leben der Verstorbenen. Dank für die Menschen, die er in dieses Leben geschickt hat. Gut, wenn das im Moment des Abschieds noch einmal zur Sprache kommt.

Aber noch etwas anderes finde ich im Abschiedsbrief von Hannibal gelungen. Hannibal war offensichtlich ein feiner Kerl. Auch das wünsche ich mir: Zu sterben in dem Wissen: Ich bin ein feiner Kerl gewesen. Nun, „feiner Kerl“ nicht, aber eine tolle Frau vielleicht, oder wie immer ein feiner Kerl in weiblich heißen mag. Es wäre schön, leben und sterben zu können im Vertrauen, immerhin einiges richtig gemacht zu haben. Menschen zu hinterlassen, die sich im Guten an mich erinnern. 

Leben und Sterben wie ein Hund, wenn das so ist wie bei Hannibal, dann ist es gut.

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Vieles ist ganz schön kompliziert in der Welt. Und ich finde, es wird immer komplizierter. Das liegt daran, dass ich immer mehr weiß. Und daran, dass ich immer mehr wissen kann. Ich kann zum Beispiel heute wissen, dass der Luftballon, den ich auf dem Stadtfest in den Himmel steigen lasse, vielleicht zu einem Problem wird für einen Meeresbewohner. Dann nämlich, wenn der Ballon über dem Meer abstürzt und sich ein Tier darin verheddert oder ihn frisst. Wenn ich das weiß, dann will ich den Ballon gar nicht mehr steigen lassen. Dabei fand ich das früher immer sehr schön. Wenn ich so einem Ballon hinterher geschaut habe, wie er immer kleiner wurde.

 Wie gesagt, es ist ganz schön kompliziert. Und weil vieles so kompliziert ist freue ich mich immer, wenn mal etwas einfach ist. So einfach wie ein Satz aus der Bibel, den ich sehr mag. Da steht: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Überraschend oder, dass da von Gott, was so einfaches steht. Wo Gott doch so groß ist und vielfältig, dass viele sagen: Das ist mir zu schwierig. Und wer weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Ich fange gar nicht erst an, mir über Gott Gedanken zu machen. Das ist mir zu kompliziert.

Dabei hat ein christlicher Lehrer ganz am Anfang so etwas Einfaches geschrieben: Gott ist die Liebe. Jeder und jede kennt die Liebe. Und jeder kann lieben. Und schön ist es auch noch. Und es macht Spaß. Es kostet auch nichts. Liebe.

Liebe ist für alle da. Und so ist es auch mit Gott. Gott macht keine Unterschiede zwischen reich und arm. Die Spur die zu ihm führt hat mit Lust und Freude zu tun. Und was er erwartet erfordert keine speziellen Fähigkeiten. Das finde ich wunderbar. Und ich frage mich: vielleicht ist es gar nicht so kompliziert in der Welt – vielleicht ist es viel leichter als ich denke. Dann nämlich, wenn ich meinen innere Kompass an Gottes Beispiel ausrichte. Das heißt – alles was ich tue an der Liebe zu orientieren. Dann fällt es mir gar nicht mehr schwer, auf den Luftballon zu verzichten. Stattdessen schaue ich in den Himmel und sehe zu wie die Wolken ziehen. Denn ich liebe das Meer sehr und alles was darin ist.

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Wenn ich die Worte „Little boy“ höre, dann denke ich an einen kleinen Jungen. Meine Söhne fallen mir ein. Freundlich - freche Jungs, die zu Scherzen aufgelegt sind, aber nichts wirklich Böses im Schilde führen.

Aber heute, am 6. August, da haben diese Worte eine andere Bedeutung. Dunkel und grauenvoll. Little boy, so haben die Amerikaner die Atombombe genannt, mit der heute vor 73 Jahren die Stadt Hiroshima binnen Sekunden in Schutt und Asche verwandelt wurde. Und in der zerstörten Stadt sind Tausende Menschen umgekommen. Viele sofort. Viele in den Tagen und Woche danach an den verheerenden Folgen Ihrer Verletzungen. Bis heute leiden die Menschen dort unter den Nachwirkungen der Bombe.

Gott kam auch als kleiner Junge auf die Welt. In Jesus, dem kleinen Sohn von Maria und Josef. Ich frage mich: Wollten die Menschen damals wie Gott sein, als sie die Bombe warfen. Herren über Leben und Tod. Allmächtig, wie Gott. Haben sie daran gedacht als sie die Bombe so zynisch little boy genannt haben?

Tatsache ist: Sie haben sich dabei in das Gegenteil von Gott verwandelt. Denn der Gott, der als kleiner Junge auf die Welt kam, ist ein Gott des Lebens. So erzählt es die Bibel. Gott schafft Leben. Und von Jesus wird erzählt, dass er Kranke geheilt hat und sogar Tote zurück ins Leben gerufen hat. Die einzige Art, diesem Gott ähnlich zu werden, ist es das Leben zu schützen.

Daran will ich heute denken. Und dafür möchte ich einstehen. Damit meine Söhne und deren Kinder bei den Worten „little boy“ nur noch an kleine freundlich - freche Jungs denken müssen.

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