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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP


Heute ist schon wieder Samstag. Mensch, wie die Zeit vergeht!
Da habe ich gerade die Kugeln vom Weihnachtsbaum auf den Dachboden getragen, bin wieder zurück, mach mir einen doppelten Espresso, trink den in Ruhe, da sagt meine Frau, ich soll doch bitte mal auf den Speicher gehen, den Osterschmuck runter holen.
Je älter man wird, umso schneller geht’s.
Und jetzt ist mir auch eine Idee gekommen, was der Grund dafür sein könnte.
Vielleicht ist es ähnlich wie bei einer Reise, einer langen Fahrt, einem weiten Weg.
Wenn man wegfährt, ein weites Ziel ansteuert, dann geht das doch erst einmal ziemlich langsam vorwärts. Scheinbar gar nicht. Als Kind ist es doch eine gefühlte Ewigkeit, bis es endlich Weihnachten wird, mein Geburtstag kommt, Ferien anfangen, Zahnschmerzen aufhören.
Mehr als eine lange Weile dauert das andauernd.
Es zieht sich eben hin. Das ist so bei einer Reise auf dem Hinweg. Anders wird es erst, wenn es wieder heimwärts geht. Heimzus geht’s schneller.
Das wundert mich jedes Mal wieder. Auf dem Heimweg ist alles viel leichter und gar nicht mehr so lahm und langsam.
Und so könnte das doch auch mit unserem Lebensweg sein.
Am Anfang, wenn wir zur großen Reise aufbrechen, dann zieht sich das, geht uns alles nicht schnell genug:
Bis wir endlich in die Schule kommen, aus der Schule kommen, Führerschein, Beruf, Partner, was Eigenes haben.
Und dann, kaum sind wir angekommen an unseren Zielen, an einzelnen jedenfalls, nicht an allen natürlich, da geht’s auf einmal rasend schnell.
Das ist eine Menschheitserfahrung, die seit Jahrtausenden so gemacht worden ist.

Schon im alten Psalm 90 heißt es:

„Unser Leben währet 70 Jahre,
wenn es hoch kommt sind es 80 –
und es geht schnell dahin,
so als flögen wir davon“.

Da kann einem - heimzus- schon ein bisschen schwindlig werden.
Grund genug, jeden Tag bewusst zu leben.
In Gottes Namen wünsch ich:
Gute Reise!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7804

„Alles, was Atem hat, lobe Gott!“
Unter diesem Motto steht heute der Weltgebetstag der Frauen.
Den gibt es schon seit 1887, also über 120 Jahre, zuerst in den USA und Kanada, seit 1927 weltweit.
Heute Abend werden sich in über 170 Ländern rund um den Globus christliche Frauen über alle konfessionellen und nationalen Grenzen hinweg im Beten verbinden und verbünden.
Die Liturgie wird in jedem Jahr von einem anderen Land verfasst und formuliert und dann in alle Sprachen übersetzt.
In diesem Jahr kommen die Texte und Lieder und Gebete aus Kamerun. Aus dieser globalen Begegnung im Gebet entsteht eine einmalige Solidarität und eine Bereitschaft über die eigenen engen Grenzen hinweg, auf die Lebenswirklichkeit der anderen zu sehen.
Die Betenden sind die wahren global player, weil sie global prayer sind.
Dieses WeltGebet weitet das Bewusstsein und öffnet den Horizont für eine große Völkergemeinschaft ganz im Sinne der geschwisterlichen Einheit, wie Jesus Christus sie gewollt hat.
Aber es bleibt natürlich nicht beim Beten allein. Es wird auch gehandelt. Jedes Jahr wird eine Kollekte eingesammelt, um gezielt Projekte in dem jeweiligen Land, aus dem die Liturgie kommt, zu fördern.
Allein in Deutschland werden sich also heute über eine Million Frauen versammeln.
Das ist mehr als ein heimliches Beten im stillen Kämmerlein.
Das ist eine große und ermutigende Demonstration von praktiziertem Glauben.
Und natürlich sind auch Männer, Kinder und Jugendliche herzlich willkommen.
Mitte des Gottesdienstes ist das Lob Gottes; ausgedrückt durch das Leitmotiv aus Psalm 150, wo es heißt.
„Alles, was Atem hat, lobe den Herrn!“
Die Frauen aus Kamerun schreiben dazu:
„Wir loben den allmächtigen Gott allein schon für das Geschenk des Lebens!“
Und so erzählen sie vom Leben in Kamerun, dem Zauber dieses Landes mit seinen gefährdeten Regenwäldern, Savannen, Steppen und Wüsten.
Sie erzählen von ihren Freuden, ihren Mühen, ihren Ängsten, ihrer Hoffnung und ihrer Zuversicht.
„Immer – in Freude, Sorge, Trauer und Leid – loben wir Gott!“ sagen sie.
Alles, was Atem hat, lobe Gott! Der Weltgebetstag der Frauen ist ein bewegendes Beispiel dafür, wie wir als Christen zusammen beten und handeln können über alle Grenzen hinweg.
Die Welt ins Gebet nehmen, das ist nicht nur heute Abend dringend nötig.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7803

Kann es sein, dass Sie heute Geburtstag haben. Und wenn nicht, dann wird es da und dort schon welche geben, die es heute betrifft.
Ganz ruhig bleiben, kann ich da nur sagen. Das kann jedem mal passieren.
Und es kommt in der Regel ja auch nicht öfter vor, als eben einmal nur im Jahr.
Aber vielleicht gehören Sie ja zu denen, die am liebsten davor weglaufen möchten, und einfach nicht gerne Geburtstag feiern wollen, höchstens den Geburtstag anderer Leute.
Dabei sind Geburtstage doch ganz wichtig. Einmal um überhaupt auf die Welt zu kommen und zum anderen, um möglichst lange auf der Welt zu bleiben.
Nur wer Geburtstag hat, ist am Leben. Nur wer oft Geburtstage hat, wird auch alt. Das ist so. Ganz einfach. Also liebe Geburtstagskinder, am 4. März, wo ihr auch seid:
Ganz ohne schmerzlichen Glückwunsch zum Geburtstag möchte ich gratulieren
und alles alles Gute und Gottes Segen wünschen.
Feiern Sie ruhig das Geschenk Ihres Lebens, das mit dem heutigen Datum verbunden ist.
In Ghana machen sie das besonders deutlich. Dort habe ich im letzten Sommer bei einem Besuch unserer Partnerkirche mit großem Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass alle Leute zu ihrem Namen auch noch den Wochentag dazu bekommen, an dem sie geboren worden sind.
Zum Beispiel: Der erühmte Kofi Anan heißt Kofi, weil er an einem Freitag geboren ist
und Kofi heißt eben Freitag. Für Männer. Für Frauen heißt der Freitag „Afua“.Vielleicht können Sie sich an den großen Fuballer Otto Ato erinnern. Ato heißt Samstag.
Ich würde in Ghana auch so, auch Ato heißen. Da hab ich wirklich Glück, weil Samstage mag ich außerordentlich gerne.
Mit Donnerstag würde ich mir eher schwer tun, aber heute ist nun einmal Donnerstag und der heißt für die Männer „Ekow“ und für die Frauen „Yaa“.
Der Name und der Tag, an dem man geboren ist-Beides gehört untrennbar zusammen und markiert das Wunder, dass es Dich und mich um Gottes Willen gibt.
Darum soll es für uns an jeden Tag, an dem das Leben auf die Welt kommt ein Wort der Bibel gelten. Und das heißt:

„Dies ist der Tag, den der HERR macht!
Lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O Herr hilf,
o Herr lass wohl gelingen!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7802

Heute ist Mittwoch. Wir sind mitten im Alltag. Der Mittwoch ist ganz wunderbar.
Gut eingepackt mit Sicherheitsabstand nach vorne und hinten. Der Mittwoch ist ein Werktag.
So nennen wir die Tage, an denen gearbeitet, gewerkelt wird.
So stehts schwarz auf weiß im Kalender.
Die roten Zahlen, das sind die Feiertage, die ohne Arbeit, wenn’s geht.
Können Sie den Alltag gut leiden?
Haben Sie Lust auf diesen Werktag heut?
Ich kenne Leute, die sind immer heilfroh, wenn alles normal und alltäglich ist.
Denen ist immer himmelangst, wenn die Tage kommen, die rot im Kalender stehen.
Die sagen:
„Es ist nichts schwerer zu ertragen, als eine Reihe von nur Feiertagen…“
Wenn dann endlich wieder der Alltag kommt, dann ist es geschafft, dann wird nämlich wieder geschafft, und da kennt man sich aus und weiß, worum es geht, wo man seinen Platz hat, was zu tun ist, welche Aufgaben kommen, welche Pflichten warten.
Mit Werktagen bewerkstelligen wir unser Leben.
Am Besten am Mittwoch, weil:
der ist mittendrin, ist überhaupt nicht feierlich, kein bisschen festlich, völlig ungefährlich ehrlich, total normal.
Es gibt was zu tun. Ob zuhause oder unterwegs. Der Werktag ist trotz aller Lasten einfach ein echtes Stück Leben, worin wir uns spüren und begegnen.

Im Psalm 90, in dem das ganze liebe Leben angekuckt und bewertet wird,
da heißt es ganz spannend:

„Unser Leben währet 70 Jahre,
wenn’s hoch kommt sinds 80
und was daran köstlich scheint,
das ist doch vor allem Mühe und Arbeit gewesen…“,

ist als vor allem Mittwoch, köstlicher Werktag gewesen.

Das Beste am Leben sind nicht etwa nur die HochZeiten und highlights allein, sondern das Beste ist bestenfalls vor allem alltäglich, werktäglich, weil gut verträglich.
Das Geländer der ganz undramatischen Normalität. Da kann man sich dran festhalten, da weiß man, wo es lang geht.

Also, nichts wie hinein ins Vergnügen, Guten Mittwoch allerseits, auf das er köstlich werde, ein bisschen mühselig vielleicht auch, aber das ist ja auch eine Form von selig – oder?
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7801

Für viele ist heute ein Gedenktag. Ein schmerzlicher. Man könnte ihn im übertragenen Sinne deshalb auch besser Einen Stichtag nennen, weil er sticht, weil er wehtut, weil er wie ein Stich ins Herz empfunden wird.
Wenn sich ein Tag, ein Datum wiederholt und uns erinnert, wie es war, vor einer Woche, einem Monat, einem halben Jahr als es passiert ist, die ganz persönliche Passion:
der Unfall, die Krankheit, die schlimme Nachricht, der Tod. Wer etwas ganz Schweres hat erleben müssen, für den rechnet sich die Zeit fortan von diesem Datum aus.
Und immer wenn es wiederkommt, schmerzt es bitter, sticht es zu.
Und dann verzweifeln und leiden viele auch an ihrem Glauben an Gott und fragen sich seelenwund nach dem Warum, und vor allem, wie es sein kann, dass der liebe Gott so etwas zulässt.
Und da kann ich nur sagen, das es an der Zeit ist, spätestens, wenn so ein Stichtag kommt, klar und deutlich zu sagen, dass der liebe Gott einfach nicht so lieb ist, schon gar nicht nur lieb, sondern immer schon und meistens sogar alles andere als das.
Die Bibel beschreibt ihn uns als allmächtigen, zornigen, eifersüchtigen, ja sehr strengen Gott, als einen der Angst und Schrecken verbreitet, in dessen Nähe es einem die Schuhe auszieht, dessen Erscheinen einfach nicht auszuhalten ist.
Nein. Der liebe Gott ist gar nicht so lieb, nicht so betörend harmlos, so ungefährlich, nicht so verfügbar und anschmiegsam.
Das hat sogar Jesus selbst zu spüren bekommen.
Obwohl sein lieber Sohn genannt, wird ihm der schwere Weg durch die Gethsemanenacht bis hinauf nach Golgatha ans Kreuz zugemutet, und dort am Kreuz schreit er sich vor lauter Gottverlassenheit die Seele aus dem Leib mit seinem
„Mein Gott, mein Gott
warum hast du mich verlassen?“
Spätestens da hat der liebe Gott aufgehört, nur lieb zu sein, spätestens da ist er anders, ganz anders, brutal anders.
Aber er ist und bleibt da, er bleibt dabei, geht mit, bewahrt die Seele seines Sohnes in seinen Händen und führt ihn durch das finstere Tal hindurch.
Der liebe Gott ist manchmal nicht mehr zu erkennen vor lauter Warum und Wozu, an Stichtagen schon gar nicht.
Aber auch der verborgene rätselhafte Gott ist da, bleibt nah, geht mit, hält mich und hält es mit mir aus.
Wenn auch nicht als der liebe Gott erlebbar, bleibt er doch der Gott der Liebe, mit dem ich meine liebe Not habe.
Darum wünsche ich allen, denen dieser Tag schwer fallen wird, viel Kraft und einen festem Blick auf DEN, der das Kreuz trägt, und sich auskennt mit Kreuzworträtseln.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7800

Heute ist der 1. März. Und das ist ein besonderer Jahrestag.
Vor 50 Jahren genau am 1.März 1960 gab es am Abend zum ersten Mal im Deutschen fernsehen die Wetterkarte.
Wetter gab es auch vorher schon fast überall, aber so eine Vorhersage von Fachleuten noch nicht.
Das war damals neu.
Und bis heute hat sich der Wetterbericht als ein unverzichtbarer Teil jeder Nachrichtensendung fest etabliert.
Immer professioneller, immer exakter wird da vorhergesagt, wie morgen das Wetter wird.
Stimmen tut daran immer mindestens das Datum, aber auch sonst liegen die Meteorologen ziemlich oft richtig.
Erst vor kurzem haben sie uns beinahe den Weltuntergang vorhergesagt, als es kräftig anfing zu schneien. Mein Großvater hätte ganz gelassen mit dem Kopf genickt und festgestellt, dass jetzt eben grade mal Winter ist.
Und da kann so was schon mal vorkommen…
Wie dem auch sei, das Wetter ist ein wichtiges Thema, jeden Tag.
Über Nichts reden wir so gerne und so ausführlich, gerade jetzt wieder, wo wir uns anschicken quasi nahtlos vom Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit zu fallen.
Interessant ist wie ich finde, dass sich die älteste Vorhersage bereits in der Bibel finden lässt, lange bevor sie im Fernsehen damit begonnen haben.
Gott selber, wie sollte es auch anders sein, spricht die erste Vorhersage höchstpersönlich und sagt:
„Solange die Erde steht,
sollen nicht aufhören:
Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter,
Tag und Nacht!“
Das ist zweifellos die am weitesten geltende Prognose, die wir kennen und sie stimmt exakt mit allen Wetterberichten der letzten 50 Jahre überein, vor allem in dem einen zentralen Merkmal:
Es ist und war und bleibt ziemlich veränderlich.
Es bleibt nie gleich, es kommt und geht, es zirkuliert, es hat einen Plan, einen Kreislauf, eine stabile Veranlagung zur Veränderung.
Und es kommt alles mal dran, es ist nichts für immer, es gibt von allem Etwas und auch heute Abend ist wieder mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen.
Wie auch immer das Wetter wird, der Schirmherr der ganzen Veranstaltung hat sein Versprechen noch immer gehalten.
Und das kann man nicht von jedem Wetterbericht behaupten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7799