Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Lebe ewig! Oder zumindest zwei Stunden.“
Das steht auf meinem Handy. Ich spiele gerade ein Spiel damit. Das kann man sich kostenlos runterladen. Ich muss innerhalb von einer Minute, drei Aufgaben lösen. Ganz schön schwierig, aber ganz lustig so zum Zeitvertreib.
Ich habe drei Leben, also drei Versuche. Schaffe ich das nicht, muss ich einen Tag warten. Erst dann darf ich wieder spielen. Oder ich kaufe neue Leben. Dann darf ich direkt weiterspielen.
Und gerade als ich wieder scheitere, blinkt auf: „Lebe ewig!“
Habe ich einen falschen Knopf gedrückt. Ist das eine religiöse Botschaft?
Ewiges Leben? Haben wir das nicht im Angebot?
Wir Christen glauben daran, dass wir bei Gott ewiges Leben haben. Auch nach dem Tod. Dass wir eine neue Existenz bei Gott haben.
Und jetzt wollen das auch schon die kleinen Handyspiele anbieten?
Natürlich nicht. Da geht es nur ums Geld. Kaufen Sie etwas und spielen Sie. Und wenn Sie mal längere Zeit etwas Besseres zu tun haben, dann blinkt das Handy und das kleine Spiel sagt: „Komm zurück und spiele.“ Und manchmal sagt es sogar: „Ich schenke dir ein Leben.“
Da kann ich mich aber ruhig zurücklehnen und sagen: Leben schenken kann nur einer. Und zwar Gott. Und zwar ein richtiges Leben. Kein virtuelles in einem Videospiel.
In der Bibel wird das Leben auch mit einem Spiel verglichen. Mit einem Wettlauf. Der Apostel Paulus schreibt: „Ich laufe auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen: dass ich den Himmel gewinne, den Gott uns geschenkt hat.“ (Phil 3,14)
Also immer nur nach vorne schauen. Nicht zurück. Bei Gott gibt es nichts, was lähmt oder niederdrückt. Gott vergibt, wenn man schuldig geworden ist. Und er schenkt einen neuen Anfang. Einen neuen Einstieg in das Spiel.
Und am Ende steht dann tatsächlich: „Lebe ewig.“ Nicht für Geld und nicht für zwei Stunden. Sondern wirklich: Lebe ewig! Im Himmel!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19555

Gut, dass Jesus keine Anfahrt berechnet hat. Die Bibel sagt ja: er ist gekommen, um uns den Himmel aufzuschließen. Aber gut, dass er keine Anfahrt berechnet hat. Das wäre teuer geworden.
Ich halte gerade die Rechnung in der Hand. Die Rechnung von unserem Schlüsseldienst. Vor ein paar Tagen habe ich vor meiner Wohnungstür gestanden. Ganz allein. Niemand daheim. Mitten in der Nacht. Da war guter Rat teuer! Ganz wörtlich gemeint.
Also habe ich den Schlüsseldienst angerufen. Und der kam dann auch und hat mir die Tür aufgemacht. Und weil ich kein Geld dabei hatte, hat er mir jetzt die Rechnung geschickt.
Ich erinnere mich noch, wie dankbar ich dem Mann vom Schlüsseldienst war. Richtig erleichtert. Dass der mir meine Tür aufgemacht hat. Das ist ja nicht gerade das Schönste, was man sich vorstellen kann. Ich habe ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf geklingelt. Er musste sich anziehen, losfahren, arbeiten. Das ist ja klar, dass das teuer wird.
Ich halte diese Rechnung in der Hand und denke: Wenn Jesus auch eine Rechnung schicken würde, wie viel wäre das wohl? Gekommen, geheilt, gepredigt und am Kreuz gestorben. Und dann wieder von den Toten auferstanden und zurückgekommen, um uns den Himmel aufzuschließen. Das ist schon noch ein bisschen mehr als nachts aufstehen und die Tür aufsperren.
Bin ich dafür dankbar? Fürs Himmel aufschließen? Eigentlich nicht. Vielleicht weil ich keine Rechnung kriege. Vielleicht weil ich nicht weiß, wie viel das kostet. Einmal Himmel für mich aufschließen.
Jedenfalls ist der größte Betrag auf meiner Rechnung vom Schlüsseldienst die Anfahrt. Die Arbeitszeit ist nicht der Rede wert. Ist ja auch o.k., denke ich, ich habe ihn ja bestellt. Die Anfahrt hat ihn am meisten Zeit und Anstrengung gekostet.
Wie gut, dass Jesus keine Anfahrt berechnet hat. Vielleicht sollte ich da auch ein bisschen dankbarer sein. Für das Aufschließen des Himmels.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19554

„Es wirkt nicht.“ Mein Onkel schaut auf das Schild vor uns. „Seit zwei Wochen probiere ich es.“
Wir stehen im Supermarkt. In der Getränkeabteilung. Mein Onkel erklärt todernst: „Deine Tante. Jeden Tag trinkt sie es. Aber sie wird nicht rosiger. Und auch nicht wertvoller.
Er lacht und zeigt mir das Schild: „Mineralwasser. Über Rosenquarz gefiltert.“
Jetzt müssen wir beide lachen. Vielleicht hilft‘s ja, wenn man dran glaubt. Dass es rosig macht. Vielleicht glaubt meine Tante halt nicht genug.
Glauben Sie an die Heilkraft von Wasser?
In der Bibel habe ich schon viel über Wasser gelesen – aber von Rosenquarz steht da nichts.
Einmal unterhält sich Jesus mit einer Frau über Wasser. Die beiden treffen sich an einem Brunnen. Jesus bittet die Frau, ihm Wasser zu schöpfen. Die Frau schenkt ihm Wasser und Jesus schenkt der Frau Freude. Er spricht so mit ihr, dass ihr Durst nach Leben gestillt wird. Sie ist ganz zufrieden, ganz glücklich. Sie erlebt einen ganz besonderen Moment. Das schenkt Jesus der Frau.
Beim Mineralwasser über Rosenquarz geht es auch um sowas, glaube ich. Warum soll man Wasser trinken, das bei Vollmond abgefüllt oder über Rosenquarz gefiltert wurde? Bloß um seinen Durst zu löschen? Das kann man doch auch zuhause am Wasserhahn. Ich glaube: Man will besonderes Wasser. Wasser, das schön macht. Oder glücklich. Irgendwie besonders.
Bei Jesus wird die Frau einfach nur glücklich. Mit einfachem Brunnenwasser. Ihren Durst nach Leben kann Brunnenwasser nicht stillen. Da braucht es die Begegnung mit Jesus, diesen einen Moment, der ihr die Ewigkeit aufschließt. Und sie zufrieden macht, mit ganz normalem Wasser.
„Das ist ganz schön teuer – das Wasser mit dem Rosenquarz!“, sagt mein Onkel und reißt mich aus meinen Gedanken.
„Zu teuer“, sage ich, „da gehe ich lieber mit Jesus an den Brunnen.“
Und jetzt guckt mein Onkel mich komisch an. Ich glaube, ich muss ihm was erklären.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19553

„Liebe Kunden, wir öffnen Kasse 2 für Sie.“
Ein Einkaufswagen schießt an mir vorbei. Bevor ich überlegt habe, ob es sich lohnt, ist es schon zu spät. Die anderen Kunden waren wieder schneller. Kasse 2 ist genauso voll wie Kasse 1 und es lohnt sich nicht mehr, die Reihe zu wechseln.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich ärgere mich bei sowas immer. Ich denke: Du bist zu langsam. Zu langsam im Kopf und zu langsam in den Beinen.
Carpe Diem! Heißt es doch immer. Nutze den Tag. Gammel nicht an der Kasse rum, sondern tu was Sinnvolles, mach was aus deiner Zeit, sie ist kurz genug. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!
Aber das Ärgern nützt ja nichts. Da muss ich durch. Schon vor 3000 Jahren haben sich die Leute das gesagt – also das mit dem Ärgern:
„Lass dich nicht aus der Ruhe bringen; nur Narren ärgern sich über alles.“ (Koh 7,9) steht in der Bibel.
Ich versuche es. Ich stelle das Ärgern ein. Die fünf Minuten, die ich an Kasse 1 noch warten muss, was sind die schon? Sie sind ein Geschenk. Wie meine ganze Lebenszeit. Daran glaube ich jedenfalls und erinnere mich. Gott hat mir diese Zeit geschenkt.
Deshalb habe ich auch Zeit. Die verdanke ich Gott. Er hat mich in die Zeit gerufen und zu ihm werde ich zurückkehren, wenn meine Zeit um ist. Ich atme durch und versuche meinen Glauben in die Tat umzusetzen. Hier in der Schlange vor Kasse 1.
Und da sehe ich vor mir ein kleines Mädchen im Einkaufswagen. Die Mutter sieht ein bisschen gestresst aus. Aber das Mädchen grinst mich an. Es lässt sich nicht von der Hektik im Laden anstecken. Es macht einfach das Beste aus der Situation. Wenn seine Mutter gerade im Stress ist, dann sucht sie eben jemand, der es nicht ist. Und jetzt hat sie mich gefunden.
Ich winke ihr zu und sie winkt zurück. Das zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Gut, dass ich Zeit habe. Gut, dass ich nicht an Kasse 2 stehe. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19552

Jetzt hänge ich den Zettel wieder ab. „Du bist schön!“ steht drauf. Das war das Motto der diesjährigen Fastenaktion. Die Evangelische Kirche hat sich das ausgedacht.
„Du bist schön!“ Meine Frau hat den Zettel an den Spiegel im Bad geklebt. Sieben Wochen lang hing er da. Und immer, wenn ich in den Spiegel geguckt habe, habe ich gedacht: „Naja!“
„Du bist schön!“ Normalerweise hat es die evangelische Kirche nicht so mit der Schönheit. Da zählen ja eher die inneren Werte. Wie zum Beispiel: demütig arbeiten. Sich selbst nicht so wichtig nehmen.
Das ist auch alles richtig. Aber das andere eben auch.
„Du bist schön!“ Aber nicht weil du Glück gehabt hast mit deinen Genen. Und auch nicht, weil du jeden Tag diszipliniert bist. Weil du wenig ißt und viel Sport machst.
„Du bist schön!“ Weil du geliebt wirst. Schönheit und Liebe hängen zusammen. Das steht schon in der Bibel. Da gibt es ein ganzes Lied, das davon handelt.
„Alles an dir ist schön, meine Freundin“, heißt es da, „kein Makel haftet dir an. Komm doch mit mir, meine Braut!“ (Sol 4:7-8)
Die Braut ist schön – zumindest für den Bräutigam. Sie ist schön, weil er sie mit den Augen der Liebe anschaut. Durch die rosarote Brille sozusagen. Sie kennen das vielleicht. Man sagt ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Das sieht man besonders an Eltern. Es tut mir ja leid für Sie, aber dass meine Kinder die schönsten sind, das ist für mich sonnenklar. Da kann ich nichts dran machen.
Meine Liebe zu meinen Kindern macht sie schön. Und das geht Ihnen mit ihren Kindern bestimmt genauso.
„Du bist schön!“ Man könnte genauso auch sagen: Du bist geliebt. Die Braut von ihrem Bräutigam, die Kinder von ihren Eltern. Und wir alle von Gott. Das glauben wir Christen. In Gottes Augen ist jeder Mensch so schön wie das Kind für die Eltern.
Vielleicht lasse den Zettel doch noch hängen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19551