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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Die süßeste Versuchung seit es Schokolade gibt...
Kennen sie sicher, diesen Werbespot.
Ich finde ihn anregend, nicht nur der Schokolade wegen. Wer will nicht schon mal in Versuchung geführt werden. Dieses verboten-lustvolle Ambiente spüren...

Mit den Folgen mancher schokoladensüßer Versuchungen beschäftigen sich viele Menschen in den kommenden Wochen. Fasten ist das Thema. Der Speck Muss weg, sagen sie.
Der „Rettungsring“, der Bierspoiler, der Waschbärbauch - wie manche es auch liebevoll-seufzend nennen. Frühjahrsputz ist angesagt - auch was den Körper betrifft.

Und dann gibt es ja noch den „geistigen“ Speck, den man sich im Laufe der Zeit ansetzt:
Vorurteile, Muffeligkeit. Unduldsamkeit gegenüber anderen, solche Sachen.
Wie wird man diesen „geistigen Speck“ eigentlich los ?

Mein Vorschlag wäre: Indem man sich in Versuchung führen lässt. Geistig, meine ich: Gewohnheiten ändern. Nur mal auf Zeit. Sieben Wochen.

Eine Woche lang mal kein Fernsehen. Eine Woche lang kein schlechtes Wort über den Nachbarn reden. Eine Woche lang freiwillig, und ohne Murren den Einkauf für die Familie übernehmen.
Eine Woche lang nicht rauchen. Eine Woche lang sich Gedanken machen: was den Partner, die Partnerin gut aussehen lassen würde. Und es dann auch sagen. Eine Woche lang sich fragen: was brauche ich eigentlich nicht mehr? Wem könnte ich es schenken? Eine Woche lang die Bibel auf den Küchentisch legen und mal gucken, was passiert.

Das waren gerade mal sieben ganz unterschiedliche Vorschläge für sieben Wochen. Wenn die Vorschläge Sie nicht reizen: Welche Vorschläge wären denn für SIE wohl eine Art „geistige“ Versuchung?
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim nachdenken. Und was den Werbespot mit der Schokolade und der zartesten Versuchung angeht, dem setze ich entgegen:
„Fasten: die spannendste Versuchung seit es Denken gibt !“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7734

NÄHER! „7 Wochen ohne Scheu“. So lautet der Slogan zur diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche in den Wochen vor Ostern: NÄHER! „7 Wochen ohne Scheu“.
Ein Lockruf! Auf der Begleitbroschüre zur Aktion lächelt mir eine junge Frau entgegen.
Kess schaut sie hinter einer halb geöffneten Tür hervor. Und daneben dann dieser Slogan: NÄHER! 7 Wochen ohne Scheu!. Wow, geht es mir durch den Kopf, meint sie etwa mich?
7 Wochen Nähe ohne Scheu. Mit ihr...

In der Broschüre steht weiter: Die Fasten-Aktion will Raum schaffen, Ihnen Worte und Bilder mit auf den Weg geben, für ein Streitgespräch, einen Krankenbesuch oder eine überfällige Liebeserklärung. Aha. Streitgespräch, Krankenbesuch, längst überfällige Liebeserklärung.
Mhm. Alles nicht so ganz einfach. Ich mag nicht gern streiten. Und wie oft denke ich bei Krankenbesuchen: Jetzt bloß die richtigen Worte finden!

Noch etwas weiter in der Broschüre heißt es: »Näher!«, lautet unser Lockruf, mit dem wir Sie einladen, Robinson’sche Einsamkeiten aufzugeben, und - wenn man dann von seiner Robinson-Insel runter gekommen ist- soll man: Bündnisse aushandeln, Überraschungsbesuche machen, eingeschlafene Kontakte aufwecken und einander die Freundschaft erklären.
Boah! Eine Menge Holz.
Aber gut: Will ich nicht seit vier Jahren diesem kernigen Berufsschullehrer aus Dresden einen Brief schreiben!? Wie gut mir die Gespräche getan haben, damals im Urlaub auf Lanzarote?
Und dieser seit Jahren versprochene Besuch bei der Witwe eines verstorbenen Klassenkameraden..
Schäme mich fast, da anzurufen.
Am Schluss der Broschüre kommt bei mir richtig das Blut in Wallung: Da steht nämlich:
Wagen Sie sich aus der Deckung und richtig nah dran, kosten Sie beides aus: die Gänsehaut des Genusses wie der Gefahr. Erkunden Sie die eigenen Grenzen wie auch die Ihrer Nächsten,
ignorieren Sie sie nicht, aber prüfen Sie eine Verlegung: hin zu mehr Berührung, mehr Begegnung, mehr Zusammen.
Ob die, die das geschrieben haben, wissen, was sie da lostreten? Mehr Berührung, mehr Begegnung, mehr Zusammen...
Wo das wohl endet...? Die Wochen vor Ostern könnten aufregend werden.
Ach ja: Was machen SIE eigentlich bis Ostern??

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7733

Seit letzten Sonntag ist er weg: Der wunderschöne Weihnachtsbaum in unserer Kirche.
An seiner Stelle ist jetzt wieder der Taufstein zu sehen. Ist auch eindrucksvoll. Aber nicht so strahlend wie der Weihnachtsbaum.
Jetzt fehlt was. Da ist was weg, was rund und schön war.

Vielleicht geht es manchem von Ihnen ähnlich.
Nach Karneval SOLL bei vielen auch was weg, was rund und schön war.
Diese körperlichen Pfunde. Die uns so rund und schön gemacht haben.
Die SOLLEN nun weg. Fasten ist für viele von uns angesagt.
Und das klingt erst mal nach: Verzicht. Kein Glas Wein mehr zum essen
oder auch zwischendurch, kein Schokoriegel noch kurz vorm schlafen gehen...

Vielleicht fragen sie sich jetzt aber auch:
Soll ich mich denn dem Schlankheitswahn der Modezeitschriften wirklich ergeben?
Oder kann ich sagen: Mein Bauch ist rund, na und? Ich bin auch rund gesund!

Also, was mich betrifft: Ich will es einfach mal anders machen. Aus dem Käfig lieb gewonnener Gewohnheiten raus gehen. Das kitzelt mich doch. Ich will mit meinen 60 Jahren kein Schlappi-Pappi sein, der sich nichts mehr an Veränderungen zutraut. Wär doch gelacht.
Und ich kann ja auch nach 7 Wochen wieder damit aufhören....

Es sollte aber schon spannend sein, das Fasten. Und ein wenig Spaß machen auch.

Also, ich werde mit den Schokoriegeln anfangen: Jeden Abend werde ich einen vor mich hinlegen und sagen: Nein, nein, nein, du verführst mich nicht! Hach, wenn ich daran denke, dass nach sieben Wochen 49 Schokoriegel vor mir liegen ! Ich werde sie dann anschauen und sagen: was machen wir jetzt miteinander, ihr und ich? Trennen wir uns für immer?

7 Wochen mich nicht verführen lassen. Weil da doch was weg soll.
Weil angenehme Gewohnheiten mich nicht total beherrschen sollen.
Ich bin gespannt was das aus mir macht.

Vielleicht werde ich etwas weniger rund. Aber dafür geistig angereichert, aufgefüllt…
Könnte dann meinen Schokoriegeln zublinzeln, ganz entspannt,
und sagen - frei nach Curd Jürgens-
Schaut mich an: 60 Jahre - und doch ein bisschen weise.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7732

Genug gefeiert und geschunkelt. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“ Heute beginnen die Tage des Fastens und der Besinnung. 40 Tage noch bis Ostern. Zeit der Umkehr. Neues kann beginnen!

Seit 27 Jahren gibt es in der Evangelischen Kirche die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“.
„7 Wochen Ohne“ lädt uns ein, die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag bewusst zu erleben und zu gestalten.

Dabei soll das Fasten keine selbst auferlegte Härte sein, nicht Fluch, sondern Segen. Neubeginn. Mal die ausgetretenen Pfade verlassen. Neue Wege versuchen. Neubesinnung auf das, was mir wichtig ist und sonst zu kurz kommt.

Vielleicht mal nicht vom Fernsehprogramm in den Schlaf gebracht werden. Vielleicht den Zigarettenkonsum reduzieren. Den Kühlschrank am Abend allein lassen. Eine längst fällige Liebeserklärung aussprechen. Mut zu Ungewohntem entwickeln. Freundlichkeit und Nächstenliebe im Alltag neu versuchen.
Die Fastenzeit will dazu verhelfen, etwas Neues in uns freizulegen und in Bewegung zu bringen.

Christliches Fasten erinnert an die 40 Tage und Nächte, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbrachte und fastete. Wüstenbewohner wissen das: In der Wüste wird der Mensch ganz auf sich selbst zurückgeworfen.
Kann mich selbst entdecken. Mit dem Unmittelbaren und dem Wenigen auskommen. Reduziert leben. Dabei neu die Kostbarkeiten im Leben entdecken. Besinnung neu einüben.
Ich will die Hektik in meinem Alltag entlarven und dem Stress ein Schnippchen schlagen. Will jetzt Zeit haben für das Eigentliche. 7 Wochen lang.
Für das Gespräch mit dem Nachbarn, für ein Lächeln mit der Kassiererin, mit der Postbotin, dem Kollegen und für ein Gespräch mit Gott, für ein Gebet mit mir.
Mal eine Kerze entzünden am Nachmittag, einen Kaffee trinken, in Zeitungen blättern. Mal mit mir wieder zu Fuß gehen, statt das Auto zu bewegen. Menschen erleben, Natur erleben. Mut haben zu Neuanfang.
Ich will in den nächsten 40 Tagen einen Blick in eine andere Richtung versuchen. Und 7 Wochen möchte ich für Gott offen sein und dabei neu wahrnehmen, wohin er mich führen will.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7715
„Dä Tach is net jurendfrei“, sagt der Kölner zum Faschingsdienstag. Denn heute wird noch mal kräftig getrunken, geschunkelt, geküsst, geliebt und noch mal gefuttert, was das Zeug hält. Heute wird noch mal ausgelebt und getrieben, was ab morgen verboten ist.

„Denn morjen is Aschermittwoch, da is jet alles vorbej.“ Da ist dann Schluss mit fleischlichen Genüssen, mit dem Schunkeln und der Völlerei. Um Mitternacht beginnt die Fastenzeit. 40 Tage der Besinnung, der Umkehr und Buße, die den Christen traditionell vor dem Osterfest angesagt sind.

Heute also das letzte Aufleben und Feiern im Straßenkarneval. Ab morgen dann 40 Tage lang Verzicht. Gegensätze, die zusammengehören! Hier das pure Leben, Lachen und Leidenschaft und dort das Gespür dafür, dass ich ein bedürftiger Mensch bin, der nach Halt im Leben sucht, nach Trost und Glauben. Woher komme ich? Wozu bin ich als Mensch eigentlich hier? Was ist der Sinn im Leben?

Karneval heißt für mich: Feiern und dann Fragen stellen. Umkehren zum Eigentlichen: Zur Sinnfrage in unserem Leben. Zur Frage nach meinem Halt im Leben und auch im Sterben.

Heute noch mal feste feiern. Ab morgen will ich mich dann lossagen von allen Lebensmitteln, die mir bis jetzt nicht genug sein konnten. Will umkehren zu dem „Lebensmittel“, das mich in der Seele ernährt und jetzt in mir Raum und Aufmerksamkeit erhalten will.
Jesus will mir in den nächsten 40 Tagen vor Ostern seine Geschichte zeigen. Seine Worte und seine Taten erzählen. Seine Liebe und seine Leidenschaft nahe bringen und mich zur inneren Ruhe und Besinnung anstiften.
Jesus, ein „Lebensmittel“ ganz besonderer Art. Ein Mittel zum guten Leben und zu einem getrösteten Leben. Weil ich glauben und wissen darf, dass ich nicht allein bin. Dass Gott mich begleitet auf meinen Wegen, heute, im Lachen und im Weinen.

Eine kostbare Botschaft. Ein „Lebensmittel“ für meine Seele.

Schön, dass es den Faschingsdienstag gibt. Er will 40 Tage vor Ostern ein Wegweiser sein, hin zu dieser guten Botschaft.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7714

Es ist mal wieder soweit: Pappnasen und Narrenkappen aufsetzen. Wildfremde auf der Straße küssen und in einem Hagel von Konfetti und Bonbons "Alaaf" und "Helau" rufen. Schunkelnde Narren und singende Jecken überall: Rosenmontag in Deutschland.

Nichts für Sie? Karnevalstage mögen Sie nicht? Kann ich verstehen. Ich hab da ja auch so meine Probleme mit dieser „verordneten Fröhlichkeit“.

Früher, als Kind war das ganz leicht für mich. Ich war immer Indianer. Fand ich toll. So mit Federschmuck, Hackebeil aus Plastik und Winnetou-Gehabe.

„Sieht der süß aus“, haben meine Eltern immer gesagt, wenn ich die rote Hautfarbe auflegte.
Das konnte ich gar nicht gut hören. Ein Indianer durfte nicht „süß“ aussehen.
Ich wollte verwegen sein, ein echter Held. Mal anders, als im normalen Leben. Das war eine tolle Zeit damals. Einmal im Jahr in eine andere Rolle schlüpfen und Menschen gefangen nehmen. Fesseln und herumtollen, herumrasen und später die Friedenspfeife aus Holz in den Mund stecken.
„Houw“, große Freundschaft verband uns und wurde da mit meinen Freunden ausgelebt, mit Günter, der meist den verkleideten Zahnarzt mimte, mit Peter im Clownskostüm, Erich dem silberfarbenen Astronauten und Michael als Old Shatterhand.
Da konnte jeder ausleben, was sonst noch so in einem steckt. Ein rasender, unbändiger Montag war das für uns, früher als Kinder.

Und heute dürfen wir mal wieder Kind sein: Rasen durch die Städte und Dörfer und machen Unsinn. Alles auf den Kopf stellen. Umkehr der Machtverhältnisse. Für einen Tag. Heute leben auch viele Erwachsene mal ihre Träume, folgen kindlichen Ideen, schlagen im Rausch der Sinne Purzelbäume und setzen wieder Pappnasen auf. Und wenn´s dann zu doll wird im Spiel und man doch mal zu weit geht: einfach aufhören, zur Ruhe kommen und Friedenspfeife anbieten, wie damals als Kinder.

Heute dürfen wir schunkeln, ausgelassen und auch ein bisschen verwegen sein.

Vielleicht sehen wir uns ja heute in Mainz! Sie erkennen mich an der Feder im Haar. „Houw“.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7713