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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Der 1. FC Kaiserslautern. Was bedeutet es, wenn man Fan von diesem Verein ist? Man muss viel leiden. Manchmal spielen die so schlecht, dass man am liebsten aufhören möchte, Fan zu sein. Aber trotzdem: Ich kann es nicht. Ich leide und schaue mir die Spiele trotzdem immer weiter an. Und hoffe immer, dass es beim nächsten Spiel doch wieder besser wird.
Vielleicht geht es Ihnen auch so. Das ist bei jedem echten Fan so. Man kann nicht aufhören – obwohl es vernünftig wäre.
Mir geht das mit dem Glauben genauso. Wenn ich morgens in der Zeitung lese, was alles in der Welt passiert ist – dann könnte ich vom Glauben abfallen.
Da rutscht die Erde ab und begräbt ein ganzes Dorf unter sich. Da stürzt ein Baum um und erschlägt eine Fußgängerin. Wie kann Gott das zulassen? Frage ich mich. Ich habe keine Antwort darauf.
Der Schriftsteller Georg Büchner hat das mal auf den Punkt gebracht: „Warum leide ich? Das ist der Fels des Atheismus. Das leiseste Zucken des Schmerzes [...] macht einen Riss in der Schöpfung von oben bis unten.“
Das Leiden ist der Fels des Atheismus. Wie kann Gott das Leiden zulassen?
Und ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich habe keine überzeugende Antwort. Ich habe keine Erklärung dafür, warum Gott so viele schlimme Dinge zulässt.
Deshalb verstehe ich alle Leute, die sagen: Ich kann nicht an einen Gott glauben, der diese Dinge zulässt. Das Leiden von vielen Menschen – das widerlegt den Glauben an einen guten Gott.
Deshalb falle ich regelmäßig vom Glauben ab. Aber aufhören zu glauben, das kann ich trotzdem nicht.
Ich glaube nicht, weil die Welt so schön ist. Ich glaube trotzdem. Trotz all dem Bösen in der Welt.
Ich kann mein Gefühl nicht abstellen. Das Gefühl, dass da jemand ist. Jemand, der mich begleitet. Jemand, der es gut mit mir meint.
Also halte ich am Glauben fest. Ich kann nicht anders. Und die Spiele des 1. FCK schaue ich mir auch weiter an. Und hoffe und glaube.

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"Bist du allein?" Die Frau am Nachbartisch begrüßt ihre Freundin.
"Nein", sagt die, "die anderen kommen auch gleich." Und schon kommen drei andere Frauen in das Café.
Die erste Frau ist enttäuscht. Aber sie zeigt es nicht. Sie lächelt und grinst und macht bei den anderen Frauen mit. Schon geht es am Tisch laut und lustig zu.
"Bist du allein?"
Wenn Sie so eine Frage stellen, was bedeutet das dann?
Ich glaube, die Frau wollte mehr fragen. Sie wollte nicht nur wissen, ob ihre Freundin allein ist. Sie wollte auch fragen: "Kann ich mal mit dir reden? So unter vier Augen?"
Haben Sie das auch schon mal beobachtet? Oder vielleicht selbst erlebt? Gerade bei Ausflügen oder im Urlaub mit Freunden und Bekannten sieht man das manchmal.
Irgendwann wird die Gruppe anstrengend. Man muss immer gut gelaunt sein, immer fröhlich. „Sozial kompatibel“ nennen das Experten.
Aber manchmal möchte man mal ernsthaft sprechen. Mit einer guten Freundin. Unter vier Augen. Vis-à-Vis, von Angesicht zu Angesicht.
Mose redet so mit Gott. Von Angesicht zu Angesicht. Wie mit einem guten Freund. Die Bibel nennt das „Beten“. Und meint: Das können wir alle.
Beten ist nicht nur was für die Kirche. Und für die, die da hingehen. Beten ist nichts anderes als mit Gott reden. Face to Face. Richtig ernsthaft wie mit einem guten Freund.
Vielleicht sagen Sie jetzt: „Das habe ich schon gemacht. Aber Gott hat mir nicht geantwortet.“
Das ist oft so. Gott antwortet nicht direkt. Aber trotzdem antwortet er ganz persönlich. Im Leben. Mose hat er z.B. den Weg aus Ägypten gezeigt.
Ihnen zeigt er vielleicht etwas ganz Anderes. Passiert Ihnen ein komischer Zufall? Bekommen Sie einen unerwarteten Anruf? Begegnet Ihnen ein alter Freund? Geht es Ihnen nach dem Gespräch besser?
Manchmal dauert es, bis man eine Antwort findet. Oder bis man sie erkennt. Manchmal gibt es vielleicht auch keine. Aber das ist ja auch in jedem Gespräch unter Freunden so.
Der einzige Unterschied ist nur:
Wenn wir fragen „Bist du allein“, sagt Gott immer: „Ja! Sprich dich aus!“

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„Ein Liebeslied – das wollte ich nicht.“
Das singt Inga Humpe von 2raumwohnung in ihrem Lied „Ich denk an dich!“ Sie singt so vor sich hin, denkt an jemanden und schon ist wieder ein Liebeslied entstanden. Als ob man das noch braucht. Es gibt doch schon genug Liebeslieder auf dieser Welt.
Der Apostel Paulus schreibt ein ganzes Kapitel über die Liebe. Er schreibt:
„Stellt euch vor: Ich kann reden wie ein Prophet, kenne alle Geheimnisse und habe jede Erkenntnis. Oder sogar: Ich habe einen Glauben – so fest, dass er Berge versetzen kann. Wenn ich dabei keine Liebe habe, bin ich nichts.
Stellt euch vor: Ich verteile meinen gesamten Besitz. Oder ich bin sogar bereit, mich bei lebendigem Leib verbrennen zu lassen. Wenn ich es ohne Liebe tue, nützt mir das gar nichts.“
Paulus macht auch viele Worte um die Liebe. Das geht ja noch lange so weiter. Er kommt einfach nicht auf den Punkt – oder vielleicht kann man bei der Liebe auch gar nicht so richtig auf den Punkt kommen.
Du spürst sie, aber richtig in Worte fassen kannst du sie nicht.
Du erlebst sie, sie motiviert dich, sie lässt dich ganz verrückte Sachen machen, aber so richtig aussprechen kannst du sie nicht. Sie ist eine Kraft, die dir himmlische Freuden schenkt, aber manchmal auch richtig Kummer macht. Sie kann richtig weh tun. Sie kann aber auch die Erfüllung sein. Auf jeden Fall ist es so: du hast sie nicht im Griff, die Liebe. Eher hat die Liebe dich im Griff.
So ist das mit der Liebe. Und so ist das auch mit Gott. Deshalb sagt die Bibel auch: Gott ist die Liebe. Überall, wo Liebe ist, da ist auch Gott. Und Gott ist nur da, wo man es mit der Liebe zu tun hat. Ob Freude oder Kummer.
Die Liebe lässt sich nicht einfangen, nicht bestimmen, nicht definieren, nicht testen. Aber sie ist da. Definitiv. Ganz sicher. Und sie kommt zu dir. Deshalb singt Annette Humpe, die ältere Schwester von Inga, ganz richtig: „Die Liebe findet mich schon“. Noch so ein Liebeslied.

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Drei Raumschiffe oben. Das sind die Angreifer.
Ein kleines Dreieck unten. Das bin ich. Mit der rechten Hand führe ich einen Hebel. Links, Mitte, Rechts – mehr kann der nicht. Mit der linken drücke ich einen roten Knopf. Immer wenn ich drücke, schieße ich. Und dann geht es los.
Das war früher mein Spiel. Und ich habe es geliebt. Mein Vater hat es mir gekauft. Und meine Mutter war besorgt: „Spielt er jetzt dauernd mit dem Ding?“
Heute spielen die Jugendlichen nicht mehr so einfache Spiele. Heute spielen Sie mit ihrem Handy oder ihrem Tablet. Die Spiele werden komplizierter. Aber die Sorgen der Eltern bleiben gleich.
Das ist ganz normal. Solche Sorgen vor der Zukunft haben wir immer. Die Bibel hat da einen guten Tipp:
„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1. Petr 5,7)
Alle Sorgen soll man Gott mitgeben. Dann kann man darauf vertrauen, dass es gut ausgehen wird.
Natürlich muss man aufpassen, was unsere Kinder mit ihren neuen Spielzeugen machen. Man soll im Gespräch mit den Kindern bleiben. Eine gute Beziehung zu ihnen pflegen. Sich dafür interessieren, was sie machen und was ihnen wichtig ist. Jeder Erziehungsratgeber weiß das.
Aber ganz entscheidend ist auch: Gelassenheit. Die Kinder würden sagen: „Alter, chill mal!“
Bislang ist das Abendland noch nicht untergegangen. Trotz aller neumodischer Erfindungen. Wer auf Gott vertraut, geht gelassen in die Zukunft. Voller Mut und Zuversicht. Das kann kein Erziehungsratgeber vermitteln.
Nur Gott verspricht eine gute Zukunft für meine Kinder.
Das beruhigt mich. Gerade wenn ich mich frage, ob meine Kinder noch ein bisschen spielen dürfen. Sorgen ja, aber Zuversicht und Gelassenheit auch.
Ich kann gelassen und vernünftig mit diesen neuen Dingen umgehen – weil Gott die ganze Sache besser überblickt als ich.
Meine Mutter erzählt übrigens heute noch gern, wie sie das Gepiepse von meinem Spielzeug genervt hat. „Aber irgendwas ist aus dir ja auch geworden“, sagt sie dann immer zu mir.

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Da möchte man schreien. Schreien vor Wut, vor Zorn, vor Ungerechtigkeit.
Ihr Chef hat Ihnen eine Gehaltserhöhung versprochen. Aber plötzlich hat er es vergessen.
Oder er wollte Sie befördern. Und plötzlich bekommt ein Anderer die Stelle. Ohne Erklärung. Einfach so. Da möchte man schreien.
Ich glaube, wir alle werden irgendwann ungerecht behandelt.
Meist hilft schreien nicht wirklich weiter. Ich jedenfalls werde nach dem Schreien immer traurig. Verzweifelt. Stelle alles in Frage.
Was hilft? Manchmal muss man sich wehren. Und manchmal kann man gar nichts machen. Dann muss man einfach durch.
Der Prophet Jesaja hat in so einer Situation nur auf eins vertraut: „Gott steht mir bei!“
Gott kennt den Weg für mich. Auch wenn ich gerade ganz ungerecht behandelt werde. Wenn ich selbst nichts machen kann. Wenn ich total hilflos bin.
Jesaja empfiehlt: Weitermachen! Kopf hoch.
Er sagt: „Ich habe mein Gesicht hart gemacht wie einen Kieselstein.“
Ich muss es ertragen. Die Situation aushalten. Die Ungerechtigkeit annehmen. Akzeptieren. Das hilft.
Es passieren ungerechte Dinge. Jesaja versteht nicht warum. Aber er lässt sich davon nicht unterkriegen. Er verbittert nicht. Er lässt sich von der Sinnlosigkeit nicht überwältigen. Denn er weiß: Der Weg Gottes führt weiter. Es hilft nur weiter machen. Sich nicht unterkriegen lassen. Rücken gerade. Aufrecht bleiben. Anständig. Den Weg Gottes mitgehen.
Das Gesicht hart wie ein Kieselstein und dann die Hoffnung haben: „Ich weiß, dass ich nicht zugrunde gehe!“ So sagt das Jesaja. Ich weiß, dass es am Ende gut ausgehen wird. Am Ende steht bei Gott das „Happy End“. Auch wenn jetzt alles dagegen spricht. Das ist die christliche Hoffnung.
Vielleicht hilft Ihnen das auch weiter. Beim nächsten Mal, wenn Sie wieder schreien möchten. Und immer die Hoffnung haben: Es geht weiter! Und es geht gut aus.

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„Der Hund bleibt hier!“
„Aber Papa, das ist doch mein Hund. Den habt ihr mir doch geschenkt.“
„Trotzdem – der Hund bleibt hier!“
Kennen Sie solche Diskussionen? Ich habe sie neulich bei unseren Nachbarn mitgehört. Die Tochter hat gerade ihr Abitur gemacht. Jetzt will sie studieren, muss umziehen und will ihren Hund mitnehmen.
Für die Eltern ist das hart. Die Tochter geht aus dem Haus und freut sich auf ein neues Leben. Aber die Eltern bleiben zurück. Ihr neues Leben fängt mit einem Abschied an, einem Verlust. Die Tochter darf gehen. Aber der Hund nicht.
Und doch hat die Tochter Recht. Sie hat den Hund zu ihrem 12. Geburtstag geschenkt bekommen.
Mein Nachbar bleibt trotzdem hart. „Der Hund bleibt hier!“
Auch wenn er nicht Recht hat, ich kann ihn verstehen.
Ein Hund gehört irgendwann zur Familie.
Und das Besondere an ihm ist: er freut sich immer so, wenn du heimkommst. Die Kinder finden es irgendwann normal, wenn du kommst. Aber der Hund freut sich immer. Sobald die Tür aufgeht, wedelt er mit dem Schwanz und freut sich.
Ich kann meinen Nachbarn also gut verstehen. Diese Freude, diese Aufmerksamkeit, vor allem, wenn du heimkommst. Der Hund erinnert mich an eine Freude, von der Jesus oft erzählt. An die Freunde Gottes. Gott freut sich wie ein Hund, wenn du heimkommst.
Darüber gibt es ganz viele Geschichten in der Bibel. Und sie sagen alle:
Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst oder was du getan hast.
Gott freut sich, wenn du zu ihm kommst. Gott freut sich, wenn du den Weg zu ihm findest.
Du kannst darauf vertrauen, dass er da ist, wenn du nach Hause kommst. Und sich über dich freut.
Ich kann bei meinen Eltern ausziehen. Meine eigene Familie gründen. Und dann ziehen meine Kinder bei mir aus. Aber wir alle sind immer bei Gott daheim. Und Gott freut sich immer, wenn wir heimkommen. Ob mit oder ohne Hund.

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