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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wenn unser Team so weiterradelt, dann kommen wir bis Monatsende vermutlich auf 1000 Kilometer. Nein, ich habe nicht bei der Tour de France mitgemacht oder irgendeinem anderen Fahrradwettkampf. Sondern bei der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit". Von Anfang Juni bis jetzt Ende August geht die. Jeder kann sich dazu anmelden - und gibt dann die Kilometer, die er zwischen Zuhause und Arbeitsplatz auf dem Rad zurücklegt, im Internet ein. Das muss gar nicht viel sein jeden Tag - aber es läppert sich eben. Ich zum Beispiel bin durchschnittlich nur etwa vier Kilometer täglich auf dem Rad. Macht aber in drei Monaten eben dochfast 250 Kilometer. Und weil die anderen aus dem Team ähnlich viel radeln, werden wir bis Ende August die 1000 Kilometer hoffentlich knacken. Das bedeutet dann: Wir haben fast 200 Kilo CO 2 gespart. Das wäre das Kohlendioxid, das in die Luft gegangen wäre, wenn wir täglich unsere kleine Strecke mit dem Auto statt mit dem Rad gefahren wären. Wahnsinn: ein paar Kilometer Radeln und so viel Ergebnis für die Umwelt, 200 Kilo CO 2. 

Unserem Team ist vor allem dieses Umweltergebnis wichtig. Klar, wir vier fahren auch einfach gerne mit dem Rad und freuen uns, dass das auch unserer Gesundheit gut tut. Vielleicht gewinnen wir sogar einen der vielen Preise der Aktion, Fahrradtaschen oder ein Wellnesswochenende. Aber das ist uns nicht das Wichtigste. Wir vier sind Mitglieder des Umweltbeirats des Bistums Mainz. Uns liegt vor allem dieUmwelt am Herzen, christlich gesprochen: die Schöpfung. Wir sind davon überzeugt: Gott hat sie uns ans Herz gelegt, diese Schöpfung. Er hat sie uns Menschen anvertraut, damit wir sie bewahren und sorgsam mit ihr umgehen. Diese Schöpfung ist so wunderschön - gerade im Sommer und im Urlaub hab ich sie wieder so genossen. Wir Menschen sollen dafür sorgen, dass sie auch so schön bleibt. 

Mir macht diese Fahrradaktion wieder klar: Wir müssen dazu nicht unbedingt gleich riesige Anstrengungen unternehmen. Es reicht oft eine kleine Entscheidung, zum Beispiel: Vier Kilometer täglich mit dem Rad zur Arbeit.

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 Vor ein paar Wochen hatte ich abends beim Nachhausekommen eine unbekannte Frau auf meinem Anrufbeantworter. Beinahe hätte ich sie gelöscht - aber Gott sei Dank hab ich dann dochnoch mal genauer hingehört. „Hallo, guten Tag, meine Name ist sowieso. Ich habe heute am Fahrkartenautomaten ihre EC-Karte gefunden Wenn Sie mir Ihre Adresse durchgeben, schicke ich sie Ihnen zu." Einen Riesenschrecken hab ich erst mal bekommen - ich hatte überhaupt noch nicht gemerkt, dass mir meine EC-Karte fehlt. Und dann kam gleich eine Riesenerleichterung dazu: Da hatte eine freundliche Frau die Karte gefunden, sogar meine Telefonnummer rausbekommen - und sie will mir meine Karte zuschicken! Das hat sie dann auch wirklich getan - zwei Tage später lag die Karte wohlbehalten in meinem Briefkasten.

Nach so einer Erfahrung denke ich wieder: Die Menschen sind doch besser als ihr Ruf. Sicher, es gibt auch die Schurken, die EC-Karten einstecken oder andere Leute anpöbeln. Aber ich treffe deutlich mehr Menschen, die freundlich und zuvorkommend sind. Junge Leute etwa, die im Zug den Älteren die Koffer rausheben. Oder neulich abends in der Straßenbahn: Da ist ein Mann betrunken halb vom Sitz gerutscht - und sofort sprangen drei Leute hin und haben geholfen. 

Die Menschen sind besser als ihr Ruf: Das ist auch ein Ergebnis in einem meiner derzeitigen Lieblingsbücher: „Tschick" von Wolfgang Herrndorf. Die Hauptfigur, der 14jährige Maik,erzählt da: „Seit ich klein war, hatte mein Vater mir beigebracht, dass die Welt schlecht ist. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch... Der Mensch war zu 99 Prozent schlecht ... Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war." (Wolfgang Herrndorf, Tschick, Berlin 2010, Seite 209)Auch dieser Maik und sein Freund hatten die Erfahrung gemacht: Die Leute - wildfremde Leute - sind erstaunlich nett zu ihnen. 

Die Menschen sind besser als ihr Ruf! Ich finde, das ist eine wichtige Botschaft. Und irgendwie steckt auch eine, die ansteckt.

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So langsam kommt man wieder hinein in den Alltag! Am Montaghat für viele das normale Leben wieder begonnen, nach dem Ferienende in Rheinland-Pfalz. Und nach ein paar Tagen hat man wieder halbwegs zurückgefunden in den Alltagsbetrieb - und so manches nervt auch schon wieder am Alltag. Bei mir, geb ich zu, hat das Nervigeoftauch mit mir selbst zu tun. Ich bin genervt von mir selbst, genervt davon, dass ich die Ruhe aus dem Urlaub viel zu schnell wieder verliere. Genervt davon, dass manches, was in den freien Tagen so wunderbar lief, nach ein paar Tagen Arbeit schon wieder dahin ist. 

Und deshalb bin ich diesmal in diese Nachurlaubszeit mit etwas gestartet, was sonsteher zum Januar gehört: mit guten Vorsätzen. In gewisser Weise ist diese Zeit nach den Ferien ja so etwas Ähnliches wie ein Jahresanfang. Nicht nur für diejenigen, die in ein neues Schuljahr starten, sondern auch für alle, die nach dem Urlaubdas zweite Halbjahranpacken. Es beginnt etwas Neues. Ich spür das nach der Sommerpause sogar noch stärker als im Winter, weil die Auszeit im Sommer länger war. Gute Vorsätze, die passen deshalb eigentlich ganz gut. 

Und mancher guterVorsatz passt sogar besser zum Sommer als zum Winter: Ich will zum Beispiel in den nächsten Tagen und Wochen drauf achten, dass ich genug Zeit draußen verbringe, am besten in Bewegung. Das hat mir gutgetan im Urlaub - und im normalen Alltag geht beideseben oft unter. Ein Spaziergang in der Mittagspause oder eine Runde Joggen am Abend. Und ich hab mir außerdem vorgenommen, ab und zu in einer Kirche vorbeizuschauen. Auch das hat mir in den freien Tagen gut getan: Einfach mal ein paar Minuten in einer Kirchenbank auftanken. Ich weiß: Wenn ich meine guten Vorsätze halbwegs beachte - dann werde ich in dieser Zeit nach dem Urlaub nicht so schnell genervt sein vom Alltag und von mir selbst. Dann kriegt auch der Alltag ein bisschen was von Urlaub. 

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Eine Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage. Das gilt als unhöflich, so haben wir er gelernt. Aber manchmal ist es nicht unhöflich, sondern gar notwendig auf eine Frage erstmal eine Gegenfrage zu stellen. Hierfür steht eine schöne biblische Geschichte: Die Pharisäer haben es mal wieder mit Jesus. Sie wollen ihm eine Falle stellen. Sie beginnen deshalb das Gespräch mit dem Satz: „Wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst". Liebenswürdigkeit vorspielen gehört häufig zu einer Falle. Und direkt nach der Heuchelei schießen sie blitzschnell aus dem Nichts ihre Fangfrage ab: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?" Und schon ist die Falle aufgeklappt: Hätte Jesus nämlich gesagt, dass es erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen, hätte er als Sympathisant der verhassten römischen Besatzungsmacht dagestanden. Und bei Verneinung der Frage hätte man ihn als Aufrührer eben bei diesen verhassten Römern anzeigen können. Die Alternativen für Jesus heißen also: Sympathien einbüßen oder Anzeige riskieren. Und was macht Jesus? In der Bibel heißt es wörtlich: „Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle?"

Er spielt das Fallenstellenspiel einfach nicht mit. Er fragt nach der Motivation der Frage und entlarvt sie damit als Falle. Schlagfertig wie er ist, lässt er sich dann noch eine Münze mit dem Kopf des Kaisers zeigen und sagt den berühmten Satz: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaisers gehört, und Gott, was Gott gehört."

So Schlagfertig bin ich leider nicht, aber wenn ich das Gefühl habe, jemand stellt mir eine Frage, nicht weil er etwas von mir wissen will, sondern weil er mich in die Pfanne hauen will. Dann ist es mir erlaubt, ihn erstmal nach seiner Motivation zu fragen. 

Was aber für den andern gilt, gilt auch für mich. Wenn ich der Fragende bin, muss ich bereit sein, dem andern meine Motivation für die Frage darzulegen. Will ich wirklich etwas von ihm wissen oder will ich ihm nur eine Falle stellen? Wenn jeder bevor er einen andern etwas fragt, ehrlich seine Motivation für diese Frage überprüft, gäbe es vielleicht viel weniger Fragen auf der Welt.

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„Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal." Dies sagte ein Mann, der alles andere als ein Müßiggänger war: Bernhard von Clairvaux. Heute ist sein Gedenktag. Und er schreibt diesen Ratschlag an einen Mann, der auch genug zu tun hatte: an Papst Eugen III, ein Schüler von ihm.

Bernhard lebte im 12. Jahrhundert und war in seiner Zeit ein sehr bekannter Mann, man könnte sagen ein Promi. Wenn er irgendwo predigte, liefen die Scharen zusammen. Aber er hatte keinerlei Starallüren. Bernhard war Zisterzienser. Im Alter von nur 22 Jahren ist er zusammen mit rund 30 Freunden und Verwandten in diesen noch jungen Orden eingetreten. Die Zisterzienser zeichnen sich durch einen sehr einfachen Lebensstil aus. Ihre Klöster haben sie meist in sehr abgelegenen Tälern und an unwirtlichen Orten erbaut. Sie hatten großen Zulauf im 12. Jahrhundert, nicht zuletzt auch durch die charismatische Ausstrahlung von Bernhard. Allein 68 Klostergründungen gehen direkt auf ihn zurück unter anderem Himmerod in der Eifel, wo es auch heute noch Zisterzienser gibt. Bernhard war ein großer Theologe und hat sich in die Politik eingemischt, blieb aber von seinem Lebensstil her einfacher Ordensmann. Fünfmal wollte man ihn zum Bischof machen, aber immer hat er abgelehnt. 

Sein einfacher Lebensstil, sein leidenschaftlicher Einsatz, das überzeugt bis heute. Aber es gibt auch Dinge im Leben Bernhards, mit denen wir heute unsere Schwierigkeiten haben. So war er ein großer Befürworter der Kreuzzüge. Und mit seinem theologischen Gegenspieler Abaelard ist er auch nicht immer sauber umgegangen. Auch große Heilige sind eben nur Menschen. Und Menschen sind keine Maschinen. Menschen machen Fehler und brauchen ab und zu auch eine Pause. Und das wusste Bernhard. Deshalb sein Tipp am heutigen Morgen: „Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal." Allen Bernds und Bernhards herzlichen Glückwunsch zum Namenstag.

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Fünf verschiedene Wege aber eine gemeinsame Mitte. So gestaltet sich der Garten der Religionen auf der Internationalen Gartenschau in Hamburg. Die Mitte, wo alles zusammenkommt, ist ein Brunnen. Von fünf Wasserläufen wird er gespeist. Jeder Wasserlauf steht für eine Religion. Und jede dieser fünf Religionen hat einen eigenen Weg innerhalb dieses gemeinsamen Gartens gestaltet.

Die Muslime nennen ihren Teil „Gesang auf das Paradies" und erinnern daran, dass im Koran der Garten der Ort der Glückseligkeit, mit fließenden Flüssen, mannigfaltigen Früchten und farbenprächtigen Pflanzen ist.

Die Buddhisten laden „im reinen Land der Buddhas" in einen Garten der Stille ein. Bunte Fähnchen und Lampions hängen in den Bäumen. Sie geben dem Garten etwas Fröhliches. Zusammen mit dem geschwungenen Weg, einer Buddha-Statue und einem kleinen Teich entsteht eine Atmosphäre heiterer Gelassenheit.

Um die ewige Weltordnung geht es auf dem Weg, den die Hindus gestaltet haben. Man geht durch ein Tor, schreitet über einen mehrfarbigen Weg zu einem kleinen Hügel hinauf. Dort gelangt man zum heiligen OM-Zeichen, dem Grundlaut der Welt.

Die Juden haben auf ihrem Weg die Erschaffung der Erde in sieben Tagen nachgebaut. Beim siebten Tag, dem Schabbat, werden die Besucher insbesondere zu Ruhe und Erholung eingeladen.

Die Hamburger Christen haben einen Lebenspfad gebaut, der mit Geburt und Taufe beginnt und mit Tod und Auferstehung endet. Auf diesem Weg spielen aber auch die Jugendzeit mit Firmung und Konfirmation sowie Ehe und Partnerschaft eine Rolle. Und ein großer Tisch erinnert an das Abendmahl.

Die Mitte dieser fünf verschiedenen Wege, der fünf verschiedenen Religionen, ist der Brunnen. Hier trifft man sich und kommt ins Gespräch, egal welchen Weg man vorher gegangen ist. Ein schönes Bild vom Miteinander der Religionen. Vielleicht ist es ja mehr als nur ein Bild.

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Wirtin, Soldatenbraut, Kaiserin, Heilige: Eine ganz schöne Karriere hat sie hingelegt, die Frau, deren Gedenktag wir heute feiern: Helena. Geboren wurde sie um 250 in der heutigen Türkei. Sie war Wirtin wie Ihre Eltern und sicherlich recht attraktiv. Zumindest so, dass ein höherer römischer Offizier auf sie aufmerksam wurde. Constantius. Der war auf alle Fälle für einige Jahre ihr Lebensgefährte, vielleicht auch ihr Mann, man weiß es nicht so genau. Mit ihm hatte sie einen Sohn: Konstantin. Constantius trennte sich aber von Helena, um die Stieftochter des Kaisers, Flavia Theodora, zu heiraten. Das war der beste Weg, selbst einmal Kaiser zu werden. Und so kam's denn auch. Aber Helena hat wohl nicht ganz das Feld geräumt. In den Lebensbeschreibungen heißt es: „Sie behielt ihren Einfluss." Und den hat sie dafür genutzt, dass ihr Sohn Konstantin den Vater Constantius beerbte und nicht die Söhne Theodoras. Und Konstantin verlieh später seiner Mutter auch den Titel „Augusta", Kaiserin.

312 wurde sie Christin und nur ein Jahr später kam das Toleranzedikt von Mailand. Hier hat ihr Sohn Konstantin dafür gesorgt, dass das Christentum im ganzen römischen Reich als Religion anerkannt wurde.  

Helena lebte einige Jahre in Trier, denn Trier war Kaiserstadt und eine zeitlang der Regierungssitz sowohl von Constantius als auch von Konstantin. Mit über 70 hat sie noch eine Wallfahrt nach Jerusalem gemacht und von dort soll sie eine ganze Reihe von Reliquien mitgebracht haben, unter anderem auch den Heiligen Rock, das Gewand Christi, das bis heute im Trierer Dom aufbewahrt wird. Am 18. August 330 ist sie in der heutigen Türkei, in der Nähe der Hauptstadt Konstantinopel gestorben.

Wirtin-Soldatenbraut-Kaiserin-Heilige: Auf alle Fälle eine starke Frau, die sich in einer von Männer dominierten Welt durchzusetzen wusste. In diesem Sinne sicherlich ein Vorbild. Allen Helenas, Lenas und Hellens herzlichen Glückwunsch zum Namenstag.

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