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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Opera helps – Oper hilft. Davon ist eine Reihe von englischen Künstlern überzeugt. Sie haben eine Internetseite eingerichtet, um für ihr Projekt zu werben: Auf der Startseite steht die Frage: Haben Sie ein Problem? Zum Beispiel Liebeskummer; Scheidung; Partner, die nicht mehr zuhören; respektlose Kinder; kein Draht zu den Eltern; Trauer. Bei der Aufzählung fällt auf: Es sind eher sogenannte Beziehungsthemen, die da angesprochen werden. Opern sind voll von diesen Themen. Stundenlang kreisen die Gedanken darum und das mit herrlicher Musik.

Wer ein Problem hat und sich meldet, zu dem kommt ein echter Opernsänger oder eine echte Opernsängerin nach Hause. Die hören sich die Sorgen (selbstverständlich vertraulich) an.  Dann wird eine Opernarie ausgewählt, die zur Situation passt. Diese Arie – nicht eine ganze Oper – wird gleich an Ort und Stelle vorgetragen. Man sitzt oder liegt währenddessen als problembeladener Mensch einfach nur da, wo es am bequemsten ist, an seinem Lieblingsplatz.

Wichtig ist den Machern des Projekts:  Es geht nicht um eine Art Hauskonzert, zu dem man als Gastgeber Familie und Freunde einlädt. Das Angebot richtet sich immer nur an einen Einzelnen. Der eben zuhört.  Weil  Musik nun mal eine unglaubliche Kraft hat. Sie kann trösten und Menschen wieder aufrichten. Und wenn die Musik wirklich trösten und ermutigen soll, dann kann  nur ein einzelner Mensch ins Haus kommen, der dem, der ein Problem hat, Trost zuspricht oder besser vorsingt. Und zwar kostenlos. Martin Luther, dem Musikliebhaber, hätte das gefallen. Er war überzeugt: Musik ist ein reines Geschenk, sie ist eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich.

Menschen, die sich gemeldet und mitgemacht haben, sind begeistert: man kann es überhaupt nicht damit vergleichen, dass einer im Radio singt oder auf CD zu hören ist. Weil da wirklich ein leibhaftiger Mensch kommt, sich Zeit nimmt und mir was vorsingt – für mich ganz allein und in meiner vertrauten Umgebung. So wichtig bin ich. So wertvoll. Ja, Musik hilft. Opera helps!

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Er kommt aus Tarsus in Kleinasien, sein Name ist Paulus, Paulus von Tarsus.
Er ist Sonderbeauftragter der göttlichen Majestät zur Ausbreitung des Evangeliums unter den Völkern.
Wer sich an den Kinohelden James Bond erinnert fühlt, der liegt nicht falsch. Denn die Geschichte des Paulus ist mindestens genauso filmreif wie die von James Bond. Mit dem einen kleinen Unterschied: dass sie sich wirklich zugetragen hat.

Erzählt wird die Geschichte von Paulus selbst in insgesamt dreizehn Briefen. Die lesen sich so spannend wir ein Agentenroman:

Seine Mission ist klar. Sie lautet: Rettung von Menschenleben in einer vom Untergang bedrohten Welt. Entsprechend international ist sein Einsatzgebiet. Er reist von Kontinent zu Kontinent. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Krisenregion Nahost.

Sein Dienst hinterlässt Spuren an seinem Körper. Er wird immer wieder verhört, gefoltert, eingekerkert. Immer wieder schwebt er in Todesgefahr. Droht im Meer zu ertrinken oder wird den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Eine Ehe kann er sich nicht vorstellen. Paulus ist unverheiratet.

Ich finde, dass es da eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten zwischen Paulus von Tarsus und James Bond gibt. Und doch gibt es etwas, was im Dienst Gottes ganz anders ist als beim britischen Geheimdienst.

James Bond mit der Lizenz zum Töten geht über Leichen. Die Lizenz des Paulus ist das genaue Gegenteil: Leben zu retten und nicht zu zerstören. Das betont er immer wieder. Deshalb ist er auch ziemlich schlecht darin, anderen zu drohen und ihnen Angst einzujagen.

Womit auch? Mit der Liebe Gottes? Doch zum Drohen hat Gott ihn ja auch nicht geschickt. Er soll von der Barmherzigkeit sprechen. Das ist ganz schön gefährlich. Denn wenn es hart auf hart kommt, ist Paulus wehrlos, nur mit dem Wort und ohne Lizenz zur Gewaltanwendung.

Dennoch ist dieser Weg für Paulus alternativlos. Den Dienst Gottes quittieren, dass kann er sich nicht vorstellen. Auch wenn Gott Paulus bei seinem Dienst wie einen Bond-Martini nicht nur sanft rührt, sondern kräftig schüttelt – Gott wird auf ihn aufpassen. Dieses Vertrauen gehört auch zu Paulus, Paulus von Tarsus.

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Er hat Menschen aller Schichten zum Lachen und zum Weinen gebracht. Mit seinen Texten, seinen Theaterstücken. Und zwar so gut, dass das auch 400 Jahre nach seinem Tod funktioniert, bis heute. Heute ist sein Todestag. Ich meine William Shakespeare. Geboren in einer englischen Kleinstadt als Sohn eines Handwerkers, machte er in London sein Glück als Stückeschreiber und Theaterbesitzer.

Denn in sein Theater kamen alle – weil seine Stücke alle ansprachen. Sie lachten und weinten, wurden wütend oder nachdenklich, wenn seine Stücke gespielt wurden. Für Shakespeare ging es nicht darum, einem einzelnen Gönner zu gefallen, er wünschte sich mit seiner Kunst den Applaus des Publikums. Und er sorgte dafür, dass die Menschen nicht nur etwas zu sehen und zu hören, sondern auch zu essen bekamen: in seinem Theater war Shakespeare auch sein eigener Caterer.

136 Millionen Google-Treffer finden sich zu seinem Namen. Sein Werk wurde intensiv erforscht. Das geht bis in die Satzzeichen: in William Shakespeares Werken gibt es über 138.000 Kommata und fast 16.000 Fragezeichen.

Doch was ist das Geheimnis seines Erfolgs? Wie hat er Menschen aller Schichten über alle sozialen Grenzen hinweg zusammengebracht?

Indem er sie alle auf die Bühne gebracht hat. Menschen wünschen sich, ihr Leben zeigen zu dürfen. Nicht schöngefärbt und nicht schwarz-weiß gemalt. In Shakespeares Stücken kommen sie alle vor: die Armen und Reichen, die Kranken und Gesunden, die Mächtigen und Schwachen, die Alten und Jungen, die Guten und Bösen, die Mutigen und Ängstlichen, die Verliebten und die Verbitterten und noch viele mehr . Mit anderen Worten: Shakespeare hat das Leben selbst auf die Bühne gebracht, das pralle Leben mit allem, was es ausmacht, und in allen Facetten. Denn, wie er sagt, Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt.

William Shakespeare träumt vom ungeschminkten Leben auf der Bühne und schreibt Stücke, die es zeigen: Das Gewebe unseres Lebens besteht aus gemischtem Garn, gut und schlecht durcheinander.

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Am Morgen des 3. Mai 1728 ging im Dorf Herrnhut ein Bote von einem Haus zum anderen.

In jedem Haus sagte er den gleichen Satz: Liebe hat Jesus hergetrieben… und ich sollte ihn nicht lieben? Damit waren die „Losungen“ geboren.

Nikolaus von Zinzendorf, der Erfinder der Losungen, sagte damals: an den Losungen können Geschwister erkennen, wie sie ihren Weg zu einem Ziel nehmen können.  Die Richtung dorthin wurde gleich mit der allerersten Losung vorgegeben: Liebe hat Jesus hergetrieben… und ich sollte ihn nicht lieben?

Bei dem Gang von Haus zu Haus in einem Dorf blieb es nicht. Christinnen und Christen überall auf der Welt sollten die Losung teilen können. Schnell war klar: ein Wort, das allen an allen Orten miteinander gemeinsam ist, das kann nur aus der Bibel stammen. Und so wandern seitdem bis heute einmal im Jahr 1.824 Zettel mit einzelnen Versen aus der hebräischen Bibel, dem Alten Testament, in einen großen Lostopf. Dann wird in einer Ziehung jedem Tag des Jahres einer dieser Verse zugelost.

Heute sind die Losungen eines der wichtigsten Andachtsbücher überhaupt; allein in Deutschland werden jährlich über eine Million Exemplare verkauft. Übersetzt werden sie mittlerweile in 61 Sprachen, von Plattdeutsch bis Ovambo.

Die Losungen verstehen sich dabei  als eine Art Schnupperkurs zur Bibel: statt ganzer biblischer Bücher oder Kapitel kann man sich auf einen Satz konzentrieren. Den kann man durch den Tag leichter behalten und darüber nachdenken.

Zum Beispiel las Dietrich Bonhoeffer, Pfarrer und Widerstandskämpfer im Dritten Reich,  jeden Morgen im Gefängnis die Losung und schrieb an seine Familie und seine Freunde: „Ich weiß, dass Ihr morgens beim Lesen der Losungen an mich denken werdet wie ich an Euch.“ Das gab ihm Trost und Halt.

Eine große weltweite Gemeinschaft, verbunden über alle sichtbaren und unsichtbaren Grenzen hinweg, bei der die Liebe an erster Stelle steht – da geht es nicht nur um Worte, sondern das meint auch: begebt  euch auf diesen Weg. Los geht’s ist die Losung.

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Die Queen ist 90 Jahre alt geworden. Sozusagen inoffiziell, denn ihr Geburtstag wird richtig erst im Juni gefeiert. Da stehen die Chancen auf etwas Sonne besser.

Jetzt ist erst mal ein Buch über sie erschienen. Das Buch heißt: die dienende Königin und der König, dem sie dient. Das hat mich erstaunt, denn mit dem König ist Jesus gemeint. König - das klingt für meine Ohren fremd, wir haben ja keinen König, nur einen Bundespräsidenten. Aber in einer Monarchie wie Großbritannien passt das immer noch: Auch die Königin ist eine Dienerin des Königs der Könige.

Tatsächlich nimmt die Queen ihre Arbeit sehr ernst. Es ist für Sie nicht nur ein „Job“, sondern eine Berufung. Noch mit 90 hat sie mehr Termine als das Jahr Tage hat. Sie wird das, was sie als ihre Pflicht ansieht, auch weiter tun. Ruhestand ist nicht vorgesehen. Ihre Lebensleistung und ihre Einstellung sind beeindruckend. Noch beeindruckender finde ich: die Queen rechnet das nicht ihrer Energie zu oder ihrer Arbeitsdisziplin. Für sie hat das mit dem christlichen Glauben zu tun.

So sagt sie: Dass sie so viele Aufgaben so viele Jahre erfüllen konnte und bis heute kann, liegt auch daran, dass andere für sie gebetet haben. Auch eine Königin ist Teil einer Gemeinschaft. Und für diese Gemeinschaft soll sich jede und jeder einsetzen: Deshalb benennt und beklagt sie bei aller politischen Zurückhaltung von Amts wegen, dass Christinnen und Christen im Nahen Osten verfolgt werden. Vor allem aber spricht sie von Gott. Im Blick auf ihr Leben mit all seinen Höhen und Tiefen bekennt sie: ich habe wirklich Gottes Treue gesehen. Weil er ihr beigestanden hat, möchte sie etwas zurückgeben – und Gott und den Menschen dienen.

Für mich ist sie auch im Glauben in gewisser Weise ein Vorbild. Und sie zeigt, wie man mit Würde alt werden kann: wenn man für das einsteht, was einem wichtig ist und was einen trägt. Gerade, wenn es um die Bilanz eines langen Lebens geht. Man altert dann anders. Die Bibel drückt das sehr schön aus, worin die wahre Krönung liegt - ob man Königin ist oder schlicht nur eine ältere Dame. Da heißt es:

Graues Haar ist eine prächtige Krone, die man auf dem Weg der Gerechtigkeit findet. (Sprüche 16,31)

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