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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

‚Nur noch kurz die Welt retten! – Unsere Verantwortung für die Schöpfung!‘

Zu diesem Thema sind im Augenblick viele Personen aus unserem alt-katholischen Dekanat im Westerwald beieinander. Da tauschen sich Menschen aller Altersgruppen aus in Gesprächen, Diskussionen und workshops. Der Klimawandel steht ebenso auf dem Plan wie eine Walderkundung, die Existenz der Bienen, Möglichkeiten des Umweltschutzes, Gefahren von zu viel Plastik u.a.m.

Ich bin da sicher: Jede und jeder von uns kann etwas bewegen…!

Dass Fragen, die in Zusammenhang von Umwelt, Klimawandel und Naturschutz immer aktuell sind, zeigen Blicke ins politische Weltgeschehen. Über Äußerungen des derzeitigen amerikanischen Präsidenten kann ich nur den Kopf schütteln, wenn dieser den Klimawandel wiederholt als ‚Erfindung‘ bezeichnet hat.

Der Bischof von Rom, Papst Franziskus hingegen, macht in seiner Enzyklika ‚Laudato si‘ klar, dass wir alle mit Verantwortung tragen für das, was passiert, wenn er schreibt: „Es besteht eine sehr starke wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems befinden. Die Menschheit ist aufgerufen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um diese Erwärmung (…) zu bekämpfen.“ (LS 23)

So das Zitat aus ‚Laudato Si‘.

Wir können etwas dafür tun, dass ethische Mindeststandards eingehalten werden, dass gerechte Löhne bezahlt werden, dass Lebensräume geschützt werden. Es ist nicht so, dass wir als Konsumenten keine Macht hätten. Mit unserem Verhalten können wir mit dazu beitragen, wohin der Weg geht. Ich muss es nur wollen!

Es liegt auch an uns! Werden wir aufmerksam und wecken wir Interesse an dem, was wir essen, was wir an Kleidung kaufen und an der Art und Weise, wie wir leben!

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Vor kurzem musste ich mit dem Auto einen Umweg nehmen. Ich hatte keine Lust, früh am Morgen mitten in der Stadt im Stau zu stehen. Also entschloss ich mich für den etwas weiteren Weg durch einige andere Straßen und ich hatte Glück: Durch den Umweg kam ich schneller ans Ziel.

Von Umwegen ist in der Bibel auch die Rede. Natürlich nicht in Zusammenhang mit Autos, Staus und Umleitungen. Aber im Hinblick auf Menschen. Eine solche Weg-Geschichte  ist vielen bekannt. Sie findet sich im Lukas-Evangelium.

Auf einem Guts-Bauernhof bittet der jüngere Sohn seinen Vater um sein Erbteil. Er bekommt es ausgezahlt, geht weg und hat das Geld in kurzer Zeit für seine flotte und lockere Lebensweise ausgegeben. Schließlich geht es ihm immer schlechter. Er hat nichts mehr zum Leben, fühlt sich am Ende, seine Lage ist aussichtslos. In dieser Ausweglosigkeit geht er in sich. Schließlich wagt er es, doch wieder nach Hause zu gehen und seine Schuld einzugestehen. Als er noch weit entfernt ist von seinem Zuhause, sieht ihn sein Vater. Er geht ihm entgegen, freut sich über das Wiedersehen mit seinem Sohn und feiert ein großes Fest. „Er hatte Mitleid mit ihm“- so wird über den Vater geschrieben und „Er wurde von Erbarmen bewegt“, wie es in einer anderen Übersetzung heißt. Der Vater macht keine Vorwürfe und er rechnet nicht auf; er weiß einfach, was jetzt ‚dran ist‘.

Ich bin sicher: Jesus erzählt diese Geschichte, weil er uns sagen will, wie Gott ist:

Wie ein Vater oder eine Mutter, die ihre Kinder über alles lieben.

Manchmal ist so etwas wie ein Umweg im Leben nötig, damit dies erfahrbar wird:

Die Tür steht immer offen. Jede und jeder von uns kann zu diesem Gott umkehren, jederzeit. Wir werden mit offenen Armen empfangen.

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Es gibt Gespräche, bei denen gewinne ich den Eindruck, dass mir die Person gegenüber gar nicht zuhört. Vielleicht ist sie mit ihren Gedanken völlig woanders, vielleicht will sie einfach nur von sich erzählen. Auf jeden Fall bleibt bei mir so etwas wie Ärger oder Frust zurück. Wenn dies bei Gesprächen mit ein und derselben Person immer mal wieder vorkommt, dann spreche ich dies natürlich an. Ich hoffe, wert-schätzend und nicht verletzend.

Auch der bekannte Schriftsteller Mark Twain hatte vor vielen Jahren die Erfahrung gemacht, dass Menschen viel zu oft einander nicht richtig zuhören können oder wollen! Von ihm kenne ich folgende Geschichte: Zu einer großen Gesellschaft ist er einmal bewusst zu spät gekommen. Als Letzter. Er ging sofort zur Gastgeberin und bat um Entschuldigung: „Ich konnte nicht früher kommen, ich musste zuerst noch jemanden umbringen, und das hat eine Weile gedauert.“ Die Gastgeberin klopfte ihm auf die Schulter, lächelte und sagte: „Aber ich bitte Sie, das macht doch nichts. Wir freuen uns, dass Sie trotzdem kommen konnten!“

Hören und doch nicht Zu-Hören. Das erlebe ich immer mal wieder. Ich gebe zu, nicht nur bei anderen, auch bei mir. Auch ich selbst muss und kann es immer wieder lernen: Das Zuhören! Das jedoch ist nicht in erster Linie eine Frage des Hören-Könnens. Es ist zuallererst eine Frage des Zuhören-Wollens.

Wenn das gelingt, dann hören wir einander nicht nur. Wir verstehen uns auch!

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Rote Paprikaschoten finde ich sehr lecker. Gefüllt mit Reis oder Hackfleisch als warmes Essen, aber auch köstlich zu knabbern zwischendurch. Im Supermarkt suche ich mir eine aus und lege sie auf das Band an der Kasse. Jetzt erst merke ich, dass sie am Stiel eine große weiche Stelle hat. Die Kassiererin sieht es auch und fragt, ob ich sie umtauschen will. Durch den ganzen Markt zurück und wieder anstellen – nee, das ist mir zu blöd. Auf dem Wochenmarkt hätte ich jetzt gehört „ich lasse sie Ihnen billiger“, aber im Supermarkt ist alles eingepreist, 3,99 für ein Kilo und ich zahle 1,26 für die Paprikaschote mit der Macke. Was würde passieren, wenn ich sie nicht mitnehme? Die Kassiererin ist neu und weiß es nicht. Ich kann es mir denken, die Marktleiterin bestätigt das auch: sie würde abgeschrieben und weggeworfen. Blitzschnell hatte ich mich zu entscheiden, was ich tue. Vorrangig aus Bequemlichkeit und um Zeit zu sparen, habe ich die Paprikaschote nicht umgetauscht.

Und natürlich weiß ich auch, dass jeder Deutsche pro Jahr 82 kg Lebensmittel wegwirft, das sind insgesamt in Deutschland 6,7 Millionen Tonnen….daran will ich mich so wenig wie möglich beteiligen. Wenn Brot schimmlig wird, dann tue ich es weg, aber ich achte sehr darauf, dass nichts schlecht wird und Reste friere ich ein.

Es gab aber noch einen dritten Grund für meine Blitzentscheidung an der Kasse.

Ich finde es grundsätzlich nicht richtig, wenn man wegen einer Kleinigkeit etwas, was eigentlich gut ist, wegschmeißt. Die Paprika wird wegen einer Macke von vielleicht 8 %  abgeschrieben und weggeworfen. Wenn man das mit mir machen würde…92 % sind ok, eine Macke von 8 % führt dazu, dass ich weggeworfen werde… ich trage eine Brille, reicht das schon für die 8 % Punktabzug?

 

 

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Im Auto überkommt mich so ein komisches Gefühl, das ich erst gar nicht einordnen kann. Plötzlich fange ich an zu weinen und aus mir bricht es heraus: „Mutter, es ist nicht schön ohne dich. Es ist überhaupt nicht schön.“ Ich bin in Neuwied, der Stadt, wo ich aufgewachsen bin und meine Mutter vor ein paar Monaten verstorben ist. Sie war 89, und es ging ihr die letzten Monate nicht gut, also war der Tod willkommen. So wollen mich Freunde trösten und ich versuche auch, es mir selbst zu sagen. Aber es tröstet mich nicht.

 

Ich bin schon 61, ein Kind in dem Alter braucht die Mutter nicht mehr so dringend, versuche ich es mit Selbstironie. Aber das tröstet mich nicht.

Mein Patenkind war 12, als ihr Papa an Krebs gestorben ist. Heute ist Lea 18, man kann mit ihr darüber reden.

Was hat dich damals getröstet, als der Vater gestorben ist? Die Antwort überrascht mich – und doch auch nicht: Majestro hat sie getröstet. Das ist der Bernhardiner, den der Vater und sie kurz vorher bekommen hatten. Sie waren jeden Morgen zusammen mit dem Hund unterwegs – eine gemeinsame Zeit, nur sie und der Papa, und Majestro. Der war nach dem Tod die Brücke zum Vater und ihr größter Trost.

Aber für mich wäre das kein Trost.

Es gibt ein altes Wort, das fällt mir ein: ich bin untröstlich. Es klingt komisch und ich hätte es von mir selber nie gedacht, aber bis jetzt habe ich nichts gefunden, was mich wirklich tröstet. Ablenkung natürlich und ich denke auch nicht dauernd an die Verstorbene, aber ganz unerwartet überfällt mich immer wieder eine tiefe Traurigkeit. Ich weiß, dass es vielen anderen Hinterbliebenen auch so geht.

Und dann rede ich mal mit dem DEM da oben und sag zu ihm:

pass gut auf unsere Mutter auf. Und mach es ihr schön!

Das hat er glaub ich gehört. Ich spüre das in meinem Herzen. Und ich fühle mich getröstet.

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Ich könnte am Wochenende mal wieder Hackbraten machen. Meistens essen wir vegetarisch, aber manchmal machen wir eine Ausnahme. Hacki mit Schafskäse gefüllt ist auch wirklich lecker. Altes Brot ist reichlich da, passt also. Nur: wo kaufe ich das Fleisch?

Früher war mir das egal, im Supermarkt, oder beim Metzger, wo man halt grade vorbei kam. Aber in den letzten Jahren bin ich kritischer geworden. Ich habe zu viel gelesen über Hühner, die auf winzigstem Raum gehalten werden. Und über Schweine, die lange Strecken zu irgendwelchen Schlachtern gefahren werden, unterwegs kein Futter, nichts zu trinken, quälende Enge. Rinder genauso. Die sind ja Herdentiere und brauchen Auslauf; sie mögen es, stundenlang auf weichem Wiesenboden herumzuziehen und zu grasen. Aber viele werden in Ställen auf Steinböden gehalten und mit Antibiotika vollgestopft.

Werd doch Vegetarierin, sagen Freunde zu mir. Ja, das wäre vielleicht richtig, aber gelegentlich esse ich einfach gern mal ein Hühnerbein oder ein Salamibrot. Oder eben Hackbraten.

Also befrage ich den Metzger in der Nähe, wo er sein Fleisch herbekommt. Schweine und Rinder aus der Eifel, das ist schon mal gut.  Das Geflügel kommt von einem großen Hof in Westfahlen. Auf Anfrage erklärt mir der Betreiber, dass das Geflügel gesetzeskonform gehalten wird. Na, das kann ich mir vorstellen, wem diese Gesetze nutzen und wem nicht. Bleibt noch der Hofladen im Nachbarort. Da gibt es nur ganze Hühner, keine Hähnchenteile, und auch nur, solange der Vorrat reicht. Und die Kühe und Schweine sehe ich draußen rumlaufen. Das Leben vor dem Tod scheint schön zu sein. Solange ich noch keine Vegetarierin bin, kaufe ich hier mein Fleisch. Klar ist das teurer als im Supermarkt, aber zwei, drei Mal im Monat – das geht. Und der Hacki ist köstlich.

 

 

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