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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg, denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“ Vielleicht kennen Sie den Song der Gruppe Silbermond.

Reisen mit leichtem Gepäck- das hat eine lange Tradition. Schon Jesus schickt seine Jünger mit leichtem Gepäck auf den Weg. Eigentlich mit gar keinem Gepäck. Sie sollen nur mitnehmen, was sie auf dem Leib tragen. Schuhe an den Füßen und einen Stab in der Hand. Aber keine Tasche.

So sind die Jünger damals durch Städte und Dörfer gezogen. Sie haben nicht die Wahl, ob sie 99% wegwerfen sollen. Sie gehen einfach los. Mit nur 1%.

Aber wie ist das mit uns? Brauchen wir wirklich so wenig? Kommen wir mit so wenig aus? 1 % von dem, was wir haben? Ich bin mir da nicht sicher.

Wie soll das gehen, mit leichtem Gepäck reisen? Beim Pilgern kann man das ausprobieren. Jedes Jahr bricht mein Mann mit einer Gruppe auf, um vier Tage durch die Pfalz zu pilgern. Alle haben nur einen kleinen Rucksack dabei. Nur das nötigste halt. Weil sie alles was sie mitnehmen, mit sich rumschleppen müssen. Unterwegs helfen sie sich gegenseitig aus mit Pflastern und manchmal nehmen sie einander auch das Gepäck ab. Sie laufen nicht nur miteinander, sie achten aufeinander. Auf dem Weg vertrauen sie einander auch das an, was ihnen das Herz schwer macht. Und sie nehmen sich Zeit für Stille und Gebet. Da läuft es sich einfach leichter, wenn man keine Zentnerlast auf seinen Schultern trägt.

Reisen mit leichtem Gepäck. In Gemeinschaft geht das leichter. Deswegen hat Jesus die Jünger damals auch zu zweit auf den Weg geschickt. Zu zweit ist es leichter, Sicherheit hinter sich zu lassen, auf Komfort zu verzichten. Wenn einem was auf der Seele liegt, kann der andere Kraft geben. Da fällt gar nicht so sehr auf, wenn man wenig dabei hat. Man gewinnt viel dazu. In der Begegnung mit sich selbst, mit anderen und mit Gott. So erzählen es auch die Pilger nach den vier gemeinsamen Tagen.
Also ist es einen Versuch wert, mit wenig Gepäck zu reisen. Und mit viel Platz für neue Begegnungen und Erfahrungen.

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Ist bei Ihnen auch grade kein Urlaub in Sicht? Vielleicht, weil der letzte eben erst vorbei ist? Oder das Geld knapp? Dann habe ich eine Idee für Sie: eine Reise ins Land der Phantasie. Das geht wunderbar. Ich mach das öfter.

Eine besonders schöne habe ich auf einer Weiterbildung erlebt. Erst habe ich mich auf meinem Stuhl zu recht geruckelt. Also: Beine gerade auf den Boden. Den Kontakt zwischen Fußsohlen und Boden spüren. Das ist wie Koffer packen. Alles zusammensuchen, was man braucht: Füße, Beine, den Bauch und die Arme. Nicht zu vergessen den Kopf. Alles da? Gut.

Dann geht es los. Ich schließe meine Augen und stelle mir vor, wie ich mich auf einen wunderschönen Teppich setze. Der ist nicht nur wunderschön, der kann auch fliegen.

Und dann fliege ich los. Natürlich nur in meiner Phantasie. Was heißt nur. In meiner Phantasie kann ich mir jedes Ziel aussuchen. Die Malediven, Island, Südamerika, Alaska. Überall kann ich hin. Vor meinem inneren Auge kann ich das alles sehen. Am Ziel angekommen lande ich auf einem Markt. Ich streife über den Markt, bleibe hier stehen, schaue dort etwas an. Und kaufe schließlich zwei Gegenstände, die mir in dem Moment wichtig sind. Die packe ich ein und nehme sie mit nach Hause.

Als die Reise in der Gruppe zu Ende war, haben wir uns gegenseitig erzählt, wo wir waren. Und was wir mitgebracht haben. Jeder war an einem anderen Ort. Für jeden war dieser Ort sein Paradies. Und jeder hat etwas mitgebracht, was er persönlich mit dem Paradies verbindet. Diese Gegenstände haben Licht vermittelt. Oder Stärke, Geborgenheit oder Lebensfreude.

Es ist erstaunlich, wieviel Ahnung jeder davon hat, vom Paradies. Von dem Ort, an dem alles gut ist. Wo man unbeschwert lebt, in Frieden mit Gott und der Welt.
Und deswegen mag ich Phantasiereisen.

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Das Meer ist für viele ein besonderer Ort. Für mich ist es der Ort; die Langsamkeit lieben zu lernen.
Ich kann stundenlang am Strand sitzen und aufs Meer schauen. Dieses Blau bis zum Horizont. Jede Welle sieht anders aus. Wenn man die Augen schließt, hört man das Meer rauschen. Die Luft riecht nach Salz und die Lippen schmecken salzig. Und vor allem: Es fühlt sich gut an, langsam zu sein. Dort am Meer.

Zu Hause ist das anders. Da bringt mich die Langsamkeit schon mal an den Rand der Verzweiflung. Wenn die Ampel nicht grün wird und ich doch eh schon 5 Minuten zu spät bin. Wenn im Hochhaus der Aufzug nicht kommt, dann renne ich lieber die Treppen rauf. Im Alltag bin ich schnell, muss das auch sein.

Lange dachte ich, ich muss die Langsamkeit aus dem Urlaub mit in den Alltag nehmen. Entschleunigung nennt sich das. Die musst du hinkriegen! Aber mittlerweile glaube ich: Langsamkeit hat ihre Zeit und Schnelligkeit auch.

Es gibt eben verschiedene Zeiten mit ihren je eigene Geschwindigkeiten. Alles hat seine Zeit, heißt es im Alten Testament. Geboren werden und sterben, lieben und hassen, Steine aufsammeln und Steine wegwerfen, pflanzen und ausreißen, suchen und finden, schweigen und reden, behalten und wegwerfen.

Alles hat seine Zeit, sagte schon der Prediger vor mehr als 2000 Jahren. Das kann uns von falschen Ansprüchen entlasten. Unseren Blick auf den Moment lenken und das wahrnehmen, was grade ist.

Und wir können die verschiedenen Zeiten im Leben nicht ändern, meint der Prediger. Aber wir können die Zeiten so nehmen, wie sie kommen.
Ich genieße die Langsamkeit am Meer, und komme dann besser durch die schnellen Zeiten.

Das Leben ist nicht nur Urlaub. Es ist auch Arbeit und Mühsal. Beides gehört dazu. Der Prediger hat am Ende seines Lebens erkannt: Das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu genießen, solange er es hat. Das wünsche ich Ihnen, nicht erst im Urlaub, heute Morgen schon.

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„Hier ist die Polizei! Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“ Mit diesem Satz wurde eine Frau, die ich kenne, aufgeschreckt. „Stellen Sie sich vor, erzählt sie mir „Da stehen echt zwei Polizisten vor der Tür. Ich dachte, ich sehe nicht recht. Und fragen mich echt besorgt, ob bei mir alles in Ordnung ist!“

Die junge Frau lebt alleine. Ist schon lange auf Arbeitssuche. Familie hat sie nicht, die Nachbarn kennt sie kaum. Und jetzt hat eine Grippe sie ein paar Wochen in ihren vier Wänden festgehalten.

Es muss ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur gewesen sein. Der kannte sie als ernsthaft und gewissenhaft und jetzt war sie nicht zu ihren Terminen erschienen, hat nicht reagiert auf Anrufe. Und er war besorgt. Deshalb hat er die Polizei gebeten, nachzuschauen. Es könnte ja was Ernsthaftes sein.

„Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“  Die Frage hat die junge Frau getroffen wie ein Schlag. Wie ein positiver Schlag, erzählt sie mir. Sie hat viel Schlimmes erlebt. Vernachlässigung, Gewalt, niemand hat sich recht gekümmert, nicht einmal die nächsten Verwandten.

Und jetzt kommen fremde Menschen, Polizisten. Und fragen: „Ist alles in Ordnung bei Ihnen? Geht es Ihnen denn gut?“ Sie wirkt immer noch ganz ungläubig, als sie mir das Wochen später erzählt. „So hat mich eigentlich noch niemand gefragt.“ Fremde Menschen, die sich kümmern. Deren Stimme nicht gleichgültig klingt, sondern besorgt und freundlich. Das hat ihr so gut getan.

Die Geschichte dieser Frau hat mich nachdenklich gemacht. Vielleicht kann ich im Alltag noch ganz anders umgehen mit Fremden. Eine freundliche Geste, ein Lächeln.  Eine Nachfrage, die ernst gemeint ist.

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Auf einmal war er weg, der Schlüsselbund. Mit allen Schlüsseln dran. Völlig unersetzlich. Und jetzt spurlos verschwunden. Wir haben alles abgesucht. Mehrmals. Aber nichts gefunden. Wo könnte er noch sein?  Irgendwann hab ich gedacht: „Jetzt hilft nur noch beten. Bitte, lieber Gott- auch wenn das vielleicht für dich eine Lappalie ist… bitte lass mich den Schlüssel wiederfinden!“

Danach hatte ich wieder ein wenig Hoffnung, auch wenn das Suchen irgendwann keinen Sinn mehr machte. Wir hatten doch überall geschaut!

Aber tatsächlich: Tage später – wie ein Wunder – taucht er wieder auf, im Haus, an einer unwahrscheinlichen hintersten Ecke, in der niemand gewesen war. Niemand kann sich das erklären. Auch die Kinder und die Katze schauen ganz unschuldig.

Und ich habe gedacht: Wie viel Zeit habe ich in den letzten Tagen verbracht nur mit Suchen! Was hätte ich alles Sinnvolleres tun können!  Überhaupt – mit wie viel Suchen verbringe ich eigentlich meine Zeit? Den Schlüssel hab ich dringend wieder gebraucht, ich musste mich ja drum kümmern. Aber wie ist das mit meiner Beziehung zu denen, die mir wichtig sind? Wie ist das mit meiner Beziehung zu Gott?

Die gerät mir oft aus dem Blick, oder ich verliere den Kontakt. Während ich  dabei bin, Schlüssel zu suchen, oder mit ganz anderen  Dingen beschäftigt bin.

Beim Schlüsselsuchen habe ich mich an einen Satz aus der Bibel erinnert. Da sagt Gott: „Wenn ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich von Euch finden lassen.“  Es ist gar nicht mal unbedingt schwer, Gott zu finden. Oder ihn wieder zu entdecken im Alltag. Die Bibel sagt: Gott suchen, das ist nicht irgendwas. Das ist eine Herzenssache. Und es verändert alles, wenn man ihn findet. Es ist, wie wenn nach vielen dunklen Tagen die Sonne wieder scheint, oder wenn man aufwacht und plötzlich neue Kraft in sich spürt. Oder wenn ich eine Sorge einfach vor Gott bringen kann: „Bitte lieber Gott, bitte hilf mir! Steh mir bei, ich brauche dich jetzt.“

Vielleicht ist es gar nicht so schwer, wieder diesen Kontakt zu Gott zu finden. Auf jeden Fall  ist es mehr als ein wiedergefundener Schlüssel – ein echtes Schlüsselerlebnis!

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Eintreten und ankommen. In einer Kirche. Darauf freue ich mich im Urlaub ganz besonders. Egal ob klein oder groß, uralt oder unscheinbar – ich liebe es, egal wo ich bin, einfach in eine Kirche einzutreten, den Raum auf mich wirken zu lassen und mich hinzusetzen. Etwas ganz Besonderes!

Unsere Kinder rollen dann immer mit den Augen – schon wieder eine Kirche! Aber da müssen sie halt durch. Erstaunlicherweise entdecken sie dann immer auch etwas für sich: eine Ecke, ein Fenster, eine Kerze, die einfach zur Ruhe kommen lässt. Erstaunlich, aber auch die Kinder werden ruhiger und staunen.

Natürlich besuche ich diese Kirchen auch, weil sie von der Geschichte und Architektur her interessant sind, weil sie etwas von ihrer Zeit und ihrem Ort erzählen, auf ihre besondere Weise. Und jede ist anders.

Am meisten aber liebe ich Kirchen, weil ich mich hier Gott näher fühle.

Diese Nähe erfahre ich natürlich nicht nur in Kirchen. Die ist auch möglich, wenn man zuhause betet oder für Menschen da ist, die in Not sind. Da ist Gott ganz nah, davon bin ich überzeugt.

Gott lässt sich nicht auf Räume und bestimmte Orte begrenzen. Aber mir tut es gut, wenn ich abgeschirmt unter einem bergenden Dach einer Kirche sitze. Fern ab vom Alltag. In einem Raum, der einfach wohltuend anders ist.

Manchmal stelle ich mir in einer kurzen Mittagspause vor, wie ich von einem heißen und lauten italienischen Marktplatz in eine kühle, wunderschöne Kirche eintrete. Ich betrachte die Decke, die sich erhaben über mir ausspannt. Ich sehe ein Mosaik und stelle mir vor, mit wie viel Mühe Menschen daran gearbeitet haben - und wenn sich ein Lichtstrahl durch ein Fenster die Bahn bricht und die gegenüberliegende Mauer bescheint, dann werden für mich tote Steine wie lebendig. Ich spüre die Ruhe und die Kraft, die von dem Raum ausgeht.

Dann bin ich einfach nur da und kann es fühlen:  Leben ist mehr als Listen abarbeiten und immer in Aktion sein. Leben ist auch Aufatmen und Segen erfahren. Und das wünsche ich Ihnen heute!

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„Sie sind auserwählt!“ Immer wieder bekomme ich solche e-mails. „Sie sind auserwählt!“, steht da. „Sie haben gewonnen! Sie müssen nur noch hier klicken.“  Die Werbefachleute sind wirklich schlau – ich hab mich tatsächlich angesprochen gefühlt - einen Moment lang: „Was, ich bin auserwählt? Ich hab was gewonnen? Wie toll!“  Dann hat bei mir Gott sei Dank der Verstand wieder eingesetzt: Da ist natürlich ein Haken dran. Nicht anklicken, niemand schenkt hier was umsonst.

Auserwählt zu sein – das ist was Exklusives. In einem Liebesbrief war früher die Geliebte immer „die Auserwählte“. Auserwählt wird jemand als Pate, als Trauzeuge, als bester Freund und Vertraute. Voraussetzung dafür ist immer eine Beziehung, etwas Tiefes und Vertrautes. In einer anonymen e-mail oder einem Werbebrief fehlt so was völlig.

In der Bibel gibt es auch die Rede von den „Auserwählten“. Paulus spricht seine Gemeinde genauso an: Ihr seid die Auserwählten Gottes! Das klingt sehr exklusiv. Ist es ja auch. Bei der Taufe sagen wir dem Täufling: Du bist auserwählt – und zwar von Gott. Und Jesus hat gesagt: Wir dürfen Gott unseren Vater nennen. Er hat Dich auserwählt als sein geliebtes Kind! Das ist eine vertraute Beziehung.

Manchmal fällt es mir schwer, das zu glauben. Wenn ich mich frage: warum geht bei mir schon wieder was schief? Oder- warum ist so vieles auf der Welt so ungerecht? Wo ist denn Gott jetzt?

Und doch sagt Paulus: Ihr seid die Auserwählten Gottes! Darauf vertraue ich. Dann kann ich das, was schief läuft, mit anderen Augen sehen. Weil es eben nicht die ganze Wahrheit ist. Weil es einen Gott gibt, der seine Welt und seine Geschöpfe liebt. Und ich muss auch nicht auf falsche Versprechungen reinfallen wie in meinen e-mails!

Gott schenkt so viel mehr, als jede Werbung versprechen könnte. Heute lässt er die Sonne wieder aufgehen für uns. Ein neuer Tag liegt vor mir, neue Erfahrungen, neue Möglichkeiten. Exklusiv, von Gott geschenkt.

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