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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Die Kirche: ein bunter Haufen! Viele werden es kaum glauben, aber wer beim Katholikentag in Münster die Kirchenmeile abschreitet, der kann sich davon überzeugen. Von A wie Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter bis Z wie Zentralverband der Mitarbeiterinnen in Einrichtungen der katholischen Kirche, lässt sich da alles finden. Da gibt es Gruppen mit ganz frommen Namen wie die Gemeinschaft der Seligpreisungen oder die Legion Mariens. Genauso aber auch den Bund der religiösen Sozialistinnen und Sozialisten und das Netzwerk der katholischen Lesben, das Heimatwerk Schlesischer Katholiken wie die Gruppe, die sich für die  Rehabilitierung von Opfern der Hexenverfolgung einsetzt. Es ist ein ganz schön bunter Haufen, der sich da unter dem Dach der katholischen Kirche trifft. Hier stehen Menschen nebeneinander, die zum Teil recht gegensätzliche Interessen vertreten, sowohl politisch als auch religiös. Gruppen, die sich dafür einsetzen, dass sich in der Kirche möglichst wenig verändert oder sogar gewisse Reformen wieder zurück genommen werden und Gruppen, denen die Reformen nicht schnell genug gehen. Dass es dabei nicht immer nur harmonisch zugeht, das versteht sich von selbst. Aber alle gehören irgendwie dazu. Fragt sich, was diesen Haufen zusammenhält. Der Papst? Die Bischöfe? Der gemeinsame Ritus? oder gar die Dogmen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es gut für die katholische Kirche ist, ein bunter Haufen zu sein. Denn katholisch kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt: Welt umfassend – also für alle. Bei diesem Anspruch müssen viele ganz unterschiedliche Menschen in der Kirche Platz haben. 

 

Und ich bin sicher, dass viele evangelische Christinnen und Christen in diesem Sinne auch katholisch sind. Sowie viele Katholiken auch evangelisch sind, weil sie versuchen nach dem Evangelium, der guten Botschaft Jesu, zu leben.

Deshalb: Nächstes Jahr beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund wird es bestimmt auch eine Kirchenmeile geben. Und die ist dann sicherlich genauso bunt – Gott sei es gedankt!

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Ich muss meinen Alltag auch mal unterbrechen. Mal etwas tun, was ich nicht jeden Tag mache. Etwas, was nicht unbedingt zu meinen Verpflichtungen zählt. Etwas, was ich freiwillig mache und woran ich Spaß und Freude habe.

 

Seit Mittwoch unterbrechen tausende Menschen ihren Alltag in Münster  beim Katholikentag. Sie kommen freiwillig und haben Spaß daran.  Ein Katholikentag unterbricht  den kirchlichen  Alltag. Der ist nämlich oft sehr mühsam und geprägt von viel Kleinkram. Viele Mitarbeiter und vor allem Mitarbeiterinnen, denn die meisten Aktiven in der Kirche sind Frauen, rackern sich ab. Die meisten ehrenamtlich. Investieren viel Zeit und Energie, um die Kirchengemeinde vor Ort am Laufen zu halten. Und sie sind manchmal ganz schön frustriert. Lange Diskussionen ohne Einigung,  aufwendig vorbereitete Veranstaltungen und  kaum Resonanz, und dazu immer mal wieder unverständliche, ja manchmal ärgerliche, Sätze von der Kirchenleitung. Das ist der kirchliche Alltag. Und da tut es einfach gut, diesen Alltag mal zu unterbrechen. Sich mit vielen zu Treffen, zu feiern, große Gottesdienste zu erleben und  zu merken: Ich bin nicht allein. Natürlich wird beim Katholikentag auch gestritten – manchmal sogar ziemlich heftig – aber jeder findet für seinen Standpunkt auch Verbündete. Trotz aller Diskussionen, überwiegt das Gemeinschaftserlebnis. Zugestanden, dass kann aussehen wie eine Flucht aus dem Alltag. Und doch möchte ich es so nicht nennen. Denn die meisten, die zum Katholikentag fahren, kehren anschließend wieder in den alltäglichen Kleinkram ihrer Kirchengemeinde zurück. Bestärkt und motiviert für das, was sie dort erwartet.

 

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Morgen ist nicht nur Vatertag, sondern auch Christi Himmelfahrt, ein kirchlicher Feiertag. Die Bibel erzählt, dass Jesus vor den Augen der Jünger in den Himmel aufgefahren ist. Wörtlich sagt der Evangelist Lukas, „eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“ Und dann haben sie wohl recht dumm da gestanden, die Jünger. Und erstmal mit offenem Mund in den Himmel geschaut.  Und wie häufig in der Bibel, wenn wir Menschen mal  wieder dumm da stehen und nichts kapieren, hat Gott ein Einsehen und schickt Engel. Und die sagen den verdutzten Jüngern? „Ihr Männer von Galiläa, was schaut ihr zum Himmel empor?“ Soll wohl heißen: „Auch wenn Jesus jetzt im Himmel ist, ihr seid auf der Erde und um die habt ihr Euch zu kümmern!“

 

Heute Abend beginnt in Münster der Deutsche Katholikentag. Und da geht es auch um die Erde, um das Zusammenleben von uns Menschen und was wir Christen dazu beitragen können, damit das gelingt. Das Motto: „Suche Frieden“. Es ist die Kurzform von einem Satz aus dem Psalm 34. Dort heißt es: „Suche den Frieden und jage ihm nach.“ (Ps 34, 15b) Mir gefällt besonders der zweite Teil des Satzes: „Jage ihm nach.“ Er macht mir klar, dass der Friede nicht einfach so vom Himmel fällt. Einfach still in der Ecke sitzen oder eben in den Himmel schauen, das reicht nicht. Man muss sich hier auf der Erde für den Frieden einsetzen. Dagegen halten, wenn in den so genannten sozialen Medien, Hassparolen verbreitet werden. Den Mund aufmachen, wenn am Stammtisch Menschen verachtende Sprüche gegen Minderheiten losgelassen werden. 

Die Engel haben recht, allein vom in-den-Himmel-schauen kommt der Friede nicht auf die Erde. Und deshalb gibt es bei einem Katholikentag nicht nur Gottesdienste, Gebete und Konzerte, sondern ebenso politische Informationen, Diskussionen und Forderungen. „Suchet den Frieden und jaget ihm nach“, ein guter Satz aus dem Psalm 34, besonders wenn er nicht nur gebetet wird.

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Der 8. Mai hat zwei Namen in der Deutschen Geschichte: Tag der Kapitulation und Tag der Befreiung. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg.

 

Militärisch gesehen aus deutscher Sicht mit einer Kapitulation und zwar einer bedingungslosen. Die deutschen Offiziere Keitel, Friedeburg und Stumpf  unterzeichnen diese im Namen des deutschen Oberkommandos. Hitler hatte sich bereits am 30. April durch Selbstmord der Verantwortung entzogen. Wer bedingungslos kapituliert, hat nichts mehr mit dem er punkten könnte. Er unterwirft sich dem andern total. Es ist die absolute militärische Niederlage.

Auf der anderen Seite war der Tag ein Tag der Befreiung. Mit dem Zweiten Weltkrieg undder Niederlage Deutschlands endete eines der schlimmsten Unrechtsregime, die es jemals gab. Vor 33 Jahren hat der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede im Bundestag diesen Aspekt des 8. Mai herausgearbeitet: „Wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.“ Aus dem Ende, der absoluten Niederlage ist eine bessere Zukunft geworden. Nicht nur für Deutschland sondern für ganz Europa, auch weil die Sieger sich nicht vom Gedanken der Rache, sondern von dem der Versöhnung haben leiten lassen.

Ich denke an die vielen Kriegsregionen, die wir heute haben: Syrien, Jemen, Sudan, Ukraine und viele andere.  Wie befreiend könnte es sein, wenn hier mal einer – egal welche Seite – kapitulieren und die Gegenseite die Hand zur Versöhnung reichen würde.

Und was für die großen Kriege unter den Völkern gilt, gilt letztlich auch für meine eigenen persönlichen Kleinkriege: Mit Kollegen, Nachbarn, ehemaligen Partnerinnen oder wem auch immer. Hier mal zu kapitulieren, eine Niederlage einzugestehen, kann zu einem Tag der Befreiung werden.

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In diesem Jahr wird ausnahmsweise mal zuerst der Vater geehrt bevor die Mutter dran ist. Am Donnerstag dieser Woche ist Christi Himmelfahrt – der traditionelle Vatertag und erst nächsten Sonntag, am zweiten Sonntag im Mai, ist Muttertag. Meist ist das umgekehrt, da aber in diesem Jahr Ostern früh war ist auch Christi Himmelfahrt früh. Und deshalb ist Vatertag mal vor Muttertag.

Aber im Prinzip ist das auch egal, wichtig nur, dass sie überhaupt geehrt werden, die Eltern. Wobei das vierte Gebot der Bibel „Du sollst Vater und Mutter ehren“ mehr meint, als dass Kindergartenkinder für ihre Eltern Bildchen malen oder Schulkinder mal den Frühstückstisch decken. Die Zehn Gebote in der Bibel wenden sich nämlich gar nicht an Kinder. Die lässt die Bibel mit ihren Anweisungen in der Regel in Ruhe. Die Zehn Gebote sind Anweisungen für Erwachsene. Bei dem Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“ geht es um das Verhalten von erwachsenen Kindern gegenüber ihren alt gewordenen Eltern. „Ehren“ bedeutet hier nichts anderes als: Du sollst für deine alten Eltern sorgen, wenn sie nicht mehr selbst für sich sorgen können. Zu biblischen Zeiten hieß das konkret: Du sollst sie finanziell unterhalten. Dafür sorgt heute – mehr oder weniger – die Rentenversicherung. Aber mit der finanziellen Versorgung allein ist es ja nicht getan, besonders wenn die körperliche und auch geistige Kraft der alten Eltern nachlässt. Dann gibt es viele Gelegenheiten sie zu ehren: Fahrdienste übernehmen, zum Arzt begleiten, Schriftkram erledigen, kochen, Wohnung in Ordnung halten, aufräumen, pflegen, am Krankenbett sitzen, zu hören auch wenn es immer wieder die selben Geschichten sind. Ich weiß, dass viele Menschen auf diese Art und Weise tagtäglich Vater und Mutter ehren. Für sie ist nicht nur in dieser Woche sondern jede Woche Vatertag und Muttertag.

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