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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

3 zu 1 hat meine Mannschaft das Hinspiel verloren. Und das verdient. Sie waren einfach zu schlecht. Trotzdem: Im Rückspiel reichte ein 2 zu 0 Sieg. „Das müsste doch zu machen sein", dachte ich. Hoffte ich. Aber irgendwie habe ich schon gewusst, dass die das nicht packen. Die anderen waren einfach zu stark. Aber trotzdem: gehofft habe ich doch.
Haben Sie auch noch gehofft? Bis zur letzten Minute? Haben Sie auch gedacht: „Die Hoffnung stirbt zuletzt?"
Diesen Spruch habe ich öfter gehört in diesen Tagen. Alle Fans haben ihn benutzt. Hoffnung. Eine seltsame Sache, die Hoffnung.
Man kann sich gar nicht gegen sie wehren. Ich wollte mir vor dem Rückspiel die Hoffnung verbieten. Ich wollte gar nicht mehr hineingezogen werden in die ganze Sache. Aber es ging nicht. Man kann sich gegen Hoffnung nicht wehren.
Hoffnung gibt es überall. Wenn man sich auf einen Arbeitsstelle bewirbt, hofft man. Wenn man sich verliebt, hofft man. Hoffnung hält aufrecht. Hoffnung lässt nach vorne gehen. Deshalb ist Hoffnung lebenswichtig.
Der Apostel Paulus schreibt: Christen sind die Leute mit der größten Hoffnung. Sie hoffen in diesem Leben und darüber hinaus. Paulus schreibt: „Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen." (1.Kor 15,19)
Die Hoffnung richtet sich also nicht auf den Sieg bei einem Fußballspiel. Sie nimmt das ganze Leben und selbst den Tod in den Blick. Christen hoffen, dass sie nach dem Tod nicht einfach weg sind. Dass wir am Ende alle wieder treffen, die wir gern haben. Dass wir im Himmel alles haben, was wir brauchen. Dass wir keine Schmerzen mehr haben, keine Sorgen. Wir leben ein ganz anderes, ein neues Leben, voller Glück und Zufriedenheit.    
Paulus ist fest davon überzeugt: diese Hoffnung wird nicht enttäuscht. Es ist eine Hoffnung, die in uns gesetzt wird, gegen die wir uns gar nicht wehren können. Es ist die Hoffnung, die uns hilft zu leben. Auch wenn unsere Mannschaft mal wieder verliert.

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Es klingelt an der Tür. Mein Nachbar Stefan steht draußen und strahlt. Er hält mir einen Brief hin.
„Das", sagt er, „das ist ein Stück Himmel." Ich schaue ihn ratlos an. Und er erzählt:
„Du weißt doch: Ich habe mich bei der Werkstatt in Eisenberg beworben. Das war ja schon ein Wunder, dass die mich überhaupt eingeladen haben. Zum Vorstellungsgespräch.
Du weißt ja, dass mein Zeugnis nicht so gut ist. Ich habe doch immer so Probleme in Prüfungen. Da bekomme ich nichts auf die Reihe. Mir fallen dann die einfachsten Sachen nicht mehr ein."
„Ja, Stefan," sage ich, „das weiß ich doch alles. Erzähl weiter!"
„Jedenfalls war ich doch letzten Montag da", sagt er. „Und wieder - wie immer. Kaum fängt der Chef an, mich was zu fragen: totaler Black Out. Nichts geht mehr. Da habe ich schon gewusst: O.K., auch diese Chance hast du wieder vermasselt.
Aber der Chef hat auf einmal gesagt: ,Gut, genug Theorie! Jetzt wollen wir mal die Praxis sehen.'
Dann hat er mich in die Werkstatt mitgenommen und hat gesagt:
,Da steht das Auto. Es fährt nicht, aber warum nicht?'
Da bin ich neugierig geworden. Ich habe mir das Ding mal angeschaut und losgelegt. Irgendwie hatte ich so eine Ahnung, was es sein könnte. Weißt du, bei meinem Onkel Willi..."
„Ja, schon gut", sage ich, „ich weiß, dein Onkel Willi, jetzt aber mal weiter im Text. Was hat das alles mit dem Himmel zu tun?"
„Naja," sagt Stefan, „irgendwie habe ich jedenfalls diesen Wagen zum Laufen bekommen. Aber der Chef hat keine Regung gezeigt. Und schon war die Prüfung zu Ende und ich war entlassen. Noch nicht mal eingestellt und schon entlassen."
„Ja, und", sage ich, „was hat das alles mit dem Brief zu tun? Und mit dem Himmel?"
„Dieser Brief", sagt Stefan und hält ihn hoch, „dieser Brief ist die Antwort auf meine Gebete.
Hör zu:
,Sehr geehrter Herr Schneider, Ihre praktische Arbeit hat uns sehr imponiert. Wir haben uns deshalb entschlossen, Ihnen eine berufliche Zukunft in unserem Betrieb anzubieten.'"
Er strahlt mich an: „Endlich habe ich wieder einen Job. So viele Bewerbungen, so viele Hoffnungen und endlich hat es geklappt. Das ist mein Stück Himmel."
„Komm ", sage ich, „das müssen wir begießen."

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„Freunde kann man sich aussuchen, Verwandte nicht." Ist Ihnen dieser Spruch auch schon mal in den Sinn gekommen. Vielleicht bei einer Hochzeit? Oder beim 80. Geburtstag Ihrer Tante?
Man geht ja eigentlich zu einer Familienfeier, weil es sich so gehört. Weil man da einfach hin muss. Und da sitzt man dann rum und macht ein bisschen Konversation, isst meistens viel zu viel und braucht am Ende einen Schnaps, um das alles zu verdauen. Mir jedenfalls geht das meistens so. Und dann frage ich mich: Find ich das schön? Will ich das so, so ein Familienfest?
Für Jesus war ein Fest mehr als ein Fest. Es war ein Bild für den Himmel. Oft vergleicht er den Himmel mit einem großen Fest. Er sagt: „Von Osten und Westen und von Norden und Süden werden Menschen kommen und sich im Reich Gottes zu Tisch setzen. Es gibt Letzte, die werden Erste sein, und Erste, die werden Letzte sein."(Lk 13,29f)
Im Himmel gibt es also keinen Unterschied zwischen Hautfarben oder Herkunft. Die Leute kommen aus allen Himmelsrichtungen. Und sie kommen friedlich zusammen und sitzen an einem Tisch. Es gibt keinen Rangunterschied, keine Tischordnung. Alle bekommen das Gleiche zu essen, alle haben einen guten Platz. Niemand muss sich vordrängeln, niemand kommt zu spät.
Und: keiner muss Geschenke mitbringen. Es gibt überhaupt keine Vorgaben, wie man auszusehen hat oder was man tun muss. Jeder ist willkommen, so wie er oder sie ist. Es ist ein Bild von Friede und Glück. Das ist das, worauf Christen hoffen. Dass sie nach ihrem Tod in den Himmel kommen und am Tisch Gottes Platz nehmen.
So eine Hoffnung lässt mich weitermachen. Nicht weil ich mir den Himmel verdienen will, das kann ich ja auch gar nicht. Aber wenn ich weiß, dass mich so ein himmlisches Fest erwartet, dann freue ich mich jetzt schon darauf.
Und ich versuche was dafür zu tun, dass mein Leben jetzt schon ein Fest ist. Manchmal jedenfalls. Also gehe ich auch gerne zum Geburtstag von Tante Hannah. Da sehe ich dann die ganzen Verwandten und bemühe mich, fröhlich zu sein.
Und wenn wir das alle tun, dann gibt es doch auch hier schon ein schönes Fest. Ich muss ja nicht immer so viel von der Torte essen.
Und manchmal frage ich mich dann schon: „Sehe ich die alle im Himmel wieder?"
Gut, dass nur Gott das weiß.

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„Bleib anständig!"
Meine Mutter hat mir den Satz früher immer zum Abschied mitgegeben.
Anständig! Was ist das denn?
Als Jugendliche hat mich das geärgert.
Besonders wenn ich auf eine Party wollte.
Bleib ja anständig, Kind!
Das war wie eine Moralkeule:
Ja, weiß ich nicht, wie man sich zu benehmen hat?
Anständig! Was das heißt, ist mir erst später klar geworden.
Einmal habe ich tatsächlich mein Portemonnaie liegen lassen. In der Unibibliothek.
Mit ziemlich viel Geld drin.
„Das sehe ich wohl nie wieder", habe ich gedacht.
Aber falsch gedacht: Am nächsten Tag habe ich es an der Information abholen können.
Ein ehrlicher Finder hatte es abgegeben - mit allem drum und dran.
Das war aber anständig von ihm! Und alles andere als selbstverständlich.
Was für eine Versuchung für einen armen Studenten, so ein volles Portemonnaie.
Und später, wenn man Geld hat, ist es sehr verführerisch, lukrative Angebote anzunehmen und eben mal Geld am Fiskus vorbei in Steueroasen zu deponieren.
Warum darauf verzichten, wenn keiner da ist, der einen bestrafen könnte?
Anständig sein braucht ganz schön viel Standfestigkeit.
Und Mut.
Wenn Sie zum Beispiel einen Fehler zugeben und ihn nicht unter den Teppich kehren.
Das ist ganz schön mutig. Und dazu müssen Sie erst mal den Anstand haben.
Oder wenn Sie Ihre Kollegen fair behandeln und nicht hinter ihrem Rücken lästern.
Auch wenn Ihre Kollegen das nicht zu schätzen wissen.
„Bleib anständig!"
meine Mutter sagt das heute noch zu mir beim Abschied.
Und heute höre ich es so:
Hab den Mut, das Richtige zu tun.
Trau dich, zu deinen Überzeugungen zu stehen.
Hab den Anstand auch die gut zu behandeln, die du eigentlich nicht leiden kannst.
Damit es dir und den anderen gut geht.
Und bei all dem vertraue darauf, dass der Gott an deiner Seite ist.
Er gibt dir die Kraft dazu und macht dich mutig.

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Sozial schwach.
So nennt man hierzulande Leute, die von Sozialhilfe leben oder von Hartz vier.
Sozial schwach. Matthias ist auch so einer:
45 Jahre alt und seit drei Jahren arbeitslos.
Dreißig Bewerbungen hat er letzten Monat geschrieben.
Aber jedes Mal heißt es nur: „Leider können wir Sie nicht brauchen."
Dabei lernt Matthias schnell, ist fleißig und hat gute Ideen.
Dass er das nicht zeigen kann, frustriert ihn.
Und so gilt er als sozial schwach.
In dem Haus, in dem er wohnt, ist er genau das Gegenteil.
Wenn zum Beispiel Familie Heber von unten bei ihm klingelt, weil der Computer nicht so will, wie sie wollen, dann ist er da und regelt das. Kein Problem.
Und wenn Frau Beyer ihre Pflanzenkübel wieder aus dem Keller auf den Balkon stellen möchte, ist Matthias ist zur Stelle und wuchtet sie hoch.
Besonders Herr Rabe, der Rentner von nebenan, weiß Matthias zu schätzen.
Herr Rabe war Schlosser, schon mit Vierzehn hat er angefangen zu arbeiten.
Jetzt kann er nicht mehr so, das Treppensteigen in den 1. Stock fällt ihm schwer.
Manchmal kauft Matthias für Herrn Rabe ein.
Ein anderes Mal trinken sie zusammen Kaffee.
Und wenn Herr Rabe das Beamtendeutsch in seiner Post nicht versteht, dann übersetzt Matthias für ihn.
„Matthias, was würde ich nur ohne dich machen?", sagt Herr Rabe und lächelt.
„Gern geschehen", antwortet Matthias und denkt sich: „Ich kann zwar nicht ändern, was mir zu schaffen macht, aber wenigstens anderen kann ich helfen."
Jesus hat das so ausgedrückt: Einer trage des anderen Last.
Matthias macht das.
Und mehr braucht es nicht, damit das Zusammenleben funktioniert.
Die Leute im Haus, denen Matthias hilft, sind glücklich.
Und er ist letztlich auch zufrieden.
Das ist erfülltes Leben.
Weil einer die Last des anderen trägt.
Und das ist alles andere als sozial schwach!

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Ach ist das schön:
Morgens liegenbleiben und einfach noch ein bisschen weiterträumen - mit offenen Augen.
Als Kind hab ich das stundenlang gemacht. Bei meiner Oma. Da habe ich im Garten gelegen, Schäfchenwolken gezählt und mir von den Grashalmen die nackten Füße kitzeln lassen. Herrlich. Und was für Ideen mir da gekommen sind!
Irgendwo habe ich mal gehört, wenn wir träumen, träumt Gott mit.
Dann beflügelt er unsere Phantasie und Kraft.
Wär doch schön.
Heute hat es sich morgens allerdings ausgeträumt.
Da klingelt der Wecker und jeder Handgriff muss sitzen:
Raus aus dem Bett, ab ins Bad, dann in die Küche, frühstücken,
Sachen zusammensuchen, zur Arbeit gehen.
Für Tagträume bleibt da selten Zeit.
Eigentlich schade, denn in Tagträumen gibt es viel zu entdecken - jenseits von Schule, Büro und Küchentisch.
Eine Bekannte träumt davon, dass in ihrer Familie mal alle zusammenkommen und ihren Streit beilegen.
Ein verliebtes Paar träumt davon, gemeinsamen Alt zu werden und malt sich aus, was sie alles zusammen machen wollen.
Ja, und wie wäre es, wenn bei uns behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam zur Schule gehen könnten?
Beim Träumen hat unsere Zukunft bunte Farben, auch wenn die Gegenwart grau und eintönig ist.
So träumt auch die Bibel von der Zukunft in leuchtenden Farben:
Da werden die Traurigen getröstet.
Da werden alle, die hungrig oder durstig sind, satt.
Da geht es gerecht zu, und jede und jeder kann sicher wohnen und muss sich vor gar nichts mehr fürchten.
Solche Zukunftsträume machen doch Mut und können Menschen beflügeln.
Sie stecken an, mit zu träumen, neue Perspektiven zu entdecken.
Oder aufzuspüren, wo sie schon Wirklichkeit werden.
Auch wenn Sie heute ein großes Arbeitspensum haben - vielleicht bleibt Ihnen trotzdem noch Zeit zum Träumen.
Zurückgelehnt am Schreibtisch, den Laptop einmal zugeklappt.
Oder auf dem Weg von einem Termin zum anderen, den Blick einmal schweifen lassen.
Ich glaube: Wenn wir träumen, träumt Gott mit.

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Störenfriede gibt es überall!
Zwei zum Beispiel aus meiner früheren Konfirmandengruppe.
Ständig haben sie ihren eigenen Kopf durchsetzen wollen,
haben Streit angefangen und sich über andere lustig gemacht.
In einer Stunde ist es besonders schlimm gewesen.
Also haben wir im Team überlegt: Was jetzt?
Schnell war klar: Die beiden Störenfriede müssen bestraft werden!
Nur einer von uns ist anderer Meinung gewesen: Georg.
Er holt 25 Euro aus seiner Tasche, legt sie auf den Tisch und sagt:
„Ich finde, wir sollten die zwei ins Kino schicken.
Zusammen mit denen, über die sie sich lustig gemacht haben."
„Spinnst du", fragt eine, „willst du die Störenfriede jetzt auch noch belohnen?"
Und sofort haben wir uns darüber gestritten: „Was ist jetzt richtig? Was ist gut für die Jugendlichen?"
In gewisser Weise ist Georg also auch ein Störenfried.
Jedenfalls hat sein Vorschlag manche richtig verstört.
Und an eine ruhige und einträchtige Entscheidung ist nicht mehr zu denken gewesen:
Der „liebe Frieden" war dahin.
Vielleicht ist es ja ab und zu ganz gut, die bestehende Eintracht zu stören?!
Nämlich dann, wenn man darüber streitet, was gut und richtig ist.
Jesus hat das auch getan.
Zum Beispiel als er einen Mann mit gelähmter Hand am Sabbat geheilt hat.
Das war Ruhestörung, denn am Sabbat wird nicht gearbeitet und auch nicht geheilt.
Hat es damals geheißen.
Viele, besonders die frommen Leute, hat Jesu Verhalten daher ganz schön geärgert.
Aber Jesus ist überzeugt davon gewesen, das Richtige zu tun: „Der Ruhetag ist für den Menschen da", hat er gesagt, „und nicht der Mensch für den Ruhetag".
Und so ist es ist zum Streit gekommen: Was ist jetzt richtig?
Einen Streit in Kauf nehmen - manchmal auch vom Zaun brechen - für das, was richtig und was gut für den Menschen ist. Ich glaube, dann ist es auch gut, den „lieben Frieden" zu stören.
So hat es Jesus gemacht, und Georg mit seiner Kinoeinladung auch.
Wir haben die Störenfriede dann doch nicht ins Kino geschickt.
Schade, finde ich manchmal.
Wäre doch spannend gewesen zu erfahren, was dabei herausgekommen wäre.

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