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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Endlich Sommer. Endlich wieder Sonne auf der Haut. Vielleicht mögen Sie das auch. Die Augen schließen und spüren, wie sich auf der Haut langsam die Härchen hochstellen. Vor lauter Wonne. Die Sonne scheint jetzt am längsten. Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer.
In Skandinavien gibt's das Mittsommerfest. Bei uns in Mainz heißt das Johannisfest. Da steppt das ganze Wochenende über der Bär. Die Innenstadt ist voller Würstchenbuden, Bierständen und Bühnen mit Musik und Tanz. Johannisfest- zur Erinnerung an Johannes den Täufer.
Johannes ist der einzige Heilige, der nicht mit seinem Todestag, sondern mit seinem Geburtstag bei uns im Kalender steht: und zwar dem 24. Juni.
Geboren am 24. Juni 6 Monate vor Jesus. Sein Vater Zacharias war so etwas wie ein Pfarrer, ein Tempeldiener, was durchaus auf Johannes abgefärbt hat. Johannes aber nur radikaler.
Johannes fand es passend, in der Wüste zu leben. Weil er ziemlich wüst fand, was damals passierte. Die römische Besatzungsmacht hat die Kleinbauern mit so hohen Steuern belegt, dass viele in die Armut oder die Insolvenz abgerutscht sind.
Johannes hatte viel Rückhalt im Volk. Er hat nämlich gelebt, was er gepredigt hat: „Kehrt um, war seine Botschaft, fangt noch mal von vorne an, denn das Ende der Zeit ist nah. Gottes Gericht kommt bald.
Und dann kommt alles auf den Tisch. Dann müssen wir Rechenschaft ablegen vor Gott.
Jesus hat ihm fasziniert zugehört, wahrscheinlich war er auch sein Schüler. Denn er hat weitergeführt, was Johannes angefangen hat.
Kehrt um, hat auch er gesagt. Ändert euer Leben. Weil Gott ganz nah ist. Aber Gott ist nicht wie ein Buchhalter, der alle Gemeinheiten minutiös festhält.
Gott ist Liebe. Und diese Liebe bringt wie die Sonne kalte Herzen zum Schmelzen. Gottes Liebe macht es möglich, dass Menschen sich verändern können. Gott begegnen ist, wie wenn man der Sommersonne begegnet.
Man schließt die Augen, spürt, wie das Herz schmilzt und wie sich auf der Seelenhaut langsam die Härchen hochstellen. 

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Schon als Kind ist er am liebsten auf der Grenze gesessen. Auf der alten Steinmauer rund um den Garten seines Elternhauses. Da oben hat er sich den Wind um die Nase wehen lassen und hat die herrliche Aussicht genossen. Rittlings ist er da oben gesessen, ein Bein drinnen, eins draußen.
Das war sein Platz und sein Lebensgefühl. Dieses Gefühl, dazuzugehören und auch nicht, ein Bein drinnen, eins draußen, das hat er schon früh gehabt. „Ihr habt mich wohl auf der Entbindungsstation vertauscht!" hat er zu seinen Eltern gesagt. Als er seinen Freunden verriet, dass er mal Priester werden wollte, meinten die: „He, du bist doch sonst ganz normal!" Vom Schrecken seiner Eltern ganz zu schweigen.
Dieses Gefühl, dazuzugehören und auch nicht. Sogar in der eigenen Familie. Kennen Sie das? Ich habe es schon früh gehabt und dachte immer, ich hätte ein Problem. Man müsste doch in allem eins sein, mit den Eltern und später mit dem Mann, mit den Kindern.
In der Bibel habe viele Leute entdeckt, denen es ähnlich gegangen ist. Allen voran Jesus. Der ist doch schon als 12 jähriger seinen Eltern ausgebüchst. Drei Tage haben die eine irre Angst um ihn und finden ihn endlich im Tempel wieder. Wie kannst du uns das nur antun, sagen sie zu ihm. Und der antwortet ihnen ganz gelassen: „Ich muss im Haus meines Vaters im Himmel sein!"
Später, viel später wird den Eltern klar: Sie sind nicht sein ganzes Zuhause. Seine Sehnsucht ist viel größer als das, was sie ihm geben können.
Ich bin überzeugt: So sehr wir einander auch lieben. Wir können füreinander nie alles sein. Und das spüren manche deutlicher als andere: diesen Rest, der da bleibt, diese Sehnsucht, die keiner stillen kann, diese Unruhe, die einem niemand nehmen kann. Und das ist gut so. Weil wir Menschen nun mal so sind. Weil wir nicht nur hier bei unseren Lieben unser Zuhause haben, sondern auch bei unserem Vater im Himmel. Und erst bei ihm wird unsere Sehnsucht gestillt sein.
Ach ja, mein Freund, der als Kind oft auf „seiner" Mauer saß, ein Bein innen, ein Bein außen. Er ist tatsächlich ein Priester geworden. Ich habe lange und gern mit ihm gearbeitet. Eine wunderbare Ökumene war das. Wenn es mal drunter und drüber ging hat er immer den Überblick behalten. Und ein begnadeter Seelsorger war er auch.

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Sie haben gekämpft wie die Löwen.  Die Jungs von Jogi Löw. Nichts für schwache Nerven, das Fußballspiel gestern Abend.
Sie haben gekämpft wie die Löwen und sie haben gewonnen. Glückwunsch!
Dabei war der Druck schon Tage vorher enorm. Was für eine Blamage für die deutsche Mannschaft und ihren Trainer, wenn sie nicht mal das Achtelfinale erreicht hätten. Weshalb alle nach der Angst vor denen aus Ghana gefragt haben. „Ja, hat Jogi Löw gesagt, schon. Und fügt badisch- symbadisch hinzu: „Die Freude ischt größer als die Angscht."
Respekt!
Ich kenne Leute die haben ein wichtiges Meeting, ein Vorstellungsgespräch, eine Prüfung und können schon Nächte vorher nicht mehr richtig schlafen, kriegen kaum einen Bissen runter und sind kaum noch ansprechbar. Vor lauter Angst. Obwohl keine Million Menschen dabei zuschaut.
„Die Freude ischt größer als die Angscht." Sagt Jogi Löw. Ja, wie geht denn so was? Wenn so viel davon abhängt, ob man gewinnt oder verliert?
„Kämpft den guten Kampf des Glaubens," hat der Apostel Paulus mal geschrieben. Der hat keine Ahnung von Fußball gehabt. Aber in Sachen „Kampf" oder besser „Lebenskampf" war er Profi.
„Kämpft den guten Kampf des Glaubens, ergreift das ewige Leben, zu dem ihr berufen seid." Steht in der Bibel.
Beim Fußball geht's vor allem um den Sieg, um den Erfolg, um den Pokal.
Im Leben, meint Paulus, geht's vor allem darum, sich nicht unterkriegen zu lassen von der Angst. Und deshalb ist der Erfolg zwar schön, aber nicht das Wichtigste.
Das Wichtigste ist: einen guten Kampf zu kämpfen. Und ein guter Kampf ist der Kampf für das, wovon man überzeugt ist und wovon man beseelt ist. Bei einem guten Kampf hat man immer Gott an der Seite.
Kämpft den guten Kampf des Glaubens und ergreift das ewige Leben, wozu ihr berufen seid. So ein Leben hängt nicht am seidenen Faden des Erfolgs. So ein Leben macht Sinn, weil man fair kämpft und sich für das Richtige einsetzt.
Dann kann man im Nachhinein auch bei einer Niederlage sagen: „Die Freude ischt größer als die Angscht."
Das wünsche ich unserer Mannschaft, wenn sie wieder auf dem Platz stehen. Und Ihnen wünsche ich es auch- bei Ihrem nächsten Anpfiff.

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Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld. Entweder ihr liebt Gott und verachtet das Geld, oder ihr verachtet Gott und liebt das Geld. Das hat Jesus gesagt.
Klingt ziemlich radikal. Aber es ist einfach nur wahr.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie häufig das Thema „Geld" bei uns eine Rolle spielt?
In den Nachrichten, im Beruf, am Familientisch, sogar bei der Kirche geht es ständig ums Geld. Weil es fehlt, weil man es einteilen muss, weil man es sicher anlegen will.
Das Problem fängt schon morgens bei der Garderobe an.
„Ich hab mal wieder nichts zum Anziehen!" Wenn ich morgens mit diesem Seufzer vor meinem Kleiderschrank stehe, dann meine ich eigentlich: Heute möchte ich meine Kollegen mal richtig beeindrucken. Heut möchte ich an- gesehen sein. Hätt ich doch nur das entsprechende Outfit. Dann wär das ein Kinderspiel.
Natürlich, Geld löst eine Menge Probleme. Aber Geld ist nicht die Lösung.
Es löst nicht die Frage nach unsrer Würde. Wenn unsere Würde, wenn unser Selbstbewusstsein, oder die Achtung unserer Mitmenschen stehen und fallen würde mit dem Geld- dann Gnade uns Gott.
„In god we trust" - wir vertrauen auf Gott- steht sinnigerweise auf dem amerikanischen Dollarschein. Wenn sich die Banken wirklich da dran halten würden, dann würde es bei uns ganz anders aussehen. Dann wäre oberstes Prinzip nicht mehr der Profit. Dann wäre das wichtigste Erfolgsziel: dass alle in Würde leben können.
Und dann würde das Geld wieder zu dem, was es eigentlich ist: Ein Tauschmittel.
Geld, das sind Münzen und Scheine und Papiere, die nichts, aber auch gar nichts aussagen über den, der es hat oder nicht hat.
Das können Sie heute morgen gleich vor dem Kleiderschrank ausprobieren. Wenn Sie mal wieder nichts Gescheites zum Anziehen drin finden. Dann denken Sie dran:
Egal, was Sie anziehen, Sie sind immer anziehend! Ihr Wert steht nicht auf Ihrem Kontoauszug. Ihr Wert steht im Himmel. Und Gott hat sich sogar Ihren Namen in seine Hand geschrieben.

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Auch wenn es 0:0 steht: Wir haben zwei Tore gemacht. Das steht derzeit auf einem großen Werbeplakat. Wie geht das? Frage ich mich. Zwei Tore machen, wenn es 0:0 steht?
Auf dem Plakat sind noch zwei Männer, die senken grade das Fußballtor ab auf den Rasen. Daneben die Auflösung des Rätsels: Das Handwerk.
Na klar, das sind zwei Handwerker, die eben ihr solide geschweißtes Fußballtor aufstellen.
Egal wie ein Spiel ausgeht. Die beiden machen immer zwei Tore. In jedem Strafraum eins. Aber im Unterschied zu den Lahms, Schweinsteigers und den Riberis dieser WM kennt die keiner. Oder wissen Sie, wer das deutsche Tor gemacht hat, in das die Australier keinen Ball rein geschossen haben?

All die Fußballstars, die von Millionen von Zuschauern beobachtet werden -die können doch nur deswegen Tore schießen, weil andere ihnen die vorher gemacht haben. Solider Rahmen. Reißfestes Netz. Andere haben den Rasen verlegt. Und wieder andere haben die Linien gezogen.
Die Botschaft auf dem Plakat gibt zu denken, finde ich. Überall Da gibt's Leute, ohne die geht gar nichts. Und doch feiert sie keiner. Ja, man weiß nicht mal ihren Namen. Was würden wir hier in Mainz im Mief ersticken, wenn da nicht welche unseren Müll wegräumen würden. Unser innerer Friede, unsere Demokratie wäre gefährdet, gäbe es nicht die Köche in den Kantinen und die Muttis und Vatis zu Hause, die mit einem dampfenden Mittagessen auf die ausgehungerte Meute warten würden.

Müllmänner, Küchenhilfen, Putzfrauen, Handwerker. Natürlich haben die nicht so eine lange Ausbildung wie Ärzte, Juristen und Fußballprofis. Aber was wären wir ohne die!
Verachtet das Geringe nicht. Hat Jesus immer wieder gesagt. Oft sind die, die wir gering achten, viel wichtiger als uns bewusst ist. Klo putzen, Hof kehren, Kartoffeln schälen, Kaffee kochen, Serienbriefe adressieren. Was wäre unser Zusammenleben ohne diese „geringe" oder „stinknormale" Arbeit!

Das wäre so, wie wenn lauter Fußballstars auf einem Rasen herumrennen würden. Und keiner könnte mit dem Ball ein Tor schießen. Weil keiner ein Tor aufgebaut hat.  Ach ja, und welches Tor machen Sie heute?

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„Du stellst meine Füße auf weiten Raum." Das wünsch ich Ihnen heute.
Weiter Raum unter den Füßen.
Der ist ja gar nicht selbstverständlich, wenn man an so einem Montagmorgen die Beine aus dem Bett schwingt und den ersten Bodenkontakt hat. Da kann man schon mal weiche Knie kriegen.
Wenn man dran denkt, was man die Woche wieder alles auszuwetzen hat. Treppe rauf, Treppe runter, Sackgasse rein, Sackgasse raus. Und hier in Mainz derzeit überall Baustellen und Umleitungen. Das ist manchmal richtig zum Davonlaufen. Aber davonlaufen geht nicht. Man muss es durchstehen, irgendwie.
Da werden wie beim Fußball schon mal die Räume eng. Man trippelt vor sich hin, dreht seine Runden im Kreis oder im Hamsterrad und fragt sich am Abend: warum bist du so geschafft? Bist doch gar nicht groß vorwärts gekommen!
Aber in der Bibel steht: Du Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.
Ein wunderbares Gebet, ein Hoffnungsschub für Zeiten, in denen es eng wird. Wenn einem die Leute den Weg versperren oder wenn man sich selber im Weg steht.
Du Gott stellst meine Füße auf weiten Raum. Ich stelle mir den Raum immer als große Wiese vor mit Blumen und Bäumen und herrlichem Ausblick übers Land. Weiter Raum. Spielraum. Neue Möglichkeiten.
Wir haben ja nur einen begrenzten Horizont. Können allenfalls bis zur nächsten Kurve den Weg überblicken. Aber hinter der Kurve und hinterm Horizont gehts ja weiter.
Es sind ja nur unsere Möglichkeiten, die zu Ende sind. Und manchmal taucht da doch wie aus dem Nichts etwas Neues auf. Und plötzlich wird der Raum wieder weit. Ein lieber Mensch, der eben mal vorbeikommt. Ein Anruf. Ein Hilferuf. Eine Anerkennung, mit der man überhaupt nicht gerechnet hätte.
„Ich freue mich und bin fröhlich, heißt es in dem Gebet weiter. Weil du da bist, mein Gott. Weil du mitkriegst, wenn es mir dreckig geht. Weil du dich um mich kümmerst.
Und wenn es mal wieder richtig eng wird: du stellst mich nicht in den Senkel. Du stellst meine Füße auf weiten Raum." Einen guten Start in die Woche wünsche ich Ihnen!

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