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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Die Mächtigen der Welt ringen um die Zukunft der Welt. ... Ach, wenn ich nur weghören könnte bei den ganzen Dramen um Krieg und Gewalt. Aber Weghören ist keine Lösung. Es geht ja auch um meine Zukunft, um die meiner Kinder und Enkel. Niemand kann sagen: die ganzen Konflikte auf der Erde gehen mich alle gar nichts an. Aber was kann ein einzelner Mensch schon tun?

Seit Tagen habe ich Worte aus einem Gebet im Kopf. „Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens." Diese Worte soll der Heilige Franz von Assisi gebetet haben. Und Papst Franziskus hat diesen Gedanken um den Frieden aufgenommen. Unermüdlich. Wo immer er kann, sagt er: Es ist eine der wichtigsten Aufgabe für Christen, Werkzeuge des Friedens zu sein.

Gelegenheit dazu gibt's genug. Frieden fängt ja nicht erst in Syrien oder Ägypten an. Frieden beginnt ganz klein, und er beginnt mit meinen Gedanken. Ich kann mich jeden Tag über Menschen aufregen, die sich anders verhalten, als es mir gefällt. Oder ich kann üben, das nicht länger so zu tun. Ich kann jahrzehntelangen alten Groll hegen. Oder ich kann versuchen, das Alte vergangen sein zu lassen, damit ich mich und andere nicht länger damit vergifte. Ich kann mir jeden Tag vornehmen, ein wenig friedlicher sein zu wollen. Und dazu kann ich jeden Tag Gott bitten, dass er mich zu seinem Werkzeug macht. Dass er mir hilft, friedliche Gedanken zu haben. Dass er mir hilft, Frieden zu stiften. Weil es mich alleine überfordern würde. Es geht nicht anders, als dass ich bei mir anfange mit dem Frieden. Das ändert noch nichts in den Kriegsgebieten. Aber es ändert etwas in meiner Umgebung. Und wer weiß, was daraus werden könnte, auch für die Welt.

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Flüchtlinge ? - na ja, wenn es sein muss - irgendwo wird schon Platz sein. Aber bitte nicht bei uns! Jedenfalls nicht in unserer Straße. Entsetzt lese ich, dass Mitbürger gegen Flüchtlingsunterkünfte protestieren. Nicht nur in Berlin-Hellersdorf, sondern in kultivierten Stadtteilen. Ich schäme mich, so etwas zu lesen! Sie sind gegen die Flüchtlinge, weil sie um ihre Sicherheit fürchten, sagen sie. Flüchtlinge könnten „herumlungern", vielleicht auf dumme Gedanken kommen. Und was genauso schlimm wäre: die Wohngegend könnte deshalb ihren Wert verlieren.

Die Furcht vor Flüchtlingen in der Nachbarschaft ist verständlich, aber nicht berechtigt! Natürlich weiß niemand, wie Menschen aus fremden Ländern sich in der Fremde zurechtfinden. Sie sind traumatisiert durch die Flucht. Sie haben sehr viel verloren. Und es ist ein Riesenproblem, dass Flüchtlinge in Deutschland erst einmal lange Zeit nicht arbeiten dürfen. Aber aus anderen Stadtteilen weiß man schon lange: In den Flüchtlingsunterkünften gibt es nicht mehr Probleme als bei anderen Menschen auch. Im Gegenteil. Zu den Flüchtlingen kommen Helfer, auch Nachbarn engagieren sich, manchmal gibt es lebendigen Austausch, sogar Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse, gemeinsame Feste, gegenseitige Einladungen. Die Flüchtlinge sind froh, ihr Leben gerettet zu haben. Zur Zeit kommen besonders viele aus Syrien, aus Krieg und brutaler Gewalt. Sie fliehen vor dem Tod. Wollen einfach nur überleben. Sie wollen in Frieden leben, wie wir Deutschen seit dem zweiten Weltkrieg in Frieden leben können. Und deshalb integrieren sie sich schnell.

Ja, natürlich. Menschen aus fremden Gegenden sind uns fremd - und diese Fremdheit muss erst einmal überwunden werden. Mir hilft es, wenn ich dann mal andersherum denke und mich frage: Wie würde es mir gehen, wenn ich nur mit Mühe mein eigenes Leben gerettet hätte...und als Flüchtling in einem fremden Land ankäme? Ich wäre froh, wenn ich dort einfach nur willkommen wäre.

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„Als die Kosmetikerin mich schminkte, fühlte ich mich wie eine Königin" sagte die Siegerin: Schoschana Kolmer ist 95 Jahre alt, und Schönheitskönigin! Sie lebt in Israel in einem Altenheim für Holocaust-Opfer. Dort fand der Schönheitswettbewerb der Holocaust-Überlebenden statt. Schoschana Kolmer sagt: „Wir hatten viel Spaß dabei". Auf einer Bühne zu stehen, beklatscht zu werden von 2000 Zuschauern: das war wunderbar.

Alte Frauen mit Rollator, Schärpe und Krönchen... Ein bisschen ist dieser Wettbewerb verrückt! Ich finde die Idee großartig. Sie stammt von der Psychiaterin des Altenheims. Sie sagt den alten Menschen jeden Tag, sie sollen sich pflegen und schön machen. Eine von ihnen sagt dazu: „Wenn wir gut aussehen, fühlen wir uns besser". Wer kennt das nicht? Für diese alten Damen gilt es besonders: Denn sie waren junge Mädchen oder junge Frauen, als sie in die Konzentrationslager gesperrt wurden. Junge Mädchen möchten sich schön machen, schminken, tanzen gehen, sich verlieben, lachen... Ihre Jugend aber fand nicht statt. Sie waren in die entsetzlichen Lager eingesperrt. ....Und als sie frei kamen, hatten sie andere Sorgen als schöne Kleider und Lippenstift. Ihre Jugend war vorbei, sie waren traumatisiert, hatten gerade so überlebt. Bei vielen war die ganze restliche Familie ausgelöscht.

Die 95jährige Schönheitskönigin Schoschana Kolmer hat all das erlebt als junge Frau, hat geheiratet, Kinder bekommen, ihr Leben irgendwie bewältigt. Seit einigen Jahren lebt sie nun in diesem speziellen Altenheim. Sie sagt: „Mir ist es noch nie so gut gegangen wie jetzt. Ich fühle mich zu Hause." Und zusammen mit den anderen Überlebenden durfte sie jetzt diesen übermütigen Tag als Schönheitskönigin erleben. Von ganzem Herzen freue ich mich für die alte Dame und ihre Mitbewohnerinnen!

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 Eigentlich wollte ich nur noch rasch ein paar Lebensmittel einkaufen. Aber wie so oft um die Mittagszeit war die Schlange an der Kasse ganz schön lang und ich muss warten. Vielleicht ist mir deshalb das Regal mit den vielen vollgepackten Plastiktüten aufgefallen. Ein Plakat macht deutlich: Für 5 Euro kann man eine Tüte mit Lebensmitteln kaufen und gleich hinter der Kasse wieder abgeben. Die Lebensmittel können so für „Die Tafel" gekauft und sofort gespendet werden. 

Das finde ich klasse. Denn „Die Tafel" sagt mir was. „Die Tafel" ist eine Initiative, die Lebensmittel sammelt und sie an bedürftige Menschen kostenlos weitergibt.
In Deutschland gibt es mehr als 900 Tafeln, die regelmäßig anderthalb Millionen Menschen unterstützen.
Auch in meiner Nähe gibt es mehrere Tafeln und ich kenne Frauen, die ehrenamtlich bei der Essensvergabe mit anpacken.
Während ich noch darüber nachdenke, greift vor mir eine Frau beherzt zu so einer Plastiktüte und stellt sie auf das Laufband.
Mich steckt das an. Was ich gut finde, kann ich doch auch unterstützen. Also greif ich auch zu. Nehme einen Beutel und stelle ihn zu den paar Sachen, die ich für mich einkaufen will. Und gleich hinter der Kasse spende ich die Lebensmittel für die Tafel. Ich muss sagen: Ein gutes Gefühl. Klar, es waren nur Nudeln, ein paar Dosen, Reis und Suppen. Aber ich konnte konkret und leicht helfen und so für das ein oder andere Mittagessen zusätzlich sorgen. Das gefällt mir.

Als ich mich nochmal umdrehe, sehe ich, dass hinter mir auch eine Frau eine Tüte für die Tafel bezahlt. Kurz schauen wir uns an und lächeln. „Helfen kann ansteckend sein", sagt sie. Stimmt!

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„Deutschlands größte Frau"! Wer mag das sein? Angela Merkel? Heidi Klum? Nadine Angerer? Oder Caroline Welz, die größte Deutsche, die 2,06 m misst?

Das mag für jeden sicher anders sein. Für mich gehört Hildegard von Bingen zu den Favoritinnen. Heute ist ihr Gedenktag. Sie ist vor über 800 Jahren gestorben und wird bis heute verehrt.  

Hildegards Anliegen wird in einem Satz besonders deutlich:
„Werde, was du bist - Mensch, werde Mensch!" 

Menschwerden. Das steht im Zentrum von Hildegards Denk- und Lebensweise. In allem ging es ihr zutiefst darum zu entdecken, zu leben und weiter zu geben, was  menschlich ist. Deshalb hat sie auch vieles ausprobiert. Sie war Künstlerin und Wissenschaftlerin,  Theologin und Ärztin, Dichterin, Schriftstellerin.

Bekannt ist die heilige Hildegard auch heute noch in der Medizin. Viele Hausmittelchen gehen auf diese Frau zurück. Fenchel in allen möglichen Variationen. Oder Dinkel am besten von morgens bis abends.
Hildegard hat sich um die Gesundheit der Menschen gekümmert. Die Pflanzen und ihre positiven Wirkungen ausgiebig erforscht. Aber das ist längst nicht alles.
Als Nonne und später als Äbtissin hat Hildegard in der Nähe von Bingen gewirkt. Sie war bei den einfachen Leuten genauso gefragt wie beim Papst oder dem Kaiser. Zusammen mit den Mächtigen ihrer Zeit hat sich Hildegard politisch engagiert und kein Blatt vor den Mund genommen. Sie konnte sich das erlauben, weil sie sich in so vielen Bereichen so gut auskannte. 

„Werde was du bist - Mensch, werde Mensch"! Das war für Hildegard wichtig. Auch in ihrem Glauben. Wie Hildegard glaube ich daran, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist. Einer von uns.  Und deshalb heißt für mich Mensch werden auch Gott zu entdecken.

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Beim Sport macht mir am meisten zu schaffen, wenn es ums Gleichgewicht geht.
Rennen, Springen, Dehnen. Das geht. Aber auf einem Bein stehen und dabei noch einen Ball bewegen oder eine Stange hochheben, das überfordert mich oft. Klar, mir fehlt auch die Übung. Aber es bringt mich ganz schön aus dem Gleichgewicht.
Was mir hilft, ist ein Tipp der Trainerin: Konzentrier dich auf einen Punkt! Schau mit den Augen auf ein und dieselbe Stelle! Dann kannst du leichter das Gleichgewicht halten. 
Das hab ich ausprobiert und es ging tatsächlich besser. Ich konnte zumindest länger als sonst auf einem Bein stehen und irgendwelche Übungen dazu machen. Eigentlich ganz einfach.
Wenn ich aus dem Gleichgewicht gerate, kann es helfen, mich zu konzentrieren.
Was beim Sport gilt, stimmt oft auch sonst.
Wenn es zuhause drunter und drüber
geht, zu viel auf einmal erledigt werden müsste, dann ist es gut, wenn ich mich auf eine Sache konzentriere und die erledige. Und dann das nächste in Angriff nehme. Eins nach dem anderen.
Oder wenn Streit in der Luft liegt. Und ich am liebsten tausend Vorwürfe dem andern an den Kopf schleudern würde. Wenn also eine Beziehung aus dem Gleichgewicht gerät, dann ist es gut, einen ganz konkreten Punkt in den Blick zu nehmen, der mich geärgert hat. Das ist ein guter Anfang und kann so manches wieder ins Lot und den Alltag ins Gleichgewicht bringen.
Aber auch hier gilt wie beim Sport: Das braucht Übung und regelmäßiges Training.

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„Freut euch mit mir! Ich habe wiedergefunden, was ich verloren habe." 
Diese Sätze werden heute in den katholischen Gottesdiensten gleich mehrmals vorgelesen. Mal geht es um ein Schaf, das verloren geht und solange gesucht wird, bis es wieder gefunden ist.
Dann geht es um ein verlorenes Geldstück. Wer sucht da nicht eifrig, um es wieder zu finden?
Und weiter erzählt die Bibelstelle von einem Vater, zu dem der eigene Sohn wieder zurückkehrt. Der Vater sagt: „Mein Sohn war verloren und ist wiedergefunden." Deshalb freut er sich riesig und feiert ein Fest.
Ja, das kann ich gut nachvollziehen.

Denn verlieren, was mir gehört oder mir anvertraut ist, tut weh und macht traurig. Ganz besonders wenn es um wertvolle Gegenstände, anvertraute Tiere oder sogar um Menschen geht.
Das will ich nicht wahrhaben und setze alles in Bewegung, um das Verlorene, um das, was zu mir gehört, wieder zu finden. So wie der Hirte das Schaf oder die Frau ihr Geldstück. Beim Vater sehe ich das etwas anders. Er lässt den Sohn ziehen und hält aus, dass er weg ist, um eigene Erfahrungen zu sammeln, seinen eigenen Weg zu gehen. Der Vater wartet bis der Sohn zurückkehrt. Freiwillig und gern und bestimmt auch verändert. So kommen sie wieder zusammen und finden sich neu.   

Klar, dass dann die Freude groß ist! Wenn ich finde, was ich verloren habe, freue ich mich auch riesig.

Die biblischen Geschichten machen mir aber auch deutlich, wie sehr das Gefundene zum Geschenk wird. Ich sehe das, was ich gefunden habe, ganz neu. Wie wertvoll es für mich ist, wie einzigartig. Und klar wird mir auch, dass es mir nicht selbstverständlich gehört. Ich entdecke, was ich finde, neu wie ein Geschenk.

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