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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ein Lied hat mich in diesem Sommer tief berührt. Ich habe es in einer Kirche gesungen. Und zwar während einer Beerdigung.

„Mein Gott, wie schön ist deine Welt:

Der Wald ist grün, die Wiesen blühn,
die großen Ströme ziehn dahin,

vom Sonnenglanz erhellt, …“

„Mein Gott, wie schön ist deine Welt.“ Die Gottesdienstgemeinde singt aus vollem Herzen. Trotz aller Trauer und Tränen. Mit dem Lied wird offensichtlich, was dem Verstorbenen zu Lebzeiten so wichtig war: Die Vogelstimmen konnte er unterscheiden. Viele Pflanzen kannte er mit Namen. Ja, da passt und tröstet, dass alle, die zur Beerdigung da sind, von den Vögeln, der Sonne, vom Wind und den Wolken singen. Dass alle, auch wenn sie noch so traurig sind, nun singen: „Mein Gott, wie schön ist deine Welt.“

Mir ist dabei deutlich geworden: Ja, diese Welt ist wirklich schön. Ein Geschenk des Himmels. Aber das Lied auf der Beerdigung zeigt mir auch: Zu diesem Leben gehört der Tod dazu. Zu dieser wunderschönen Schöpfung gehören nun mal auch Leiden und Sterben.

Deshalb heißt es auch im Kirchenlied weiter: „Die Wolken und die Winde fliehn, das Leben rauscht und braust dahin“. Ja, auch das geht vielen durch den Kopf auf der Beerdigung: Wie schnell die Zeit vergeht. Wie vergänglich vieles ist.  Wie viel es noch zu entdecken gäbe!

Mich lädt das Lied ein, auch an diesem neuen Tag, immer wieder innezuhalten und durchzuschnaufen. Klar, ich werde mich auch heute über manches ärgern oder traurig sein. Aber dann wird mir auch klar: Es ist nicht selbstverständlich, dass ich diesen Tag erleben darf. Das macht mich dankbar und aufmerksam auf die Momente, in denen ich einfach staune und singen möchte: „Mein Gott, wie schön ist deine Welt.“

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„Den Urlaub hast du dir aber wirklich verdient“. Kurz vor den Ferien sagt das eine Bekannte zu mir. Ja, es war echt viel los in den letzten Monaten. Im Büro, in der Schule und auch zuhause. Und nach so viel Trubel und Arbeit freue ich mich auf ein paar Wochen ohne Kalender und Verpflichtungen.

Aber habe ich das verdient?

Kann ich mir Faulsein, Nichtstun, den Urlaub verdienen? So nach dem Motto: Erst was leisten, dann gibt´s die Belohnung!

In unserer Gesellschaft geht das oft so. Besondere Leistungen werden honoriert. Arbeitgeber zahlen Leistungsprämien. Für Studierende gibt es ein Stipendium. Und manche Eltern belohnen ihre Kinder, wenn sie gute Noten nach Hause bringen. Das muss nicht falsch sein. Es ist schön, dass andere anerkennen, wenn sich jemand engagiert und Mühe gibt. Aber es verdeckt einen weiteren Gedanken, der mir sehr wichtig ist.

Für mich gilt: Die wichtigsten Dinge im Leben kann ich mir nicht verdienen. Sie sind umsonst.

Jedes Leben fängt so an. Keiner hat sich das Leben „verdient“. Oder Talente und Begabungen. Ich kann sie zwar fördern und weiterentwickeln, aber nichts davon habe ich mir verdient.

Dass ich gemocht und geliebt werde, gesund oder zufrieden bin.  All das wird mir geschenkt.

In meinem Urlaub hatte ich Zeit, diese Geschenke ganz bewusst wahrzunehmen: Freunde, die für mich da sind. Ein Sonnenaufgang, der mich einfach nur staunen lässt. Ein herzhaftes Lachen mitten auf einer völlig verregneten Wanderung. Nichts davon habe ich mir verdient. Alles geschenkt. Einfach so.

Für diese Geschenke bin ich sehr dankbar. Sie stärken mich und lassen mich nun mit neuem Schwung wieder in den Alltag starten.

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Oh, da ist das Wort schon wieder: Der Zeitgeist... Ich lese: Die Kirche darf sich nicht dem Zeitgeist unterwerfen.  Oder: die Kirche müsse sich tapfer dem Zeitgeist widersetzen. Oder: der Zeitgeist muss mit aller Kraft abgewehrt werden. Für manche in der Kirche ist der Zeitgeist offenbar schädlich und muss bekämpft werden?

Der Zeitgeist – das bedeutet, wie Menschen in einer bestimmten Zeit denken und fühlen. Aber wo finde ich diesen Zeitgeist? Plötzlich fällt mir der große Globus ein, der noch im ehemaligen Kinderzimmer steht. Wenn ich ihn drehe, sehe ich viele Farben und viele Namen: Chile, Schweden, Türkei, Japan, Guinea-Bissau und  immer weiter….und dann ist auf einmal klar: DEN einen Zeitgeist gibt es nicht. Nirgendwo. Das ist ein völlig untauglicher Begriff. Weil es so viele Länder gibt, in denen die Menschen auf ganz verschiedene Weise denken und fühlen. Und selbst in unserem Land gibt es keine einheitlichen Denkweisen. Noch dazu ist alles in Bewegung. Die politischen Zustände, die Denkweisen, die Werteordnungen, die medizinischen Erkenntnisse. Alles bewegt sich - dem können sich auch die Kirchen nicht entziehen. Denn auch wie Glauben verstanden und gelebt wird verändert sich unaufhaltsam. Weil die Menschen sich verändern. Es ist also völlig unsinnig, aus Angst vor Veränderung den Zeitgeist bekämpfen zu wollen.

Jesus ist übrigens dafür das beste Beispiel. Denn er hat von Gottes neuer Welt gesprochen. Ihm ging es um ganz viel Neues, neue Ideen, neue Verhaltensweisen, neue Werte. Er hat mit den Hardlinern um eine neue Sicht von Gott gestritten. Lehrte sie den barmherzigen statt strafenden Gott. Er hat darum gerungen, dass Gesetze für den Menschen da sind, und nicht umgekehrt. Er hat für das Leben gekämpft und für einen Glauben, der Freude macht und die Menschen hoffen lässt. Frauen und Kranke lagen ihm am Herzen und alle, die aus der Gemeinschaft der Anständigen ausgesondert waren. Dafür hat er am Ende sogar sein Leben gegeben.

Glaubende brauchen also keine Angst zu haben vor Veränderungen. Denn Jesus selber war einer, der allerhand verändert hat.

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“Meine Seele preist die Größe des Herrn!” Das ist der wichtigste Satz für heute, für den Tag Maria Himmelfahrt.  Es ist ein großer katholischer Feiertag. Aber nicht überall ein gesetzlicher Feiertag. Deshalb wird in den meisten Bundesländern heute ganz normal gearbeitet.

Der Himmelfahrtstag feiert den Tod von Maria, der Mutter Gottes. Über die Jahrhunderte hinweg haben sich die Menschen mit ihr beschäftigt. Sie dachten über die junge Frau nach, die mit Jesus schwanger war, ihn geboren und aufgezogen hat. In die Gedanken zu Maria sind viele Träume und Wünsche und Sehnsüchte hineingeflossen. Der Gedanke liegt ja auch nahe: Wenn eine einfache junge Frau so ausgezeichnet wird, muss sie auch in ihrem Sterben von Gott besonders ausgezeichnet werden. Und so entwickelte sich die Vorstellung, sie sei direkt in den Himmel aufgenommen worden.

In der großen Geschichte von Gott und uns Menschen ist Maria eine wichtige Schlüsselfigur. Denn erst mit ihrem “Ja” zu dem Kind konnte die neue Zeit beginnen – die Zeit mit Jesus. Das alles hat die einfache Frau aus dem Volk vielleicht gar nicht rundherum verstanden. Aber sie hat etwas verstanden: Dass Gott  Großes mit ihr vorhatte. Und diesem Geheimnis hat sie sich geöffnet.

“Meine Seele preist die Größe des Herrn” – mit diesen Worten fängt Marias Lobgebet an. Ein Lob, mit dem alles gesagt ist. Es ist ein Satz, den jeder glaubende Mensch sprechen kann:  Gott ist groß. Das kann gar nicht oft genug wiederholt werden.

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„Die Mama hat sich gar nicht verändert“ hatte meine Tochter gesagt, die damals noch ein halbes Kind war. Ich war 10 Tage zu Exerzitien fortgewesen. Alle waren froh, dass ich nun wieder daheim war. Immer noch die Mama, so wie mich die Familie kannte.  Aber innerlich – war eine Menge passiert. Innerlich fühlte ich mich sehr verändert. Das Kind konnte das ja noch nicht wahrnehmen. Und ich hätte es auch nicht erklären können.

Wie erklärt man 10 Tage Schweigen mit Gott … was da alles passiert? 10 Tage ist viel Zeit zum Beten, zum Nachdenken über Gott und über das Leben. Zeit zum Spazierengehen und Ausruhen. 10 Tage lang an einem  gedeckten Tisch sitzen und sich um nichts kümmern müssen. Das alles zusammen tut schon gut. Exerzitien sind eine Kur für Leib, Seele und Glauben. Es hat so gut getan, Zeit mit Gott zu verschwenden.  Herrlich! Und über meinen Glauben nachzudenken. Zugegeben, manchmal ist es auch nicht so einfach. Denn in der Stille fällt einem  manches ein, was vielleicht nicht so gut läuft im eigenen Leben. Das kann auch mal weh tun. Deshalb ist es ein Segen, in dieser intensiven Zeit jeden Tag mit einer kundigen Begleitperson sprechen zu können, damit man sich nicht in den eigenen Gedanken und Erfahrungen verliert. Es geht ja darum, zu spüren, wie Gott im eigenen Herzen wirkt und arbeitet.

Die Mama, die ich damals war, hat sich in der folgenden Zeit sehr verändert! Denn seit vielen Jahren arbeite ich nun selbst in einem Exerzitienhaus und begleite andere bei ihren Exerzitien. Und wir haben reichlich zu tun – weil es immer Menschen gibt, die sich nach solchen stillen Tagen sehnen. Sie kommen aus vielen Berufen und allen Altersgruppen – und alle suchen die Stille mit Gott. Denn wenn es still ist, hört man Gottes Stimme leichter. Auch wenn man es von außen nicht ohne Weiteres sehen kann: Gott zu begegnen, verändert jeden Menschen.

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Sonntags ist die Schlange beim Bäcker  lang und geht bis auf die Straße hinaus. Drinnen arbeiten sieben Verkäuferinnen um die Wette und kommen kaum nach. Denn Sonntag ist Frühstückstag! Für viele ist das Sonntagsfrühstück ein heiliges Ritual geworden. Wer hat schon  während der Woche  noch Zeit für gemeinsame Mahlzeiten? Aber am Sonntag passt es dann. Und so ziehen die Leute scharenweise glücklich mit den prallen Brötchentüten nach Hause, während hinter der Theke ständig nachgebacken wird.

Für andere läuteten Sonntags die Glocken. Sie gehen vielleicht heut e morgen nicht zum Bäcker, dafür aber zur Kirche. Der Sonntag ist und bleibt für uns Menschen nun mal ein besonderer Tag, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Und die sind alle wertvoll.

Für die, denen der Gottesdienstbesuch noch wichtig und heilig ist, behält der Sonntag seine ganz eigene Prägung. Es ist der Tag Gottes, ein Feiertag, an dem immer wieder die Auferstehung von Jesus gefeiert wird. Im Gottesdienst stärken das Wort Gottes und die gemeinsame Feier Leib und Seele. Der Sonntag eröffnet die neue Woche und lädt dazu ein, sich diesen einen Tag  mal weniger mit den Dingen des Alltags, als mit Gott und dem Leben zu beschäftigen.  Wer daran gewöhnt ist, möchte nicht darauf verzichten.

Und jene, die nicht  zum Gottesdienst gehen haben mit dem Sonntagsfrühstück ein anderes Ritual für sich gefunden, das ihnen heilig ist. Auch für sie ist der Sonntag ein besonderer Tag. Sie verbringen auf diese Weise wenigstens einmal in der Woche eine kostbare Zeit mit Freunden oder mit der Familie. Sie feiern vielleicht nicht Gott, aber sie feiern das Zusammensein und stärken sich so für die nächste lange Woche. Beides ist wichtig.

Allen aber  wünsche ich einen gesegneten Sonntag!

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