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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Nur noch ein Tag, dann ist das Jahr 2016 vorbei. Wie war es eigentlich, das vergangene Jahr? Wie war es für Sie?An Silvester kommen bei mir immer die Erinnerungen. An das, was ich im vergangenen Jahr erlebt habe. Schönes und Schlimmes, Erfolge und Niederlagen. Und oft drängt sich das Schmerzliche und die Niederlagen nach vorne.

Heute möchte ich es ganz bewusst mal andersrum machen. Heute will ich mit dem Schönen anfangen. Möchte versuchen, wert zu schätzen, was gewesen ist.

Zum Beispiel: Was ist mir dieses Jahr alles geschenkt worden? Und damit meine ich jetzt nicht nur an Weihnachten und am Geburtstag. Sondern zwischen Tür und Angel, einfach so. Welche Menschen haben mein Herz berührt? Mich glücklich gemacht? Welche wunderbaren Orte habe ich im letzten Jahr gesehen? Welche Gespräche und Momente möchte ich nicht vergessen?

Alles, was da aufleuchtet und mein Herz im Nachhinein noch einmal wärmt - für mich hat das immer auch was mit Gott zu tun. Denn ich bin mir sicher, er ist mir im letzten Jahr des Öfteren über den Weg gelaufen. Und ich glaube, Ihnen auch.

Gott kommt als Mensch. Das haben wir an Weihnachten gefeiert. Und als Mensch kommt Gott immer mit dem richtigen Wort zur rechten Zeit. Man kann ihn spüren an besonderen Orten und in der Natur.

Er ist dabei, wenn das Gespräch auf einmal ganz dicht wird, und wenn es zwischen zwei Menschen liebevoll, achtsam und fröhlich zugeht. Das alles sind die Momente, die ich nicht vergessen möchte.

Und das Schlimme und Schmerzliche im letzten Jahr? Das war ja auch. Und das wird auch weiter bleiben. Aber das Schöne hilft mir dabei, es zu tragen. Wenn ich in all dem Schönen entdecke, dass Gott mir auf meinem Weg begegnet ist, dann kann ich auch eher darauf vertrauen, dass er mir auch in schwierigen Situationen begegnet. Und dass er mir und Ihnen hilft. Auch im nächsten Jahr.

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Warum ist die Bibel so dick? Das fragen mich meine Konfirmanden manchmal.
Und es stimmt ja, die Bibel ist ein sehr dickes Buch. Und sie ist deshalb so dick, weil sie auf ganz vielfältige Weise von Gott erzählt und was den christlichen Glauben ausmacht.

Es gibt die Bücher, die von Jesus erzählen, und die Bücher, die von den Vorfahren Jesu, von Abraham, Miriam und David erzählen, es gibt ein Buch voller Lieder und Gebete, es gibt die Briefe von Paulus an die ersten Christengemeinde und vieles mehr. Schön und gut, meinen meine Konfirmanden, aber geht das nicht kürzer? Brauchen wir das wirklich alles?

Warum nicht zum Beispiel nur ein Buch über Jesus? Ein paar Lebensdaten, knappe Infos und Schluss? Aber da fängt es schon an: Lieber die Erzählung, also das Evangelium nach Lukas? Der hat vor allem die Armen im Blick und bei dem spielen auch die Frauen eine wichtige Rolle. Deshalb erzählt er auch von Maria und Elisabeth und von den Hirten, die zum Stall gehen, um als erste Jesus zu sehen.

Oder lieber das Evangelium nach Matthäus? Der legt großen Wert darauf zu zeigen: Jesus war Jude. Seine Vorfahren waren Könige und Väter der jüdischen Geschichte. Matthäus spannt seinen Erzählbogen bis ans Ende der Welt. Deshalb erfahren wir von ihm von den drei Weisen aus dem Morgenland.
Beim Krippenspiel in unserer Gemeinde brauchen wir beides: die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland. Sonst würde was fehlen.

Muss die Bibel so dick sein? Das haben sich unsere Vorfahren auch gefragt. Als sie vor über 1800 Jahren entschieden haben, welche Bücher letztlich in der Bibel landen und welche nicht. Sie haben damals heftig miteinander gestritten: Was ist für den Glauben an Gott wichtig? Welche Erfahrungen, die unsere Vorfahren mit Gott und mit Jesus gemacht haben, sollen in die Bibel rein, welche nicht?

Und sie haben entschieden: Gott ist so groß und vielfältig, Gott ist den Menschen auf so unterschiedliche Weise begegnet, deshalb muss die Bibel so dick sein.
Und genau deshalb ist sie auch das spannendste Buch, das ich kenne.

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Wo die Familie zusammen kommt, da kann es schön sein, aber auch sehr wehtun. Schön ist es, wenn die Familie gemeinsam isst, um den Weihnachtsbaum herum sitzt und lacht.

Das ist aber nicht überall so. Denn wo die Familie zusammen kommt, da sind Leute beieinander, die sich sehr gut kennen. Und die einander deshalb auch tief verletzen können. Da reicht manchmal schon ein Wort oder nur ein Blick.

Ich kenne Familien, die sind jetzt echt froh, dass sie die Weihnachtstage ohne größeren Streit hinter sich gebracht haben. Und dass jeder wieder in seinen eigenen vier Wänden ist und man sich den Rest des Jahres nur noch am Telefon begegnet.

Und ich kenne Familien, die haben Weihnachten gar nicht zusammen gefeiert. Weil sie so verletzt sind, dass sie nicht mehr miteinander reden können. Aber es gibt auch die anderen Familien: Die leben mit drei, vier Generationen unter einem Dach. Und können gut miteinander – jeden Tag.
Manchmal frage ich mich: Wie machen die das? Sich so gut zu kennen, sich so nah zu sein und sich trotzdem so gut zu verstehen?

Wenn ich nachfrage, wie das geht, sagen die meisten: „Ab- und zugeben“. Nur so geht‘s. Jeder gibt ab und zu. Jeder geht Kompromisse ein, nimmt sich selbst nicht immer zum Maßstab aller Dinge. Jeder, auch die Alten. Die eben nicht meinen, sie hätten ja die Erfahrung und deshalb recht. Und auch die Jungen geben ab und zu. Und meinen nicht, sie hätten so einen Stress, da müsse man Rücksicht nehmen.

Ab- und zugeben. Gar nicht so einfach. Ehrlich gesagt hab ich es schon ganz gerne, wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle. Trotzdem glaube ich, dass kein Weg daran vorbei führt: Wenn wir alle es miteinander schön haben wollen, dann müssen wir alle ab- und zu geben, Kompromisse machen, Rücksicht nehmen.

Und das gilt nicht nur in der Familie. Das gilt auch in der Weltpolitik.
Denn letztlich wohnen wir alle unter einem Himmel.

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Weihnachten ist keine Jahreszeit, sondern ein Gefühl. So steht es auf einer Weihnachtskarte, die ich dieses Jahr geschenkt bekommen habe. Und jetzt, in der Zeit zwischen den Jahren, habe ich Zeit, darüber mal nachzudenken.

Ja, ich gebe zu, in der Zeit vor Weihnachten nehme ich Sie bestenfalls zur Kenntnis, aber zwischen den Jahren, da sehe ich sie alle nochmal an. Ich denke Sie kennen das, da sind ganz unterschiedliche Karten dabei.

Das Autohaus wünscht frohe Weihnachten, die Druckerei gar gesegnete Weihnachten, ein Versandhaus Merry Xmas und einige Freunde und Bekannte schreiben auch längere Jahresrückblicke.

Ich genieße es die Karten nochmal mit Zeit anzuschauen, zu sehen was jede schreibt und was jeder damit auch über sich aussagt. Und da ist auch diese Karte dabei: Weihnachten ist keine Jahreszeit, sondern ein Gefühl.

Mmmm, ich lese es zweimal und denke schön, das spricht mich an. Ja es ist keine Jahreszeit, wie Frühling oder Sommer, aber eine Kirchenjahreszeit ist es schon.

Und Gefühl, ja Gefühl- davon hat Weihnachten ja ganz viel. Sehr unterschiedlich, zärtlich, sehnsüchtig, aber manchmal auch ängstlich und angespannt….
Aber irgendwie hat es mir diese Karte angetan. Das Gefühl Weihnachten – Geburt – Neuanfang.

Weihnachten soll sich anfühlen wie zart keimende Hoffnung, ein Neuanfang im Winter, Licht auch im Dunkel. Sinn in der Verzweiflung.

Aber Weihnachten ist nicht nur Gefühl. Das wäre ja schlimm, wenn dieses Datum davon abhinge, wie wir uns fühlen. Es ist ein wiederkehrendes Fest. -  eine Kirchenjahreszeit.
Die Weihnachtsfeiertage lenken unseren Blick auf die Möglichkeiten, auf einen Start mitten im Leben.

Weihnachten ist auch ein Gefühl – ein Geschmack der Unendlichkeit, die Chance für einen Neuanfang, konkret Start und Anbruch. Machen Sie sich auf und fangen an.

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Bis heute werde ich ehrfürchtig, wenn ich sie betrete - die Hagia Sophia im Herzen von Istanbul. An einem 27. Dezember im Jahr 537 wurde sie eingeweiht. Das muß ein großartiger Tag gewesen sein, Sonnenschein draußen, majestätische Ruhe drinnen. Unter der riesigen Kuppel ist der Raum voll mit Menschen, die der Einweihung andächtig beiwohnen.

Die Hagia Sophia war damals die größte Kirche der Christenheit. Gedacht als Symbol der Einheit der Welt. Dann war sie lange Zeit eine Moschee. Heute ist sie nur noch ein Museum.

Ursprünglich war sie als Gotteshaus für die ganze Christenheit gedacht. Aber in ihrer Geschichte wurde sie immer wieder erobert – immer im Namen der jeweiligen „wahren Religion“.
Für mich ist die Hagia Sophia heute ein Denkmal im wahrsten Sinn des Wortes. Sie bringt mich zum Nach- Denken.

Sie erinnert mich daran, dass Menschen schon immer ihre Religion missbraucht haben, um Menschen zu unterdrücken, die eine andere Religion und Kultur haben.
Wenn ich daran denke, spüre ich einen Schmerz, einen Schmerz den ich auch von Weihnachten kenne.

Weihnachten ist eigentlich ein Fest des Friedens – der Versöhnung. Doch schon in der Weihnachtsgeschichte selber ist die Rede von Gewalt. Der König Herodes will das Jesuskind töten. Und was die Kämpfe um die Hagia Sophia betrifft: so viele Menschen sind dabei gestorben – Christen, Muslime, Juden.

Menschen sind schon immer weit hinter dem zurückgeblieben, was Gott mit ihnen vorhatte. Und doch möchte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Religionen dem Frieden dienen können und es auch tun.

Die Hagia Sophia war Kirche, Mosche und Kultort. Sie hat den Gläubigen der verschiedensten Religionen eine Heimat gegeben. Deshalb ist sie für mich Heimat im weitesten Sinn. Ein Sehnsuchtsort der Versöhnung – ein in Stein gehauenes Weihnachtsfest.

An Weihnachten feiern wir ja nicht nur, dass den Christen Heil widerfahren ist. Wir feiern, dass Gott zu allen Menschen kommt, - dass seine Liebe auch denen gilt, die anders glauben als wir.

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Der zweite Weihnachtsfeiertag ist bei uns ein ruhiger, entspannter Tag. Das Fest ist fast vorbei, aber wir haben noch Zeit, bevor der Alltag wieder losgeht.
Dieser Tag wurde ausgewählt als Gedenktag für verfolgte und bedrängte Christen. Das hat etwas mit der Geschichte der Heiligen Familie zu tun.

Nach der biblischen Geschichte haben Maria und Josef gerade erst die zweite Nacht ein Dach über dem Kopf und schon müssen Sie wieder weiter. Sie müssen nach Ägypten fliehen, weil ihrem Sohn der Tod droht. Schutzlos sind sie der Verfolgung durch den  Herrscher Herodes ausgeliefert.
Deshalb bleibt ihnen nur die Flucht. In ihrem Heimatland sind sie „Verfolgte“ und in Ägypten werden sie „Geflüchtete“ sein.

Diese Geschichte stellt uns, die wir sicher wohnen, die Frage: Wie wäre es, wenn wir nicht in Frieden Weihnachten feiern könnten – wenn wir nach dem Vorlesen der Weihnachtsgeschichte damit zu rechnen hätten, dass jemand an die Tür klopft und uns verhaften will?
Würden wir fliehen? Viele Menschen auf der ganzen Welt tun das.

Wenn Leib und Leben bedroht sind durch Gewaltherrschaft, Unterdrückung oder Hunger. Dann macht man sich auf den Weg – dann flieht man. Um die eigenen Kinder zu retten, um weiterleben zu können.

Das Kind, das an Weihnachten geboren wurde und danach fliehen musste - es hat sich als erwachsener Mann sein Leben lang eingesetzt für die, die fliehen mussten, die unterdrückt oder ausgegrenzt worden sind.

Jesus ist in eine Welt voller Gewalt und Unfriede hineingeboren worden. Er hat wahrscheinlich Schlimmes erleben müssen. Und trotzdem ist er an  diesen Erfahrungen nicht zerbrochen.

Er war der Überzeugung: wer Bösen erlebt und überwunden hat, der kann denen helfen, die selber Schlimmes durchmachen.

Vielleicht setzen wir uns auch ein gegen die Unterdrückung und Verfolgung von Christen. Oder wir setzen uns ein, dass jeder in unserem Land Schutz bekommt, wenn er oder sie fliehen mußte.
Vielleicht können wir weitergeben, was wir bekommen haben. So wie Jesus das getan hat.

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Die Zukunft der Welt beginnt heute. Dieser Morgen nach dem Heiligen Abend, nach der Heiligen Nacht - für mich ist er immer etwas Besonderes. Draußen ist es noch dunkel und still. Aber Sie und ich, wir sind jetzt wach.

Selbst in den Phasen meines Lebens, in denen ich wenig mit Familie und Kirche zu tun haben wollte, war dieser Abend und dieser Weihnachtsmorgen etwas Besonderes.

Und nicht wegen der Geschenke. Nein, wegen der besonderen Ruhe. Ich finde die Nacht ist immer stiller als andere, obwohl man vielleicht so viele Menschen um sich hat.

Ich finde die Morgende immer langsamer, obwohl es so viel zu tun gibt. Vielleicht ist es die Botschaft von Weihnachten:

Mit jedem Kind beginnt die Zukunft der Welt. Ich erinnere mich noch gut an die Geburten meiner Kinder. Die Anspannung und die Angst vor der Geburt. Und dann das unbeschreibliche Glück dieses neugeborene Kind in den Händen zu halten. Und zu spüren: ab jetzt wird sich mein ganzes Leben ändern.

Damit meine ich nicht nur den Stress und die kurzen Nächte. Meine ganze Sicht auf die Welt hat sich geändert. Seit der Geburt meiner Kinder denke ich anders. Ich möchte, dass sie in einer guten Welt aufwachsen.

Ich glaube, dass auch Josef diesen Gedanken gehabt hat, damals in der Heiligen Nacht. Als er zum ersten Mal seinen Sohn, das Jesuskind im Arm gehalten hat.

Jeden Tag werden Kinder geboren. Sie verändern unser Leben und unsere Sicht auf die Welt.
Trotzdem ist die Welt keine friedliche Welt - Weltweit ist Weihnachten kein friedliches Fest. In der Politik nicht - und im Privaten auch nicht.

Aber Weihnachten will uns daran erinnern: mit diesem Kind in der Krippe und mit jedem Kind beginnt die Zukunft der Welt. - Das ist das Geheimnis von Weihnachten.

Ein Abend, eine Nacht und ein Morgen, herausgenommen aus der normalen Zeit, eine besondere, eine heilige Zeit. Ein Neuanfang für uns alle.

Gott wird ein Mensch!
Mit jedem Kind beginnt die Zukunft der Welt. Gesegnete Weihnachten!

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