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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

ACHTUNG: Morgen kommen die Sonntagsfahrer! Da will ich Sie schon mal vorwarnen, weil doch Morgen Sonntag ist. Und am Sonntag sind sie wieder auf der Straße, die Sonntagsfahrer! So heißen die speziellen Persönlichkeiten hinterm Steuer, die besonders dadurch auf sich aufmerksam machen, dass sie gleichmäßig langsam fahren. Denn: Sonntags darf es ein bisschen langsamer sein. Eigentlich.

Gott selbst hat nach dem Schöpfungsbericht der Bibel auch geruht am 7. Tag. Schritttempo für die abgehetzte Seele, das ist seine Sonntags-Laufmasche. Und die Sonntagsfahrer stehen dafür Modell. Aber sie sind unbeliebt, weil im Weg. Wenn sie so vor uns her ihre stramme 60 km/h brettern, auf Autopilot konstant  innerhalb und außerhalb der Ortschaften immer gleich schnell unterwegs, dann geraten die in der Schlange hinter ihnen aufgestauten Zeitgenossen schon mal in Rage, zumal Sonntagsfahrer in der Regel nicht überholt werden können, weil sie zusätzlich auch noch in der Mitte fahren.

Sie nötigen also den gesamten Verkehr zum Schneckentempo, um dann ganz plötzlich ohne zu Blinken scharf abzubiegen und nie mehr aufzutauchen. Und so wird es auch morgen  wieder sein. Die Trefferquote ist am Sonntagnachmittag am Größten, so zwischen 14 und 16 Uhr. Da finden die meisten Sonntagsspazierfahrten statt, zum Kaffee und Kuchen und Kinder besuchen.

Ich bin überzeugt: Das ist nichts anderes, als eine Schleichwerbung des lieben Gottes. Der will uns nämlich zu einer Sonntagsberuhigung einladen. Und diese safety cars der besonderen Art sind nichts anderes als himmlische Streifenwagen, die im Namen des Herrn zur allgemeinen Verlangsamung beitragen. Der Sonntagstempomat hält uns vor Augen, dass wir ansonsten immer zu schnell auf unseren Straßen rasen. Deshalb sollen sie morgen Vorfahrt haben, diese himmlischen Bedachtsamkeitsbeauftragten, mögen sie den Konvoi der Ruhe anführen.

Also aufgepasst, wenn morgen der Sonntag kommt, werden wir langsam aber sicher erfahren, wie es vorwärts geht im Sonntagsmodus. Langsam aber sicher werden wir heute erfahren, wie es vorwärts geht im Sonntagsmodus der Sonntagsfahrer. Den streetworkern für Entschleunigung. Wir sollten ihnen zuwinken und ansonsten nicht zu dicht auffahren. So fährt es sich mit Abstand am Besten.

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Durststrecken sind auch Wege. Man muss sie nur wagen. Auf Durstrecken kommt Gott gerne seinen Leuten entgegen. Ein Mann Gottes mit Namen Philippus bekommt einen Auftrag. Er soll sich Richtig Süden bewegen und auf weitere Anweisungen warten. So erzählt es die Bibel. Pilippus ist nicht der Erste, den Gott in die Wüste schickt. Das ist ein von ihm besonders bevorzugter Umschlagplatz für bemerkenswerte Erfahrungen.

Und wo ein Wille ist, da ist bekanntlich auch ein Weg. Auf dem kommt ein Pferdegespann langsam daher und Philippus bekommt die Anweisung, sich an diesen Wagen zu halten. In der Kutsche sitzt ein Afrikaner. Der kommt gerade von einer Kulturreise aus Jerusalem und ist auf dem Heimweg nach Äthiopien. Dort ist er Finanzminister am Königshof. Prominenz also, wie sie im Bibelbuche steht.

Laut liest der Mann aus einer Schriftrolle, die er sich wohl leichtfertig als Reiselektüre  mitgenommen hat. Und Philippus kennt das, was er hört. Es ist altes Prophetenwort mit rätselhafter Vorhersage über den kommenden Messias. Alles andere als leichte Kost. Und deshalb fragt Philippus direkt den Minister auf Rädern, ob er denn auch versteht, was er da liest.

Der wiederum ist nicht auf den Mund gefallen und antwortet prompt, wie das gehen solle, wenn es ihm niemand erklärt. Und da steigt der Philippus steigt auf und der Minister ein ins Studium der Theologie, wüstentaugliches erstes Semester to go.

Im Crash-Kurs Verfahren erklärt Philippus den Inhalt, erzählt alles von Jesus und was man dazu wissen muss. Und schon hats gefunkt bei dem studierfreudigen Minister. Er fährt voll darauf ab, hält den Wagen und die Luft an, und lässt sich auf der Stelle taufen.

Philippus ist dann mal weg, aus dem Weg, macht Platz für den Reisenden, den man nicht aufhalten soll. Und der startet nach Afrika, das Credo im Gepäck und das Evangelium von Jesus im Herzen, nichts anderes im Sinn, als Freude.
Fröhlich zieht er seine Straße weiter. So endet die  Geschichte mit der alles anfängt. Von Wegen: In die Wüste geschickt.

Hoch auf demselben Wagen klingt noch immer das alte Lied:
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.

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Es ist zum Davonlaufen. Zwei Jünger hält nichts mehr in Jerusalem. Ihnen reicht es. Sie sind frustriert. Die Geschichte mit Jesus ist für sie zu Ende. Sie gehen wieder dahin, wo sie hergekommen sind. Alles auf Anfang, weil Ende Gelände.

Die Träume sind geplatzt, die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber sie stirbt trotzdem. Auf und Davon laufen sie. Immerhin zu zweit. Nach Emmaus ist es nicht weit. Ein Fußmarsch, wie gemacht fürs Davonlaufen. Und sie reden sich alles von der Seele. Trauer muss viel Worte machen. Aber das macht nichts. Das ist in Ordnung. Unterwegs kommt noch einer dazu. Auch egal.

Allerdings ein offenbar ausgesprochen Ahnungsloser ohne blassen Dunst, worum es geht, was gerade passiert ist. Und dem berichten sie: Unfassbar, fassungslos und dennoch wortgewaltig das Ungeheuerliche.

Berichten von Jesus, den man aufs Kreuz gelegt hat und sie gleich mit. Und dass jetzt nichts mehr passt und einen Sinn ergibt.
Der Dritte Mann fängt dann an etwas zu sagen, von Wegen: es könnte am Ende doch irgendwie einen Sinn haben, das Sinnlose. Versteh wer will.

Am Ende des Tages kommen sie nach Haus und bitten den Dritten auf der Stelle herein, ihr Gast zu sein. Sie essen dankbar, sie teilen. Es gibt Brot. Das reicht Ihnen nicht zum ersten Mal - der Rätselmann. Jetzt rauchen ihnen nicht mehr nur die Köpfe, jetzt brennt ihnen sogar das Herz in diesem schmerzhaften Glücksmoment. Und ehe sie sich versehen, ist er nicht mehr da.

Aber er hat sie berührt mit der Ahnung, dass Gott doch noch in ihrer Nähe ist, dass der Weg der Enttäuschung keine Einbahnstraße sein muss.

Darum raffen sich auf zum Dauerlauf, zurück zu den Andern, die schon längst alles wissen. Wer halt zuerst nach Emmaus muss, findet im Davonlaufen zum Ziel, kriegt wieder die Kurve. Die 2 von der Dankstelle haben laufend gefunden, was seinesgleichen sucht. Den Weg zurück in die Hoffnung. Und ins pralle Leben.

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Jetzt kommen biblische Verkehrsnachrichten: Achtung an alle Weggefährten, die heute aus dem Haus gehen: Zwischen Jericho und Jerusalem kommt ihnen eine Räuberbande entgegen. Überhören Sie das nicht und  fahren Sie jetzt erstrecht los, bis die Gefahr vorüber ist.
Zwischen Jericho und Jerusalem da ist die Teststrecke für Barmherzigkeit. Dort räubert  es immer. Das wissen die Leute, denen Jesus das erzählt.

Es könnte aber auch woanders sein, die Strecke ist fast überall, also auch zwischen hier und da, zwischen Zuhause und Büro, oder sonstwo, von Ort zu Ort, hier und dort.

Verkehrsbedingte böse Zusammenstöße sind an der Tagesordnung, Überfallartige Attacke, was sich Menschen eben antun. Rauben sich gegenseitig alles Mögliche, vor allem die Nerven. Und dann  lassen sie sich links liegen und kommen nicht zurecht mit dem angeschlagenen Leben.

Ausgerechnet die Profis für  Menschlichkeit  gehen in der Geschichte, die Jesus erzählt um Gottes Willen nicht darauf ein, dass so Viele unter die Räder kommen.

Aber dann kommt doch Erste Hilfe, sagt Jesus, ohne Worte, aber mit Esel und anderem know how, der hebt auf und verbindet, sorgt  und sucht weitere Hilfe , eine Herberge für Verletzte, Obdach für Gestrandete, lässt sich das was kosten und zieht wieder weiter.

Ein echter Samariter eben. Undramatisch, praktisch, gut. Angewandte Selbstverständlichkeit. Tagtägliche Hilfe to go, fast nebenbei. Jederzeit hilfsbereit sagt wenigstens Einer: Mir liegt was an denen, die unterlegen sind! Ist Weggefährte bei Weggefahren. Jeder kann Jedem der Nächste sein, so lauten die biblischen Verkehrsnachrichten ehe wir starten.

Zwischen Jericho und Jerusalem und außerdem Innerhalb aller Wege. Augen auf und zugepackt, Im Vorübergehen Niemanden übersehen. Das ist alles. Darauf kommts an! Mehr ist nicht nötig. Damit ist alles gesagt für heute. Verkehrsberuhigt kanns losgehen. Geht doch!

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Ich kann nicht gut rückwärts vorwärts fahren. Wenn ich mit dem Zug reise, muss ich immer drauf achten, dass ich einen Platz mit Blick in die Fahrtrichtung bekomme. Sitze ich falsch rum, fahre also rückwärts vorwärts, dann wird mi  ganz schlecht. Rückwärts vorwärts bekommt mir nicht.

Das ist auch kein Wunder, weil das ist schon in der Bibel als problematische Perspektive markiert. In der Geschichte von Lots Frau. Da wird deutlich, dass Gott will, dass wir schöne Aussichten haben, damit es gut  vorwärts geht mit uns.

Diese Dienstanweisung für Reisende steht in der dramatischen Ausreißergeschichte von Lots Familie. Sie spielt in und um Sodom und Gomorra. Diese Stadt mit Doppelname steht geradezu modellhaft für gelebte Gottlosigkeit. In ihr herrscht das Chaos doppelt und dreifach. Und niemand fragt mehr nach dem Gott des Lebens, der uns nach vorne bringt. So dumm ist Sodom.

Bis auf eine Familie sind alle verloren in Unglaube und Heidenspass. Da holt Gott seine letzten Treuen in einer Evakuierungsaktion kurz vor dem Untergang heraus in die Freiheit. Mit Engelsgeduld führt er die Familie Lot weg und er gibt nur eine einzige Anweisung für unterwegs. Und die heißt: Schaut Euch nicht um!
Auf dem Weg in die rettende Zukunft soll das, was hinter uns liegt, keine zu große Anziehungskraft mehr haben. Aber das ist leichter gesagt, als getan. Von wegen: Nichts wie weg!
Lots Frau, so erzählt die Geschichte, kann der Magie des Zurückliegenden nicht widerstehen, zu stark ist das vertraute Dilemma, es zieht an und hält fest, je weiter sich die Familie entfernt, desto mehr. Und dann passiert das tragische Rückwärts-Vorwärts Drehmoment. Lots Frau schaut zurück und erstarrt in Leblosigkeit zur Salzsäule.

Wenn das, was wir zurücklassen sollen, uns total fasziniert und fesselt, dann bricht die Perspektive nach vorne weg, dann gefriert unser Leben fest.Rückwärts gewandt, ausschließlich im Hinblick auf das, was war zu leben, das geht schief. Da wird einem schon mal schlecht. Da hört man bisweilen auf zu atmen. Was war, gehört zu uns. Aber wir gehören ihm nicht. Wir sollen nach vorne blicken, unser Leben soll gute Aussichten genießen, im Blick haben, was Gott uns schenken will an Zukunft und Hoffnung. Damit zum Zug kommt, wie er uns befreien will. Vorwärts leben. Das ist der Weg.

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Getrennte Wege, sind auch Wege. Auswege manchmal. Weils anders nicht mehr geht. Gemeinsame Wege können schön sein, angenehm, bereichernd. Wenn wir mit nahen Menschen unseren Lebenslauf teilen, dann ist das durchaus ein Gewinn. Aber es kann auch auf einmal mehr weh als gut tun. Und dann geht’s nicht mehr so weiter. Das kommt vor, das ist menschlich.

Das steht sogar in der Bibel ganz vorne schon. Da gibt es zwei Menschen, die sind verwandt und zusammen erfolgreich unterwegs. Sie haben beide viele Schafe. Die machen viel Mist und fressen täglich die Weide kahl. Also müssen sie wandern und ständig auf der Suche nach frischem Futter und nach Wasser sein. Abraham und Lot heißen die beiden. Sind Onkel und Neffe.

Langsam aber sicher gibt es Stress zwischen den Beiden. Die gemeinsame Herde ist einfach zu groß, die Viehtreiber geraten aneinander und es gibt den täglichen Kampf um den besten Weideplatz. Da ergreift Abraham die Initiative und spricht das erlösende Wort der Wahrheit, das so oft um des lieben Scheinfriedens willen verschwiegen wird.
Er sagt: Es geht nicht mehr. Das hält das Land nicht aus, dass wir so nahe beieinander sind. Da wächst bald kein Gras mehr. Wir müssen uns trennen.

Und er öffnet dem Lot in der Not eine Tür und sagt friedensstiftend:
Gehst du zur Rechten, geh ich zur Linken. Du hast die Wahl. Und so trennen sich die Zwei, damit sie sich nicht verlieren für immer. Jeder geht seinen Weg, und erinnert sich gerne an die mit Abstand beste Verwandtschaft. So können sie sich in Zukunft wieder frei und ohne Druck begegnen.

Getrennte Wege sind auch Wege. Auswege manchmal, die helfen weiterhin zusammen unterwegs zu sein, ab und zu, wenn die Schäfchen brauchen. Auf Rufweite ohne Kuschelrock. Biblische Wegweiser sind lebenstauglich. Machen wir uns also nichts vor.
Von Wegen: „Wir wollen nie mehr auseinander gehen.“ Weggehen macht manchmal die Bahn erst frei, damit wieder Gras drüber wächst.

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