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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Das ein oder andere Mal bin ich erschrocken, wie wenig ich die Natur um mich herum wahrgenommen hatte; und gerade jetzt im Sommer gibt es soviel Gelegenheit dazu, draußen zu sein, Blumen zu bewundern, Vögeln beim Zwitschern zuzuhören, die Schöpfung einfach zu erleben! Im Urlaub gelingt das ganz gut, kein Wunder, wenn ich mit meiner Familie mit dem Wohnwagen unterwegs bin, die meiste Zeit in der freien Natur. Aber im Alltag, da muss ich immer wieder neu wach werden, aufmerksam für das, was um mich herum passiert.
Natürlich ist mir klar, dass es auch die andere Seite gibt, die mitunter anstrengende, wenn Menschen der Sonne oder dem Regen so ausgesetzt sind, dass es unangenehm wird - Landwirte, Bauarbeiter, aber auch jede und jeder von uns, wir alle wissen ein Lied davon zu singen. Teile eines Liedes, in dem von Schöpfung und der bunten Vielfalt von Leben die Rede ist, möchte ich hier kurz wiedergeben - es steht in unserem Gesangbuch „Eingestimmt."; kurz nach dem 2. Weltkrieg hat es die evangelische Christin Martha Müller-Zitzke geschrieben. In diesem Lied finden sich die Zeilen: „Auf, Seele, Gott zu loben. Gar herrlich steht sein Haus! Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus..." (...) „Vom Tau die Gräser blinken, im Wald die Quelle quillt, daraus die Tiere trinken, die Vögel und das Wild" (...)
„Den Menschen heißt am Morgen Gott an das Tagwerk gehen, lässt ihn in Plag und Sorgen das Werk der Allmacht sehn..." (...) „Lass dir das Lied gefallen. Mein Herz in Freuden steht. Dein Loblied soll erschallen, solang mein Odem geht." Ich wünsche Ihnen einen schöpfungsreichen Tag!

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Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, einmal ausbrechen zu können, Neues zu beginnen, einfach mal „weg" zu sein und aus gewohnten Zwängen zu fliehen...?!
Viele fahren weg in Urlaub Richtung Norden, Süden, Osten oder Westen, die anderen genießen freie Tage zuhause in gewohnter Umgebung, aber ohne Stress und ohne Termindruck. „Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei; einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n", so drückte es Udo Jürgens bereits vor vielen Jahren aus, und diese Worte treffen auch heute genau das, was jetzt oder zu anderer Zeit „dran" ist. Ich darf mal für ein paar Tage „nichts tun", ich muss es aber nicht, ich bin frei von Verpflichtungen, ich darf mir Zeit lassen, ich kann meine Zeit gestalten, wie ich es will, als Familie oder als Partner/Partnerin dürfen wir gemeinsame Zeit erleben und genießen, neue Erfahrungen sammeln, „frei sein!" Es sind Erfahrungen, die einfach gut tun, Körper und Seele können so etwas  gut gebrauchen. „Ferien!" Das Wort stammt aus dem Lateinischen „feriae" und bedeutet soviel wie „Festtage, Feste". Der Opa meiner Frau hat es, gewitzt und markant wie er sein konnte, vor vielen Jahren so ausgedrückt: „Ferien kommt aus dem Französischen, von ‚faire rien'!" (und das bedeutet ‚nichts tun'). Auch das trifft es genau auf den Punkt. Das Wort aus dem Englischen ist uns allen geläufig: „Holidays!" Jedes Kind weiß hier, dass mit „holidays" „Ferien" gemeint sind, genauer übersetzt müssten wir sogar sagen: „Heilige Tage". Ja, das trifft es am besten, wie ich finde! Ferientage sind ein Geschenk, dürfen so etwas sein wie „heilige Zeit", die Schöpfung, die ich wahrnehme, die Kultur, die ich erlebe, die Menschen, denen ich begegne, Gott, den ich erfahre... Ferien: „...einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n."

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Da sitze ich vor einem Stück Papier und möchte ein paar Zeilen schreiben, aber nichts Passendes fällt mir ein. Ein kleiner Gruß soll es werden, zum Abschied, nur für ein paar Tage; es sollen Worte sein, die einen Wunsch mit auf den Weg geben, die Zuversicht schenken, Mut machen und mehr...
Sei es ein kleiner Gruß für einen kurzen Abschied, seien es Worte zu einem Fest, zu einem Geburtstag, zu einem Neubeginn oder was auch immer. Ich suche nach Worten, die es gut meinen, nach Worten, die Gutes mit auf den Weg geben.
Im Wort „Segen" steckt ganz Vieles von dem drin! Segnen heißt Gutes sagen, Gutes wünschen, der anderen Person Gutes zusagen. „Ich wünsche Dir viel Gutes und ich wünsche Dir Gottes Segen!" - das kann bedeuten: ‚Ich danke Gott, dass es Dich gibt und ich vertraue darauf, dass er Dich begleitet!' 
In einem Segenwunsch aus Irland heißt es: „Du mögest immer Arbeit haben, für deine Hände etwas zu tun. Immer Geld in der Tasche, eine Münze oder auch zwei. Das Sonnenlicht möge immer auf deinem Fenstersims schimmern und die Gewissheit in deinem Herzen, dass ein Regenbogen dem Regen folgt. Die gute Hand eines Freundes möge dir immer nahe sein, und Gott möge dir dein Herz erfüllen und dich mit Freude ermuntern." Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag!

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 Ein toll gedeckter Tisch mitten im Garten: Weiße Tischdecke, schönes Porzellan, bunte Blumen. Über die Einladung zu dem Nachmittag mit den Freundinnen freue ich mich. Schon länger haben wir uns nicht mehr gesehen. Da gibt es viel zu erzählen. Die Gastgeberin will uns verwöhnen und hat sogar einen Kuchen gebacken. Alles soll perfekt sein! Doch dann das: Der Kuchen sieht irgendwie merkwürdig aus. Die Creme wollte wohl nicht fest werden. Aber klar, alle sind höflich und probieren. Doch bei allem guten Willen: Die Torte ist ungenießbar. Wie sich heraus stellt, hatte meine Freundin die Zutaten vertauscht. Wir müssen herzhaft lachen. Und dann fängt eine nach der anderen an, von allen möglichen Missgeschicken zu erzählen. Da kann jede was beisteuern. Die Kaffeetasse, die umfällt und das weiße Kleid bekleckert. Die Namen, die verwechselt wurden. Das angebrannte Festtagsessen. Der Kaffeeklatsch war klasse,  auch ohne selbstgebackenen Kuchen. Und ich bin mir sicher: Das Treffen war so toll, weil alle ganz offen und ehrlich erzählt haben. Nicht von den neuesten beruflichen Erfolgen, den besten Rezepten und den begabtesten Kindern. Erzählt wurde von dem, was daneben geht, was misslingt, was schief läuft, was peinlich ist. An diesem Nachmittag konnten alle spüren: Ich muss nicht perfekt sein. Andere sind es auch nicht. Das entlastet. Das tut richtig gut. Ob ein Treffen gelingt, hängt nicht davon ab, ob die Torte schmeckt, die Fenster geputzt sind oder das Wohnzimmer aufgeräumt ist. Für mich ist viel wichtiger, wie ehrlich mir jemand begegnet, ob wir erzählen können von dem, was schön ist, aber auch von dem, was gerade schief läuft.
Auf die nächste Kaffeerunde in meinem Garten blicke ich total entspannt. Die Freundinnen kommen, auch wenn oder besser: gerade weil nicht alles perfekt ist.  

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„Kommen Sie gut an!" Nach den Verkehrsnachrichten ist das oft im Radio zu hören. Auch ich sage das gern, wenn ich jemanden verabschiede. „Komm gut an!" 
Ich wünsche dir, dass kein Stau dich aufhält, dass dir nichts passiert, - eben, dass du gut ankommst. Die Kirche denkt heute an einen Mann, der auch wollte, dass andere gut und sicher ankommen. Und dazu hat er auch eine Menge riskiert. Christophorus.
Eine Legende erzählt, dass Christophorus an einem reißenden Fluss lebt. Kein Schiff und keine Brücke verbindet die Ufer. Weil Christophorus sehr stark ist, macht er das. Er trägt die Leute auf seinen starken Schultern durch das gefährliche Wasser. Er sorgt dafür, dass andere gut ankommen. Das wird seine Lebensaufgabe. Eines Nachts trägt er ein kleines Kind durch den Fluss. Erstaunlich ist, dass er all seine Kraft braucht, um das Kind sicher zu tragen und heil auf der anderen Seite anzukommen. Am Ufer will er den Namen dieses besonderen Kindes wissen. „Ich bin Christus", antwortet das Kind. 
Der Name Christophorus heißt übersetzt: Der, der Christus trägt. 
Solche „Christophorusse" gibt´s auch heute. Ein Christophorus, das ist für mich:
Einer, der dafür sorgt, dass andere gut und heil durch´s Leben kommen,
und sicher ihre Wege gehen können. Einer, der sich dafür einsetzt, dass andere unbeschadet ans Ziel kommen. Einer, der mitgeht, wenn es gefährlich wird. So jemand trägt Christus in diese Welt. Das geht nicht nur an einem Fluss. Das kann genauso gut auf einer Autobahn sein, aber auch am Arbeitsplatz oder in den eigenen vier Wänden. Das geht immer da, wo sich Menschen darum sorgen, dass andere gut ankommen. Und deshalb wünsche ich Ihnen: Kommen Sie gut an!

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„Zum Lachen bitte in den Keller!" Das Schild im Mainzer Dommuseum ist mehr als nur ein Hinweis. Es zeigt, wo die Ausstellung „Seliges Lächeln und höllisches Gelächter" zu finden ist. Nämlich im Keller des Museums. Aber das Schild passt auch zum Thema der Ausstellung. Es geht um das Lachen im Mittelalter. Und da galt das laute und herzhafte Lachen meistens als höllisch, als „Rutschbahn ins Verderben", wie es der Museumsdirektor auf den Punkt bringt. Zum Lachen in den Keller? Das ist mir völlig fremd. Ich lache gern und oft und fast immer mit anderen Menschen  zusammen. Ich lache mal im Garten, mal in der Küche, mal mitten in der Stadt. Nur ganz selten im Keller. Lachen tut mir gut. Mich richtet ein herzhaftes Lachen auf, es befreit, macht das Leben leicht und schön. Wie gut, dass es auch im Mittelalter Leute gab, die das ganz ähnlich sahen. Denn da gab es nicht nur das höllische Gelächter, sondern auch das selige Lächeln, das befreite und glückliche Lachen.  Johannes Klimakos, ein griechischer Gelehrter aus dem 7. Jahrhundert sagt: „Gott will, dass der Mensch aus Liebe zu ihm in seiner Seele lache und fröhlich sei." Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Gott will, dass ich und alle Menschen fröhlich sind, dass sich die Freude und die Liebe in dieser Welt ausbreitet. Und dazu gehört nun mal das Lachen. Trotzdem haben sich die Theologen viele Jahrhunderte gestritten, ob Jesus wohl gelacht hat. In der Bibel kommt kein  lachender Jesus vor. Und auch Bilder mit einem lachenden oder lächelnden Jesus sind selten. Aber die Experten sind sich sicher: Jesus war ein Mensch. Da wird er auch gelacht, zumindest „selig gelächelt" haben. Denn das Lachen ist zutiefst menschlich, es gehört wesentlich zum Menschsein dazu. Kein Tier lacht. Nur der Mensch. Der Gedanke gefällt mir. Und genau so komme ich auch aus dem Museumskeller zurück. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

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Wenn wir zusammen legen, dann reicht es." Die beiden Jungen kramen in ihren Hosentaschen. Dann zählen sie ihr Kleingeld. Und schon sehe ich sie losrennen - zum Kiosk um die Ecke. Offensichtlich reicht ihr gemeinsames Geld für ein Tütchen Fußballbilder.
Ob sie allerdings die Bilder kriegen, die sie noch brauchen, bekomme ich nicht mehr mit. Aber die Worte der beiden Jungs bleiben mir im Kopf: „Wenn wir zusammenlegen, dann reicht es." Zusammenlegen - das ist einfach was Wunderbares. Da wird etwas möglich, was alleine nicht geht. Zum runden Geburtstag legen die Freunde zusammen und verschenken eine tolle Kanufahrt. Zur spontanen Grillparty bringt jeder mit, was er im Kühlschrank so findet. Und die Aufräumaktion im Kindergarten funktioniert, weil alle anpacken, ihre Kräfte zusammenlegen. Da wird drei Stunden geräumt, geputzt, gestrichen. Dann ist der Raum renoviert. Alleine hätte das eine Ewigkeit gedauert. Mal legen wir unser Geld zusammen, mal ein paar Würstchen, mal ein paar Stunden Freizeit, mal unsere Ideen und Talente. Und immer wird ganz konkret deutlich: Wenn  wir zusammenlegen, reicht es, um weiter zu kommen, um etwas zu verwirklichen. Kein Wunder, dass auch die Bibel Geschichten vom Zusammenlegen kennt. Eine davon geht so:
Viele Menschen sind Jesus einen ganzen Tag lang gefolgt. Abends sind sie hungrig. Die Jünger Jesu wollen die Leute wegschicken. Jeder soll für sich in den umliegenden Dörfern etwas zu essen kaufen. Doch Jesus sieht das anders. Er fordert seine Jünger auf, das Wenige, das sie zum Essen dabei haben, zusammenzulegen. Fünf Brote und zwei Fische sind es. Jesus segnet und teilt das Essen. Und es reicht. Sogar für fünftausend Männer und Frauen. Alle werden satt und es bleibt noch Essen übrig. 
Mir sagt die biblische Erzählung: Was unmöglich erscheint, kann möglich werden, wenn wir zusammenlegen, wenn wir das, was wir haben, teilen. Manchmal reicht es für ein Tütchen mit Fußballbildern, manchmal stärkt das aber auch für das ganze Leben. 

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