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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Sind Sie ein Vor-Sorger? Oder lassen Sie die Sorgen Sorgen sein?
Gehen Sie am Beginn der Winterzeit zur Grippeimpfung, damit sie die Welle gut überstehen? Oder sagen Sie: Es wird schon gut gehen?
Wenn ich meiner Frau mit meinen Sorgen und meinen Ängsten komme, dann sagt sie oft: Das seh´n wir dann. Kommt Zeit, kommt Rat. So ähnlich, stelle ich mir vor, ist Jesus mit den Sorgen umgegangen.
Nicht naiv. Aber auch nicht ständig mit den Sorgen beschäftigt. Seht die Vögel unter dem Himmel, hat er gesagt. Die säen nicht, sie ernten nicht und unser himmlischer Vater ernährt sie doch.
Mit den Vögeln haben wir etwas gemeinsam. Wir habens nun mal nicht im Griff. Nicht alles jedenfalls. Auch wenn wir uns gegen alles Mögliche versichern:
Haftpflichtversicherung, Unfallversicherung, Krankenversicherung, Brandversicherung, Rentenversicherung, wir haben es trotzdem nicht im Griff.
Es kann trotzdem alles Mögliche passieren. Wir können uns nicht gegen die Gier mancher Reicher versichern. Nicht gegen den Terror verblendeter IS –Milizen.
Nicht gegen Selbstmordattentäter. Wenn aber so etwas Schlimmes passiert, dann stehen wir einfach zur Seite, helfen die Last zu ertragen.
Dann ist die Zeit, um zu raten und zu tun.
Jesus sagt:
Gott ernährt doch auch die Vögel unter dem Himmel.
Und ihr seid ihm viel mehr wert als die Vögel.
Habt Vertrauen.
Dass Rat kommt zur rechten Zeit, wenn er gebraucht wird.
Dass Wunden heilen.
Dass Lösungen sich ergeben.
Jesus meint, dass unsere Sorgen in einem viel größeren Zusammenhang stehen.
Was sind meine Sorgen im Vergleich zu dem, was Andere erleiden und erdulden, was sie durchstehen müssen?
Ich habe das immer wieder erlebt, dass meine Sorgen und Ängste, mein Päckchen kleiner wurde, wenn ich mit anderen Menschen geredet , von ihren Sorgen gehört habe.
Also: Mach dir keine unnötigen Sorgen. Das sehen wir dann, sagt meine Frau. Kommt Zeit, kommt Rat. Ich wünsche Ihnen einen sorgenfreien Tag und ein ebensolches Wochenende.

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dann um Wind beten.
Der Johann, rheinhessisch Hannes, braucht Geld. Viel Geld. Und so geht er zur Kirche und betet: Herr, schenke mir einen Lotteriegewinn.
Immer wieder betet er so. Aber er gewinnt nichts.
Schließlich, hört er beim Beten eine tiefe, laute Stimme: Johann, gib mir eine Chance, kauf dir ein Los! Vielleicht kennen Sie diesen alten Witz.
Man könnte es auch so sagen: Machen wir es doch Gott ein  bisschen leichter, uns zu helfen.
Erst Segel setzen, dann um Wind beten!
Für mich hat das ganz praktische, handfeste Konsequenzen.
Wenn du möchtest, dass deine Kinder zu guten Menschen heranwachsen, dann lebe ihnen vor, was in deinen Augen gut heißt.
Und vor allem sorge für gute Schulen!
Und erzähle ihnen von dem Vater im Himmel, der sie hält und trägt.
Und dann bitte Gott, dass er sie behütet.
Wenn du willst, dass der Golfstrom auch in hundert Jahren noch Mitteleuropa erwärmt und unsere Nachkommen nicht in einer neuen Eiszeit leben müssen, dann überdenke den Gebrauch von Auto, Flugzeug und sonstiger Energie.
Und dann bitte Gott, die Erde zu bewahren.
Erst Segel setzen, dann um Wind beten!
Wir Menschen haben ja nicht nur das Segeln erfunden, wir fliegen sogar durch den Weltraum, so klug und erfindungsreich sind wir.
Aber wir sind eben auch:
Fehlbar, streitbar, selbstbezogen, bequem, eigensinnig und machtbesessen.
Also müssen wir darum bitten, dass Gott seinen guten Geist schickt.
Der weht ja bekanntlich, wo er will, nicht wo wir wollen.
Gottes Geist lässt große Flügel wachsen.
Auch da,  wo wir uns schwach fühlen, sozusagen mit viel zu kleinem Segel.
Und er beschert manchen mächtigen Segeln eine Flaute – zum Segen aller.
Gottes Geist macht, dass wir andere Segel setzen:
Vergeben, neu beginnen, aus Fehlern lernen.
Wir sind ja Gottes Kinder.
Und können mit ihm auch so reden:
Vater unser im Himmel
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Gib uns zu essen
Lass uns Vergebung üben
Lass uns nicht alles Machbare durchsetzen
Wir setzen die Segel, wir bitten dich, Gott, um den richtigen Wind, deinen guten Geist!
Ich wünsche Ihnen ein guten Tag.

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Für Viele, vor allem berufstätige Leute, ist ein Leben ohne Smartphone undenkbar. Weil viele Absprachen und Termine gar nicht anders möglich sind als mit einem mobilen Internet in der Tasche.
Aber Smartphones können auch zur Landplage werden. Vor allem dann, wenn sie verhindern, dass man ganz normal miteinander redet. Es war vor ein paar Tagen in Berlin. Und ich hatte mich verlaufen.
Wie komme ich jetzt zum Tauentzien? frage ich einen jungen Mann. Er schaut erstaunt von seinem Smartphone hoch. Sie wollen zum Tauentzien? Schauen Sie in Ihr Smartphone!
Ich bin ganz perplex, stammle, dass ich keins hätte, worauf er – schon wieder mit seinem Display beschäftigt – brummelt, ich solle mir halt eins besorgen. Wie läufst du durch die Welt? Was von dem, was dich umgibt, nimmst du wahr? Wie begegnest du den Menschen um dich herum? Wann schaust du aufs Smartphone und wann den Anderen in die Augen?
Das muss man ja erst mal lernen, wenn man so ein Ding besitzt und auch benutzt.
Bei einem Konzert stand ich mit Tausenden von Fans und hörte wunderbare Musik: Eric Clapton.
Ich war ganz Auge und Ohr.
Und um mich herum eine große Gruppe von Jugendlichen.
Jeder hielt sein Smartphone in die Höhe und nahm das Konzert auf.
Und dabei waren sie vor allem mit der Technik beschäftigt, alberten herum und haben gar nicht gemerkt, dass sie ein Erlebnis konserviert haben, das sie gar nicht richtig mitbekommen haben.
Warum ist das mit dem Hinschauen, dem Hinhören, dem Wahrnehmen so wichtig?
Weil ich nur dann meine Umwelt oder mein Gegenüber ganz wahrnehme, mit allen Sinnen, mit allem, was ich fühle.
Weil nur so Wunder passieren können.
Jesus zu Beispiel. Immer schaut er genau hin, hört zu, fragt nach. Nimmt sich Zeit für den Menschen ihm gegenüber. Und schon passiert ein Wunder. Jemand kann wieder sehen, hören, laufen. Seine Welt neu begreifen. Leben bricht auf. Lassen Sie sich doch einfach überraschen – von Menschen, von Musik, vom Leben. Mit dem Smartphone in seiner Hülle. Auszeiten für Wunder.
Ich wünsche Ihnen einen unerwartet guten Tag.

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Alle Menschen haben Angst. Und die Deutschen, so sagt man, haben besonders viel Angst – German-Angst, sagt man in Europa. Sorgen, die einen nicht schlafen lassen. Dass man in Geldnot gerät. Oder zum Pflegefall wird. Dass unsre jungen Leute arbeitslos werden. Und natürlich ist da die Angst vor den unheilbaren Krankheiten.
Jetzt gibt es Smartphones, die spielerisch damit umgehen. Zum Beispiel mit einer App, die „Worry-Box“ heißt. Nur ein Klick -- und du bist sie los, die Angst. Wie? Ganz einfach.
Zum Beispiel mit den „Relax-Melodies“
Entspannungs-Melodien.
Bei Schlaflosigkeit kann man sich einen Entspannungsklang zusammenstellen. Man kann auf das Bild einer Regenwolke drücken – und schon prasselt  es ganz entspannend.
Vögel zwitschern ins Ohr oder der Ozean rauscht. Ich habs mal ausprobiert. Es klingt wirklich ganz schön. Aber meine Angst ging trotzdem nicht weg.
Sie hat sich mitten ins Vogelgezwitscher gesetzt und mir tief in die Augen geschaut.
Vielleicht bin ich ja hoffnungslos altmodisch. Aber ich ziehe da eine andere Methode vor. Eine die vielfach erprobt ist.
Zum Beispiel: Du lädst deine beste Freundin zum Kaffee ein, und ihr redet.
Sie hört dir zu und du ihr.
Und ihr stellt fest, dass es die gleichen Ängste sind, die euch im Griff haben.
Und ihr schaut euch tief in die Augen. Dann hat die Angst nicht mehr viel Platz – in Herz und Sinn. So funktioniert das alte Modell Trösten.
Ich trage deine Last und du trägst meine. Und die Ängste, die sich nicht wegtrösten lassen? Ich kenne dafür ein großes Trostbuch. Im Alten Testament.
Die Psalmen.
In einem heißt es:
HERR, du erforschst mich und kennst mich.
Ich sitze oder stehe, so weißt du es, du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege....
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Psalm 139
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag

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Manche meinen ja, man müsste weit gereist sein, um mitreden zu können. Um vom Leben Bescheid zu wissen. Aber schon in dem Lied von Udo Jürgens heißt es:
Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawai.
Und der Mann, der das singt, muss auch nicht dort gewesen sein. Er weiß von New York, der tosenden Millionenstadt und ihrem Zauber und er kennt die hohen Wellen am Strand von Hawai.
Und sieht sie vielleicht besser, als wenn er schon dort gewesen wäre.
Ich war noch niemals in Jerusalem, bin die Via Dolorosa noch nicht hinaufgewandert, habe noch nie an der Klagemauer gestanden, den Überresten des alten Tempels.
Ich war noch nie am Strand des Sees Genezareth, noch nie im Jordantal.
Mein Glaube braucht keine Anschauung, muss auch nichts anfassen.
Weil ich die Bilder in mir trage, sie mit meinem inneren Auge sehen kann.
Die Bibel malt mir diese Bilder in ihren Geschichten und in ihren Liedern.
Es gibt einen Psalm, der malt so ein Bild.
 Und dann sehe ich ein weites Tal, das sich zu einem Fluss hin senkt.
Und auf einem sanft abfallenden Hang grasen die Schafe.
Saftig sprießende Halme, die noch vom Tau benetzt sind.
Frühlingsblumen, deren Blüten strahlen.
Die Lämmer dösen in der Sonne des heraufziehenden Mittags, bewacht von den Hunden des Schäfers.
Und der Hirte hat sie alle im Auge und achtet darauf, dass keins verloren gehen kann.
Er stützt sich auf seinen Stecken.
Ganz entspannt steht er da.
Und ist doch voller Spannung.
Denn er weiß um die Gefahren des Lebens.
Sein Mantel hat sich im Wind gebläht und eine Krempe seines Hutes ist leicht aufgestellt.
Es fehlt an nichts. Sonne, Wärme, Geborgenheit, Nahrung und Wasser.
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
So beginnt der Psalm.
Und weiter:
Er weidet mich auf einer grünen Aue.
Er führt mich zum frischen Wasser.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn DU bist bei mir...
Ich war noch nie im Jordantal – und Sie vielleicht auch nicht. Aber mein Glaube sieht dieses Bild. Und hofft darauf, dass der gute Hirte mich schützt. Auch heute.
Und so wünsche ich Ihnen einen behüteten Dienstag!

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„Stell dir vor, ich habe vorhin, am frühen Morgen, einen wunderbaren Sonnenaufgang erlebt“, hat eine Bekannte zu mir gesagt. Sie war ganz ergriffen und aufgeregt. „Stell dir vor: Ich habe kein Foto gemacht. Ich habe nichts gepostet. Sonst muss ich was Schönes ja immer gleich festhalten, und dokumentieren. Aber diesmal: Kein Handyfoto. Nichts.
Ich war ganz bei mir und dem Licht. Ich habe gestaunt und mich gefreut.“
Das hat mich nachdenklich gemacht. Staunen, das kostet Zeit. Und Muße.
Wenn ich so staunen kann, dann geht mir das Herz auf. Und ich werde hoffnungsfroh. So ist es auch einem Freund ergangen, der Orchideen gesammelt hat.
Keine Zuchtpflanzen fürs Nordfenster.
Nein, draußen. Wilde Orchideen. Im Westerwald. Er hat mir erzählt, dass die Orchideen eine der wenigen Arten sind, die immer noch neue, ungewohnte Mutationen entwickeln. Sie passen sich ideal ihrer Umwelt an.
Und wenn er dann bei seinen Wanderungen vor einer neuen Orchidee gestanden hat, hat er sich kaum satt sehen können. Wahrscheinlich kam er aus dem Staunen nicht mehr raus. Weil er in einer Orchidee das Wunder der Schöpfung gesehen hat, das sich bis heute weiterschreibt.
So freue ich mich jedes Jahr wieder, wenn nach der langen Winterstarre und dem Frost plötzlich aus den Knospen der Weinreben neues frisches Grün wächst. Ganz zaghaft und verhalten erst und dann immer kräftiger, bis die rheinhessischen Hügel in zartem Grün erstrahlen.
Wunderbar!
Und dann gehe ich zu einem Rebstock und schaue genau hin. Und sehe in dem, was da jetzt neu treibt, schon die Frucht und den neuen Wein und das Leben in all seiner überbordenden Schönheit. Also, ich kann einfach nicht glauben, dass das alles Zufall sein soll. Für mich ist das ein wunderbares Geschenk.
Der Himmel über mir und die Weite, in die ich gestellt bin, die Schönheit , die mich umgibt. Ich sehe einen gütigen Gott am Werke, der das Alles wohl gemacht hat.
Für alle Menschen – für Sie und für mich.
Wie heißt es so schön in einem der Psalmen:
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder...
Ich wünsche Ihnen einen schönen Maientag!

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