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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Und - so früh am Morgen, haben Sie bereits gefrühstückt...? Wenn ja, waren Sie allein am Tisch oder waren noch andere dabei...? Nicht, dass ich jetzt davon ausgehe, eine Antwort zu hören, nein, das ist schon technisch etwas schwierig, aber ich will wenigstens zum Nachdenken anregen, einen kleinen „Anstoß" geben, sozusagen. Solch ein Anstoß besteht jetzt auch nicht darin, Empfehlungen fürs Frühstück zu geben, nein, es geht mir um etwas anderes.

Eine Person, die alleine lebt, wird auch des Öfteren alleine am Tisch sitzen, sei es beim Frühstück oder bei anderen Mahlzeiten. Wie oft allerdings ist es so, dass Menschen zusammen wohnen, ein Paar oder eine Familie zum Beispiel, aber eine gemeinsame Mahlzeit ist dann doch eher ein seltenes Ereignis. Das kann morgens losgehen und sich tagsüber fortsetzen bis in den Abend hinein. Unterschiedliche Zeiten beim Arbeits- und Schulbeginn, längere Unterrichtszeiten bis in den Nachmittag, Trainingszeiten und Musikunterricht sorgen dafür, dass selten alle gemeinsam zuhause sind, und dann wird es natürlich schwer, gemeinsam zu essen. „Ohne Mikrowelle wäre das gar nicht machbar", so bekam ich vor längerer Zeit mal zu hören, „dann kann jeder sich was warm machen, wenn er gerade zuhause ist!"

Das klingt ja ganz verständlich und manchmal geht's bei uns genauso zu, der eine kommt, die andere geht, nach dem Motto: „Jeder esse, wann er kann, notfalls ohne Nebenmann...!" - und dennoch: Ich bin grundsätzlich froh über gemeinsame Mahlzeiten, da kommt vieles zur Sprache, da wird am Tisch gelacht und gestritten, geredet und selten auch mal geschwiegen, da geschieht Begegnung und das ist gut so.

Ich gebe zu, mein Beruf macht es mir möglich, einiges in dieser Hinsicht selbst zu gestalten, sodass wir wenigstens zu zweit oder gar alle zu fünft beim Essen sitzen können.

Ich weiß aber auch: Es ist mir dies wert, einige Mahlzeiten miteinander zu genießen - manchmal brauche ich den Willen dazu und die Phantasie, nach Möglichkeiten zu suchen, wie dies gehen kann heute oder morgen...

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Vielleicht freue ich mich in diesen Tagen sogar noch stärker als in den zurückliegenden Jahren auf die Farben des Frühlings, angefangen bei zartem bis kräftigem Grün über gelb, blau und rot und dem ganzen Spektrum, das die Natur zu bieten hat. Auch wenn Schnee und Eis, verbunden mit klirrender Kälte, in diesem Winter besonders hartnäckig sind und waren, so haben sie es nicht geschafft, die Farben der kommenden Wochen zu besiegen. Wir dürfen uns darauf freuen - vieles wird in diesem Jahr wie in einem Zeitraffer zu erleben sein, wo schnell aufbricht, was verborgen war, wenn die Knospen sichtbar sind und aufgehen.

„Grünkraft" nennt die heilige Hildegard von Bingen die Kraft, die in der Schöpfung, in den Pflanzen und auch im Menschen, wirkt: „Die Grünkraft ist der Segen Gottes. Der Geist Gottes in der Schöpfung, ohne diese Kraft wäre nichts: keine Bewegung, kein Wachstum, keine Vielfalt."

In diesem einfachen Wort der „Grünkraft" kommt für mich eines deutlich zum Ausdruck: Vorbei sind die fast farblosen Zeiten, wenn der Schnee weggetaut ist, wenn das Braun auf den Feldern mehr und mehr in Grün übergeht.

Eine Kraft steckt wirklich dahinter, sichtbar jetzt bald in der Schöpfung, spürbar hoffentlich auch in uns Menschen.

In einem Frühlingssegen heißt dies so:
„Dass etwas in dir aufbrechen möge, das wünsche ich dir,
dass etwas wachsen kann in dir und aus dir heraus, das wünsche ich dir,
dass etwas zum Blühen komme mit dir und durch dich, das wünsche ich dir -
weit über Ostern hinaus.
So sei gesegnet in diesen Wochen des aufbrechenden Frühlings."

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Gedenktag zur Beseitigung von Rassendiskriminierung

In den sechziger Jahren des 20.Jahrhunderts hat die UNO diesen Tag als Internationalen Tag für die Beseitigung von Rassendiskriminierung ausgerufen, in Erinnerung an den 21.März 1960, als in Südafrika 20.000 Menschen gegen die Apartheid demonstriert hatten; aus dieser zunächst friedlichen Demonstration wurde sehr bald Gewalt mit vielen Toten und Verletzten. Dies ist über 50 Jahre her, seither hat sich natürlich vieles getan, „im Guten wie im Schlechten", so kann man sagen; das wirkliche Ziel, eine Beseitigung von Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe oder der Herkunft, ist hingegen noch lange nicht erreicht - Beobachtungen und Berichte aus Südafrika, aus den USA, aus Europa und woher auch immer belegen dies leider immer wieder aufs Neue.

„Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie..." (Gen 1, 27); wenn ich diese Verse aus dem ersten Buch der Bibel wirklich ernst nehme, dann kann ich hierin eines der ältesten Dokumente gegen Rassendiskriminierung erkennen.

Leider haben auch einige Vertreter des Christentums im Lauf der Geschichte dies immer mal wieder vergessen, andere haben zum Glück gespürt und zum Ausdruck gebracht: Christlicher Glaube und Rassendiskriminierung passen nicht zusammen - Namen wie Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther King, Coretta Scott King oder Bischof Desmond Tutu sind da zum Glück nicht die Einzigen, die uns klarmachen konnten: Es ist gut und wichtig, dass wir uns gegen Rassismus und gegen Antisemitismus engagieren - weit über den heutigen Gedenktag am 21.März hinaus.

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Für mich sind sie wie nette Nachbarn: Schafe. Auf der Wiese gegenüber meinem Haus ist im Frühjahr immer eine große Schafherde zu Besuch. Das macht richtig Spaß, die verschiedenen Arten von Schafen zu beobachten. Manche springen freudetrunken auf dem Gras herum, andere laufen in kleinen Gruppen auf der Suche nach den besten Büscheln, wieder andere ziehen allein ihres Weges. Wenn die sich zu weit von der Herde entfernen, jagt einer der Hunde hinterher und bringt sie dazu, zurück zu laufen.

Irgendwie sieht es so aus, als hätten die Schafe ihre eigenen Pläne und folgten eigenen Spuren, aber spätestens gegen Abend schauen sie auch wieder nach dem Hirten. Schafe und Hirten, das wird in der Bibel oft als Bild genutzt: Gott ist der Hirte und die Menschen die Schafe. Und Jesus wird dargestellt als der gute Hirt. Eine Geschichte gibt es in der Bibel, da wird von einem ausgerissenen Schaf erzählt und von 99, die bei der Herde geblieben sind. Der Hirte - Gott - geht diesem einen Schaf nach und kümmert sich darum, denn die 99 sieht er gut behütet. Um die muss er sich nicht besonders kümmern.

Ich lerne im Krankenhaus bei meiner Arbeit oft Menschen kennen, die sich wie dieses eine Schaf fühlen. Sie sehen sich als Einzelgänger, haben sich nicht an die Herde gehalten und auch nicht viel nach dem Hirten geschaut. Aber jetzt, in schwerer Krankheit, hätten sie doch gern einen Kontakt zu diesem Hirten. Und weil sie so lange auf Abstand waren, trauen sie sich jetzt nicht. Aber ich glaube, der Hirte kennt sie und weiß, wo sie sind. Und wenn sie in Not sind, dann ist er da.

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„Francesco, geh und baue meine Kirche wieder auf, weil sie zerfällt" - diese Stimme hört der heilige Franziskus in der Einsamkeit von San Damiano, einem verlassenen und halbverfallenen Kirchlein in der Nähe von Assisi. Das war vor 800 Jahren. Franziskus nimmt das zunächst wortwörtlich und richtet das marode Kirchlein wieder her. 

Doch bald wird ihm klar, dass mit dieser Stimme an ihn mehr gemeint ist. Es geht um die Erneuerung der gesamten Kirche. Kirche und Gesellschaft damals waren in Macht, Ruhm und Geld verstrickt. Das Christentum hatte sich weit von seinem Ursprung entfernt, die Menschlichkeit blieb auf der Strecke. 

Franz von Assisi nimmt die Herausforderung an und geht fortan seinen Weg - konsequent, mehr noch, radikal im Geist des Evangeliums und in der Nachfolge Jesu: einfach und freiwillig arm, in Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen, vor allem zu den Armen und Kranken. Und - für damals etwas völlig Neues - in Liebe zur Schöpfung. 

Zur gleichen Zeit sieht der  machtorientierte Papst Innozenz III. in einem Traum die Kirche wanken. Fast am Einstürzen sieht er sie gestützt von einem Mann, den er als Franz von Assisi erkennt. Diese Szene ist auf einem Wandfresko des italienischen Malers Giotto festgehalten. Es befindet sich in der Basilika San Francesco in Assisi. 

Lange und nachdenklich bin ich vor diesem Bild gestanden. Ich brauche nach 800 Jahren nicht zu träumen um zu erkennen, dass meine katholische Kirche wieder am Wanken ist. Sie steckt in einer tiefen Krise.  So sehe ich es als ein hoffnungsvolles Zeichen, dass sich der neue Papst Franziskus nennt. Heute wird er feierlich in sein Amt eingeführt. Der Name Franziskus ist ein Programm, sein Programm. Bereits in den ersten Tagen haben diesen Papst nicht nur Katholiken ins Herz geschlossen. Es ist seine Ausstrahlung. Bescheiden und gütig sucht er die Nähe zu den Menschen. Besonders ein Wort gilt es für ihn mit Inhalt zu füllen: „Barmherzigkeit". Zu einer „Kultur der Barmherzigkeit" habe ihn nicht zuletzt das Buch von Kardinal Walter Kasper inspiriert - eben mit dem Titel: „Barmherzigkeit". 

Vor 5000 Journalisten aus aller Welt hat er seinen Namen Franziskus begründet: „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen." Die Bewahrung der Schöpfung und dass es keine Alternative zum Frieden gibt - das gehört ebenfalls zu seinem „franziskanischen Programm". 

Dazu und zur Erneuerung meiner katholischen Kirche im Geiste Jesu wünsche auch ich Papst Franziskus  Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen.

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Und so etwas steht in der Bibel! Da wendet sich eine Frau hilfesuchend an Jesus und bittet ihn: Hilf mir, heile meine Tochter! Und was tut Jesus? - Er schickt sie einfach weg und erklärt sich für nicht zuständig. Zunächst tut er das noch einigermaßen höflich.

Aber als die Frau weiter bittet, wird er doch recht unfreundlich. Jesus hat seine Aufgabe als Messias ohne Zweifel zuerst recht eng gesehen: Nur zu den Juden ist er gesandt, so meinte er am Anfang. Seine Aufgabe ist es, nur das Volk Israel wieder zum richtigen Glauben an Gott zu führen. Die Frau aber ist eine Heidin aus Kanaan. Darum - so meint er - geht sie ihn nichts an. Und als die Frau nicht aufhört zu betteln, da wird Jesus grob.

Er spricht das böse Wort aus: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen." Er will damit wohl sagen: Ich muss meine ganze Zeit und meine ganze Kraft für die Juden einsetzen. Du aber gehst mich nichts an. Doch die Frau ist nicht auf den Mund gefallen. „Auch die  Hunde bekommen von den Brotresten zu fressen, die vom Tisch ihrer Herren abfallen." So brachte sie Jesus zum Nach-denken , sogar zum Um-denken. In gewisser Weise ist sie seine Lehrmeisterin geworden, hat ihm die Augen geöffnet für seinen Auftrag, der doch größer war, als er selbst es gedacht hatte. Grade als Frau lese und bedenke ich das natürlich gern, dass Jesus nicht nur von einer Frau geboren  und erzogen wurde, sondern dass auch eine Frau seinen Horizont geweitet hat und ihn von einem jüdischen Provinzmissionar zu einem Missionar für die ganze Welt und alle Zeit hat reifen lassen.

Die Gottes-Sohnschaft war Jesus wohl schon in die Wiege gelegt, aber er musste sie noch für sich erschließen und in der Begegnung mit dieser kanaanäischen Frau ist er da einen guten Schritt weiter gekommen, scheint mir.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14918