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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Morgen ist es wieder soweit, morgen ist Pfingsten. Und an Pfingsten geht es um den Geist. Um den Heiligen Geist. Den können wir gut gebrauchen, finde ich. Manchmal ist es ja ziemlich geistlos bei uns. Da geht es um Äußerlichkeiten. Da streiten wir darüber, wer was zu tun hat, warum wieder nicht aufgeräumt ist oder warum mein Platz schon wieder besetzt ist. Dagegen ist der heilige Geist ein Geist, der großzügig ist, der Menschen verbindet. Der begeistern kann. "Wie toll wär´s doch", hat vor kurzem ein Pfarrer in Köln in einem gut besuchten Gottesdienst gesagt, „wenn die gleiche Begeisterung bei uns hier zu spüren wäre wie ein paar Straßen weiter im Stadion."  Die Bibel erzählt von solcher Begeisterung. Pfingsten - das ist die Geschichte,  wie der Heilige Geist die Jünger gepackt hat. Die hatten echt Angst, waren gar nicht in Stadionstimmung. Jesus war ja nicht mehr bei ihnen, nicht mehr sichtbar und greifbar. Auf einmal fällt die Angst von ihnen ab - da spüren sie eine Kraft und eine Begeisterung wie noch nie! Und sie erzählen von ihrem früheren Leben mit Jesus und von ihrer Hoffnung und stecken ganz viele damit an.
Auf einmal verbindet das alle: die Sehnsucht nach Liebe, nach einem Leben in Frieden. So war das damals vor 2000 Jahren.  Und das wirkt bis heute. Wie eben auch in jenem Gottesdienst in der Kölner Kirche, wo der Pfarrer vom Geist geredet hat. In diesem Gottesdienst hat meine kleine Tochter nach der Predigt dem alten Mann in der Bankreihe hinter uns lachend die Hand gegeben. Wie hat er auf einmal gestrahlt: Und er strahlte noch, bis ich ihn aus den Augen verloren habe. Der heilige Geist - ja, er kann Menschen verbinden. Er hilft uns, großzügig zu sein und einander die Schwächen nachzusehen. Und wer weiß, was jetzt an Pfingsten Gottes Geist mit Ihnen noch vorhat! Ich wünsche Ihnen einen schönen Samstag und morgen einen gesegneten Pfingstsonntag!

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Mama - wie, was habe ich gerade gehört? Ich kann mich noch genau dran erinnern, wie unsere Kinder zum ersten Mal Namen sprechen lernten. Das Wort Mama zum Beispiel. Ich bin gemeint! Was für eine Erfahrung. Auf einmal sagt diese Kinderstimme erkennbar meinen Name.
Wer mich mit meinem Namen nennt oder mir einen Namen gibt, hat irgendwo auch Macht über mich. Einfluss. Eltern zum Beispiel, wenn sie ihrem Kind einen Namen geben. Wer jemandem einen Namen gibt, hat auch Macht. Eine alte Weisheit. Im Märchen zum Beispiel verliert Rumpelstilzchen seine Macht, als die Königstochter seinen Namen ausspricht, im Buch „Die Unendliche Geschichte" kann ein ganzes Reich gerettet werden: Nur, weil ein Mensch der Herrscherin einen Namen gibt. Und die Bibel erzählt ganz am Anfang, wie Gott alles geschaffen und allem einen Namen gegeben hat. Licht, Erde, Wasser und so weiter und ganz am Schluss auch der Mensch. Alles bekommt einen Namen. Jeder Mensch bekommt einen Namen. So heißt es im Buch des Propheten Jesaja: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen!" Oder Jesus sagt später: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind." Und er meint damit: Gott kennt und liebt uns und es gibt nichts, keine Macht der Welt, vor der wir Angst haben müssten. Warum?  Weil Gott uns beim Namen nennt - lange bevor die Eltern uns einen Namen geben. Lange bevor andere uns mit einem Namen sagen, was sie von uns erwarten und wie sie uns finden. Für Gott sind wir schon vorher wichtig. Ohne dass wir was dafür tun oder beweisen müssen. Und manchmal hör ich das, wie Gott mich bei meinem Namen nennt. Wie damals, als unser Kind mich zum ersten Mal Mama genannt hat.

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Lotti Karotti, so heißt das Spiel, das meine Kinder lieben. Die Spielfiguren sind kleine Hasen, die hinter einer Karotte her sind. Vorwärts kommen sie durch Würfeln. Das Spielfeld ist ein Berg, und auf dem Weg zum Gipfel gibt es verborgene Löcher, in die kann man schwupp, auf einmal reinfallen. Dann muss man wieder ganz von vorne anfangen. Das Spannende ist: niemand weiß, wann und wo ein Loch auftaucht.
Was im Spiel so spannend ist, das hätte ich im Leben oft gern anders. Da gibt es ja solche Löcher im Leben. Ein Misserfolg, eine Absage, eine Trennung, oder eine Krankheit - das kann einen absolut in ein Loch fallen lassen. Manchmal richtig heftig. Da fände ich es doch gut zu wissen, wo das nächste Loch ist. Ob ich es nicht irgendwie umgehen kann. Oder mich wenigstens drauf vorbereiten.
Aber wenn ich es mir so überlege: Nein, so gut ist es auch wieder nicht, zu wissen, was noch alles passieren kann oder wann das nächste Loch kommt. Was mir aber wirklich hilft ist es doch zu merken: es geht trotzdem weiter. Auch wenn ich in ein Loch gefallen bin. Ich muss nicht aufgeben. „Ich helfe dir wieder auf, wenn du in ein Loch gefallen bist." So ähnlich sagt das Gott immer wieder in der Bibel. Eine Frau, die ich mal im Krankenhaus besucht habe, hat das erlebt: „Die Nacht war schrecklich, diese Schmerzen und die Angst." Und sie sagte weiter: „ Ich habe immer wieder versucht, zu beten. Dass die Schmerzen nachlassen. Ich hab nicht mehr gekonnt. Am Morgen war ich todmüde, aber der Schmerz war weniger. Und die Sonne war wieder da. Da hab ich gedacht: Gott hat mich doch nicht vergessen!" Erleben, dass es doch weitergeht. Ob im Spiel, bei Lotti Karotti, oder im echten Leben - wenn ich mal ins Loch gefallen bin, hilft es aufzuschauen, nach oben. Und zu wissen: ich muss da nicht bleiben. Gott hilft mir wieder auf. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann ganz sicher.

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Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten. Zu dem Ergebnis ist der Theologe Karl Barth gekommen. Er hat sich seine Hände angeschaut und gefragt: Was mache ich eigentlich mit ihnen? Was sollte ich mit meinen Händen machen? Was macht Sinn? Seine Antwort lautet schlicht: Im Leben gilt, Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten.
Der erste Punkt ist klar: Man muss das Leben anpacken. Also Hände aus der Tasche, Ärmel hochgekrempelt und die Dinge angehen. Karl Barth lebt während der Nazizeit. Er kämpft gegen die Überheblichkeit der Parteiideologen und dass sie die Kirche manipulieren wollen. Deshalb verfasst er mit anderen ein wichtiges Bekenntnis gegen die Nazis und unterstützt die Kirche, wo sie im Widerstand arbeitet.
Doch so sehr Karl Barth für ein aktives Leben eintritt, so weiß er auch: nur powern führt dazu, dass man bald ausgepowert und ausgebrannt ist. Deshalb muss man die Hände auch mal in den Schoß legen können, mal Arbeit Arbeit sein lassen, den Feierabend genießen. Schließlich hat sogar Gott nicht nur geschafft, sondern auch ausgeruht am siebten Tag, als die Welt fertig war. Deshalb darf auch ich regelmäßig die Hände in den Schoß legen, mindestens einmal die Woche.
Hände aus der Tasche nehmen und Hände in den Schoss legen, Das ist der Rhythmus. Und darin gibt's noch ein Drittes: Hände ab und zu mal falten, also zu Gott beten. Warum? Wenn ich bete, dann spüre ich, dass ich in einen größeren Zusammenhang eingebunden bin. Es gibt mehr als Arbeiten und Ausruhen. Schuften und schlafen. Leben ist ein wunderbares Geschenk. Ich habe Hände! Und mit denen kann ich eine ganze Menge bewegen. Was für ein Möglichkeit. Und das ist nicht selbstverständlich. Wenn ich die Hände falte, gebe ich zu, dass ich Grenzen habe. Und dass nicht alles an mir hängt und von mir kommt.
Im Leben gilt, Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten. Ziemlich alt, die Gedanken von Karl Barth, und doch leuchten sie mir heute immer noch ein. Leben ist gar nicht so kompliziert, wenn man aufs Gleichgewicht achtet. Arbeiten, ausruhen, beten. So einfach.

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Heute hat er die Mathearbeit zurückbekommen, geht es der Mutter durch den Kopf. Was hat sie mit ihrem Sohn auf diese Arbeit gelernt. Und so öffnet sie erwartungsvoll die Tür. „Na, was hast Du in der Arbeit", platzt es aus ihr heraus. Schweigen. Dann leise „Erst einmal drücken". Und schon liegt der große Sohn seiner Mutter in den Armen. Und sie - sie drückt ihn fest an sich.
Danach haben sie sich die Mathearbeit in Ruhe angeschaut. Er hat sie gründlich verhauen. Da liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor ihnen. Doch der Sohn weiß, dass er sich auch nach dieser 5 auf seine Mutter verlassen kann. Sie will sich mit ihm der Herausforderung stellen. Sie steht zu ihm und hat ihn lieb.
An der Aufgabe gescheitert- das passiert nicht nur in der Schulzeit. Was ist bei mir nicht alles schon schief gegangen. Aber Gott sei Dank, waren da immer wieder Leute, die mich erst einmal in den Arm genommen haben. Sie haben mir Mut gemacht. Und so ging es weiter.
Und ich glaube, genau so muss man sich Gott vorstellen. Wie eine Mutter, wie ein Vater, der dich erst einmal drückt und tröstet, wenn etwas schief gegangen ist. Trotz Mühe und Anstrengung. Gott begleitet dich, will dir immer wieder Mut machen. „Gib nicht auf. Versuchs noch mal."
Jesus beschreibt das wunderbar in einem Gleichnis. Ein Vater muss seinen Sohn in die Fremde ziehen lassen. Der Sohn hat sein Erbe eingefordert, will in die weite Welt hinaus. Und der Vater lässt ihn ziehen. In der Welt bringt er dann sein Erbe durch, am Ende sitz er als Schweinehirte mitten im Dreck. Da erinnert er sich an seinen Vater und begibt sich auf den Nachhauseweg. Und was macht der Vater? Er hält ihm keine Gardinenpredigt. Er läuft ihm entgegen, nimmt ihn in den Arm und drückt ihn. So will Gott mit mir, mit uns Menschen umgehen.
 „Erst einmal drücken", darum darf ich Gott bitten und spüren, dass er an meiner Seite ist. Er lässt mich nicht fallen, wenn mir etwas danebengeht. „Erst einmal drücken", darum darf ich Gott bitten, wenn mir mal wieder etwas über den Kopf gewachsen ist. Und dann bespreche ich mit ihm meine Situation. Und dabei habe ich oft neuen Mut und neue Kraft - und manchmal auch die Lösung für ein Problem gefunden.

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Wie das Kaninchen vor der Schlange - so habe ich mich schon oft gefühlt. Wenn die Woche wieder beginnt und sich auf dem Schreitisch all die Arbeit stapelt. Wo soll ich anfangen, was ist am wichtigsten, was kann liegen bleiben, was können auch andere machen - Fragen über Fragen, die entschieden werden müssen. Doch ich starre nur auf den Berg der Aufgaben und komme nicht voran.
Dabei weiß ich ja: ich bin kein Kaninchen. Und mein Problem fühlt sich zwar an wie eine Schlange, ist es aber nicht. Außerdem: Kein Problem wird dadurch gelöst, dass man wie hypnotisiert davor stehen bleibt. Schlangen und Probleme muss man beherzt am Kopf packen. Dann kann man sie überwinden.
Auch Mose - ein großer Anführer der Israeliten - musste das erst einmal lernen. Die Bibel erzählt, dass Gott ihm eine große Aufgabe überträgt. Er soll sein Volk in die Freiheit führen. Aber Mose hat Angst. Ein Problem nach dem anderen fällt ihm ein. Wie soll er das machen? Menschen führen und überzeugen? Wo er doch überhaupt kein guter Redner ist. Nein, nein, lieber nicht.
Lieber nicht, denken auch sie sich vielleicht, wenn es gilt am Arbeitsplatz oder in der Gesellschaft neue Verantwortung zu übernehmen. Gesucht wird eine, die auf dem 50. Geburtstag die Rede für die Belegschaft hält. Gesucht wird einer, der die Elternschaft der Klasse vertreten soll. Warum gerade ich, andere können das doch viel besser. Lieber nicht, auch wenn ich doch tief in mir weiß, dass ich das könnte.
Und was macht Gott mit so einem Angsthasen wie Mose? Der vor seinem Problem erstarrt? Er verpasst ihm eine kleine Schocktherapie.
„Wirf Deinen Stab auf die Erde", sagt Gott zu Mose. Mose wirft den Stab hin, aber als er auf die Erde fällt, verwandelt er sich in eine Schlange. Mose schrickt zurück - genau so, wie er vor der Herausforderung Gottes zurück schreckt. „Und nun pack die Schlange am Kopf", fordert Gott ihn auf. Widerwillig greift Mose schließlich zu, packt die Schlange beherzt am Kopf und sie verwandelt sich wieder in seinen Stab.
So einfach geht das manchmal. Nicht nur mit Schlangen. Auch mit Sorgen und Problemen. Ein beherzter Griff, ein Schritt nach vorne und das Problem verliert seine Schrecken. Nur Mut! Das ist die Botschaft Gottes für den heutigen Tag.

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