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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

So ist Fußball!
Das sagen die Leute auch heute Nachmittag, wenn der Ball wieder rollt in unseren Fußballstadien. Und dann passiert vielleicht so etwas Ähnliches, wie bei dem Spiel, das ich vor kurzem gesehen habe:
Wir haben die 89 Minute. Es steht unentschieden. Und es gibt Elfmeter. Weil der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es wird sehr still. Und ich höre den Reporter sagen:
Wer nimmt jetzt sein Herz in beide Hände und schießt?
Dann geht die Kamera ganz groß auf einen Spieler, ich seh: Den hält keiner mehr auf.
Es ist beinahe wie beim Röntgen:
Luft anhalten, nicht weiteratmen. Dann geht es atemberaubend schnell. Er nimmt mit seinen beiden Händen nicht das Herz aber den Ball auf und legt ihn auf den Punkt, wie wenn einer eine zerbrechliche Christbaumspitze oben aufsteckt.
Drei Schritte zurück, Anlauf, Tor. Alle wissen: Jetzt ist das Spielentschieden. Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein. Der Schütze wird gefeiert. Er bekreuzigt sich und legt die Hände auf die Brust. Er hat sich ein Herz genommen, und hat es gewagt.
Mir kommt das vor wie ein Gebet, wie Hände falten, wie sich hineinbeten ins Herz, weil da Gott am nächsten ist.
Und dann geht man durch den Strafraum des Lebens ganz gesammelt und ohne Angst.
Mich beeindruckt immer wieder die biblische Geschichte, in der Jesus übers Wasser kommt auf dem See, den Jüngern in ihrem Boot entgegen.
Und er ruft seinen Kapitän, den Petrus, er solle ihm entgegen kommen. Und der vor den Augen der gesamten Mannschaft, nimmt sein Herz in die Hand und Jesus in den Blick und so fest entschlossen und verbunden mit dem, der ihn gerufen hat, wagt er das Unmögliche und kann tatschlich übers Wasser gehen.
Solange, wie er mit seiner Aufmerksamkeit ganz bei Jesus bleibt und sich ihm entgegenatmet, solange geht es gut.
Aber beim ersten schreckhaften Blick auf die Wellen, geht er unter und muss gerettet werden. Was uns zeigt: 
Herz in die Hand nehmen heißt immer auch Jesus im Blick haben und so Oberwasser behalten und den Elfmeter sicher verwandeln.

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Es soll ja Leute geben, die haben gar kein Herz. Mit Eiseskälte und Kalkül ziehen die ihr Ding durch, koste es, was es wolle. Von weitem sehen sie aus wie ganz normale Menschen. Kommt man aber in ihre Nähe, fängt man an zu frieren.
In der Bibel gibt es einen Menschen, der hat tatsächlich Angst davor, ein Herzloser zu werden.
Er ist der Sohn des großen Königs David, der um 1000 vor Christus das Volk Israel zu seiner größten Blütezeit geführt hat.
Jetzt ist der gestorben und er, sein Sohn soll in die großen Fußstapfen des  Vaters treten. Und er heißt Salomon und macht das schon. Aber ehe er ein ganz großer König wird und seinen Vater sogar noch an Ansehen und Ruhm überbietet, indem er den legendären Tempel in Jerusalem bauen lässt und damit dem Volk Identität schenkt, lange davor ist ihm einfach nur Angst und bange.
Die Aufgabe erscheint ihm zu groß. Die Feinde zu bedrohlich. Die Risiken zu unkalkulierbar. Da hat er einen Traum. Da begegnet ihm Gott selbst und sagt, er habe einen Wunsch frei. Da seufzt Salomo und sagt:
Ich bin noch jung! Bitte gib mir die nötige Kompetenz für diese Aufgabe.
Ich brauche auch das Gespür für Recht und Ordnung, Fingerspitzengefühl, Professionalität ohne Kälte, Amtsautorität ohne Hochmut.
Kurzum, so der junge König, Ich brauche ein gehorsames Herz. Damit hätte Gott im Traum nicht gerechnet, dass der neue König nicht um ein langes Leben, Reichtum und den alsbaldigen Tod seiner Feinde bittet.
Deshalb gibt Gott ein wunderbares Versprechen:
„Siehe, sagt er, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz…“
Und damit hat Gott die Herzensintelligenz erfunden, Wohlwissend, dass sich Klugheit und know how durchaus mit Herzenswärme und Menschenfreundlichkeit vertragen, ja verbünden können.
Glauben können ohne dabei den Verstand zu verlieren. Gottvoll und ideenreich, kontemplativ und innovativ. Das sind keine Gegensätze, sondern sich bereichernde, befruchtende Kernkompetenzen für alle großen und kleinen Könige bis heute.

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Wo wohnt eigentlich Gott?
Viele Leute sagen, er sei im Himmel, also himmelweit weg, darum auch hier nicht anzutreffen, also im Grunde aus der Welt.
Andere behaupten, er sei ab und zu auf Besuch hier unten, sporadisch auf der Durchreise und man könne das am Regenbogen sehen, der großen Luftbrücke zwischen Himmel und Erde. Wenn der leuchtete, dann sei er wohl auf Reise.
Nicht Wenige behaupten, er sei in den Kirchen eingesperrt, deshalb seien viele von ihnen auch unter der Woche geschlossen. Wo wohnt Gott?
Die Bibel sagt: Er wohnt in Jesus Christus. Aber wenn wir die Geschichte Jesu anschauen:
Der hat bei seiner Wohnungssuche von Anfang an wenig Glück gehabt. Als Jesus geboren wird, fängt es schon an. Da gibt’s für ihn und seine Eltern kaum Raum in der Herberge. Er wird zum Stallgefährten zwischen Ochs und Esel und danach zum gefährdeten Flüchtling.
Später hat er einmal gesagt, es gäbe keinen Platz, wo er seinen Kopf hinlegen könnte.
Wo wohnt Gott?
Schwierige Frage mit dem festen Wohnsitz für Gott und Sohn. Dabei hat Jesus selbst eine klare Anzeige aufgegeben und sie uns ans schwarze Brett gehängt. Achtung liebe Leute, sagt er: Ich stehe vor eurer Tür und Klopfe an, wenn jemand meine Stimme hört und mir aufmacht, in dessen Herz ziehe ich ein und will in ihm wohnen.
Wenn wir also ab und zu so ein Herzklopfen spüren in uns drinnen, dann könnte es sein, dass es wieder einmal soweit ist, dass er vor unserer Herzenstür steht.
Ich bin überzeugt:
Er kommt bei jedem von uns bestimmt mehr als einmal vorbei und macht seine Klopfzeichen.
Natürlich können wir die nur hören, wenn wir auch bei uns zuhause sind.
Wenn wir nicht schon längst ausgezogen sind aus unserem Herzen, obwohl da noch immer unser Name an der Tür steht.
Nur wer bei sich zuhause wohnt, kann auch besucht werden. Das ist klar. Aber fest steht, dass Gott gern Wohngemeinschaft hätte in uns.
Es ist nur so, dass er von sich aus nicht einfach hereinkommen kann. Er kann nicht mit unserer Herzenstür ins Menschenhaus fallen. Die Tür geht nämlich nur von innen auf. Aber wer sich öffnet und „Herein!“ sagt, dem fliegt das Herz himmelwärts.

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Ein Herz für Kinder. Sie kennen wahrscheinlich den roten Aufkleber meistens auf Autos. Er erinnert an die Herzenssache vom  SWR und SR. Und sie meint:
Kinder müssen uns einfach besonders am Herzen liegen. Für sie sind wir alle irgendwie verantwortlich und zuständig. Und darum gefällt mir auch die biblische Geschichte so gut, in der Jesus ein Herz für Kinder hat und das auch zeigt.
Sie fängt so ganz typisch an, so ganz aus der Sicht der Erwachsenen erzählt:
Da sitzen sie nämlich mit Jesus zusammen, die großen Leute, denken sich was zurecht und vor die Tür haben sie ein Schild gehängt auf dem steht:
Bitte nicht stören!
Aber lärmende Kinder scheren sich nicht um die abgeschottete Klausur. Sie wollen nur zu Jesus. Und zwar ganz nah. Ganz dicht. Aber Jesu bodyguards sind da schneller und greifen ein und durch. Und als Jesus das mitbekommt, sorgt er dafür, dass die Barrieren fallen und die Erwachsenen Platz machen. Und dann kommt die eigentliche Lehrstunde.
Jesus stellt die Kinder demonstrativ in den Mittelpunkt erklärt sie kurzerhand zu Vorbildern und sagt:
Wenn ihr Großen in Sachen Glaube, Liebe Hoffnung nicht werdet wie die Kinder, mit so viel Hingabe, Zutrauen, Sehnsucht und Gotteskindqualität, dann könnt ihr auch nicht in den Himmel kommen. Da staunt das stolze Erwachsenenich und alle wundern sich. Denn damit stellt Jesus wieder einmal die Welt auf den Kopf.Denn zu seiner Zeit galten Kinder gar nichts. Aber damit nicht genug.
Jetzt macht Jesus auch noch vor, was das für Konsequenzen hat. Jesus winkt nämlich den Kindern nicht nur von weitem zu mit einem schönen Gruß vom lieben Gott sondern er herzte sie, ja, er hat sie an sein Herz gedrückt, legte ihnen die Hände auf und segne sie.
Daran denke ich oft, wenn ich mit unseren Kindern und Enkeln skype. Die sind nämlich weit weg. Und es ist wunderbar, sie per skype zu hören und zu sehen.
Aber es ist eine Mogelpackung auch, weil es sieht zwar nahe aus, ist aber doch unnahbar weit weg. Herzen geht ganz schlecht mit Skypen. Deshalb sage ich immer mal zum Schluss:
So -und demnächst küsse ich Euch persönlich. Und dann verabschieden wir uns und lachen herzhaft.

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Das Wichtigste zuerst!
Wenn es um die Frage geht, was wann drankommen soll. Dann heißt es: Das Wichtigste zuerst! Und so ist es auch geregelt, wenn ein neuer Mensch entsteht.
Bei jedem Fötus kommt zuerst das Herz dran, dann erst das Gehirn. Das ist wissenschaftlich belegt. Und das ist der springende Punkt. Die Rede vom springenden Punkt ist übrigens schon ganz alt. Die griechischen Philosophen haben ihn erfunden.
Damit haben sie den entscheidenden Moment markiert, wenn ein neues Leben entsteht. Und das ist, wenn das Herz anfängt zu pulsieren. Dann ist der Punkt erreicht, ab dem man von Leben sprechen kann. Das Herz ist der springende Punkt.
Erst danach entwickelt sich das Stammhirn.
Wir sind also vom Schöpfer so gebaut, dass das ihm offenbar Wichtigste zuerst da ist.
Und dann geht es schön der Reihe nach. Das sollten wir uns nicht nur durch den Kopf gehen lassen, sondern auch zu Herzen nehmen.   
Denn auch für das Entstehen unseres Glaubens ist das Herz das wichtigste Organ.
Auch wenn uns manchmal der Kopf raucht vor lauter Zweifel und Bedenken.
Unser Vertrauen auf Gott wird im Herzen geboren. Das können wir sehen bei Maria, der Mutter Jesu, der so viel zugemutet und zugetraut wird.
Von ihr heißt es am Anfang, als sie Jesus im Stall von Bethlehem geboren hat:
Und Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Oder denken wir an die beiden Jünger, die traurig zurück nach Emmaus gehen, nachdem ihr Jesus gestorben ist und mit ihm alle Zukunft in ihnen an ihrem Herzverzagen, da gesellt sich der Auferstandene zu ihnen, ist mitreisend und aufmerksam, geht nebenher und auf sie ein, lässt sich zum Abendbrot einladen und als er es ihnen reicht, da fängt bei ihnen das Herz an zu brennen und sie erkennen ihn. Das Herz hat eben die besten Augen. Darum auch für heute herzlich empfohlen:
Das Wichtigste zuerst!

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Der Mensch ist wunderbar gemacht. Unser Betriebssystem ist göttlich gut. Jede Menge Kompetenzzentren hat der Schöpfer uns mitgegeben. Jede Menge Organe organisieren unseren Körper und meistens arbeiten sie gut zusammen, die ersten Jahre jedenfalls.
Aber wo ist die Kommandozentrale? Wo laufen alle Fäden zusammen?
Alles Kopfsache, sagen die Leute und zerbrechen sich denselben mit Hingabe.
Und wenn es gut geht, dann haben wir ein Ohr oder auch 2 füreinander, sei es zum Drüberhauen oder Ausleihen, wir machen den Mund und verbrennen uns die Zunge, wir küssen oder pfeifen drauf, beißen uns durch und die Zähne aufeinander.
Kein Wunder dass wir dann und wann die Nase von allem voll haben. Dann halten wir die Luft an, uns stockt der Atem, ehe wir wieder aufatmen und neue Hoffnung schöpfen.
Nicht selten haben wir einen dicken Hals, weil uns etwas darin stecken geblieben ist, dann lassen wir die Schultern hängen , ehe wir wieder tragfähig werden und uns gegenseitig darauf klopfen, so fest, dass es uns kalt den Rücken runter läuft bis wir ganz schön Gänsehaut bekommen.
Nicht selten stolziert uns dann aber wieder mal eine Laus über die Leber, und scheut sich nicht uns direkt an die Nieren zu gehen. Dann schlägt uns die ganze Sache dermaßen auf den Magen, dass wir aus dem Bauch heraus entscheiden müssen, ob wir jetzt in die Knie gehen oder etwas Neues auf die Beine stellen.
Auf jeden Fall wollen wir einen Fuß in der Tür behalten, während wir mit dem anderen womöglich schon wiederim berühmten Fettnäpfchen stehen.
So ist immer allerhand los, von Kopf bis Fuß. Aber es gibt nur eine Mitte, ein Zentrum- das HERZ! Da spielt die Kammermusik unserer Seele.
Nirgendwo ist so ein Radau, so ein Betrieb. Herz ist Trumpf:
Wie das stolpert, und klopft, manchmal rast und flattert, weil wir uns alles so zu Herzen nehmen. Das Herz pocht darauf, die Kommandozentrale zu sein.
Hier wird das Politbarometer unserer Lage erhoben. Und die wichtigsten Fragen unseres Lebens gestellt.
Zum Beispiel: Was ist für dich GOTT?
Und die Antwort frei nach Martin Luther heißt:
Woran du dein Herz hängst, wofür dein Herz schlägt, das ist dein Gott. Da ist die Mitte. Zentrum und Ziel.
Also jetzt: Kopf hoch, Brust raus und beherzt aufbrechen.

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