Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es ist eines der größten Rätsel der Menschheit: Was hält Paare zusammen? Jetzt liefert eine Studie aus Amerika eine überraschende und gleichzeitig banale Antwort. Sie lautet: Kein Streit. Forscher haben über Jahre hinweg langverheiratete Paare beim Streiten beobachtet. Ganz gezielt. Immer wieder haben sie den Paaren Aufgaben gestellt, haben gesagt: Diskutiert - über den Abwasch, das Haushaltsgeld oder die Frage, wo's ins den Ferien hingeht. Und dann mussten die Paare eine Viertelstunde lang miteinander diskutieren. Das Ergebnis: Je länger die Paar zusammen waren, desto weniger Lust hatten sie auf Streit, auf direkte Konfrontation. Wenn's nicht weiterging in der Diskussion, redeten die Paare halt über unproblematische und erfreuliche Dinge.

Erst mal überrascht das. Ich bin sicher, wenn ein Konflikt nicht gelöst wird, dann schwelt er doch weiter. Aber umgekehrt wird auch das gemeinsame Leben harmonischer, wenn man die Konflikte sein lässt. Man umschifft einfach die heiklen Themen - und konzentriert sich auf das, was einen verbindet, wo man gleicher Meinung ist.

Mir ist die Studie deshalb sympathisch. Auch weil sich viele Streitigkeiten und Konflikte in einer Beziehung doch nur um Kinkerlitzchen drehen. Wer wie aufräumt, wer was gesagt hat, wer wem auf den Schlips getreten ist - das ist doch eigentlich Kleinkram. Klar, ich weiß, dass es auch wichtig ist, sich in der Beziehung zu respektieren. Den anderen nicht zu überfahren. Ihm nicht alles aufzuzwingen und Freiräume zu lassen. Aber oft genug frage ich mich auch: Lohnt sich ein Streit? Lohnt sich ein Konflikt?

Die Studie sagt auch: Konflikte sind wichtig für jüngere Paare. Um zu einem gemeinsamen Leben zu finden. Um Grenzen abzustecken. Um sich in der Beziehung einzurichten. Später aber sind dann die positiven gemeinsamen Erfahrungen wichtiger.

Ja, ich bin schon länger verheiratet. Vielleicht gefällt mir deshalb diese Studie. Weil sie mich

bestärkt. Aber sie kann auch generell helfen. Zu verstehen, dass nicht der Streit wichtig ist. Wichtig ist es, im Gespräch zu bleiben, sich auszutauschen. Und dafür brauche ich keine Studie: Es tut ja schließlich einfach gut mit dem anderen, der Partnerin, dem Partner, zu sprechen.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15673

Sommerzeit ist Nachbarschaftszeit. Straßenfeste überall, öffentliches Grillen, die Kinder spielen auf der Straße, man grüßt sich von Balkon zu Balkon oder auch über die Hecke. Klar, es gibt Streitigkeiten unter Nachbarn. Und zwar nicht zu knapp. Manche landen vor Gericht, vergiften das Klima, machen ein gemeinsames Leben kaum noch möglich. Zum Glück gibt es aber auch noch anderes: nämlich gute Beziehungen zwischen Nachbarn. Man kennt sich, hilft sich, redet miteinander. Das muss nicht tief gehen. Und muss auch nicht dabei enden, dass man jeden Abend zusammenhockt. Aber Nachbarn beim Namen kennen, ein paar Worte wechseln können, all das gibt es - und es tut gut. Im Sommer zeigt sich in besonders deutlich, wie gut es ist, dass es Nachbarn gibt. Denn was mache ich, wenn ich die Sommerzeit für ein paar Ferientage nutze? Ich sag es Nachbarn. Frage, ob sie sich um das Kaninchen und die Blumen kümmern können. Ein bisschen Futter, ein bisschen Wasser und alle paar Tage die Post aus dem Briefkasten holen - das ist keine große Arbeit. Aber wer soll sie tun, wenn nicht die nette Nachbarin von gegenüber, oder der Nachbar im Haus nebenan?

Und ich mache das auch gerne, wenn ich gefragt werde. Es kostet mich wenig - und es hält uns zusammen, schafft Verbindung und Nähe. Ich merke, dass mir das wichtig ist. Ich bin kein Mensch, der alleine lebt und alleine leben will. Mir tut es gut, mit den Nachbarn zu plaudern und ab und zu mal zu helfen, wenn es nötig ist.

Dass der Mensch andere braucht, das erzählt auch die Bibel ganz zu Anfang. Gott, so erzählt es das Schöpfungsgedicht, schafft den Menschen. Schafft Pflanzen und Tiere. Und er stellt trotzdem fest, dass etwas fehlt. Ein anderer Mensch. Wörtlich heißt es: „Da sprach Gott: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine bleibt." Und er schafft einen weiteren Menschen. Sicher: Von Nachbarn ist hier nicht die Rede. Aber davon, dass Menschen andere Menschen brauchen, dass sie aufeinander angewiesen sind. Das erfahre ich in der Partnerschaft, das erfahre ich aber auch tagtäglich im Gespräch, in der Begegnung mit Nachbarn.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15672

Irgendwann in den nächsten Tagen soll es zur Welt kommen, das königliche Baby. Und das ist wortwörtlich gemeint. Denn bald wird das erste Kind von Prinz William und Herzogin Kate das Licht der Welt erblicken. Keine Geburt wie jede andere. Schon jetzt fiebern nicht nur englische Königfans auf die Ankunft des Thronfolgers oder der Thronfolgerin in spe.

Und dann wird sie losrollen, die Souvenir- und Andenkenmaschinerie. Tassen und Strampelanzüge, Schmuck-Teller und Postkarten, Lätzchen und Gläser - alles wird mit Namen, Daten und sicher auch Fotos verziert und verkauft.

Aber im Moment tut sich die Geschenkeindustrie noch schwer damit: Schließlich ist der Geburtstermin unbekannt, nur spekuliert wird heftig, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, und auch den Namen haben die Eltern noch nicht herausgerückt.

Ich gebe zu: Ich bin kein Fan von Königs. Für mich gibt es viele wichtige Geburten: Die Geburt meiner eigenen Kinder zum Beispiel. Aber trotzdem rührt mich der Rummel um das königliche Baby. Weil jede Geburt doch ein faszinierendes, unglaubliches Phänomen ist. Klar, werden vielleicht manche Frauen sagen, der hat gut reden. Der brauchte ja keine Kinder zur Welt bringen. Eine Geburt kann ziemlich anstrengend, kann schmerzhaft, kann mit Angst verbunden sein. Stimmt schon, als Mann kann ich das gar nicht richtig einschätzen und nachvollziehen. Aber eine Ahnung habe ich trotzdem davon bekommen, was Geburt eigentlich heißt: Dass nämlich ein neuer Mensch da ist. Ein Wunder. Etwas ganz und gar radikal Neues.

Und ich weiß auch: Diese Wunderbare trifft auf jedes Kind zu. Egal, wann und wo das Kind auf die Welt kommt. Denn es kommt zur Welt, wie Millionen andere Kinder auch. Und es hat Bedürfnisse wie alle anderen Kinder auch: Es hat Hunger und Durst, es braucht Schutz, Liebe und Zuneigung. Es braucht Fürsorge. Im neugeborenen Kind entdecke ich deshalb eine Grundbotschaft des christlichen Glaubens wieder: Dass alle Menschen vor Gott gleich sind. Und dass es ganz egal ist, ob ein Kind von einer Herzogin geboren wird - oder von einer ganz normalen Frau irgendwo auf der Welt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15671

„Atme in uns, Heiliger Geist!" - mit dieser Bitte beginnt eines der Lieder im „Eingestimmt.", dem Gesangbuch der Alt-Katholischen Kirche. „Atme in uns!" und nicht ‚Atme Dich durch!' oder ‚Atme Dich frei!' oder gar ‚Hechle, bis Du bei Gott bist!'

Mit jedem Atemzug, den ich in meinen Körper einsauge, nehme ich die Welt in mir auf, ‚atmet es in mir'. Ich nehme vieles in mir auf: Energie, Freude, Hoffnung, Lebenskraft - dadurch, dass es ‚in mir atmet'. Mit jedem Ausatmen lasse ich dann wieder los, ich befreie mich von alltäglicher Hast, von zig Notwendigkeiten. Ich atme aus und lasse los, was mich gefangen hält und einengt.

Die meisten Atemzüge unseres Lebens machen wir so, dass es uns nicht bewusst ist, was da passiert, und es ist gut so. Es atmet in uns, wir atmen ganz automatisch - wenn wir gesund sind.

Hin und wieder ist es sicherlich gut, wenn wir aufmerksam sind, wenn wir im Augenblick wahrnehmen, was da geschieht, mit jedem Atemzug, mit jedem Einatmen und mit jedem Ausatmen.

Als Mensch, der an Gott glaubt, möchte ich noch weitergehen:

Mein eigener Körper wird zu einem Ort, der empfänglich ist für Gott, ich darf mich spüren als Teil der Schöpfung, als kleiner Teil eines großen Ganzen.

„Atme in uns!"

Ich atme, es atmet in mir, in uns - fast von allein, und doch nicht ohne unser Zutun. Ich kann es als Geschenk erfahren, was da in mich strömt, was mich lebendig hält und neu belebt.

Ich atme ein und ich lasse los, immer und immer wieder - selbstverständlich und doch genau das nicht.

Ich wünsche uns einen Tag zum Einatmen und zum Ausatmen, zum Atem spüren.

Ja: „Atme in uns, Heiliger Geist!"

 

 

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15649

Seit einigen Tagen sind Sommerferien - alle, die mit Schule zu tun haben, sind dankbar, dass sie da ist - diese lang ersehnte Zeit!

Jetzt ist für viele Tapetenwechsel angesagt - Urlaub, weg, woanders hin. Anderes Leben ausprobieren - ein paar Tage oder Wochen ohne die Verpflichtungen des Alltags, ohne den Druck von Terminen zu leben, das ist eine Erfahrung, die unser Körper und unsere Seele brauchen. „Ich bin wie verwandelt, wie neu geboren!" - so hörte ich manche schon nach einigen Tagen des Abschaltens sagen.
Es gibt eine Geschichte in der Bibel, da geht es zwar nicht um Urlaub und freie Zeit (ganz und gar nicht!), aber um Verwandlung und ums Loslassen; insofern besteht eine Beziehung zwischen dieser alten Zeit und unserem heutigen Erleben:

„Gott sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein." (Gen 12, 1-2)

„Lass Dich verwandeln!" - „Lass Dich erneuern!", so hätte dem alten Abram auch gesagt werden können, so war es wohl gemeint in dieser Geschichte aus dem Ersten Testament.

"Lasst Euch verwandeln!" - „Lasst Euch erneuern!", so kann es uns gesagt werden, wenn wir uns aufmachen und im Urlaub den sogenannten Tapetenwechsel erleben.

Ob wir „wie verwandelt" oder „wie neu geboren" in einigen Wochen aus den Sommerferien in den Alltag zurückkehren, das liegt nicht am Preis einer Urlaubsreise, am Luxus einer Hotelanlage oder an der Ausstattung des Campingplatzes, sondern einzig und allein an uns selbst.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15648

Frauen in manchen Ländern Afrikas legen im Laufe eines Jahres 5000km zurück, um Wasser zu holen - zu Fuß. Ich finde das ungeheuerlich und bewundernswert zugleich. „Bewundernswert" im Hinblick auf die starke Leistung von Frauen, denen leider keine andere Wahl bleibt, um für das Leben zu sorgen, „Ungeheuerlich" im Hinblick auf meine eigene Beziehung zum Wasser. Natürlich erfahren Menschen auch immer wieder, wie bedrohlich und zerstörerisch die Wirkung von Wasser sein kann (die Überflutungen der letzten Wochen haben dies nur zu deutlich gemacht!), aber in meinem Alltag stelle ich doch auch fest: An Wasser komme ich hier ganz einfach: Ich drehe den Wasserhahn auf, und schon kann ich dies nutzen, zum Kaffeekochen, zum Waschen, zum Duschen.

Was würden wir tun, wenn heute kein Wasser fließen würde aus unseren Leitungen...? - so einfach zur Tagesordnung könnten wir sicherlich nicht übergehen, Probleme würden uns erst da bewusst werden, denn: Wenn uns das Wasser immer selbstverständlich und im „Über-fluss" vorhanden ist, wie können wir da den wahren Wert erkennen?

Ich bin sicher: Nur wer sich dieser Kostbarkeit von Wasser bewusst ist, der wird dem Wunderbaren des Wassers gerecht.

Bereits vor 800 Jahren, ohne den Luxus der Wasserleitungen von heute, hatte Franz von Assisi dieses Wunder von Wasser gespürt und in seinem Sonnengesang von der „Schwester Wasser" gesungen: Als „erfrischender und köstlicher Quell" lobt die Schwester Wasser in ihrer Bewegung den Schöpfer.

Ich wünsche uns, dass wir dankbar sind für das Wasser und bewusst mit diesem kostbaren Gut umgehen können.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15647

„Was machst Du da?" - so fragte mich ein Kind vor einiger Zeit; es hatte gerade gesehen, dass ich im Eingangsbereich unserer Kirche meine Hand ins Wasser getaucht und dann ein Kreuzzeichen gemacht hatte.
„Weißt Du", antwortete ich, „immer, wenn ich in eine Kirche komme, kann ich daran denken, dass ich getauft bin - das Wasser hier erinnert mich daran, und ich kann es spüren auf meiner Haut."
Wir sprachen noch kurz über das Wasser und dieses Weihwasserbecken und dann war die kurze Begegnung schon wieder zu Ende.

Ich persönlich bin dankbar für dieses kleine Ritual: Jedes Mal, wenn wir uns mit diesem Wasser benetzen, können wir uns daran erinnern, dass wir zu einer großen Gemeinschaft gehören, dass wir Christen sind. Natürlich könnte ich auch einfach nur daran denken, aber ein sichtbares Zeichen ist mir manchmal ganz wichtig!

Ich gebe zu, hin und wieder mache ich dies ganz automatisch; ich denke nicht immer über die Bedeutung dieses Rituals nach, aber es ist gut, dass es dies gibt.

In zwei Wochen wird wieder ein Erwachsener in unserer Kirche getauft, ein  Mensch mit Lebenserfahrung, mit Berufserfahrung - ganz bewusst möchte er zu dieser Gemeinschaft dazugehören. Nachdem er seinen Glauben bekannt hat, den Glauben an Gott, wird er das Sakrament der Taufe empfangen. In einem der Gebete heißt es dann: „Gott, Du hast ihm in der Taufe aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt!"

Genau darum geht es, um „Neues Leben!"  Immer wieder dürfen wir dieses Neue Leben zu spüren bekommen, ein Leben, das nicht nur den Kampf um das „Stärker sein als Andere" kennt, sondern ein Leben, das im Innersten um die Kraft Gottes weiß.

Vielleicht dürfen wir dies gerade heute am Sonntag neu erfahren!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15646