Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Lektion auf der Autobahn. Ich war unterwegs auf der A 65 zwischen Raststätte Pfälzer Weinstraße und Neustadt. auf dem Weg nach Mainz, zum SWR Vor mir ein Auto ziemlich langsam, keine 80. ich merke es zu spät und hänge hinten dran und muss warten, bis ich endlich überholen kann. Endlich klappt es. Einigermaßen ärgerlich setze ich zum Überholen an, beschleunige natürlich, und als ich so auf gleicher Höhe bin, schau ich halt mal rüber, wie man das macht, wenn man wissen will, wie der so aussieht, wenn er so fährt. Und da staun ich nicht schlecht, aber es ist, wie es ist, was soll ich sagen: Auf dem Fahrersitz sitzt niemand. Nein, da wo ich hinschaue sitzt kein Mensch. Ich bin inzwischen selber zum Verkehrshindernis geworden, hinter mir einer mit Lichthupe und gezogenem Revolver glaub ich fast, aber ich bin so irritiert, dass ich wieder langsam werde und mich erneut hinter das langsame, fahrerlose Auto setze. Da fällt mein Blick auf das Nummernschild und auf den Aufkleber am Heck und ich muss lachen .Über meine eigene Dummheit nämlich, weil das Auto, das da vor mir fährt, kommt eben aus England from Great Britain und da sitzt bekanntlich der Fahrer rechts. Schau mal einer an, hab ich gedacht, was für eine Lektion: Da kommst Du auf deiner Autobahn daher, meinst, du bist zuhause und kennst dich aus wie kein Zweiter. Und plötzlich triffst du auf ein anderes Auto, das eben ein bisschen anders ist und schon haut es dich um, bloß weil da kein Fahrer drin sitzt bzw. auf dem falschen Platz aber das stimmt ja so auch nicht, weil er sitzt ja auf dem rechten Platz, daran habe ich doch gar nichts auszusetzen, außer dass er anders sitzt, als ich.
Das hat gesessen. Das hab ich mir gemerkt. Nein nicht alle Autos müssen gebaut sein und funktionieren, wie meins. Der Mensch denkt und Gott lenkt auch auf anderen Sitzen mit. Darauf sollte ich mich besser einstellen: Die Leute fahren auf ganz unterschiedliche Art und Weise ab und zu an mir vorbei.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17857

Ist Gott eigentlich in der Kirche? Ich meine als ordentliches Mitglied? Und wenn er das ist, in welcher Kirche ist er dann? Na, in meiner natürlich, wird jetzt jeder gerne sagen. Und alleine deshalb schon, kann es nicht so sein, dass Gott in einer einzigen institutionalisierten Kirche ausschließlich ist, einschließlich der Meinen. Wie sollte der große Gott jemals so klein sein, dass er nur in eine Kirche passt. Wie sollte er nur in einem Zimmer seines großen Hauses wohnen? Er kommt gewiss zu Besuch überall dorthin, wo er angebetet wird, wo er die Mitte ist. Er ist bestimmt dabei, wenn wir glauben an die eine heilige Kirche als dem größten anzunehmenden Obdach für alle armen Seelen, doch dann ist Gott gewiss gegenwärtig und lässt sein Angesicht leuchten über uns. Aber nicht als unser Mitglied, sondern als Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Es wird am Ende, wenn wir angekommen sein werden bei ihm, befreiend und womöglich für manche Leute schmerzhaft egal sein, auf welchem Kirchenschiff wir gesegelt sind. Hauptsache wir legen im Hafen seiner Liebe endlich an. Und spätestens dann, werden wir endlich frei sein, von jeder Sklaverei der Überheblichkeit, die genau wissen will, wer rechtgläubig ist oder auf den Scheiterhaufen gehört. Am Ziel bei ihm, in seinem Haus aus Licht, werden wir aufatmen uns von Jesus begrüßen lassen und sagen: „Endlich daheim und nicht mehr nur in der Kirche. Nicht mehr arme Kirchenmaus, sondern Himmelreich im Gotteshaus.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17856

Haben Sie heute schon ihre Mails beantwortet? Wenn nicht, machen Sie sich auf was gefasst! Es wird nämlich erwartet, dass Sie sich unverzüglich melden. Da gibt es kein Vertun. Früher konnte man noch sagen: „Ich war ein paar Tage weg!“ oder „Ich habe den AB noch nicht abgehört!“ oder so ähnlich. Heute kann man nicht mehr wirklich weg sein. Weder Urlaub, noch Wochenende sind ein stichfestes Alibi. Ich war im Wald, im Garten, beim Arzt oder bei der Oma. Alles kein Grund, nicht erreichbar zu sein. Das Einzige, was einigermaßen grimmig als Funkstille anerkannt wird, ist, wenn man halbwegs glaubwürdig nachweisen kann, gestorben zu sein. In jedem anderen Falle sind wir gefälligst online Und haben im Netz zu zappeln. Unbeantwortete Nachrichten können einem bereits nach einer Stunde als Desinteresse, Ablehnung oder gar Verachtung des Absenders ausgelegt werden. Und wenn eine Nachricht irgendwie verloren geht, also gar nicht bei uns ankommt, dann ist das noch lange kein Grund, nicht darauf zu reagieren. Wir sind ununterbrochen am Kommunizieren. Die Menschen laufen durch die Straßen und schauen aneinander vorbei auf ihre Handys und schreiben Nachrichten darüber, wie sie atmen. Im Zug führt kaum jemand mehr ein Gespräch mit dem Gegenüber, das real da sitzt, sondern alle sind digital unterwegs. Dabei möchte ich so gerne mal eine Pause machen, auflegen, abtauchen, gar nichts senden.
Von Dorothe Sölle habe ich einen Text gefunden, den sie „Unterbrechung“ genannt hat. Darin heißt es unter anderem: „Du sollst dich selbst unterbrechen. Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein und Freude, dem Gruß des Engels zu lauschen, der sagt: Fürchte dich nicht! Zwischen Schaffen und Planen sollst du dich erinnern an den ersten Schöpfungsmorgen, als die Sonne aufging ohne Zweck und du nicht berechnet wurdest in der Zeit, die niemandem gehört außer dem Ewigen“. Ich wünsche Ihnen einen Tag mit heilsamen Unterbrechungen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17855

Kennen sie die Geschichte von dem kleinen Fisch? Der hat immer das Wasser gesucht. Unruhig schwimmt er umher, taucht auf und ab und hin und her, immerzu bewegt von der einen Frage, ob es wirklich Wasser gibt und wenn ja, wo. Egal wen er trifft, jeder wird gefragt. Aber die meisten sind stumm wie ein Fisch verdrehen nur die Augen und tauchen ab, wenn sie hören was der kleine Philosoph da will. Die Umfrage ist einigermaßen erfolglos. Weil: Die Lachse zum Beispiel  lachen und nehmen es wie sie sind, nämlich ziemlich lachs. Der Haifisch zeigt zwar Zähne sagt  „Hai!“  und grüßt ganz nett, aber das wars dann auch. Ein Wal meint, er hätte keine andere - Wahl als davon auszugehen, dass es sowas wie Wasser gäbe. Aber gesehen, hätt er es noch nicht. Ein Aal schwimmt glatt an ihm vorbei. Der Hering reagiert sogar sauer. Und so geht es dem kleinen Fisch gar nicht gut mit seiner großen Frage. Bis auf einmal eine Welle kommt und den kleinen Fisch an den Sandstrand spült. Da liegt er nun und bekommt keine Luft und schon bald Flossensonnenbrand alles dermaßen heftig, sodass er aus Leibeskräften schreit: Ich will zurück ins Wasser! Und da kommt sie auch schon die nächste LaOla und holt ihn wieder rein ins Vergnügen und gluckert ihn zurück ins sichere Zuhause. Da ist er wieder ganz in seinem Element, der kleine Fisch mit seiner großen Frage samt Antwort, die da lautet: Wasser gibt’s, Wasser gibt es tatsächlich. Aber man merkts erst, wenn man keins mehr hat. „Von allen Seiten umgibst Du mich Gott und hältst deine Hand über mir.“ Sagt die Bibel. Viele Leute treibt die Frage um: Ob es wohl Gott gibt und wenn ja, wo man ihn finden kann. Besonders dann, wenn sie mit ihrem Glauben mal wieder auf dem Trockenen sitzen und mit dem Leben wie es gerade ist ringen. Dann wird die Sehnsucht zurück in die Gottesnähe besonders groß. Und das ist doch schon eine erste Gotteserfahrung.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17854

Vergeben und Vergessen - das gabs früher einmal. Da wurde eine Sache und war sie noch so ärgerlich irgendwann doch links liegen gelassen. Es ist  Gras drüber gewachsen,
es geriet in Vergessenheit und irgendwann war es gut und vergessen und vergeben vielleicht sogar. Heute geht das nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Der PC und unsere unheimlich präsenten Rechner rund um den Erdball sind immer hellwach und sie vergessen nichts. Niemals. Verzweifelt versuchen Experten zur Zeit, ihnen irgendwie das Vergessen beizubringen, aber unsere Daten sind gespeichert und sie bleiben es auch. Es ist einfach nichts mehr aus der Welt zu schaffen. Alle Daten, alles was uns passiert, auch unbedachte, spontane Dummheiten, alles ist und bleibt abrufbar und jederzeit anzuklicken. Da  wächst kein Gras mehr drüber, da verschwindet nichts mehr, alles bleibt gnadenlos an der Oberfläche und kann gegen uns verwendet werden. Da sind sie wieder, die Geister, die wir riefen, als wir noch verzauberte Lehrlinge der neuen digitalen Zeit waren. Das vergesse oder verzeihe ich dir nie! Diese Drohung ist zum realen Fakt geworden. Wir stehen unter Überwachung und werden mit unseren Daten konfrontiert und bloßgestellt auf Teufel komm raus. Und der kommt da gerne raus und spielt mit uns und unserem Datensatz. Vergeben und vergessen ist einzig wohl noch Gottes Sache. Was bin ich froh, dass er so viel Erbarmen hat mit uns und unserer Geschichte, dass er freisprechen, vergeben, versöhnen und tilgen will, was uns belastet. Fast hatten wir uns von Begriffen wie Hölle und Himmel ja schon verabschiedet. Sie erschienen irgendwie unzeitgemäß und veraltet. Jetzt auf einmal bekommen sie wieder neue Plausibilität.
Denn wir machen uns hier wirklich die Hölle heiß und es ist einfach himmlisch schön, dass Gott uns nicht festlegt auf das, was gewesen ist.Und das allein sollten wir jetzt tatsächlich abspeichern für die Ewigkeit,

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17853

Alle Leute glauben an etwas, glaube ich. Wir Menschen sind gut gläubig. Manchmal auch abergläubig. Glücksklee, Schornsteinfeger, Schwarze Katze, Nicht zu glauben, was wir alles glauben. Die meisten Leute hier bei uns glauben angeblich an die Feuerwehr, dass die kommt, wenns brennt. Ganz viele haben noch bis vor kurzem an den ADAC geglaubt. Erstaunlich groß ist die Zahl derer, die an Engel glauben, übrigens viel mehr als an den lieben Gott. Dabei geht das doch gar nicht, Personal ohne den Chef. Wie dem auch sei. Mir scheint, wir können gar nicht anders, als glauben. Und heute erstrecht. Heute ist nämlich Achtelfinale. Wer wird weiterkommen? Zu Beginn der WM hat laut Umfrage nur jeder 4. Deutsche an unsere Mannschaft geglaubt. Jetzt ist aber inzwischen wieder die Zeit gekommen, wo die Leute zunehmend gläubig werden. Bereit wie nie, glauben wir wieder an den Titel. Wie gut, dass wir dazu alle so talentiert sind. Der liebe Gott hat uns alle mit der außerordentlichen Begabung ausgestattet, richtig viel und fest zu glauben. Manche vergessen das zwischendurch und verlieren den Glauben an das Eine oder den Anderen. Glaube ist eine ziemlich gewagte und gefährdete Mutprobe. Wer es wagt, zu glauben, dass etwas kommt oder ausbleibt, riskiert allerhand. Vor allem auch enttäuscht zu werden. Und doch ist es genau das, was unserem Leben Reiz und Kraft gibt.
Nur wer an das Unglaubliche glaubt, macht den großen Sprung aus sich heraus, über seinen Schatten hinein in Gottes unbegrenzte Möglichkeiten. Und das gibt in uns eine unheimlich spannende Grundhaltung, da spüren wir uns richtig gut, wie wir leben und atmen und offen sind. Gläubige Leute sind interessant und ungemein attraktiv für ihre Umgebung. In ihrer Nähe ist es immer spannend. Also werden wir heute eine große Glaubensgemeinschaft sein, wenn der Ball wieder rollt. Und wenn wir uns so wieder in Sachen Glauben geübt haben, wird uns womöglich auch der Gedanke an das Unglaubliche, was es sonst noch in unserem Leben gibt, eher gelingen.
Um Gottes Willen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17852