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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Miteinander reden bringt’s. Wenn ich mit anderen rede, dann kann ich ihre Überzeugungen verstehen. Ihre Positionen und Meinungen. Dann wächst das Verständnis. Und ich kann klarer sehen, was meine eigenen Überzeugungen sind. Woran ich festhalte – und was ich überdenken muss.

Miteinander reden bringt’s. Das war auch das Motto von Franz von Sales. Der Mann lebte im 16. Jahrhundert und da hatte man es nicht unbedingt mit dem Reden. Da wurden die Argumente schnell mit Feuer und Schwert ausgetragen. Aber Franz von Sales wollte reden. Vor allem mit Menschen, die seinen Glauben nicht teilen. Das hat mit seiner Ausbildung zu tun. Franz studierte Jura und Theologie, wurde Rechtsanwalt und Priester.

Und das hat mit seiner Zeit zu tun. Im 16. Jahrhundert tobte die Reformation, gab es heftige konfessionelle Auseinandersetzungen. Konflikte zwischen unterschiedlichen Christen, zwischen Katholiken und Protestanten.

Aber so einfach war das mit dem Reden nicht. Franz von Sales bekam Predigtverbot. Also suchte er sich andere Wege, ins Gespräch zu kommen.

Und so druckte er seine Themen und Thesen auf die damals neumodischen Flugblätter. Dann zog er durch die Stadt und klebte die Zettel an Mauern und Tore, an Bäume und Türen. Er gewann Gehör. Vor allem deshalb: Franz diskutierte sachlich, keine Polemik, keine Aufregung. Er argumentierte.

Und: er sprach im einfachen Französisch mit den Leuten. Damals eine Sensation. In der Kirche wurde Latein gesprochen. Und auf Latein diskutiert. Franz aber wollte mit allen ins Gespräch kommen.

Heute sind wir in einer ähnlichen Lage, wie damals Franz von Sales.  Ganz unterschiedliche Religionen, aber auch Menschen ohne Religion leben in unserem Land neben- und miteinander. Franz zeigt, wie man mit so einer Situation umgehen kann. Mit Reden. Sich nicht den Mund verbieten lassen. Den anderen gelten lassen. Eigene Meinungen sagen. Anderen Meinungen zuhören. Und alles andere kann sich dann ergeben.

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Der Islam ist in der Diskussion. Nicht erst seit heute. Aber heute besonders. Gerade durch das Massaker in einer Pariser Zeitung und den neuerlichen hundertfachen Mord in Nigeria. Ich bin immer noch voll Trauer und denke an die vielen Toten.

Aber ich möchte trotzdem auch weiterhin differenziert denken. Möchte unterscheiden zwischen Terroristen und Mördern und Menschen, die ihren Glauben Tag für Tag friedlich leben. Mir wird im Moment zu viel über einen Kamm geschoren. Ich erinnere daran, dass es ziemlich umstritten ist, was Terror und Gewalt mit dem Islam zu tun haben. Die einen halten den Islam für eine gewalttätige Religion, andere distanzieren sich. Terroranschläge, so sagen sie, hätten mit dem wahren Islam nichts zu tun.

Ich muss ehrlich sagen: Diese ganze Diskussion halte ich für problematisch. In unserer Demokratie gilt doch ein Prinzip: Menschen dürfen keine Gewalt ausübt. Für Terror ist kein Platz. Wer das trotzdem tut, der wird dafür bestraft. Und zwar unabhängig von seinen Überzeugungen. Und es gilt ein zweites Prinzip: Jeder ist frei, das zu glauben, was er oder sie will. Ich halte beide Prinzipien für elementar. Sie machen unsere Gesellschaft aus. Gewaltfreiheit und Freiheit des Glaubens bilden zwei Grundpfeiler der Demokratie. Das heißt auch: Wenn Menschen aufgrund ihrer Religion unter Generalverdacht stehen, dann leben wir unfrei, dann haben wir kein freies Land mehr.

Deshalb bin ich der Meinung, dass es wenig bringt, ganz pauschal über den Islam zu reden. Wir müssen vielmehr darüber reden, wie Menschen mit ganz unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen und Lebenshaltungen zusammenleben können.

Ich bin kein Politiker, sondern katholischer Theologe. Deswegen sehe ich besonders auf die Geschichte meiner Religion. Und ich stelle fest: Christen haben im sogenannten christlichen Abendland Juden verfolgt und Muslime brutalst vertrieben. Deswegen gibt es überhaupt keinen Grund, überheblich zu sein. Sondern vielmehr gute Gründe, das Gespräch zu suchen, die Religion des Anderen zu verstehen, friedlich miteinander zu leben. Und dann gemeinsam gegen alle die aufzustehen, die der Gewalt den Vorzug geben.

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Vor wenigen Tagen haben meine Frau und ich unsere Tochter zu ihrer Austauschschülerin in den Elsass gebracht. Wir sind hingefahren, haben uns, manchmal auch mit Händen und Füßen, auf Deutsch und Französisch unterhalten. Wir haben mit den Gasteltern und der ganzen Familie Kuchen gegessen. Und dann sind wir wieder heimgefahren. Wir sind sicher: Unsere Tochter ist für vier Wochen in guten Händen.

Ein Schüleraustausch, das ist heutzutage selbstverständlich. Und mit einer französischen Familie erst recht. Schließlich grenzt Rheinland-Pfalz ja an Frankreich. Aber diese Selbstverständlichkeit ist recht jung. Denn auf den Tag genau heute vor 51 Jahren unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag. Den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Ein epochemachender Vertrag. Der hat dafür gesorgt, dass wir mal schnell über die Grenze fahren und unsere Tochter einen Schüleraustausch machen kann.

Heute ist das kaum zu glauben, aber das einzige, was Deutschland und Frankreich lange Zeit verband, war eine Erbfeindschaft. Dreimal bekriegten sich Deutsche und Franzosen in den letzten einhundertfünfzig Jahren auf das Brutalste. Und jetzt stehen nur noch verlassene Grenzanlagen dort, wo die Länder aneinanderstoßen.

Das ist unglaublich. Vor allem, wenn ich daran denke, dass heute in vielen Ländern noch Krieg tobt. Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag zeigt da zweierlei. Erstens: Frieden ist möglich. Das klingt ein bisschen naiv. Aber nach den vielen Jahren blutigen Mordens zwischen Deutschen und Franzosen ist das der Fall. Zweitens: Freundschaft ist möglich. Es ist möglich, dass ich nicht nur Frieden schließen, sondern im Anderen einen Freund entdecke – und eben keinen Feind.

Klar, das ist nicht der Himmel auf Erden. Aber mir zeigt dass: der christliche Traum vom Frieden kann auch hier unter uns schon im Kleinen Wirklichkeit werden.

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„Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ – diese Aussage von Charlie Chaplin ist mir vor kurzem auf einem alten Werbeplakat von Circus Roncalli wieder begegnet. Ich gebe zu, es scheint mir übertrieben und muss so allgemein nicht stimmen: Es gibt Tage, da ist einem nicht zum Lächeln zumute, da habe ich nichts zu lachen. Da geht manches schief oder ich stehe vor großen Hürden, die es zu überwinden gilt – von Lächeln ist in dem Augenblick keine Spur.

Und doch: Ein Körnchen Weisheit steckt schon hinter dem Satz. Lächeln oder das Lachen sind wie das Salz in der Suppe des Alltags.

„Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“, so heißt es in der Bibel (Lk 6, 21). Das ist für mich kein Ausblenden von Wirklichkeit, kein überhebliches „Es wird schon wieder“, wenn uns gerade zum Weinen ist. Wir werden ernst genommen in unserer Traurigkeit, wenn manches gerade schwerfällt. Gott lässt uns aber nicht ‚im Regen stehen‘, uns werden neue Räume geöffnet, dann wird uns nicht mehr zum Weinen sein, dann haben wir etwas zum Lachen.

Auch wenn es manchmal anders ‚rüberkommt‘: Es ist gerade die Frohe Botschaft, die eine wichtige Rolle in unserem Glauben spielt. Das ist so, auch wenn Glaube an Gott nicht bedeutet, dass immer alles leichtfällt, dass unsere Pläne immer in Erfüllung gehen. Aber: Es geht grundsätzlich darum, dass Leben gelingen kann, dass wir befreien und befreit sind, dass uns „Leben in Fülle“ geschenkt wird.

„Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“

Ich wünsche Ihnen, dass möglichst wenige Tage in diesem Sinn „verloren“ werden und dass Sie selbst Gelegenheiten bieten, sich und anderen immer wieder ein Lächeln zu schenken.

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Was konnte ich mich früher als Kind schon ärgern, wenn ich nochmal zurück musste zum Start! ‚Alles umsonst‘ – ‚Nochmal würfeln – neu anfangen: Muss das sein? ‘ Dabei heißt das Spiel auch heute noch: „Mensch, ärgere Dich nicht!“

Von wegen: „Mich nicht ärgern!“ Ich konnte mich ärgern und ich kann mich ärgern. Richtig sauer kann ich dann werden…

Ja, ich spreche heute Morgen vom Spielen. Bei uns im Wohnzimmer haben sich mittlerweile viele Spiele angesammelt – bunt gemischt! Wir spielen gerne – als Familie und mit Freunden…

Spielen ist etwas Großartiges! Ich kann Leben so richtig auskosten – beim Gewinnen und, auch wenn ich das nicht will, beim Verlieren.

Gemeinsam mit anderen am Tisch sitzen, miteinander würfeln und feilschen, Häuser und Straßen kaufen bei „Monopoly“, in „Donna Leon“ mit Commissario Brunetti ermitteln und Verdächtige festnehmen oder Karten anlegen und verschieben…

Wenn wir zusammensitzen, wenn wir uns Zeit nehmen und spielen, dann kommt das pure Leben ins Spiel; da wird gelacht, da wird sich geärgert, da wird geblufft. Da tun sich zwei zusammen und unterstützen einander oder sie versuchen, sich gegenseitig zu überbieten.

Da wird nebenbei auch über Gott und die Welt geredet – ja, ob Sie’s glauben oder nicht, da kommt wirklich auch Gott ins Spiel – manchmal ganz unbewusst. Gott kommt immer dann ins Spiel, wenn es um Leben geht. Leben, in dem Menschen vorkommen, wir selbst, Du und ich, mit unserem Ärger, wenn wir zurück zum Start müssen und mit unserer Freude, wenn wir schneller sind, wenn wir gewinnen.

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Ich bin gern mit Menschen aus anderen Kirchen und Religionen zusammen. Wir reden miteinander, feiern gemeinsam Gottesdienste, wir hören und beten, kurzum: Ich gehe meist reich beschenkt aus solchen Begegnungen nach Hause.

Und doch: Die Tatsache, dass die Christenheit gespalten ist, ist ein Skandal. Klar, was durch widrige Umstände, tragische Entscheidungen und menschliche Schuld zerbrochen ist, lässt sich nicht von heute auf morgen wiederherstellen. Aber wir können auf verschiedenen Ebenen Schritte gehen und Zeichen setzen: mit Vertrauen aufeinander zugehen, einander zuhören und mitteilen, miteinander beten und feiern.

Gestern hat die internationale Gebetswoche für die Einheit der Christen begonnen – jedes Jahr vom 18. bis 25.Januar und in den Tagen vor Pfingsten sind Christen eingeladen, sich dafür einzusetzen, dass Versöhnung und Einheit wachsen können. Das Motto heißt diesmal: „Gib mir zu trinken!“; in Erinnerung an eine Stelle aus der Bibel: Jesus bittet eine Frau, ihm etwas zu trinken zu geben. Er weckt dabei die tiefe Sehnsucht der Frau nach ihrem Lebensdurst.

Schlummert nicht auch in uns diese Sehnsucht, dieser Durst nach erfülltem, nach erfüllendem Leben?

…die Sehnsucht danach, verstanden zu werden…

…die Sehnsucht danach, andere kennenzulernen…

…die Sehnsucht danach, mich mitzuteilen…

…die Sehnsucht danach, mit anderen zu feiern…

Wenn wir im Gespräch aufeinander zugehen und im Beten und Feiern mit Gott unterwegs sind, dann kommen wir mehr als einen Schritt weiter.

Im Rahmen der Gebetswoche sind in vielen Städten und Gemeinden Begegnungen und Gottesdienste geplant, vielleicht auch bei Ihnen vor Ort.

Schauen Sie einfach mal rein – Sie sind herzlich willkommen!

 

                                                                 

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