Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es gibt Beerdigungen, die sind nicht traurig. Auf denen geht es fröhlich zu, die Leute lachen und tanzen. Und feiern.
Nicht ganz einfach, sich das vorzustellen, oder? Aber vielleicht gibt es ja auch gute Gründe:
Einmal habe ich erlebt, dass sich der Verstorbene das ausdrücklich so gewünscht hat, an seiner Beerdigung. Alle sollten sich mit ihm freuen, dass sein Leiden endlich ein Ende hatte.
Oder wenn jemand alt und lebenssatt gestorben ist…
Oder ganz einfach, weil die Trauernden an die Auferstehung glauben.
Aber selbst wenn das alles stimmt – was ist mit der Trauer?
Wenn ich doch einen Menschen beweinen möchte, der mir fehlt… Weil ich mir ein Leben ohne diesen Menschen gar nicht vorstellen kann. Weil sich ohne ihn alles so trostlos und leer anfühlt…
So eine Trauer kann ich mir doch nicht einfach verkneifen.
Umso erstaunlicher finde ich, was ich bei Teresa von Avilada dazu lese:
Teresa von Avila, die Kirchenlehrerin und Mystikerin, lebte im 16. Jahrhundert. Sie hat in ihrem Leben viel Schlimmes gesehen und erlitten. - Nur am Tod konnte nichts Schreckliches finden.
Als ihre heißgeliebte Schwester Maria stirbt, schreibt sie:
„Es war mir eine große Freude, als ich von ihrem Tod erfuhr.“
Sie hat das so sagen können, weil sie vollkommenen davon überzeugt war:
Wer stirbt, geht nicht einfach verloren. Wer stirbt, kehrt zurück in Gottes Schoß. Kommt sozusagen - wie nach einer langen Wanderung oder Irrfahrt - endlich wieder nach Hause. Dorthin, wo alles gut ist.
Deshalb konnte Theresa von Avila auch fröhliche Lieder komponieren, wenn eine von ihren Nonnen gestorben ist. Die hat sie dann mit den anderen Schwestern gesungen. Und sie sind dabei um den Sarg getanzt.
Der Abschied von dieser Welt – als Freudenfest?
Ich kann mir das bei meinen Lieben beim besten Willen nicht vorstellen.
Und doch beneide ich Teresa von Avila ein wenig darum. Um ihr schier umwerfendes Gottvertrauen und ihre Gelassenheit.
Wäre das nicht ein Trost?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20413

Diese übersinnlichen Geschichten – die haben mich an den großen Mystikern schon immer am allermeisten fasziniert:  
Von Teresa von Avila wird berichtet:
Sie hatte unglaubliche Visionen. Und manchmal sei sie in solche Ekstasen gefallen, dass man sie in der Kirche meterhoch über dem Boden schweben sah. Und ihr Gesicht habe ganz eigenartig geleuchtet, dabei.
-Das ist so überirdisch – davon hätte ich auch gerne was, statt immer nur das bisschen ganz normaler Glaube…
Nur – Teresa von Avila hätte mir vermutlich ganz schön den Kopf gewaschen, dafür.
Sie sah diese Dinge nämlich viel nüchterner. Sie wollte gar nicht, dass sich die Leute von ihren Visionen oder von den außerordentlichen Vorkommnissen beeindrucken lassen. Denn das war für sie nicht das Wesentliche.
Wesentlich war für sie:
-Das Handeln. Weil sich die Liebe zu Gott ja gerade am Mitmenschen zeigt.
-Und das Beten. Weil sie sagte: Gebete und Hilferufe steigen direkt in den Himmel. Und alles andere gewinnt aus ihnen erst seine Kraft.
-Und noch etwas war für sie ganz wesentlich:
die Arbeit; auch die ganz normale Hausarbeit.
Ständig war sie mit Handarbeiten beschäftigt und ihr Spinnrad stand nie still. Denn ihre Klöster sollten sich nicht vom Betteln ernähren, sondern von der Arbeit der Nonnen: durch Spinnen, Weben und Nähen.
Und sie machte bei allem mit. Sie nahm auch den Besen in die Hand und half beim Saubermachen. Und sie kochte gern. Und sagte zu ihren Mitschwestern: „Meine Töchter, bedenkt, dass der Herr auch in der Küche - inmitten der Töpfe - euch nahe ist.“
Gottes Gegenwart kann man also überall empfinden:
Beim Staubsaugen. Beim Tomatenernten. Beim Marmeladekochen. In der Küche. Ja, und man muss dabei nicht einmal groß in Trance fallen. Oder über dem Boden schweben…
Inmitten der ganz kleinen, alltäglichen Dinge – da ist Gott uns nahe.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20412

Barfußlaufen. Vielleicht mögen Sie das ja auch, jetzt, im Sommer. Das feuchte Gras unter den Füßen spüren; und jeden noch so feinen Sandkrümel auf dem Boden. Oder die kühlen Steinplatten, im Haus...
Aber in der Stadt, oder auf dem Asphalt – das kann ich mir nicht vorstellen.
Und schon gar nicht, wenn es kalt wird, und frostig, wie im Winter…
Aber es gibt Leute, für die ist Barfußlaufen eine Lebenseinstellung. Zeichen für Selbstüberwindung und Demut. Und es gibt Ordensleute, wie die unbeschuhten Karmelitinnen, die machen das auch.
Teresa von Avila hat damit angefangen. Sie wollte der allgemeinen Laxheit entgegentreten, die sich damals im Klosterleben breitgemacht hatte. Sie wollte, dass man sich wieder auf das Wesentliche besinnt: nämlich auf die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Armen.
Aber im Orden lebten viele Töchter aus vornehmen Familien - die hatten weder einen Beruf, noch ging es ihnen groß um den Glauben. Manche lebten nicht einmal im Kloster. Und die wollten keine Veränderungen, die so unbequem sind. Ja, nicht einmal die Kirche hatte Teresa auf ihrer Seite.
Da baut sie mit drei Mitschwestern - gegen heftige Widerstände - ein eigenes, kleines Kloster. Da, direkt am Rande von Avila. Das ist im Jahre 1562.
Und als sie dort einziehen, zieht Teresa für immer die Schuhe aus. Als Zeichen ihrer Entschlossenheit.
Und fortan nennen sie sich: Die unbeschuhten Karmelitinnen.
Warum eigentlich die Schuhe ausziehen?
Die Bibel erzählt dazu eine Geschichte. Die Geschichte von Mose. Der sieht eines Tages einen brennenden Dornbusch. Und er hört, wie Gott zu ihm sagt:
„Zieh deine Schuhe aus. Denn der Ort, an dem du stehst, ist heiliger Boden.“
Ja, und vielleicht war das ja auch einer der Gründe, warum Teresa von Avila barfuß gegangen ist: Sie wollte Gottes Kraft unter ihren Füßen spüren; diese Kräfte der Erde unmittelbar wahrnehmen.
Und jetzt im Sommer kann man auch das wunderbar ausprobieren:
Barfuß über eine feuchte Wiese laufen oder über eine rauen Acker – das ist wie eine Meditation. Man kommt in Kontakt mit der Erde. Und mit sich.
Und vielleicht sogar mit seinem Schöpfer.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20411

Die Welt ein Stückchen besser machen. Das geht. Dabei denke ich grade nicht an Entwicklungshilfe und das, was der Staat so ausgibt. Man kann man die Welt auch ein Stückchen besser machen, ohne extra Geld auszugeben. Es reicht schon, wenn man das Geld entsprechend anlegt.
Es gibt eine so genannte Divest-Bewegung. Die sagt: „Zieht euer Geld aus Unternehmen ab, wenn sie mit fossilen Brennstoffen zu tun haben. De- investiert! Legt euer Geld lieber in alternativen Energien an.“ Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: Wenn alle Staaten, Unternehmen und Institutionen ihr Geld aus Öl, Kohle und Gas abziehen, dann bleiben diese Rohstoffe unter der Erde. Und damit verbunden auch das klimaschädliche CO2. Das soll den Klimawandel in Grenzen halten und unserer Erde ein Stückchen besser machen.
Die Stadt Oslo macht schon mit, auch die englische Kirche und der lutherische Weltbund legen ihr Geld jetzt anders an.
Als Christ glaube ich: Wir besitzen die Erde nicht. Sie ist uns anvertraut. Das ist ein großer Unterschied. In der Folge ist es deshalb unsere Aufgabe, die Erde zu schützen und die Natur in ihrer Schönheit und Vielfalt zu bewahren. Die Divest-Bewegung ist eine Möglichkeit, diese Aufgabe zu erfüllen. Und sie kostet nicht einmal etwas.
Einfach das Geld nicht mehr in eine Wirtschaft investieren, die Leben tötet. So wie das Papst Franziskus das einmal treffend formuliert hat. Kein Geld mehr mit Waffengeschäften verdienen oder durch Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Hier de-investieren und stattdessen Geld in Unternehmen anlegen, die ihre Produkte fair und umweltfreundlich produzieren. Es gibt Banken, die sich genau darauf spezialisiert haben. Dort kann man auch als Privatperson sein Geld anlegen. Gut, nicht alle haben so viel Geld wie die Stadt Oslo, ich auch nicht. Aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.
Und wer selbst kein Geld hat, kann bei der Divest-Bewegung aktiv werden und dazu beitragen, dass die Welt ein Stückchen besser wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20410

Jeder hat ein Talent. Meine Freundin zum Beispiel ist unglaublich begabt darin, komplizierte Dinge ganz einfach auszudrücken. Sie hat irgendwie eine Gehirnwindung mehr als ich. Wenn es aber darum geht, einen Nagel in die Wand zu schlagen, schaut sie sich hilflos um. Wie gut, dass es ihren Nachbarn gibt, bei dem sie in solchen Fällen klingeln kann. Der hat nämlich zwei rechte Daumen. Nagelt ihr in Null Komma Nichts den Hängeschrank an die Wand.
Ganz schön praktisch, dass wir so verschieden sind. So können wir uns gegenseitig helfen.
Jeder bringt eben das ein, was er oder sie besonders gut kann. Die eine hat’s eben mehr im Kopf, der andere mehr in den Händen.
„Es gibt verschiedene Talente und Gaben“, hat der Apostel Paulus geschrieben, „aber es ist ein Gott, der das alles bewirkt. Deshalb gehören wir alle zusammen. Wir sind wie ein Körper. Der hat auch viele Teile: Die Hand, den Fuß, das Auge, das Gehirn. Jeder Teil wird gebraucht. Jeder Teil ist gleich wichtig.“
Ich mag diesen Gedanken: Jeder von uns ist Teil von einem großem Ganzem. Mit unseren Begabungen sind wir aufeinander angewiesen. Weil jeder etwas anderes gut kann.
Das ist auch in den geistigen Fähigkeiten so. Manche haben ein Talent, zu sehen wo etwas fehlt. Andere können gut zuhören. Manche können besonders gut auf Fremde zugehen. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie in die Gemeinschaft integrieren.
Wiederum andere haben eine starke Schulter, an der andere sich anlehnen und ausweinen können.
Jeder ist anders. Und doch gehören wir zusammen. Es braucht Augen und Ohren, Füße und Schultern.
Anders wäre es auch schwer auszuhalten: Wenn alle nur nachdenken, aber nicht handeln. Passiert nichts. Wenn aber alle nur machen ohne Nachzudenken, dann macht man immer dieselben Fehler. Deshalb ist es gut, wenn wir einen Blick haben für das Talent des Anderen. Und es suchen, wenn wir es nicht sehen können. Denn jeder hat ein Talent. Der Hochschulprofessor ebenso wie der Flüchtling aus Somalia. Und erst wenn wir zusammenarbeiten, entstehen Dinge mit Hand und Fuß, Herz und Hirn.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20409

„Ich glaub nicht an Gott.“, sagt Benjamin zu mir.
Wir sind auf einer Konfirmandenfreizeit und Benjamin ist schon das dritte Jahr als Betreuer dabei. „Ich glaub nicht an Gott“, sagt er.
„Aha“, sage ich. „Woran glaubst du dann?“
„An die Liebe!“, sagt er sofort. „Dass wir alle miteinander verbunden sind. Irgendwie. Das merk ich. Von Gott merk ich nichts.“
Ich glaube, was Benjamin da sagt, geht vielen ähnlich. Es ist auch gar nicht so einfach, das mit Gott. Wie soll ich merken, dass Gott da ist? Wie soll sich das anfühlen?
Ich selbst merke etwas von Gott, wenn ich mit anderen zusammen Gottesdienst feiere. Wenn die ganze Gemeinde singt und unser Lied den Kirchenraum erfüllt. Manchmal krieg ich dabei sogar eine Gänsehaut. Dann denke ich: Das hier ist größer als wir alle zusammen. Hier ist Gott.
Ein anderes Mal merke ich was von Gott, wenn ich mit Freunden zusammensitze. Wenn wir gemeinsam essen, erzählen, was uns zu schaffen macht, oder lachen, bis der Bauch wehtut. Oder wenn ich meiner Tochter dabei zuschaue wie sie unter ihrem Mobile liegt, wild strampelt und vor Freude gluckst.
Dann hab ich das Gefühl: Das hier ist mehr als ich mit den Augen sehen kann. Das ist größer als alles, was wir machen können. Benjamin würde das wahrscheinlich Liebe nennen. Ich nenne es „Gott“. Und glaube: Beides gehört untrennbar zusammen. Denn Gott ist die Liebe. Und zwar eine Liebe, die größer ist als alles, was wir machen können, größer als das, was wir sind.
So steht es auch in der Bibel. Gott ist die Liebe, steht da. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott. Und Gott in ihm. Spüren kann man das überall, wo Menschen liebevoll miteinander umgehen.
Also auch bei uns auf Konfirmandenfreizeit. Wenn wir zusammen essen und beten. Wenn wir in der Bibel lesen. Von Jesus und davon, wie er mit den Menschen umgegangen ist. Voller Liebe. Manchmal liebevoll sanftmütig, manchmal mit dem brennenden Zorn der Liebe.
Und so versuchen wir auch miteinander umzugehen. Das schweißt uns als Gruppe zusammen. Ich vermute, dass Benjamin deshalb so gerne mitfährt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20408

Nichts geht mehr. Keine Tastatur, keine Maus. Mein Computer hat sich mal wieder aufgehängt. Inzwischen weiß ich, was zu tun ist: alles komplett abschalten, Pause machen, neustarten. Nach dem Motto: jeder Boot tut gut. Und während ich das mache, denke ich: Das könnte ich auch mal wieder brauchen: alles komplett abschalten, Pause machen, neustarten. Und heut ist der Tag dazu- Sonntag.
Lange bevor Menschen den Computer erfunden haben, haben sie schon die 10 Gebote gekannt. Da steht: Du sollst den Ruhetag heiligen. Was ja so viel heißt wie: Wirklich alles runterfahren, Pause machen. Nicht nur in den Stand-By-Modus verfallen nach dem Motto: Hier noch schnell eine E-Mail beantworten, oder da noch eben die Präsentation fertig stellen, weil es während der Arbeitszeit im Büro nicht geklappt hat.
Immer im Stand-By leben ist nämlich ganz schön anstrengend. Mir passiert das auch öfter. Und dann passiert mir manchmal dasselbe wie meinem Computer: Irgendwann geht gar nichts mehr. Dann hilft nur noch eine Zwangspause – im schlimmsten Fall vom Arzt verordnet. Deshalb schätze ich das biblische Gebot so sehr: Nimm den Ruhetag ernst. Denn er ist dir und allen anderen geschenkt! Als schöpferische Pause.
Am Sonntag schaltet bei uns fast die ganze Gesellschaft ab. Kollektiv sozusagen. Gott sei Dank! Mir tut diese Aus-Zeit immer richtig gut! Der Wecker klingelt später oder gar nicht. Und ich habe Zeit: Zeit um gemeinsam mit meinem Mann zu frühstücken und mal wieder meine Freundin in Hannover anzurufen. Zeit in den Gottesdienst zu gehen und die Natur zu genießen. Zeit über das Wesentliche nachzudenken, über Gott und die Welt. Oder Zeit, in der Hängematte zu liegen und ohne schlechtes Gewissen nichts zu tun. Heilige Zeit.
Am Sonntag geht es – Gott sei Dank – einmal nicht um Leistung oder Produktivität. Am Sonntag geht es darum, wieder ein Gefühl zu bekommen, für die Liebe, die uns mit Anderen verbindet. Und für das Leben, das Gott uns geschenkt hat.
Auch wenn Ihnen das heute vielleicht nicht so ganz in den Plan passt. Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Abschalten und einen schwungvollen Neustart am Montag!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20407