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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Bin im Garten!“ sage ich. Bin auf der Suche,  halte Ausschau nach Gott, dem besten  Gartenbaumeister aller Zeiten. Wo ich auch hinschaue, überall kann ich seine Fingerabdrücke sehen. Was ich anfasse, alles aus seiner Schöpferhand. Es ist alles himmelgrün. Bin gern im Garten!“ sag ich.
Und halte Ausschau nach Adam und Eva, die Schlange stehen hinterm Apfelbaum.
Will doch mal hören, wie weit sie gekommen sind mit der Frage, ob wir alles machen dürfen im Garten oder nicht. „Bin im Garten!“ treffe Gott und die Welt, höre Maiglöckchen läuten und sehe Zitronenfalter falten, höre Flöhe husten und schau, woher der  Wind wohl weht.
Halt das Gesicht in die Sonne und ein bisschen den Atem an, ob alles gut geht im Garten des Lebens und auf der Gartenschau in Landau, die geht insgesamt 185 Tage lang. Dort am schönen Kirchenpavillon bei den Birken am Birnbach kurz vor dem Aussichtsturm, da können wir uns sehen, wenn sie wollen, da sind wir Gartenpfarrer und Pfarrerinnen mit ganz vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden  andächtig zweimal am Tag, mindestens  Mittags um 12 und Abends um 5. Weil für uns allerhand zu feiern ist, zu singen und zu sagen, wenn wir so zwischen den bergenden Holzlamellen vom Kirchenpavillon stehen, dann staunt der Laie und die Fachfrau wundert sich über so viel Holz und Himmel so viel Licht und Luft und Laune. „Bin im Garten!“ und außerdem der Meinung, dass Sie unbedingt vorbeischauen sollten.
Man sieht sich im Garten einfach gern, kann den lieben Gott auf frischer Tat ertappen, wie er sich schöpferisch auslebt in allem , was grünt. Da kann man nur staunen,  was uns so alles blüht an neuem Leben.

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„Bin im Garten!“ sagt Jesus und geht nach Gehtsemane, in diesen wunderschönen kleinen Garten am Rande der Stadt Jerusalem. Die Ruhe vor dem Sturm. Ehe die Soldaten kommen und ihn verhaften zieht er sich zurück mit den engsten Freunden im kleinen Kreis vertrauter Nähe und Gemeinschaft. „Wachet und betet!“ sagt er und geht selbst in die Knie vor lauter Verzagen und bitterer Angst vor einem möglichen Tod.
„Lass diesen Kelch an mir vorübergehen!“ das ist seine erste und einzige Bitte um Verschonung. Der Gottessohn ringt um seine Fassung und ist verzweifelt im Schatten des Gartens Gehtsemane.
Erstaunlich, dass Jesus den Garten sucht, wenn er sich von Gott und der Welt verlassen fühlt. Als ob dort Gott nochmal näher ist als anderswo. Vielleicht gehen deshalb auch so viele Leute immer wieder mal in den Schutzraum ihres Gartens, wer weiß...
„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ sagt Jesus am Ende und ist damit alles andere als einer Meinung mit seinem Vater im Himmel, alles andere als fraglos einverstanden mit dem wohl unvermeidlichen Ende, das droht.
Jesus im Garten, allein, verzweifelt, erschöpft und zerschlagen.
Und da rücken sie auch schon an mit Ketten und Stangen und dem Kuss auf den Lippen dessen,  der ihn verrät.
Ein Judas kommt selten allein in den Garten voller Abgrund und Todesangst.
Es blüht nicht nur Gutes, es verbirgt sich auch Grauen im Garten des Lebens, das so lebensgefährlich ist.
„Bin im Garten!“ sagt Jesus-Und trägt seine Angst und Sorge hinein, lädt alles ab, fühlt sich geborgen.
Und so tragen auch wir nicht nur Licht in den Garten, sondern oft auch unsere Schattenseiten. Aber das verfängt sich manchmal im Gestrüpp, lässt sich untergraben und beackern, bis neue Hoffnung keimt , bis der Kopf wieder oben ist und frei  und bereit für das was kommt. Gethsemane tröstet.

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„Bin im Garten“ sagt die Schlange und schummelt sich durch das Gestrüpp. Kein Paradies ohne Schlange, meint die Bibel. Auch der schönste Ort birgt Gefahren, macht mal ärgerlich, lässt an Grenzen stoßen.
Das kann man an den Eingängen der Landesgartenschau  in Landau täglich sehen.
Es staut sich am Einlass. Die Schlange verhindert den freien Zugang. Bei aller Schönheit und tollen Aufbereitung, es passieren auch hier Missverständnisse und Pannen.
Wie damals schon im Garten Eden. Die Schlange steht irgendwie schon immer im Weg. Kaum sind die Menschen gartentechnisch auf der Höhe, kaum sind die Aufgaben verteilt und die Rollen eingeübt, da schlängelt sich auch schon die Versuchung in Kopf und Herz.
Gegen die klare Dienstanweisung  Gottes, nicht von dem verboten Obst zu essen, kommen schon die ersten Zweifel  hoch:
Sollte Gott wirklich Grenzen gesetzt haben?
Ob er es tatsächlich ernst gemeint hat, dass wir nicht alles dürfen, was wir können?
Wie ein großes Fragezeichen zieht sich die Schlangenlinie des inneren Widerstandes durch das schlichte Gemüt.
Ach was, Gott hat das doch so nicht gemeint.
Falsch wie die Schlange nun mal ist, überlistet sie die Menschen und züngelt ihnen was ein von wegen: Wir können doch sein wie Gott, so klug, so groß, so allmachtsvoll…
Und schon greift man gern mal zu, und schon fällt der Apfel in den Schoß, verführerisch rot und lecker, wenn man ihn nur lange genug angeschaut hat. Eva gibt ihn Adam und Adam gibt nicht zu, dass er dabei war.
Und schon  heißt es: Aus der Traum vom Paradies! Ende der Vorstellung von der ungetrübten Gartenschau. Scham und Scheu und jede Menge Schuldgefühle verderben den Menschen den Spaß an der Freud.
Einmal vom falschen Obst gegessen, und schon sind aus  den unschuldigen Geschöpfen nackte Tatsachen geworden, deren man sich schämt bis ins Mark. Und sie finden sich jenseits von Eden wieder und finden sich langsam damit ab, dass es neben dem Garten den Acker gibt, auf dem sie sich jetzt abrackern müssen  fürs tägliche Brot. Und führe uns nicht in Versuchung…heißt es im Vater Unser.
Bis heute stehen wir Schlange mit dieser Bitte vor dem verführerischen und verbotenen Obst.
Und immer wieder fällt er nicht weit vom Stamm, der Paradies- Apfel.

 

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„Bin im Garten!“ sagt Eva „Mal sehn, was der Adam so macht.“ In der Welt ist der Mensch nicht gern alleine. Auch im Garten nicht unbedingt. Auch im Garten ist es zu zweit viel schöner. Wer will schon gerne ein Paradies für sich allein? Eva nicht. Sie kommt zu Hilfe. Gartenarbeit ist Teamarbeit. Gärtnern ist vor allem schon auch Kooperation. Bebauen und bewahren, das  verlangt Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung. Das hat Gott von Anfang an gewusst und deshalb gleich zwei Menschen in den Paradiesgarten geschickt.
Das geht einfach nicht so gut allein. Schon gar nicht kann man Lustwandeln  als Solist. Sich verabreden und antreffen im Park, paradiesisch ist das. Das Leben im grünen Bereich. Die Liebeslaube ist eine Gartenimmobilie. Geküsst wird im Garten, unterm Baum, auf der Parkbank.
„Bin im Garten!“ Flirt und feeling verzaubern den Garten auch. Ganz am Anfang erzählt uns die Bibel das. Im Paradies sind sie noch frei und ohne Scheu zusammen, die Menschen, denen Gott seine Gartenschau schenkt.
Da suchen und finden sie sich, werden vertraut und eins. Finden gefallen aneinander und freun sich des Lebens. Die Entdeckung der Zweisamkeit findet oft  im Garten statt. Der Schönheit der Schöpfung so nahe, kommt offenbar unser Talent zum Menschsein besonders zum Tragen.
Natur macht natürlich, lässt Staunen und empfindsam sein. Da findet sich, was sehnend sucht. Gemeinsames Gärtnern ist bis heute für viele Paare das Hobby, bei dem sie sich erholen und wohlfühlen. Und auf der Landesgartenschau in Landau sieht man viele Verliebte und die es werden wollen Hand in Hand flanieren.
Spazieren im Garten, eine der schönsten Arten und Weisen, zusammen zu sein und es sich gut gehen zu lassen.
„Bin im Garten!“ sagt Eva. Vielleicht sind sie auch so eine Garten-Eva, die gerne nachsieht, wo der Adam ackert. Und wollen ihm was durch die Blume sagen.

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„Bin im Garten!“ sagt Adam am Anfang und startet seine Gartenschau.
Es gibt Arbeit genug. So ein Garten, will täglich seinen Gärtner sehen. Sonst wächst ihm alles über den Kopf. Und so ist Adam fleißig und gärtnert drauflos. Gott hat also von Anfang an gewollt, dass der Mensch in den Garten geht. Hat gewusst, dass es nichts gesünderes, sinnvolleres gibt.
Ab in den Garten! und schon blüht er auf, der Mensch und seine Umgebung.
Da wird gepflanzt und angegossen, da wird gepflegt und  gezüchtet, es riecht die Erde, es bückt sich der Adam und zeigt seine Zuneigung der ganzen Kreatur.
Gebückt, nicht gebeugt, geneigt, nicht am Boden, so bildet er die Einheit mit der Erde ab, aus der er kommt und zu der er wieder zurück kehrt. Kein Wunder auch, dass deshalb die Friedhöfe mitunter die schönsten Gärten sind.
Da tragen die Menschen noch immer die meisten Blumen und Pflanzen hin. Ein Stück Paradies ist ausgerechnet der letzte Ruheort, für die, die Gott wieder zu  sich gerufen hat, um zu warten auf das, was noch kommt. “Bin im Garten!“ sagen die Lebenden und die Toten.
Der Garten als Lebensraum und Totenruh.
Gottes Acker haben die Generationen vor uns den Friedhof genannt. Deshalb macht es Sinn, dass auch auf der Landauer Gartenschau eine so imposant große Fläche ganz der Friedhofsgärtnerei gewidmet ist. Da gehört Adam eben hin. Wo sonst sollte er sein, um sich in Gottes Nähe gut aufgehoben und geborgen zu fühlen. Was uns blüht, ist Wachsen und Werden auf Gottes Acker. „Bin im Garten!“ sagt Adam und bindet sich die grüne Schürze um und schafft  Lebensraum himmelgrün.

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„Bin im Garten!“  sagt der liebe Gott und macht die erste Gartenschau aller Zeiten vor Zeiten, ja Ewigkeiten, eben in Eden, dem ersten Garten, paradiesisch schön.
Die Bibel erzählt davon ganz am Anfang. Da erfindet Gott  den Garten als Lebenstraum und Lebensraum für seine Schöpfung. Wachsen und Werden, Vielfalt und Buntheit, Pflanzen und Tiere, Wasser und Luft.
Und am Ende den Menschen. Der soll der Gärtner sein. Gott hat also das Urheberrecht für jedwede Gartenschau, lange bevor sie nach Landau gekommen ist. Der Garten Eden als Premiere. Da gab es alles.
Das war ein einziges Treibhaus. Mit Obst und Gemüse natürlich. Baum und Strauch auch. Beete sich, wer kann, hat Gott gesagt und seinen Menschen den grünen Daumen gegeben.
Sie sollten alles ordentlich bebauen und bewahren. Das ist der Auftrag. Und sonst gar nichts.
Ihre Gärtnerwerkstatt sollte allerhand aufblühen und gedeihen lassen. So kommt es im Schutzraum seines guten Willens  zur ersten Gartenschau. „Bin im Garten!“, hat Gott gesagt. „Wer mich sucht, kann mich dort finden.“ Dass da ein ganz enger Zusammenhang besteht, zwischen Gott und Garten, das haben wohl auch die Macher der Landauer Gartenschau schon ganz früh geahnt, gespürt, gewusst. Sie sind ganz am Anfang der Vorbereitungen auf die Kirchen zugekommen und haben um einen Segen gebeten.
Seitdem hängt am Eingang des Verwaltungsgebäudes ein Segenswort, an dem alle Mitarbeiter täglich vorübergehen.
Es heißt:
„An Gottes Segen ist alles gelegen.
Alle, die kommen und gehen
In diesem Haus
Sollen säen und ernten
Über den Tag hinaus.“
Möge dieser Haussagen nicht schief hängen, bis die große Schau zu ende ist. Bin im Garten, sagt Gott, hoffentlich noch lange.

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