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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Jetzt sind sie wieder unterwegs: die Heiligen Drei Könige. Sie klingeln an den Türen, wünschen ein frohes neues Jahr und schreiben ihren Segensspruch über den Eingang. Und sie bitten um eine Spende für notleidende Kinder in den Krisenregionen der Welt.

In diesem Jahr feiern die Sternsinger in Deutschland ein Jubiläum. Zum 60. Mal sind sie für das Kindermissionswerk unterwegs. 300.000 Kinder und Jugendliche ziehen als Kaspar, Melchior und Balthasar von Haus zu Haus. In diesem Jahr lautet ihr Motto: „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit.“

Sternsingen ist keine fromme Folklore. Es ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder überhaupt. Seit 1959 haben sie rund eine Milliarde Euro gesammelt! Mehr als 70.000 Projekte konnten so finanziert werden.

Ich finde es großartig, wie sich die Mädchen und Jungen ins Zeug legen. Nicht immer spielt das Wetter mit. Sturm und Regen, Eis und Schnee können das Sternsingen auch zur Strapaze machen. Aber am Ende überwiegt die Freude über die Spenden und natürlich auch über die Süßigkeiten, die sie als Anerkennung von vielen Menschen bekommen.

Es gibt Familien, die schon in der dritten Generation als Sternsinger aktiv sind. Und nicht selten helfen Eltern und Großeltern noch tatkräftig mit. Da werden Kostüme geschneidert, Sterne gebastelt, Lieder eingeübt. War die Aktion anfangs eine rein katholische, so machen heute immer mehr evangelische Kirchengemeinden mit. Sternsingen ist gelebte Ökumene.

Ja, die Sternsinger schreiben eine Erfolgsgeschichte weiter. Darum: Helfen Sie mit, wenn Sie in diesen Tagen wieder königlichen Besuch bekommen von Kaspar, Melchior und Balthasar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25673

Fernab der Städte und Dörfer lebte ein Einsiedler. Eines Tages kamen Besucher vorbei. Sie fragten ihn: „Was für einen Sinn siehst Du in deinem Leben der Stille?“

Der Gottesmann war gerade damit beschäftigt, Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen. Und so antwortete er: „Schaut in den Brunnen! Was seht ihr?“ Die Leute blickten in die Tiefe. „Wir sehen nichts.“ Nach einer kurzen Weile forderte der Einsiedler die Besucher noch einmal auf: „Schaut in den Brunnen! Was seht ihr?“ Wieder schauten sie hinunter. „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“ „Seht ihr“, sagte der Mönch, „als ich vorhin Wasser schöpfte, da war das Wasser unruhig. Jetzt ist es ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille:

Man sieht sich selber!“

Abschalten können. Ruhe finden. Zeit haben für sich. Zu sich selber kommen.

Das habe ich mir für das neue Jahr vorgenommen. Ich weiß doch: Der Einsiedler hat recht. Nur in der Stille kann ich mir selber begegnen, meine innere Mitte finden.

Aber das ist verdammt schwer. Da ist der alltägliche Krach um mich herum. Dazu die vielen Verpflichtungen im Job und daheim, die allgegenwärtigen Medien. Und wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes einmal alles „abschalte“, dann bleiben trotzdem Bilder und Gedanken, die mich verfolgen. Obwohl es um mich herum still wird, lärmt es in mir weiter. So bleibt das Wasser des Brunnens immer in Bewegung.

In einer so lauten und hektischen Welt sind die Erfahrungen der Stille selten. Aber jeder Mensch kennt Orte, an denen er ruhig werden kann. Egal, ob auf dem Sofa zuhause, auf einem Spazierweg oder in einer Kirche.

Und so hoffe ich, dass es mir im neuen Jahr öfter gelingt, ruhig zu werden und zu mir selbst zu finden. Und vielleicht spüre ich dann die Gegenwart dessen, der einfach da ist und mich im letzten trägt.

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„Vom Vater hab´ ich die Statur, des Lebens ernstes Führen.

Vom Mütterlein die Frohnatur und Lust zu fabulieren.“

So erinnert sich Johann Wolfgang von Goethe an seine Eltern. Die Mutter, Catharina Elisabeth, war eine lebenslustige und geistreiche Frau. Sie liebte die Gesellschaft. Gäste waren in ihrem Haus immer willkommen.

An einem Neujahrstag überraschte sie die Freunde mit einem ganz eigenen Rezept. Es lautet:

„Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht.

Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen.

Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit.“

Mir gefällt dieses Rezept. So würde ich das neue Jahr gerne gestalten! Aber ist das realistisch? Wie schnell laufe ich wieder im Hamsterrad des Alltags?!

„1 Teil Arbeit und 2 Teile Frohsinn und Humor“? Ein frommer Wunsch! Bestimmt hatte es Mutter Goethe zu ihrer Zeit viel leichter, so gelassen und zuversichtlich zu bleiben. So habe ich zuerst gedacht. Aber dann erfahre ich: Auch das Leben der Catharina Elisabeth war kein Zuckerschlecken. So starben vier ihrer sechs Kinder schon früh.

Nur Johann Wolfgang und die Tochter Cornelia überlebten. Aber die Mutter verzweifelte nicht; sie behielt ihren Lebensmut und ihren Humor. Die Kraft dazu gab ihr der christliche Glaube. Auf die „Gretchenfrage“ nach der Religion antwortete sie kurz und knapp:

„Der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh, und mein Angesicht fröhlich.“

 

 

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Was haben die Heiligen Drei Könige, ein türkischer Straßenkehrer, Flüchtlinge aus Afrika, Kölner Hausfrauen und auch ein trauriger Fan vom 1. FC Köln gemeinsam? Sie alle kann man entdecken, wenn man sich im Kölner Dom die Krippe anschaut. Da sind nicht nur die berühmten Hauptfiguren der Weihnachtsgeschichte zu sehen: Maria, Josef und das Kind. Und die ebenfalls bekannten Nebenfiguren: Ochs, Esel, Hirten und Engel. Nein, die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall, der Menschwerdung Gottes auf Erden, wird mitten in das pralle Leben von Köln verlegt. Und da gehören eben ganz viele unterschiedliche Leute dazu. Auch in den andern Kölner Krippen – über 120 kann man sich auf dem Kölner Krippenweg in dieser Woche noch anschauen – ist das ein beliebtes Motiv. Man verlegt die Geburt Jesu ins hier und heute. Da tauchen schon mal Tünnes und Schäl auf oder auch der berühmte Köbes, also der Kellner, der in den Kölner Kneipen das Kölsch an die Tische bringt. Immer sind es die einfachen, die kleinen Leute, die dargestellt werden. Die sich abstrampeln müssen, die sehen müssen, wie sie über die Runden kommen. Die nicht mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen sind. Die Honoratioren der Stadt, die an Einfluss und Geld Reichen kommen bei den Kölner Krippen nicht vor. Ist ja auch klar, der Stall von Bethlehem war nun mal keine Villa und Maria und Josef gehörten nicht zu den oberen Zehntausend.

Da geht kein Weg dran vorbei, wenn ich die Geschichte von Weihnachten ernst nehme, dann werde ich Gott zuerst im Obdachlosenheim finden, auf dem Sozialamt, auf den Stehplätzen im Stadion oder einem andern Ort, wo sich die kleinen Leute treffen. Gut, dass mich die Kölner Krippen daran erinnern.

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„Gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr“, das war auf so einigen Weihnachtskarten der vergangenen Woche zu lesen. Bei Weihnachten, einem immer noch irgendwie christlichen Fest, da bedient man sich schon mal des frommen Wortes „gesegnet“. Bei dem profanen Ereignis des Jahreswechsels bleibt man lieber etwas nüchterner und wünscht sich ganz einfach nur ein „gutes“ neues Jahr. Dabei liegen segnen und Gutes Wünschen ganz nahe bei einander. Das lateinische Wort für gesegnet „benedictus“ bedeutet übersetzt nichts anderes als „dem wird Gutes zugesagt“.

Aber trotzdem ist ein Segen mehr als nur ein guter Wunsch. Denn segnen bleibt nicht im zwischenmenschlichen Bereich, segnen bringt Gott mit ins Spiel.

Wenn ich segne, stelle ich eine Beziehung her zwischen dem, was ich segne, und Gott. Segne ich ein Brot, so ist es für mich nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern eine von Gott geschenkte Gabe. Segne ich ein Tier, so sehe ich darin einen Teil der guten Schöpfung Gottes. Und segne ich ein Kind, sage ich ihm, du bist ein von Gott geliebter Mensch. Segnen lässt mich das, was mich umgibt mit Respekt und Ehrfurcht betrachten. Segnen heiligt den Alltag und bringt Gott in die Welt. Und so möchte ich mit einem Segenswort von Hanns Dieter Hüsch diesen ersten Werktag im neuen Jahr beginnen:

Gott der Herr möge unser Glück und unser Leid

Unsere Trauer und unsere Freude

Mit seiner grenzenlosen Güte begleiten

Uns im Frieden anfertigen

Machen und halten

Immer noch mehr  bestärken

 

Uns ein großes Gefühl dafür geben

Dass einer des anderen Last mittrage

 

Und nachsichtig möge er mit uns sein

Wenn alles nicht von heute auf morgen geschehen kann

Weil

Wir sind seine Kinder von ganzem Herzen

Aber oft noch von halbem Verstand*

 

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2018

 

* Michael Blum und Hanns Dieter Hüsch: Das kleine Buch vom Segen. Düsseldorf. 4. Auflage 2000, S. 28


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Einen guten Morgen und heute Abend einen guten Rutsch. Woher kommt das eigentlich, dass wir uns an Silvester gerne einen guten Rutsch wünschen? Manche meinen: Silvester ist nun mal im Winter und da kann es in der Silvesternacht auch mal frieren und glatt werden. Und da ist es gut, gerade wenn man heute Nacht nicht ganz nüchtern sein sollte, wenn man nicht hinfällt, sondern gut rutscht. Sprich ein bisschen Schlittern und Schwanken ist Ok, aber bitte möglichst bitte nicht hinfallen. Eine schöne Erklärung und als Wunsch für das Jahr 2018 auch nicht schlecht. Ein bisschen Rutschen ja, aber bitte wohlbehalten und ohne Unfall.

Aber diese Erklärung ist wohl falsch. Sprachforscher gehen davon aus, dass die Redensart vom guten Rutsch aus dem Jüdischen kommt. Die wünschen sich nämlich zum neuen Jahr: „Rosh Hashana tov.“ Aus diesen Worten wurde mit der Zeit „Rutsch“. Rosh Hashana heißt das jüdische Neujahrsfest und tov bedeutet ganz einfach gut. Juden aber, zumindest wenn sie sich nach ihrem Kalender richten, sagen dies nicht heute Abend. Sondern das nächste mal am 10. September. Deren Kalender richtet sich nämlich nach dem Mond und nicht nach der Sonne wie der unsere. Und sie wünschen sich im September auch nicht ein gutes Jahr 2018, sondern beglückwünschen sich zum Jahr 5779. Verständlich, das Judentum ist ja viel älter als das Christentum. Und die Muslime? Deren Jahr richtet sich auch nach dem Mond. Ihr nächstes Neujahrsfest ist nur einen Tag später, am 11. September, aber sie starten dann erst ins Jahr 1440. Denn Mohammed lebte rund 600 Jahre  nach Christus.

Also streng genommen könnten sich unsere jüdischen und muslimischen Mitbürger heute Nacht beschweren, wenn wir allzu laut feiern und mit Böllern die Nachtruhe stören. Aber die meisten, die ich kenne, feiern einfach mit. Im Gegenzug könnten wir ihnen dann im September wenigstens auch einen guten Rutsch wünschen, auch wenn es dann wohl nicht schneit oder friert. Egal wann, rutschen sie gut!


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