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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Unserem Sohn haben wir vor einiger Zeit sieben Paar dunkelgraue Socken geschenkt, die sich nur durch ein Detail unterscheiden. Jedes Paar trägt einen „smiley“ in einer anderen Farbe. Aber nicht nur die Farbe ist anders. Montags sind die Mundwinkel runtergezogen, dann gehen sie Tag für Tag langsam weiter hoch und am Sonntag zeigt das runde smiley-Gesicht ein helles Lachen. Morgen ist mal wieder Grund zum Lachen: Sonntag – hoffentlich auch für Sie ein besonderer Tag. Im neuen Gesangbuch  „Gotteslob“ der katholischen Christen in Deutschland steht ein Lied, das in einfachen Worten und mit einer einfachen Melodie sagt, was da so besonders ist. Denn am Sonntag  lacht man nicht nur deshalb, weil frei ist. Das Lied sagt es so:

„Dieser Tag ist Christus eigen, und das erste Morgenlicht will von seinem Leben zeugen, das die Todesnacht durchbricht.“  Der Sonntag ist deshalb etwas Besonderes, weil er Woche für Woche daran erinnert, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Und deshalb ist die Melodie dazu auch so angelegt, dass man regelrecht entspannt durch die Gegend hüpfen könnte, leicht und tänzerisch, voll Freude eben. Das Leben hat einen Sinn, und der besteht nicht nur in Arbeit und Alltag. Ich lebe, weil Gott es will. Er begleitet mich und verlässt mich nicht, auch wenn das Leben hier einmal zu Ende geht. Daran will der Sonntag erinnern und dazu will er auch die Zeit lassen. Die Realität ist eine andere. Ich kenne viele, die gerade am Sonntag all das erledigen müssen, was während der Woche liegen bleibt. Und ich gebe es zu: ich habe auch schon Wäsche aufgehängt. Es wird gebügelt und wenn sich sonntags die ganze Familie zum Mittagessen trifft, hat das auch nicht unbedingt immer etwas mit Leichtigkeit und Freude zu tun. Zeit über das nachzudenken, was den Sonntag ausmacht, bleibt da nur im Gottesdienst. Aber auch der fällt für viele mehr und mehr dem grauen Alltag zum Opfer. Von wegen  „smiley“! Mein Tipp für morgen: legen Sie sich ein Paar Socken mit dem lachenden „smiley“ zu und singen sie das Lied aus dem neuen „Gotteslob“:

„Segne Herr den Tag der Tage, dass die Welt dein Kommen spürt. Löse Mühsal, Streit und Plage, dass für alle Sonntag wird.“

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Die meisten von uns kennen das „Abendlied“ mit dem Text von Matthias Claudius unter dem Namen seiner ersten Zeile: „Der Mond ist aufgegangen“. Als Kinder- und Wiegenlied findet man es in den Liederbüchern. Und Generationen von Eltern haben es ihren Kindern vor dem Schlafen gehen gesungen:

„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.“

Ein Abendlied jetzt am frühen Morgen?

Das hat seinen Grund. Die katholischen Christen in Deutschland haben ein neues Gebet- und Gesangbuch bekommen, das neue „Gotteslob“. Und darin befindet sich doch tatsächlich dieses Gedicht aus dem Jahr 1779 mit der bekannten Melodie. Sieben Strophen hat es und Hand aufs Herz: wer kennt mehr als die erste? Liest man alle, stellt man fest: das ist gar kein Kinderlied, das ist eigentlich ein Gebet. Wichtige Fragen und tiefer Glaube in ein schlichtes Gedicht gefasst und in verständlichen Bildern ausgedrückt. Kein Wunder, dass es so große Beliebtheit und Verbreitung erlangt hat. Ich glaube, viele haben das ganz instinktiv gemerkt, ohne groß darüber nachzudenken.

„Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehen“. Ja, die Welt ist viel mehr, als das, was wir sehen können. Und mit den  Menschen, die uns täglich begegnen ist es genau so. Und wer zu schnell ohne nachzudenken über manches lacht, der lacht eigentlich über seine eigene Begrenztheit.

Oder die fünfte Strophe:

„Gott lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freun; lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein.“

Einfältig – das  hat nichts mit Dummheit zu tun. Vor Gott beißt sich eben alle Weisheit und Wissenschaft die Zähne aus. Und wieder zu Kindern zu werden – das hat schon Jesus selbst seinen Jüngern geraten, wenn sie ins Himmelreich kommen wollen.

Der Mond ist aufgegangen – kein Kinderlied, aber ein Lied für Menschen, die sich ein gesundes Stück Kindheit bewahren wollen.

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„Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen…..ich werde euch schleppen und retten“. Ein Satz aus der Bibel. Gott sagt das, bzw. lässt das sagen durch den Propheten Jesaja. Den Menschen, die das hören, geht es zu dieser Zeit wirklich nicht gut und der Prophet braucht schon viel Gottvertrauen, um so etwas zu sagen. „Ich trage euch, egal, was passiert!“ „Ja, wenn wir das nur merken würden“ werden sich viele damals gedacht haben. Das ist heute nicht anders.  Wahrscheinlich ist mir deshalb auch das Lied aufgefallen, das sich auf diese Stelle bezieht. Es steht im neuen Gotteslob, dem Gebet- und Gesangbuch für die katholischen Christen. In diesem Jahr wird es nach und nach in den deutschen Gemeinden eingeführt.  „Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin. Ihr sollt nicht ergrauen, ohne dass ichs weiß, müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.“  Den Text hat Jochen Klepper geschrieben, ein evangelischer Christ. Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter geistlicher Lieder im 20. Jahrhundert. „Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin…“ – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Ich merke es umso schmerzlicher, je älter ich werde. Wie die Zeit  anscheinend immer schneller rast, sich Gedanken einschleichen wie: die Jungen nehmen dich gar nicht mehr ernst, oder: ob du es noch schaffst, einmal nach Neuseeland zu kommen? Die Zeit wird knapper. Man erzählt mehr von früher. Das Lied sagt: Ist schon in Ordnung. Bei allem, was geschieht, darfst du dich von Gott getragen wissen. Schön und gut, wenn da  nicht  immer wieder die Frage wäre: Wo erleb ich’s denn? Wie erfahre ich das? Das Lied hat eine Antwort: „Ihr müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.“ Vertrauen ist eine schwere Übung für Erwachsene. Kinder können das noch viel besser. Sie sind noch nicht o oft enttäuscht worden. Hab Vertrauen wie ein Kind auf Gott und verlass dich  auf sein Wort. Ob Jochen Klepper sich in dieses Vertrauen hinein fallen ließ? Vier Jahre nachdem er den Text geschrieben hat, ging er 1942 mit seiner jüdischen Frau und seiner Tochter freiwillig aus dem Leben. Ihnen drohte die Deportation durch die Nazis. „Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug. Ja ich will euch tragen, wie ich immer trug.“

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Der Nahe Osten steht in Flammen. Immer die gleichen Meldungen von Hass, Gewalt und Tod. Die Bilder der leidenden Menschen lassen einen hilflos, traurig und auch wütend zurück. Hört das denn niemals auf?

Seit drei Jahren versinkt Syrien im Chaos des Bürgerkriegs. Der Irak ist zerrissen zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden. Die Christen fliehen, wenn sie noch können. Blutige Kämpfe in Libyen. Und dann der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.

Gewalt, die mit Gegengewalt beantwortet wird. Eine tödliche Spirale. Und dann fällt immer wieder der gleiche Satz: „Die Konflikte können nicht militärisch gelöst werden.“ Wissen tut das jeder. Aber wer durchbricht als erster den Teufelskreis von Krieg und Zerstörung?

Leo Tolstoj (1828-1910), der große russische Dichter, hat einmal geschrieben: „Gleich wie Feuer nicht Feuer löscht, so kann Böses nicht Böses ersticken. Nur das Gute, wenn es auf das Böse stößt und von diesem nicht angesteckt wird, besiegt das Böse“

Man spürt den Geist der Bergpredigt, die Tolstoj unendlich bewunderte.

Jesus sagt darin: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand. Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ (Mt 5, 36).

Mit der Bergpredigt kann man nicht regieren, erklären die Politiker. Vielleicht. Aber eines machen die Kriege und Bürgerkriege der Gegenwart ganz klar: Gegen die Bergpredigt lässt sich erst recht keine Politik machen!

Es gab im Nahen Osten Staatsmänner, die die Logik von Gewalt und Gegengewalt durchbrachen. Der ägyptische Präsident Sadat reiste überraschend nach Jerusalem und bot Israel einen Friedensvertrag an. Und der israelische Premier Rabin ging auf die Palästinenser zu und verhandelte mit ihnen. Beide, Sadat und Rabin, wurden von Extremisten aus dem eigenen Lager feige ermordet. Ihr Beispiel zeigt: Wer auf Gewalt und Vergeltung verzichtet, der muss ungeheuer stark und mutig sein. Wo aber gibt es heute solche Helden des Friedens?

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Mit Bestenlisten und Rankings ist das so eine Sache. Wer gehört zu den Besten?

Wollte man eine „ewige Hitliste“ der besten Rheinland-Pfälzer aufstellen, dann gehörte er aber sicher zu den Top Ten: Nikolaus von Kues. Vergangene Woche jährte sich sein Todestag zum 550. Mal.

Geboren als Sohn eines Krebsfischers stieg der Junge von der Mosel auf zum Kardinal und Stellvertreter des Papstes. Cusanus, wie er sich nach seinem Geburtsort nannte, war ein Universalgenie – vergleichbar mit Leonardo da Vinci. Der aber war noch ein Kind, als Cusanus 1464 starb. 

Die Neugierde des Cusanus war grenzenlos. Theologie und Philosophie gehörten dazu, klar. Aber er begeisterte sich auch für Geographie, Astronomie und  Mathematik. Cusanus schuf mit seinen Tabellen die Grundlagen für die Kalenderreform, die der Papst erst 150 Jahre später anordnete.

Ein Thema, das ihn zeitlebens umtrieb, war die Unendlichkeit. Konnte man ihr in der Mathematik auf die Spur kommen? War es möglich, dabei auch das Geheimnis Gottes besser zu verstehen?

Cusanus schrieb: „Da uns zu den göttlichen Dingen nur der Zugang durch Symbole als Weg offensteht, so ist es recht passend, wenn wir uns (...) mathematischer Symbole bedienen.“ (De docta ignorantia I)

Intensiv beschäftigte er sich mit der Quadratur des Kreises. Hier, in der Geometrie, fand Cusanus einen Schlüssel zum Verständnis der Unendlichkeit.

Im Unendlichen - davon war er überzeugt - würden die Gegensätze von Kreis und Linie, von Krümmung und Geradheit zusammenfallen. So müssten auch in Gott alle Gegensätze eins werden. Eine Vorstellung, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.

Die Erkenntnisse des Cusanus zeigen deutlich, dass Religion und Vernunft, Glaube und Naturwissenschaft sich nicht ausschließen. Sie können vielmehr einander helfen, den Kosmos und dessen Urgrund besser zu verstehen.

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Ein besonderer Gruß gilt allen Lenis und Elenas im Land, die heute ihren Namenstag feiern. Die Hl. Helena war die Mutter Konstantins des Großen, des ersten römischen Kaisers, der sich zu Anfang des 4. Jahrhunderts dem Christentum zuwandte.

Berühmt wurde Helena durch ihre Pilgerreise ins Heilige Land, wo sie die Stätten aus dem Leben Jesu besuchte. Diese Wallfahrt der damals über 70jährigen Kaisermutter ist historisch belegt. Ob sie dabei in Jerusalem tatsächlich das Kreuz Jesu auf Golgotha fand, darüber streiten die Gelehrten.

Sicher aber ist: In Konstantins Regierungszeit wird das Kreuz zu dem christlichen Symbol schlechthin.

Berühmt wurde Helena durch ihre Pilgerreise ins Heilige Land, wo sie die Stätten aus dem Leben Jesu besuchte. Diese Wallfahrt der damals über 70jährigen Kaisermutter ist historisch belegt. Ob sie dabei in Jerusalem tatsächlich das Kreuz Jesu auf Golgotha fand, darüber streiten die Gelehrten.

Sicher aber ist: In Konstantins Regierungszeit wird das Kreuz zu dem christlichen Symbol schlechthin.

Immer wieder ist das Kreuz ein Stein des Anstoßes gewesen. Erinnert sei nur an die endlosen Debatten um das Kruzifix in Schulen und Gerichtssälen. Christen sind der Überzeugung, dass gerade das Kreuz Jesu einen Gott offenbart, der sich noch in Leid und Tod mit den Menschen solidarisiert. Der nicht unantastbar über den Wolken thront, sondern den Menschen auch im Scheitern nahe ist.

Es sieht so aus, als trauten sich wieder mehr Gläubige, das Kreuz auch öffentlich zu machen. Erstaunlich, dass gerade junge Leute das Kreuzzeichen neu entdecken. Dabei spielen sicher auch Prominente eine Rolle, die zu ihrem Glauben stehen. Bei der Fußball-WM vor ein paar Wochen waren es ja nicht nur Südeuropäer oder Lateinamerikaner, die sich vor dem Anpfiff oder nach einem Tor bekreuzigten. Das taten auch unsere Kicker, wie Miro Klose, Lukas Podolski und andere.

Das freut auch einen der Weltmeister von 1974, den unvergessenen Wolfgang Overath. Der überzeugte Katholik erklärte kürzlich in einem Fernsehinterview, dass eine solche Geste in seiner aktiven Zeit viel schwieriger war: „Ich hatte keinen Mut dazu. Man hat das versteckt gemacht. Nur für sich.“

Unverkrampfter mit dem eigenen Glauben umgehen, ihn auch öffentlich bekennen - das ist eine gute Entwicklung.  So bleibt das Kreuz in unserer Gesellschaft präsent als Zeichen der Hoffnung und der Erlösung – so wie schon vor 1.700 Jahren in der Zeit der Hl. Helena.

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Religionsunterricht in einer 6. Klasse. Der zwölfjährige Timo meldet sich ganz aufgeregt: „Jesus ist ausländerfeindlich!“ Und Lisa ergänzt: „Und gegen Frauen hat er auch was!“

Was war passiert? Wir hatten einen Text aus dem Matthäusevangelium gelesen. Und zwar den, der heute Morgen in allen katholischen Gottesdiensten vorgetragen wird (Mt 15,21-28).

Da zieht sich Jesus mit seinen Jüngern zurück ins Gebiet von Tyrus und Sidon, in den Libanon. Hier leben nur wenige Juden. Da ließe sich ein wenig ausruhen. Doch daraus wird nichts. Eine Frau aus der Gegend läuft Jesus hinterher und fleht laut um Hilfe: „Hab Erbarmen mit mir, du Sohn Davids! Meine Tochter ist krank!“ Jesus reagiert nicht. Die Mutter aber lässt sich nicht abschütteln. Den Jüngern wird die Sache peinlich. „Herr, hilf ihr doch. Sie schreit hinter uns her.“

Jesus bleibt hart: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Es ist nicht Recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ Für den Mann aus Nazaret ist klar: Die Botschaft vom Reich Gottes gilt nur seinem Volk, also Israel. Die Leute aus der Region um Tyrus und Sidon dagegen gehören zu den „Hunden“, den unreinen Nicht-Juden.

Die Frau gibt nicht auf: „Du hast recht, Herr, aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

Jesus ist beeindruckt. Geht Israel etwas vom Heil verloren, wenn es den Segen Gottes mit anderen teilt? Macht die Liebe Gottes an nationalen oder religiösen Grenzen halt?

Jesus antwortet der Mutter: „Dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.“ Und der Evangelist erzählt: „Von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.“

„Dann hat es Jesus doch noch kapiert“, kommentiert Timo.

Jesus lernte also von einer Frau. Er änderte seine Meinung. Gehört das nicht auch unbedingt zu seiner Menschlichkeit? Sich korrigieren lassen, neue Einsichten gewinnen? Ich finde es großartig, wenn wir Jesus so als unseren Bruder im Glauben neu kennenlernen. Dann ist er uns noch näher.

 

 

 

 

 

 

 

 

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