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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Eine dicke Biographie über ihn hab ich schon gelesen. Und zu Weihnachten hat mir eine Freundin ein Büchlein mit seinen berühmten 95 Thesen geschenkt. Kein Zweifel: 2017 ist das Jahr, in dem sich auch die Katholikinnen und Katholiken intensiver mit Martin Luther beschäftigen. Am 31. Oktober vor 500 Jahren nämlich hat er seine Thesen veröffentlicht und damit die Reformation in Gang gebracht, wir sind also mitten im Gedenk- und Jubiläumsjahr. Und heute, am 18. Februar, ist Martin Luthers Todestag: Im Jahr 1546 ist er gestorben. 

Wäre Luther ein Heiliger, dann wäre wohl heute sein Gedenktag. Denn meistens erinnert sich die katholische Kirche am Todestag an einen Heiligen. Aber natürlich: Martin Luther ist kein Heiliger, und er hatte auch mit Heiligen nicht viel am Hut. Außerdem gibt es manches, was in seinem Leben und seinen Schriften nicht ganz so heiligmäßig war. Und da meine ich nicht nur die Schriften gegen den Papst in Rom, sondern vor allem die gegen die Bauern und die Juden. Und trotzdem: Als Katholikin hat Martin Luther etwas von einem Heiligen für mich. Ich weiß ja: Heilige müssen nicht perfekt sein, die wenigsten waren fehlerfrei. Aber sie haben so gelebt, dass sie mir ein Vorbild sein können. Und das gilt für Martin Luther schon. 

Stark finde ich zum Beispiel, wie er um seinen Glauben gerungen hat. Wie er nicht stehen geblieben ist bei dem, was ihm in seiner Kindheit von Gott beigebracht wurde und was ihm bei seinem Glauben Angst gemacht hat. Sondern: Er hat nach dem Gott gesucht, der ihm nah ist und der ihm hilft. Und natürlich beeindruckt mich auch immer wieder Luthers Standhaftigkeit und sein Mut. Als er für sich erkannt hat, was richtig ist im Glauben: Da hat er das ohne Angst nach außen vertreten, sogar Papst und Kaiser gegenüber. Er hat viel riskiert, andere Reformer damals sind auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Luther hat immer das gepredigt und verteidigt, was sein Glaube und seine Überzeugung waren. Das ist für mich vorbildlich. Davon will ich mir eine Scheibe abschneiden, gerade in diesem Reformationsgedenkjahr 2017.

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Es sind wirklich heftige Zeiten für die Demokratie gerade. Das empfinden viele so, ich auch. Ich hab Angst vor dem, was Donald Trump in den USA noch alles anstellen könnte. Dieser Präsident, der Richter verunglimpft und auch sonst polemisch und rassistisch redet und handelt. Auch, was in Europa passiert, macht mir Sorgen. Viele Menschen bei uns sind offenbar so genervt von Staat und Politik, dass sie kaum noch jemandem trauen und am liebsten alles anders hätten. Und dann Menschen wählen, die wie Trump vor allem andere niedermachen und sich um Wahrheit und Recht wenig scheren. Bis Ende Mai finden bei uns in Deutschland drei Landtagswahlen statt und in Frankreich die Präsidentschaftswahlen. Ich hab Angst davor, dass rechte Parteien immer mehr Stimmen bekommen. Und dass Werte wie Solidarität und Nächstenliebe, Religionsfreiheit und Pressefreiheit immer weniger geachtet werden. 

Mir macht das Sorge. Und ich denke darüber nach: Was kann ich tun für die Demokratie. Denn auch das empfinden im Moment ja viele: Unsere Demokratie ist eben nicht selbstverständlich. Wenn ich bisher dachte: Da passiert schon nichts, unser freiheitlich-demokratische Grundordnung kann schon auf sich selbst aufpassen, dann hab ich mittlerweile das Gefühl: Ich muss dazu beitragen, sie zu schützen. Ich muss diese Demokratie mit verteidigen und stärken. Nicht nur als Bürgerin, sondern auch als Christin. Werte wie Nächstenliebe und Religionsfreiheit, die sind mir auch als christliche Werte enorm wichtig. Ich will, dass die weiter gelten in meinem Land und nicht nur da. 

Aber wie kann ich als einzelne Bürgerin und Christin die Demokratie verteidigen? Vielleicht ist es leichter, als ich manchmal denke. Ich hab mir vorerst drei Dinge vorgenommen. Das erste macht mir sogar gerade richtig Spaß: Ich will mich ausführlicher informieren. Und zwar nicht bei den fakenews dieser Welt, sondern in meiner Zeitung, der ich vertraue. Die lese ich jetzt am Wochenende gründlicher als bisher. Und zweitens: Ich will mitdiskutieren. Abends am Kneipentisch mit Freunden genauso wie im Zugabteil mit Fremden. Ich will zuhören, und ich will für meine Werte einstehen. Drittens werde ich natürlich wählen gehen. 

Die Demokratie stärken. Ich glaube wirklich: Das kann heute jeder Mensch. Und es soll auch jeder Mensch.

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Er ist wirklich eine Art Wundermedizin: Er stärkt das Immunsystem und ist vorbeugend gegen alle möglichen Krankheiten. Und er ist auch noch rezeptfrei und kostengünstig zu haben: der Schlaf! Erst neulich hab ich wieder in der Zeitung von Studien gelesen, die das bestätigen: Schlaf hält gesund! Je mehr die Studienteilnehmer geschlafen haben, desto stärker war ihre Abwehrkraft gegen Erkältungen. Und wenn Frauen Sport trieben und dazu noch viel Schlaf bekamen, dann hatten sie ein 50 Prozent geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken als hochaktive Frauen mit Schlafmangel.

Schlaf ist also eine wunderbare Medizin. Und trotzdem hat er in unserer Gesellschaft keinen besonders guten Ruf. Vermutlich liegt es daran, dass wir so rastlos und ohne Pausen leben und immer online sein wollen. Da gilt: Wer viel schläft, der verpasst etwas oder der ist nicht leistungsfähig genug. Manager und Führungskräfte erzählen ja gerne mal: Ich brauche nur fünf Stunden die Nacht! Schlaf ist da nicht Wundermedizin, sondern Zeitverschwendung.

Dagegen sprechen für mich nicht nur die medizinischen Studien, sondern auch: religiöse Gründe. Immerhin sagt schon die Bibel: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ (Psalm 127,2). Ich muss nicht ständig etwas leisten, es hängt nicht alles von mir ab. Gott gibt das Seine dazu, er ist zuständig für die Rettung der Welt. Und vor allem: Er will, dass es uns Menschen gut geht. Dass wir gesund bleiben. Er sagt uns: Liebe dich genauso wie deinen Nächsten.

Deswegen ist für mich Schlaf nicht nur Medizin, sondern auch eine Art göttliches Gebot: „Mensch, ruh dich genug aus!“ sagt es. „Liebe und pflege dich selbst!“ Und auch: „Du sollst den Schlaf und die Nacht ehren!“ Genauso, wie Gott den Sonntag als Pause nach der Werktagswoche hat - genauso hat er auch die Nacht als Pause nach dem Tag geschaffen. Die soll ich respektieren, die darf ich nutzen. Damit es mir gut geht und damit ich nicht krank werde. Wundermedizin Schlaf – ich nehme sie gerne zu mir!

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Die zwei Frauen hinter mir im Bus sind aber auch wirklich mit allem unzufrieden. Ob Straßen, Geschäfte, Fahrzeiten der Busse, Bankzinsen: nichts passt ihnen. Alles ist schlecht in unserer Stadt, alles! Nirgends ein Lichtblick. 

Ich will das alles gar nicht hören und muss doch, so Bank an Bank im Omnibus. Und so kann ich beobachten, wie da richtig eine Rutschbahn der Gefühle in Gang kommt. Die beiden sind heute offensichtlich nicht gut drauf. Sie sehen überall Probleme und legen immer noch eins dazu. Und die Laune wird immer mieser. Wenn man sich in Wut geredet hat, dann geht schon mal der Überblick verloren und die Logik gerät irgendwie durcheinander. Das ist bei mir nicht anders. Vielleicht müssen die beiden Frauen einfach nur mal Druck ablassen und sind nachher wieder besser drauf? Sie schimpfen ja nur, werfen keine Steine und beleidigen niemanden persönlich.

Aber – harmlos ist es vielleicht doch nicht. Ich frage mich besorgt: woher kommt so viel Zorn und Wut von wohlsituierten Menschen? Es gibt sicherlich verschiedene Gründe, auch sehr persönliche. Viele empfinden ihr Leben insgesamt als bedroht. Denn es wird immer deutlicher: Wohlstand und Sicherheit können wir uns wünschen, aber niemand kann das garantieren. Das macht Angst. Angst aber macht ohnmächtig, und aus der Ohnmacht entstehen Zorn und Wut.

Wut ist auf Dauer ungesund und wenig hilfreich. Sie setzt sich fest, sie vergiftet das eigene Denken und Fühlen. Und sie trübt die Augen. Denn irgendwann sehe ich dann nur noch schwarz. Deshalb ist es mir wichtig geworden, auf meine Worte zu achten: Wie spreche ich? Wie kritisiere ich? Wie bin ich drauf? Das zu überprüfen und mich zu befragen ist – so finde ich – meine Pflicht. Ich übe schon länger, meine Worte und Gefühle nicht ungebremst auf andere loszulassen. Ich will nicht, dass Zorn und Wut über mich bestimmen. Ich möchte die Chefin meiner Worte bleiben. Auch im Omnibus!

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„Bitte“ und „Danke“ sagen gehörte früher zu einer guten Kinderstube. Und die meisten Kinder lernen das auch heute noch genauso. Kleine Kinder bringen sogar gerne Gegengeschenke – und haben Freude daran, wenn diese von den Großen gerne genommen werden.

Es sind mehr Erwachsene, die das Wort „Danke“ nicht kennen. Es gibt Menschen, die verweigern die Dankbarkeit! Ihr Wort ist: Das habe ich verdient! – oder: Das steht mir zu! Und deshalb muss man auch nicht dankbar sein. Solche Menschen glauben: Es steht mir zu, dass ich immer bevorzugt behandelt werde. Es steht mir zu, dass ich verwöhnt werde! Es steht mir zu, in einem reichen Land zu leben. Es steht mir zu, immer der Erste zu sein. Und so könnte man die Liste noch lange fortsetzen. Beliebt machen sie sich damit nicht. Weil sie fordern, statt dankbar zu sein. Auf lange Sicht sind eingeforderte Wünsche eine Anleitung zum Unglücklichsein. Denn wer mag Zuwendung geben, die fast erzwungen wird? Wer möchte schon jemanden bevorzugt behandeln, der darauf besteht, bevorzugt behandelt zu werden? Und wer mag jemanden, der jede Zuwendung als sein Recht ansieht? 

Ich horche in mich hinein. Kenne ich das – manchmal – zu glauben, es gibt ein Recht auf Liebe, Aufmerksamkeit, Trost? Vermutlich taucht das bei jedem ab und zu auf. Solche Gefühle entstehen dann, wenn alles zu selbstverständlich geworden ist. Wenn ich nicht mehr daran denke, dass eben gar nichts selbstverständlich ist. Mir hilft dann, mich zu erinnern, wer Gott für mich ist. Ich sehe in Gott den Schöpfer dieser Welt. Ihm gehört alles. Und von ihm kommt alles. Gott gibt, damit Leben werden kann. Mein Leben ist ein Geschenk. Dass ich heute aufwachen konnte, ist ein Geschenk. Dass ich sprechen kann, ebenso. Sogar dass ich danke sagen kann, ist ein Geschenk. Nichts davon steht mir zu, auf nichts davon habe ich ein Anrecht. Alles, was ich bin und habe, verdanke ich Gott – und das ist jeden Tag eine ganze Menge!

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Ich bin so froh! Jeden Tag geht die Sonne jetzt wieder eine Minute früher auf als am Tag zuvor. Ungeduldig schaue ich beim Aufstehen: Wie ist es heute, wie dunkel ist es noch, wie hell ist es schon? Es ist wie das Aufwachen aus einem langen dunklen Traum. Es wird wieder besser! Es wird wieder heller! Jeder kann es sehen und miterleben. Sonnenlicht beeinflusst uns Menschen sehr stark. Dunkelheit drückt aufs Gemüt. Wenn es wieder heller wird, werden auch viele Gedanken wieder heller. Es gibt Menschen, die immer, sommers wie winters jeden Morgen sehnsüchtig darauf warten, dass es hell wird. Kranke sind oft froh, wenn die lange Nacht zu Ende ist. Und alle, die Kummer haben, ebenso. Wer nachts arbeitet, wartet darauf, erlöst zu werden von der nächtlichen Anstrengung. So sehr kann ein Mensch auf den Morgen warten.

„Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als der Wächter auf den Morgen“ heißt es in einem Psalm (Psalm 130,6). Wie ein Wächter auf den Morgen wartet, können alle nachfühlen, die Kummer haben und darauf hoffen, dass der Kummer weniger wird, dass Gott ihnen hilft, das sie wieder Licht sehen am Ende ihrer seelischen Dunkelheit. Wie schwer ist es, Kummer auszuhalten! Wie lange das oft dauert. Und wie groß der Wunsch, es soll leichter werden und heller. Gleich, sofort. Und wieviel Geduld das kostet.

Wie gut, wenn dann Menschen zur Seite stehen. Damit meine ich gute Freundinnen und Freunde und andere Begleiterinnen und Begleiter, die mit-warten. Die daran erinnern, nicht aufzugeben, sondern geduldig zu bleiben. Und die – vor allem – keinen Druck machen, dass es schneller gehen soll. Denn so wenig wie ein Mensch den Sonnenaufgang herbeizwingen kann, so wenig kann ein Mensch erzwingen, dass es seiner Seele gut geht. Deshalb sind liebe Menschen an der Seite so wichtig. Sie helfen, indem sie mit-warten, solange es noch dunkel ist. So lange mit-warten, bis es hoffentlich wieder hell wird.

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