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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Leise rieselt der Schnee.“ Schön wär´s ja - weiße Weihnachten! Aber es wird wohl wieder nichts. Viel zu warm, sagen die Wetterfrösche. War früher mit dem Wetter wirklich alles besser?
Wohl kaum. Früher, in alter Zeit, da wurden ja noch die Wettergötter angebetet. Die Menschen fühlten sich dem launischen Zeus und seinem mürrischen Bruder Poseidon ausgeliefert. Das war nicht schön. Erst das alte Testament hat diese antike Götterbande durch einen guten Schöpfergott ersetzt.
Und der zeigt sich fortan von seiner sanften Seite, verzichtet auf blindwütiges Wettermachen, setzt stattdessen sichtbar sein Friedenszeichen in den Himmel. Der Regenbogen, so die Bibel, soll seine Unterschrift am Himmel sein. Ein buntes und sanftes Zeichen für uns Menschen, dass hinfort nicht aufhören soll Saat und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht.
Auch wenn die modernen Wetterfrösche täglich neue Prognosen quaken, unser Wetter und auch der Schnee zu Weihnachten lassen sich leider nicht kalkulieren.
Ist ja vielleicht auch nicht so wichtig: Ob nun mit Schnee oder ohne, Gott mag es wohl, wenn wir in den nächsten Tagen wieder besonders an ihn denken. Wenn wir in Familien zusammen kommen, unter Freunden zueinander finden und feiern.
Ihm liegt es sicher am Herzen, wenn das „Klima“ zwischen uns gut wird, wenn die Temperaturen unter uns stimmen und wir uns gegenseitig mit Wärme im Herzen begegnen.
Wenn wir in kleinen Unwettern zueinander stehen, und auch in den großen Katastrophen einander nicht im Regen stehen lassen. In der Bibel lese ich: Unter Gottes Schirm dürfen wir uns immer stellen.
Gott wird bei uns sein, wenn wir ihn suchen. Ganz anders vielleicht als ich bisher gedacht habe, denn in der Bibel lese ich:
Gott findest du weder im Tosen noch im Donner, auch nicht im Wettersturm. Du wirst ihn niemals im Lauten finden. Er wird dir ganz anders begegnen: Als ein sanftes Säuseln im Wind, dass dich berührt und umfängt.
Schöne Worte. Bald, am Heiligen Abend, ich freue mich schon darauf und hoffe, wir singen dann gemeinsam: „Leise rieselt der Schnee...“
Ob die Temperaturen stimmen und es dann am heiligen Abend wirklich schneit ist mir egal.
Ich möchte in den nächsten Tage die Sanftheit Gottes erhoffen und erbitten, denn die kann ich gut brauchen und die wünsche ich auch Ihnen: Gottes Sanftheit in der Weihnacht.

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Einen lieben Menschen loslassen. Ihn verlieren. Kennen Sie das? Einen Menschen für immer verabschieden, das ist wie ein Weltuntergang. Wenn man einen geliebten Menschen gehen lassen muss, dann ist das alte Leben ruiniert. Der leere Raum im Herzen verdreht die ganze Welt. Keine gemeinsamen Spaziergänge mehr, das „Guten Morgen“ fehlt, der Kuss in der Frühe. All das kommt nie wieder.
„Das Leben geht irgendwie weiter“, sagt mein Freund und ich denke. So ein blöder Satz“ Klingt schlau, ist aber konkreter Blödsinn.
Das Leben geht eben nicht weiter. Es muss wohl ein neues, ein anderes Leben entstehen. Mit mir. Durch den Tod der Liebsten hindurch? Vielleicht braucht es auch eine Trotzigkeit gegen den Tod. Es braucht das Aufstehen, das Auflehnen. Das ist nicht leicht. Und das geht nicht schnell. Es braucht Zeit und ich glaube, das braucht auch Gnade. Nicht nur die, die aus dem Himmel kommt. Ich meine hier die Gnade, die ich erleben darf. Die Gnade, dass ich weiter leben darf. Und auch weiter leben muss!
Was ich damit meine, mit der Gnade? Dass ich gnädig sein darf mit mir. Nach diesem Weltuntergang, wenn der geliebte Mensch nicht mehr da ist. Ich muss jetzt nicht funktionieren. Darf meinen Schmerz auch nach außen zeigen, muss niemandem genügen und nicht strahlen.
Darf mir vielleicht ganz viel von lieben Menschen um mich herum schenken lassen: Zeit, Geduld. Darf auch um ganz konkrete Hilfe bitten. Darf mich überdies auch Gottes unsichtbarer Hand, seiner Gnade ausliefern: Soll doch Gott mich jetzt tragen durch die schwere Zeit!
Das Leben braucht jetzt Mut, Zeit und Gnade. Es braucht da wohl diese (ich nenn das mal) „doppelte Gnade“: Dass Gott mir gnädig ist, mich so annimmt, wie ich gerade bin. Und dass ich mir selber gnädig bin.
Ja, ich will jetzt in dieser Situation mit mir gnädig sein. Das ist nicht leicht. Darf jetzt mal Angewiesener sein, angewiesen auf Andere.
In der Bibel lese ich, die Hilfe und Gnade wird uns zufließen. Denn Gottes liebende Augen schauen auf uns, seine Gnade behütet uns schon längst und erwärmt uns durch Menschen, die gnädig um uns sind.

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Wie finden Sie die Idee eines „bedingungslosen Grundeinkommens“? Wäre das nicht ein prima Weihnachtsgeschenk? Jede und jeder in unserem Land bekäme demnächst monatlich gut 2000,- Euro auf die Hand, auch ohne zu arbeiten.
Daniel Häni, ein Schweizer, hat das bedingungslose Grundeinkommen in seinem Land jetzt zur Volksabstimmung gestellt. Der Staat soll es einführen. Es wird der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen, sagt er.
Nun könnte man ja meinen, dass hier die Faulheit belohnt wird. Aber es ist genau umgekehrt, meint Daniel Häni: Ich brauche zuerst ein Einkommen, um so ausgestattet gerne, motiviert, frei und mit Freude arbeiten zu können. Wenn ich hingegen arbeiten muss, um ein Einkommen zu bekommen, dann werde ich wohl bald innerlich kündigen. Da schleicht sich dann schnell die Faulheit ein, quasi als Trotzreaktion. Das Grundeinkommen, so Daniel Häni, sei  gerade eine Initiative gegen die Faulheit.
Ich sag das mal mit Martin Luther: Gott liebt jeden Menschen bedingungslos. Von Gott werde ich ja nicht wegen meiner Taten und Werke geliebt, mögen sie auch noch so gut und zahlreich sein. Er liebt mich bedingungslos.
Und jetzt kommt der Clou: Wer das glaubt, der wird die Freiheit spüren, etwas tun zu wollen - unbedingt! Denn wer sich geliebt weiß, will das doch weitergeben.
Es ist wirklich so! Alles wird auf den Kopf gestellt! Wer sich geliebt weiß, will auch gerne Gutes tun, weil man sich damit leicht und frei fühlt.
Das war Martin Luthers bahnbrechende Erkenntnis vor rund 500 Jahren. Die machte ihn ganz leicht und frei zu guten Werken. Diese, seine so genannte „Rechtfertigungslehre“ dürfen wir uns von Gott in die Seele schreiben lassen.
Ich wünsch mir was zu Weihnachten: Luthers Erkenntnis, seine „Rechtfertigungslehre“, als mein neues Grundeinkommen. Vielleicht wird meine Arbeit dann weniger Broterwerb, sondern Dienst und Segen. Weil ich Gutes tun will. Weil ich nämlich ein freier Mensch bin und Lust am Leben habe.
Weil ich mich bedingungslos geliebt weiß und mich befreit und leicht fühlen darf und damit frei atmen will.
Ich probier´s heute mal: Möchte meine Talente ausprobieren. Jenseits von Bezahlung nach Leistung. Möchte damit eine Welt schaffen, die mir Freude bereitet und mich nicht wirtschaftlich in die Zange nimmt. Es wird eine Welt sein, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und mich auf die Spur zu meinem Nächsten bringt. Da bin ich mir sicher.

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Nur noch sechs Tage, dann ist es soweit: Heilig Abend.
Und überall klingt schon „Stille Nacht – heilige Nacht“ durch die Einkaufspassagen und Fußgängerzonen. Holder Knabe mit lockigem Haar – das ist natürlich das Jesus-Baby –, schlaf in himmlischer Ruh.
Also manchmal kommt mir das ganz schön kitschig vor. Ein bisschen zu süß und lieblich.
Himmlische Ruh?! Wo ist sie denn? Bei der Frau, die auch heute wieder in ihrer kalten Wohnung sitzt, weil sie kein Geld für Heizöl hat? Bei der syrischen Familie, die auf der Flucht ist. Und keine Ahnung hat, wie es weitergehen soll?
Bei all den Lichtern, Sternen und Rauschgoldengeln kommt mir das Weihnachtsfest manchmal wie eine Idylle vor, die so gar nicht zur Weihnachtskrippe passt.
Denn da liegt es doch, das Jesus-Baby: In einer Krippe.
Und gar nichts ist idyllisch in der ersten Heiligen Nacht. So wie es die Bibel erzählt: Maria und Joseph kommen erschöpft in Bethlehem an. Nach einer langen und beschwerlichen Reise. In einer Notunterkunft kommt das Jesuskind zur Welt. Es muss improvisiert werden. Es gibt kein Bett, nur eine Krippe. Es ist dreckig und eng, es riecht nach Vieh. Vielleicht pfeift auch der Wind durch die Bretterwände.
Und da liegt es: das kleine, nackte Jesus-Kind. In ärmlichen Verhältnissen geboren. Abseits von der Gesellschaft. Das soll der Retter sein? Das soll Gott sein?
Ja! Und genau das ist das Wunderbare an Weihnachten!
Das Wunderbare, das so gar nichts mit Kitsch und Süßholzraspeln zu tun hat!
Gott wird klein und hilflos. Er schwebt nicht weit über uns auf einer Wolke und schaut von Ferne zu, wie wir uns abstrampeln.
Gott kommt zu uns. Setzt sich neben uns in unseren Dreck. Stellt sich zu uns. Auch dann, wenn wir ins Abseits geraten sind.
Das ist die unglaubliche Botschaft von Weihnachten. Dass diejenigen, die in Not und Armut leben, nicht allein sind, sondern Gott ganz nah.
Und dass Gott diese Not und Armut lindern will.
Daran erinnert die Krippe. Und das finde ich einfach himmlisch!

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Was ist das perfekte Weihnachtsgeschenk? Vielleicht denken Sie da auch grade drüber nach. Das perfekte Weihnachtsgeschenk –
Mein Onkel Werner ist ein Genießer und weiß einen guten Tropfen zu schätzen – aber ihm schon wieder eine Flasche Weinbrand schenken?
Eine Freundin von mir liest leidenschaftlich gerne Krimis und Thriller, aber da hat sie fast schon alles. Und ein Buchgutschein ist doch irgendwie langweilig und unpersönlich. Weil ich mit meinem Geschenk doch sagen will: „Du bist mir wichtig. Du bist wertvoll für mich.“ Aber wie zeige ich das?
Eine Frau aus meiner Gemeinde hat gesagt: „das perfekte Weihnachtsgeschenk- das ist für mich: Zeit. Etwas anderes wünsche ich mir dieses Jahr nicht – nur Zeit. Eine Stunde gemütlich Kaffeetrinken mit meinen Kindern. Die haben ja auch immer so viel Arbeit. Oder ein gemeinsamer Tag mit meinen Enkeln, die sehe ich sonst so selten.“
Einfach Zeit füreinander haben, das wünscht sie sich.
Zeit verschenken – das kostet nichts. Nur eben – Zeit.
Und persönlicher kann ein Geschenk kaum sein. Es ist ja meine Zeit, die ich verschenke.
Also: Mit Onkel Werner – Sie erinnern sich, der Weingenießer – eine Weinprobe machen. Und mit der Freundin, die gerne Krimis liest, zu einer Lesenacht gehen und vielleicht anschließend noch was leckeres Essen, Trinken und reden.
Und Gott, dem könnte ich auch etwas von meiner Zeit schenken– zum Beispiel heute Morgen.
Ihm noch schnell sagen: „Danke, dass du da bist. Und Danke für den neuen Tag. Heute steht vieles an. Mach bitte, dass es gut gelingt. Und sei bei allen, die ich lieb habe – und na gut, auch bei allen, die ich nicht lieb habe. Und was mich sonst noch beschäftigt  – du weißt ja Bescheid.“
Gott etwas von meiner Zeit schenken – wegen ihm feiern wir schließlich Weihnachten.
Und vielleicht sind solche Gebete ja für Gott das perfekte Weihnachtsgeschenk.

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„Nieder mit der Schwerkraft, es lebe der Leichtsinn“ steht auf der Postkarte. Und dazu das Bild von einer Schildkröte. Wie sie von einem Goldfischglas ins nächste springt. Im hohen Bogen durch die Luft, Alle Viere von sich gestreckt.
„Nieder mit der Schwerkraft, es lebe der Leichtsinn“
Ich muss schmunzeln, wenn ich die Karte betrachte. Manchmal fühle ich mich ja auch wie eine Schildkröte. Komme nur schwerfällig auf die Beine und langsam vorwärts.
Wie schön wäre das:
Einmal rausspringen aus dem eigenen Quark.
Einfach alles hinter sich lassen, was das Leben schwer macht.
Die Schildkröte macht es vor: „Nieder mit der Schwerkraft, es lebe der Leichtsinn“.
Einen „leichten Sinn“ haben – davon hat Jesus oft geredet. „Macht euch nicht so viele Sorgen“, hat er seinen Freunden gesagt. „Sorgt euch nicht um Morgen. Vertraut einfach auf Gott. Er wird es gut machen.“
Das klingt ganz schön leichtsinnig. Sich keine Sorgen um Morgen machen? Nicht mehr planen und vorsorgen? Ja, soll man sich keine Gedanken mehr um die Zukunft machen?
Natürlich hat Jesus nichts gegen vernünftige Planung und Vorsorge. Aber er meint: „Was immer ihr macht- Nehmt es leicht. Macht euch das Leben nicht unnötig schwer mit dem, was ihr eh nicht in der Hand habt und auch nicht ändern könnt. Genießt doch erst mal diesen Tag.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Ja, wie bitteschön soll das denn gehen? Die eigene Schwerkraft überwinden? Einen Sinn für Leichtigkeit kriegen?
Jesus meint: „Gott vertrauen, das ist eine prima Alternative zur Schwerkraft. Gott vertrauen, dass er es gut macht.“
Einfach mal reinspringen in den Tag. Nicht alles heute hängt vor mir ab.
Nicht gleich alle Termine der Woche mitdenken, sondern mal schauen, was jetzt so passiert. Statt darüber zu grübeln, was heute alles schief gehen könnte, einfach mal hoffen, dass es schon gut gehen wird. Dass Gott mir die Kraft, die ich brauche, schon schenken wird. Irgendwie.
„Nieder mit der Schwerkraft, es lebe der Leichtsinn“
Das könnten wir heute ja mal ausprobieren: diesen Sinn für die Leichtigkeit.

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Alle Jahre wieder – Weihnachtskarten schreiben.
Vielleicht ist das ist ja bei Ihnen jetzt auch so ein Ritual.
Wenn ich den Stapel Karten vor mir liegen sehe, frage ich mich manchmal: Warum mache ich das eigentlich? Warum diese Mühe?
Und dann fällt mir Max ein. Ein langjähriger Freund. Wir haben uns schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Weil er weit weg wohnt. Weil oft was anderes wichtiger ist, als sich zu treffen. So eine Freundschaft auf Distanz ist eben nicht so einfach.
Nur eins klappt immer: Karten schreiben. An Weihnachten. Da denken wir immer dran. Und nehmen die alten Fäden wieder auf. Und das ist jedes Jahr wieder schön! Auf so einer Karte muss auch gar nicht viel stehen. Einfach nur ein Lebenszeichen: Ich bin noch da. Ich denk an dich. Frohe Weihnachten!
Alte Fäden wieder aufnehmen – das gehört für mich unbedingt zu Weihnachten dazu.
Alte Fäden aufnehmen – das geht prima mit so einer Weihnachtskarte. Oder mit einem Besuch im Weihnachtsgottesdienst.
Vielleicht gehen Sie ja an Heilig Abend auch das erst Mal seit langem wieder in die Kirche. Und vielleicht geht es Ihnen mit Gott wie mir mit meinem Freund Max. Gar nicht so einfach. So eine Freundschaft auf Distanz zu pflegen. Oft ist halt was anderes grade wichtiger, und dann meldet man sich lange nicht.
Und dann fragen Sie sich vielleicht: Darf ich das eigentlich – lange nicht in einen Gottesdienst gehen und dann an Weihnachten, wenn’s richtig voll wird, einfach so wieder reinschauen?
Als Pfarrerin kann ich Ihnen da ganz klar sagen: Natürlich! Alte Fäden wieder aufnehmen ist doch gut. Vielleicht da anknüpfen, wo man das letzte Mal aufgehört hat: Beim Weihnachtsgottesdienst. Gott einfach mal ein kurzes Lebenszeichen geben: Ich bin noch da. Ich denk an dich. Und wenn man die alt-vertrauten Lieder singt, in die vielen Lichter schaut mit leuchtenden Augen. Dann ist Gott bestimmt wieder ganz nah.
Die alten Fäden wieder aufnehmen – an Weihnachten geht das eben besonders gut.
Probieren Sie es aus. Ich wünsch Ihnen dabei schon mal: Frohe Weihnachten!

 

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