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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es gibt ein einfaches Spiel, das ich als Kind gerne gespielt habe, ich war darin richtig gut. Man braucht nichts außer einem Mitspieler und zwei Händen. Händedrücken – wer drückt fester, wer zieht irgendwann die Hand zurück, wer hält länger durch? Gut war es, wenn man einen fast ebenbürtigen Gegner hatte, dann blieb es spannend.

Wir geben uns auch ohne Spiel sehr unterschiedlich die Hände – mal fest, mal weniger fest. Manchmal muss ein Händedruck fest  sein: Wenn man kleine Kinder nicht fest an der Hand hält, stürzen sie oder gehen verloren.  Später kann und muss es oft lockerer sein, damit es nicht einengt: Wenn Kinder ausziehen, wenn ein Partner Zeit für sich braucht. Oder damit  auf der Arbeit  nicht  ein Gefühl von Kontrolle und Enge aufkommt.

Fest oder nicht fest. Hände, die halten. In der Bibel ist öfters die Rede von Gottes Hand. Die uns hält und nicht loslässt.  Auch wenn manche sagen: „So eine Hand gibt es gar nicht.“ Das ist Glaubenssache.

Aber ich kenne viele Menschen, die in ihrem Glauben die Erfahrung gemacht haben: Gottes Hand ist da in meinem Leben! Sie fühlen sich  gehalten, gerade dann, wenn sie es brauchen, wenn es nicht gut geht.  Oder wenn Umwege oder Irrwege im Leben auftauchen – wenn meine Freiheit mich wohin geführt hat, wo ich nicht mehr weiter weiß.

Ich selber war mal an einem Punkt, wo ich merkte, dass es so nicht weitergeht. Es gab einen Moment, wo ich genau spürte: Ich kann das jetzt nicht allein schaffen. 

Aber dann führte mich Gott  auf eine Weise, wie ich es nicht erwartet hätte.  Machte einen neuen Horizont sichtbar, der vorher nicht zu sehen war. Sie war fest genug, Gottes Hand, um mich in dieser Situation zu leiten. Und trotzdem kann sie uns Menschen die Freiheit lassen, eigene Wege zu gehen. Geborgenheit und Halt, und gleichzeitig Raum für Eigenverantwortung und Freiheit. So hält Gottes Hand.

Für mich ist das ein Vorbild dafür, wie wir einander die Hand geben können -  nicht im Spiel, aber in echt. Und dabei immer auch seine Hand spüren, wie es in einem Lied heißt:

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand.

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„Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“  Mit diesem Satz endet der Film Casablanca.  Rick hat sich gerade von seiner geliebten Ilsa verabschiedet. Sie flieht  vor den Nazis, mit Hilfe des korrupten französischen Beamte Louis. In ihm sieht  Rick am Ende einen Freund für´s Leben.

„Dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, der Satz hat Geschichte gemacht. Vielleicht weil sich so viele nach echter Freundschaft sehnen.  Irgendwie höre ich viel davon, wie Freundschaften enden, wie Kontakte verloren gehen, wie Menschen einander verlieren im Hamsterrad von Arbeit und Pflichten. Gar nicht einfach, eine Freundschaft zu pflegen.  

Wenn eine Freundschaft hält,  dann geht sie durch dick und dünn, dann kann man vertrauen und zusammenhalten, egal was passiert. Ein Segen, wenn man solche Freunde hat! Und ein Segen, wenn man trotz mancher Enttäuschung sich wieder auf eine Freundschaft einlässt.

Im Krankenhaus erlebe ich bei Besuchen beides: Da gibt es Menschen, die  maßlos enttäuscht werden. „Warum kommt mich niemand besuchen?“ fragen sie. Oder: „Warum hat sich meine Freundin nicht mehr gemeldet, warum ruft sie nicht an?“

Mit den Tiefen des Lebens, mit schweren Krankheiten oder Durststrecken kann nicht jeder Freund gut umgehen.  Aber ich erlebe auch das andere. Ein Mann, der schon seit Monaten im Krankenhaus liegt, sagte zu mir: „Ohne meine Freunde hätte ich das nie geschafft.  Und mein Kollege kommt jede Woche und gibt mir so viel Kraft!“ Freundschaften können tiefer werden – gerade in der Krise.

Es ist nie zu spät für den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und so eine Freundschaft ist für mich ist ein Geschenk von Gott. Der ja auch wie ein guter Freund ist. Der uns vergibt und uns mit barmherzigen Augen ansieht. Obwohl oder gerade weil wir Menschen ja alle unsere Schattenseiten haben.

Letztlich kommt es doch darauf an: Dass man zusammenhält, wenn es hart auf hart kommt. Und manchmal merkt man es erst im Laufe einer gemeinsamen Geschichte oder am Ende einer Krise: Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

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Entscheidungen sind manchmal ganz schön schwer. Oft drehen sich  alle Gedanken nur darum – wie soll ich mich entscheiden?  Manch einer liegt nachts wach und fragt sich: Soll ich diesen Weg gehen? Soll ich den Beruf wechseln? Soll ich diese Behandlung für meine Krankheit  so fortsetzen? Soll ich gehen oder bleiben? 

Solche Entscheidungen bringt das Leben mit sich. Aber auch kleinere Entscheidungen können einen plagen: ein Hobby weiterzumachen oder nicht, jemanden einzuladen oder nicht,  eine Reise zu machen oder nicht. Was immer ich  tue, hat Konsequenzen. Entscheidungen schaffen Wirklichkeit.

Eine Freundin von mir stand vor der Entscheidung, ihre jetzige Arbeit aufzugeben. Und sie sagte. „Ich hab mich beraten lassen und da hieß es, ich soll auf mein Bauchgefühl hören. Nur – so einfach ist das gar nicht.“

Am Ende hat sie auf ihr Bauchgefühl gehört und auf ihren Verstand. Mit etwas Zeit. Sie hat Gespräche geführt, Vor- und Nachteile aufgelistet, darüber geschlafen und gemerkt: So weit  auseinander liegen Kopf und Bauch gar nicht. In dem ganzen Hin- und Her war für sie auch eines ganz wichtig: Gott um Hilfe zu bitten.

Sie hat gebetet. Sie hat sich mit Freunden ausgetauscht über die Frage: Was könnte Gott von mir wollen? So ähnlich steht es im Jakobusbrief in der Bibel – mit den Worten:   

Wenn es jemandem von euch an Weisheit mangelt zu entscheiden, was zu tun ist, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben. Ihr wisst doch, dass er jeden reich beschenkt.  Betet im festen Vertrauen und zweifelt nicht!

Meine Erfahrung ist: Wenn man betet, kommt wohl nicht gleich ein direkter Tipp von Gott. Aber ich werde ruhiger. Fühle mich nicht mehr wie von einem Sturm hin und hergetrieben. Und diese Ruhe hilft mir, Herz und Verstand zu befragen.

Meine Freundin hat jetzt eine andere Arbeit -  und sie sagt: „Die Entscheidung war nicht leicht und brauchte Zeit, aber es war gut.“  Allen, die vor kleinen oder großen Entscheidungen stehen,  wünsche ich, dass sie glückliche Entscheidungen treffen – mit Herz und Verstand und mit Weisheit von Gott.

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Singen hilft und tut gut! Das habe ich entdeckt, als meine Tochter krank gewesen ist. Sie hatte Schmerzen, Husten, Fieber und Schnupfen. Sie wollte schlafen, konnte aber nicht. Nichts hat geholfen. Nicht das Mama-Bett und die Mama-Bettdecke, keine Spieluhr, kein Kuscheln. Dann habe ich angefangen zu singen. Dabei ist sie ruhig geworden und schließlich doch eingeschlafen.

Singen hilft. Es beruhigt und tröstet, spendet Nähe und Geborgenheit. Es hat Kraft! Diese Kraft hat uns Gott in die Wiege gelegt. Auch den Menschen in frühen Jahren Die Bibel weiß, wie gut Musik tut, dass sie eine Gottesgabe ist. Sie erzählt von einem König. Er heißt Saul.

Immer wieder ist Saul krank und verstört. Nichts will helfen. Doch dann findet sich ein junger, gottesfürchtiger Mann, der Harfe spielt. Er heißt David. Immer wenn es Saul schlecht geht, spielt David für ihn auf seiner Harfe. So kommt Saul zur Ruhe, und es geht ihm gleich besser.

Musik und Singen helfen dabei, gesund zu werden. Natürlich ersetzt das keine Medizin. Helfen tut es aber trotzdem! Und zwar nicht nur, wenn man erkältet ist oder krank.Musik hilft auch bei Liebeskummer oder Alltagsfrust. Einfach mal das Lieblingslied ganz laut aufdrehen und mitsingen, vielleicht sogar mittanzen, wenn es keiner sieht. Mir hat das schon ganz oft gut getan.

Ich habe mir angewöhnt, meinen Tag im Büro mit einem Lied zu beginnen. Das macht mir Spaß und gibt mir Schwung in den Tag zu kommen. Es sorgt außerdem dafür, dass mein Arbeitstag nicht aus Versehen mit einer Beschwerde-E-Mail anfängt, die ich in meinem Posteingang finde.

Eins meiner Lieblingslieder am Morgen geht so:
Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!
Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu!

Und, welches Lied tut Ihnen gut?

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Was ist gerecht?  Darüber streiten meine Mutter und ich uns immer wieder mal. Meine Mutter ist der Meinung: Es ist gerecht, wenn alle ihre drei Kinder gleich viel bekommen. Das kann dann schon mal dazu führen, dass an meinem Geburtstagsgeschenk noch ein 5-Euro-Schein klebt, weil das Geschenk für meine Geschwister etwas teurer gewesen ist als das Buch, das ich mir gewünscht habe.

Gerechtigkeit für meine Mutter bedeutet: Gleicher Betrag für alle! Da ist sie ganz genau. 
Ich finde: Das ist nicht gerecht, das ist Gleichmacherei. Gerecht ist es, wenn jeder das bekommt, was er braucht. Und da kann es durchaus sein, dass einer mal mehr braucht als der andere, weil unsere Lebensverhältnisse ja auch ganz unterschiedlich sind.

Was ist gerecht? Diese Frage stellt sich ja nicht nur in der Familie. Sondern quasi überall. Wer bekommt wie viel? Ich habe mir überlegt, was Jesus wohl dazu sagen würde.  Und vielleicht hätte er mir eine Geschichte erzählt, die er schon einmal erzählt hat.

Da ist ein Mann, der für seinen Betrieb Arbeiter sucht. Er stellt ganz früh morgens welche ein und vereinbart mit ihnen einen Tageslohn von ca. 80 Euro. Ein paar Stunden später am Vormittag stellt er noch einmal Arbeiter an und verspricht, sie gerecht zu bezahlen. Auch mittags, nachmittags und sogar kurz vor Feierabend stellt er weitere Arbeiter ein und verspricht gerechten Lohn. Als die Arbeit zu Ende geht, gibt er allen, die für ihn gearbeitet haben, 80 Euro. Egal, wie lange sie mitgearbeitet haben.

Also ist es doch gerecht, wenn jeder das Gleiche bekommt – wie meine Mutter sagt?
Ich verstehe die Geschichte von Jesus so: Jeder bekommt so viel, wie er braucht. Auch die, die nur wenig gearbeitet haben, brauchen den vollen Lohn, um über die Runden zu kommen. Im Verhältnis zu ihrer Arbeitszeit haben die letzten Arbeiter viel mehr bekommen als die anderen. Das klingt erst einmal ungerecht. Aber so haben am Ende alle genug zum Leben. Und das finde ich gerecht.

Was ist gerecht?
Darüber können wir gerne diskutieren.
Wenn Sie möchten Im Internet unter „Kirche-im-SWR.de“.

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„Bittet, so wird Gott euch geben.“ (Mt 7,7) steht in der Bibel. Klingt super. Klappt oft aber nicht so, wie ich mir das vorstelle. Denn immer wieder bitte ich Gott um etwas, und es passiert nichts. Meine Schwester ist immer noch arbeitslos. Die Frau, für die ich gebetet habe, dass sie wieder gesund wird, ist trotzdem gestorben. Nicht alle meine Bitten werden von Gott erhört. Das tut weh und macht mich ohnmächtig!

Hat Jesus sich etwa geirrt, als er gesagt hat: Bittet, so wird Gott euch geben? Oder gilt das vielleicht nur für manche Bitten und für andere nicht? Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, warum so viele Gebete unerhört bleiben.
Das würde ich Gott irgendwann gerne selbst fragen. Aber ich habe auch eine andere Erfahrung gemacht. Nämlich die, dass es manchmal ganz gut ist, dass Gott mir nicht das gibt, worum ich ihn bitte.

Nach dem Studium bin ich für ein halbes Jahr nach Namibia gegangen. Dort wollte ich in der englischsprachigen Kirche mitarbeiten. Am liebsten irgendwo auf dem Land. Und natürlich wollte ich ganz alleine dorthin. Es sollte schließlich ein Abenteuer werden. Aber trotz vieler Bitten an die Menschen vor Ort und auch an Gott ist mein Plan nicht aufgegangen. Am Ende habe ich in der Deutschen Gemeinde in Namibias Hauptstadt mitgearbeitet. Und mein Mann fand das so toll, dass er gleich mitgekommen ist.

Gott hat meine Bitten also nicht erhört. Aber ganz schnell habe ich gemerkt: Was für ein Glück! Denn es war auch so schon Abenteuer genug. Und ich war heilfroh, dass mein Mann dabei gewesen ist.
Wie gut, dass Gott mich manchmal besser kennt als ich mich selbst. Dass er nicht alle meine Bitten so erfüllt, wie ich mir das so vorstelle.

Mir hilft dieses Erlebnis auch mit den unerhörten Gebeten besser klar zu kommen. Vielleicht, so denke ich mir, hat Gott sich dabei auch etwas gedacht. Noch kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, was das sein soll. Aber eines Tages, hoffe ich, werde ich es verstehen.

Bis es soweit ist, bete ich weiter. Liege Gott mit meinen Bitten in den Ohren, halte mich an seinem Wort fest: „Bittet so wird Gott euch geben.“ Auch wenn ich weiß, dass letztlich nicht mein Wille, sondern Gottes Wille geschehe.

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