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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Herzlichen Glückwunsch.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag heute.
Herzlichen Glückwunsch zu Geburt des zweiten Kindes.
Wie tut das gut, wenn man solche Wünsche hört.
Was für ein Strahlen zaubert das ins  Gesicht, was für eine Freude.
Mit dieser Freude beginnt auch Jesus seine Bergpredigt. Selig sind... übersetzt Luther. Aber das Wort, das Jesus damals in seiner Sprache, dem Aramäischen gesagt hat, heißt: Aschree. Auf Deutsch: Herzlichen Glückwunsch!
Herzlichen Glückwunsch, ihr Leidtragenden. Ihr werdet getröstet. Hat Jesus gesagt. Herzlichen Glückwunsch, wenn euch der Hunger nach Gerechtigkeit umtreibt. Ihr werdet satt werden.
Herzlichen Glückwunsch, ihr Barmherzigen. Euch blüht Barmherzigkeit.
Herzlichen Glückwunsch, ihr Friedenbringer. Man wird euch Kinder Gottes nennen.
Wenn ich jemandem Glück wünsche, dann hat sich etwas erfüllt, da ist etwas geglückt im wahrsten Sinne des Wortes. Dann sind also die Verheißungen erfüllt? Ja, sie sind mitten im Getümmel, in der Verrücktheit, der Grausamkeit des Lebens erlebbar. Darauf setzt Jesus. Und ich auch.
Trost, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden sind möglich, jetzt.
In diesen Tagen jährt sich zum hundertsten Male der Ausbruch des ersten Weltkrieges. Im Jahr 1914 harren Millionen Soldaten an Weihnachten in den verschlammten Schützengräben aus. Im Niemandsland zwischen den feindlichen Linien liegen die Leichen der Gefallenen, teils mit Schnee bedeckt. Doch mit einem Mal gehen auf beiden Seiten hinter den Wällen Pappschilder hoch: "Frohe Weihnachten" steht da, und "Merry X-Mas".Was folgt, ist kein Weihnachtsmärchen.
Nach fünf Monaten Krieg mit Hunderttausenden von Toten bricht an der Westfront von der Nordsee bis zur Schweiz der Friede aus. Es dauert nicht lange, und die Feinde machen sich Geschenke, singen Weihnachtslieder, spielen Fußball...
Als das Fest vorbei ist, feuern sich die Soldaten zunächst noch über die Köpfe, dann geht der Krieg weiter. Befehl von oben: Jeder, der mit dem Feind "Stille Nacht" singt, ist sofort zu erschießen.
Herzlichen Glückwunsch, wenn Sie heute in der Verrücktheit Ihres Lebens friedlich bleiben, barmherzig sind. Dann tragen Sie einen neuen Namen: Kind Gottes.
Ich wünsche Ihnen einen guten, gelingenden Tag.

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Gibt es etwas, was sie gar nicht missen möchten? Was Ihnen so kostbar ist, dass sie alles dafür geben würden? Ihre geliebte Ehefrau, ihren herzensguten Mann, ihre Familie, die Kinder und Enkel?
Wenn ich richtig nachdenke, habe ich Vieles, was ich nicht missen möchte. Vor allem, wenn mir klar wird, wie verletzlich das alles ist und wie leicht man es verlieren kann.
Jesus sagt dazu in der Bergpredigt:
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel...Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Leben. Himmlische Schätze, mitten im Leben. Momente, die unvergessen bleiben, eingebrannt in unser Herz. Die uns niemand nehmen kann, die mit den Worten Jesu die Motten und der Rost nicht fressen und die Diebe nicht stehlen können.
In Mozarts Oper Figaros Hochzeit gibt es so einen Moment, eingebunden in himmlische Musik. Da hat der eitle und sexbesessene Graf Almaviva alle Hebel in Bewegung gesetzt, um endlich Susanna, der Verlobten Figaros, den Hof zu machen, sie rumzukriegen. Im Garten soll das Tete a tete stattfinden. Aber der listenreiche Figaro arrangiert das Treffen anders, als der Graf es sich vorstellt. Die Gräfin, die Frau des Grafen, verkleidet sich als Susanna und wartet im Garten auf ihren Mann. Und als der das Spiel durchschaut, ist es zu spät. Er ist entdeckt, entlarvt, seine Schuld offenbar. Und er sinkt von Reue erfüllt auf die Knie und bittet seine Gemahlin um Vergebung. Und sie? Sie beginnt zu singen, eine Melodie von so überirdischer Schönheit, dass du meinst, der Himmel öffnet sich. Was sie singt? Ein Wort. Ich vergebe dir. Natürlich ist es nur ein Spiel, Theater halt.
Aber dieser Moment steht für viele andere, wo sich der Himmel öffnet mitten im Leben.
Ich bitte endlich das geliebte Wesen, meine Frau zu werden. Ich habe zum ersten Mal meinen Sohn im Arm. Ich bekomme gesagt, dass meine Krankheit besiegt sei. Jemand, den ich verletzt habe, verzeiht mir. Und aus diesen Schätzen leben wir. Ich wünsche Ihnen einen himmlischen Tag.

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Wissen Sie, was ein TG ist? Nein? Eine Abkürzung. Steht für: Tagesgeschenk. Da sehe ich etwas, es gefällt mir und schon frage ich mich: Wäre das etwas für meine Frau? Auch ältere Beziehungen brauchen ab und an ein TG: Ich denke an Dich. Ich habe dir etwas mitgebracht. Das muss nichts Großartiges sein. Aber es erinnert uns an das Ja, das wir uns einmal gegeben haben. Wo auch immer und wie auch immer. Junge Paare versuchen heutzutage den Beginn ihrer Ehe richtig prächtig zu begehen, vor allem ungewöhnlich, einzigartig. Eine Trauung in der Wuppertaler Schwebebahn etwa. Da gibt es einen exklusiven Hochzeitswagen, der gegen entsprechendes Honorar zu mieten ist. Endlich ein Pfarrer, der schwebt. Na, das wär´s doch. Oder die Special-Weddings? Das Ja-Wort unter Wasser: Das Ja kann man ja durch Nicken und Gestikulieren ersetzen. Und die Predigt des Pfarrers? Entfällt wahrscheinlich wegen zu viel Geblubber. Lachen Sie nicht.
Die Prächtigkeit der Location und die Einmaligkeit des Ganzen gelten als Garanten für eine gelingende Ehe.
Da gibt es handgefertigte Taschentücher für Freuden-tränen von einer Firma HerzkäferDesign, denn bekanntlich hat ja eine Hochzeit hochemotionale Momente, wo selbst dem abgehärtesten Menschen schon mal die Tränen kommen.
Wenn das Ja-Wort so geschmückt daherkommt, muss doch die Chose gelingen, oder?
Und natürlich die Hotelempfehlungen. Heiraten Sie in den historischen Räumlichkeiten eines ehemaligen Priesterseminars mit einer Party in der wunderschön restaurierten alten Kirche als Highlight...
Und dann fällt mir Jesu Wort aus der Bergpredigt ein: Eure Rede sei Ja, ja, Nein, nein. Alles Drumherum ist vom Übel.
Und wenn so ein Ja aus vollem Herzen kommt, dann ist es auch egal, wo es gesprochen wird.
Ob in der Schwebebahn, oder doch in der guten alten Dorfkirche bei dem Pfarrer oder der Pfarrerin, wo Sie getauft worden sind, und wo alle, die da sind, Ihr Ja laut und deutlich hören, und beim Segen mitbeten: Lass diese Ehe gelingen, lieber Gott.
Ich wünsche Ihnen allen einen guten Tag. Wo auch immer Sie Ihr Ja gesprochen haben. Lassen Sie es doch heute wieder mal anklingen, dieses Ja. Und wie wärs mit einem Blumenstrauß heute Abend?

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Alles ist machbar.
Noch besser geht immer.
Das wollen wir doch mal sehen.
Sätze unserer Zeit. Ja, aber auch zutiefst menschliche Sätze.
Kennen Sie die Legende von dem Bauern, dem das Wetter gar nicht gefällt? Obwohl es Gott gemacht hat? Das kann man doch besser machen, denkt er. Und schließt mit Gott einen Vertrag. Ein Jahr wird er das Wetter machen. Und Gott wird sich nicht einmischen. Stillhalten. Personal Wheather sozusagen.
Der Frost im Winter wird nur so hart, dass er gerade mal die gepflügten Schollen durchfriert und für das Frühjahr zerbröselt. So gelingt die Aussaat des Getreides bestens. Die Apriltage bringen keine Fröste mehr, sondern einen ersten warmen Regen, der die Aussaat keimen lässt und alles grünt und ins Wachsen kommt. Der Bauer reibt die Hände. So soll es sein. Keine kalte Sophie im Mai und kein Hagelschlag im Juni. Die stören doch nur das Wachstum der Ähren. Dafür immer mal wieder ein sanfter Landregen, der die Erde feucht hält. Und die Sonne im Juli und August so wohltuend, das nichts verbrennt, sondern alles Gesäte goldgelb reift. Und jetzt die Ernte. Das Korn geschnitten und in die Scheune zum Dreschen. Aber der Bauer ist zuerst erstaunt, dann wütend und erbost. In den Ähren sind keine Körner. Leeres Stroh drischt er. Er schreit Gott an: Du hast es doch vermasselt. Du wolltest dich doch nicht einmischen. Nein, sagt Gott. Du warst es. Du hast den Wind vergessen. Den Wind, der die Ähren, als sie blühten, befruchten sollte. Du hast den Wind vergessen. Auch wenn manches in dieser Welt unvollkommen erschein, so ist es doch nicht zu verbessern. Jesus sagt es in der Bergpredigt so: Schaut die Lilien auf dem Felde...Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eine.
Manches in dieser Welt ist so, wie es ist. Halt sehr gut. Und wenn du dich noch so sehr anstrengst, du kannst es nicht verbessern. Denken Sie an den Bauern mit seinem Wetter.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.

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Kennen Sie eigentlich die Heule-Eule? Heule-Eule heißt ein ganz entzückendes Kinderbuch von Paul Friester und Philippe Goosens. Es geht um dieses Gefühl, das Sie auch kennen: Sie wachen morgens auf und alles ist zum Heulen. Aber auch wirklich alles.
So auch hier. Die Tiere des Waldes erschrecken über einen fürchterlichen Klagelaut.
Der Igel schaut nach und entdeckt die kleine Eule, heulend. Heule-Eule.  Bist du aus dem Nest gefallen? Kopfschütteln. Geheule. Willst du spielen? Auch nicht. Auch Essen geht gar nicht. Die Eule heult weiter. Ein Maulwurf flicht Blumen zu einer Kette. Geheule. Der alte Hirschkäfer meint : „Zu meiner Zeit hätte es so etwas nicht gegeben“ und droht, mit seinen Zangen zu zwicken, aber das macht das Geheule nur lauter. Kurzum, es hilft alles nichts, bis die kleine Eule zu Mama Eule flattert. Die nimmt sie in den Arm und fragt: „Na, kleine Heule-Eule, warum heulst du denn so?“ Da verstummt die kleine Eule und sagt: „Ich hab´s vergessen.“
Also vielleicht kennen Sie nicht diese (!) Heule-Eule, aber eine jammernde und seufzende Heule Eule, aber vielleicht eine andere. Oder einen jammernden und seufzenden Heule Eulerich.
Wenn Sie zum Beispiel am Wochenende morgens beim Bäcker Brötchen holen. Und Sie fragen ganz harmlos: Wie geht es Dir? Und Sie hören: Na, ja, oder: Ach, so lala. Oder es kommt nur ein geseufzter Klagelaut.  --  So etwa. Und dann fragen Sie weiter: Ist denn etwas? Aber da kommt gar nicht viel. Nur Gejammer, Geheule. Alles ist schlecht und alles geht schief. Nichts gelingt. Und der Kaffe wird immer teurer und das Geld ist rar. Und überhaupt...Der Klageton ist unüberhörbar. Eine Heule-Eule. Da nützt es nichts, wenn Sie goldene Brücken bauen. Oder Spielangebote machen wie bei der Heule-Eule. Es gibt kein Entkommen. Sie müssen es durchstehen, anhören, nickend zustimmen. Sie brauchen auch gar nichts zu sagen. Wie die Mutter Eule im Kinderbuch. Am Ende werden Sie auf Ihre Frage: Geht es dir jetzt besser? ein Lächeln ernten. Ja, jetzt geht es wieder.
Manchmal brauche auch ich einen, der mein Geheule aushält und, so sagt es Jesus in der Bergpredigt, zwei Meilen mit mir geht. Und dann geht es wieder.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.

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Einen anderen Menschen zu trösten, das ist eine große Kunst. Und manchmal gelingt das ohne große Anstrengung.Da sitze ich vor wenigen Monaten in einer Arztpraxis und warte. Lange. Die Zeit zieht sich wie Nougat aus Montelimar. Zäh, aber nicht süß. Zu lange, denke ich. Dann komme ich doch noch dran. Was ich als Diagnose zu hören bekomme, macht mich gar nicht frohgemut. Nein. Es tauchen Schreckensbilder in mir auf.
Mit hängendem Kopf gehe ich zum Kleiderständer und ziehe meinen Anorak an. Dann drehe mich noch mal um und sage in die Runde der immer noch geduldig Wartenden ein leises „Auf Wiedersehen.“Kaum einer hebt den Kopf. Nur unverständliches Gemurmel.
Ich habe die Türklinke des Wartezimmers schon in der Hand, da höre ich von hinten mit freundlicher Stimme: „Gott befohlen!“ Ich drehe mich um, und der alte Herr sagt: „Ja, Sie haben richtig gehört: Gott befohlen!“ Wahrscheinlich habe ich sehr erstaunt geguckt.
Dann sage ich: „Das freut aber einen alten Pfarrer, so verabschiedet zu werden.“
Wir lachen uns an, ich immer noch mit der Türklinke in der Hand und er auf seinem Stuhl meint: „Wissen Sie, vor einiger Zeit habe ich mir vorgenommen, in einem Wartezimmer nicht mehr „Auf Wiedersehen“ zu sagen, sondern „Gottbefohlen“.“ Und ich antworte ihm: „Na, dann: Adieu.“ Schaue noch mal in die Runde. Einige lächeln und einige schauen sehr erstaunt.
Aber keiner mehr ist ganz in sich versunken. Da ist auf einmal ein weiter Raum entstanden.  Ein neuer Horizont, mitten im Wartezimmer. Als ich die Treppe hinuntergehe, fällt mir ein, dass mein Arzt mir bei einem der letzten Besuche eröffnet hat, er sei Agnostiker und glaube nur an die Würmer, nach dem Tod. Und ich? Ich gehe jetzt. Gottbefohlen. Getröstet in einem Wort. Mit einer Hoffnungszusage. Und die lautet:
Was auch immer geschieht, du stehst in Gottes Hand.
Wie hat das Jesus am Beginn der Bergpredigt gesagt: Selig sind, die da Leid tragen. Sie sollen getröstet werden.
Ihnen an diesem Montagmorgen ein herzliches „Gottbefohlen“.

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Wir trauen den Schwachen wenig zu. Und den Armen im Geist noch weniger.
Jesus sieht das anders.
Am Beginn seiner Bergpredigt sagt er: Selig sind die Armen im Geist. Ihnen blüht das Himmelreich.
Ich habe vor einigen Jahren in einer Schule für Behinderte die Konfirmanden unterrichtet. Viele der Kinder sind mehrfach behindert gewesen. Zu den körperlichen Schwierigkeiten kamen oft noch geistige Unzulänglichkeiten. Und so brauchten einige eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Aber auch: Was für eine Dankbarkeit, wenn man sich ihnen zugewendet hat, mit ihnen gesprochen, sie umarmt, gestreichelt hat.
Wir sind in der Zeit vor Ostern mit einem der Kurse in eine Freizeit gefahren. Vier Tage im Hunsrück. Was würde alles passieren? Würde es gut gehen? Einer der Konfirmanden, Hans, konnte nicht sprechen. Aber er hat mich immer sehr gut verstanden. Und er antwortete mit Klicklauten. - hieß Ja. - - Nein. Und Yvonne hatte einen offenen Rücken, lag also stets auf einem Kissen auf dem Bauch und ich hatte noch nie bemerkt, dass sie mit einem der anderen Konfirmanden Kontakt hatte. Wie gesagt, es war die Zeit vor Ostern.
Und so zeigte ich einige Dias zu Passion und Ostern aus Kees de Korts´Kinderbibel.
Darunter auch ein Bild von der Kreuzigung Jesu. Als Hans das gesehen hat, hat er zu weinen begonnen. Sein Vater ist ja vor kurzem gestorben, fiel mir ein. Was hatte ich da angerührt...Neben ihm lag auf ihrem Kissen Yvonne. Und plötzlich sahen wir, dass ihre kleine Hand sich ganz langsam und furchtbar mühsam auf die Hand von Hans zubewegt hat. Und dann hat sie ihn gestreichelt. Sanft und behutsam. Alle Betreuerinnen und auch ich, wir haben zu weinen begonnen. Wir konnten nicht anders. Vor Rührung und Verwunderung.
Und ich gebe Jesus recht:
Selig sind die Armen im Geist. Ihnen blüht das Himmelreich. Die Mitfühlenden tragen den Himmel in sich.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

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