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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Die Frage ist doch, ob es sich rentiert.
Ich meine, dass wir auch heute wieder aufstehen, frühstücken, und was anfangen miteinander.
Dass wir zuhören, einkaufen, Pläne machen, uns Zeit nehmen und die Kinder beglücken.
Ob sich das alles rentiert, das ist doch die Frage.
Ob was dabei raus kommt.
Sieht es denn nicht öfter so aus, als wär alles umsonst.
Dass man sich einsetzt, immer wieder, dass man was drangibt und trotz allem immer wieder aufsteht und loslegt.
Wenn es sich doch wenigstens lohnen würde – am Ende irgendwie.
Jesus hat einmal dazu eine Geschichte erzählt.
Und die geht so:
Ein Säman sät. Das ist sein Job. Und das macht er gut.
Er wirft sozusagen mit vollen Händen um sich mit dem Saatgut.
Gut und schön. Und vor allem gut gemeint.
Denn es kommen allerhand Komplikationen dazwischen:
Es geht nämlich keineswegs alles auf, es geht sogar jede Menge unter.
Es geht auffallend viel daneben.
Da gibt es nämlich Felsen, auf denen wächst halt nichts.
Dornen und Gestrüpp, die wachsen immer schneller, Vögel pickens weg auf dem Weg, und da wo es zuerst so ausschaut, dass es am besten klappt, da klappts bald zusammen, weil es zu wenig Grund gibt, und grundlos ist noch nie was passiert.
Mit anderen Worten:
es gibt allerhand Ausfall. Und dann kommt die Ernte. Und es stellt sich heraus, dass es sich doch gelohnt hat.
Nicht überall zwar und nicht an jedem Ort natürlich.
Aber auf dem guten Land, da ist was gewachsen, da gibt es Früchte, unterschiedlich viel zwar auch dort, aber am Ende doch allerhand.
Dabei hat es definitiv jede Menge Frust gegeben. Jesus ist da ganz realistisch.
Wer sät, muss auch wissen, dass jede Menge verloren geht.
Aber das soll uns nicht daran hindern, mit vollen Händen und Herzen auszustreuen, vorbehaltlos zu investieren.
Das Risiko ist einzugehen.
Missliche Bedingungen gibt es auf jedem Feld, in jeder Beziehung, in jeder Familie, in jedem Verein, in jeder Gemeinde, an allen Orten.
Mach dich deshalb bloß nicht vom Acker! Sagt Jesus.
Nur weil nicht alles wächst. Denn es lohnt sich doch. Es ist nicht alles umsonst.
Etwas wächst bestimmt. Was wächst, das ist und bleibt ein Geheimnis, Es ist nämlich überirdisch so geregelt, dass es vorerst unterirdisch verborgen bleibt, was letzten Endes Früchte trägt.
Also raus aus den Federn, rein in die Klamotten
und hinein ins das Samstagssäevergnügen
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Gott will nicht, dass wir untergehen.
Selbst wenn uns das Wasser bis zum Hals steht und wir nicht wissen, wie wir über die Runden kommen sollen mit dem Vielen, was wir zu wenig haben.
Gott will nicht, dass wir untergehen.
Schon gar nicht heute, am Freitag, dem 13.
Und damit dass auch wirklich nicht passiert, könnten wir einmal probeweise das alte Arche Noah Prinzip anwenden.
Sie wissen doch, das große Schiff, das durch die Sintflut trägt mitsamt dem Noah und seinen Leuten und vor allem mit seinen Tieren.
Also dieses Überlebensmodell hat sich ja derart als Erfolgsgeschichte bewährt, dass wir gut beraten wären, finde ich, uns die wichtigsten Erkenntnisse daraus zu Nutze zu machen.

Ich habe mindestens 13 gefunden:

1.
Noah fängt an das Schiff zu bauen, bevor es regnet.
Will sagen: Es ist immer gut langfristig zu planen.

2.
Noah kassiert für seine Aktion Hohn und Spott.
Will sagen: Es ist nicht unbedingt populär, voraus zu denken, aber notwendig.

3.
Noah baut exakt nach Anweisung, sodass noch heute der Schiffsbau von ihm profitiert.
Will sagen: Überlebensstrategie ist Millimeterarbeit.

4.
Noah nimmt alle paarweise mit.
Will sagen: Das Überleben ist nicht einerlei.

5.
Noah fährt erst ab, nachdem, die Schnecken da sind.
Will sagen: Auch die Langsamen sollen mitkommen.

6.
Noah nimmt auch die mit, die viel Mist machen.
Will sagen: Wenn alle in einem Boot sitzen, muss man sich auch riechen können.

7.
Noah treibt lange orientierungslos übers Wasser.
will sagen. Während jeder Rettung verliert man auch mal die Übersicht.

8.
Noah braucht sehr viel Geduld.
Will sagen: Es dauert manchmal, bis Land in Sicht ist.

9.
Noah steht am offenen Fenster.
Will sagen. Wer Leben will, muss auch danach Ausschau halten.

10.
Noah begrüßt die Taube mit dem Ölzweig.
will sagen. Es steht fest, dass Gott will, dass wir wieder auf einen grünen Zweig kommen.

11.
Noah feiert nach seiner Rettung einen Gottesdienst
will sagen: Beten sollen wir in und nach der Not.

12.
Noah und Gott schließen nach der Rettung die erste Lebensversicherung ab, die für alle Gezeiten bis heute gilt.
will sagen. Einen Regenbogen gibt es nur, nachdem es auch kräftig geregnet hat
.
13.
Noah war sehr alt.
will sagen: Alter schützt vor Rettung nicht.

Ahoi kann ich da nur sagen!
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Wahrscheinlich werden sie ihn auch heute wieder treffen.
Wenn nicht persönlich, so doch seine Aus und Nebenwirkungen.
Der Nachbar!
Er wird wieder einmal laut sein, am Fenster stehen und beobachten, was sie so machen, mit anderen über sie herziehen ohne Ende, seinen Hund an ihrem Gartenzaun das Bein heben lassen, ja, er wird bleiben, wie er immer war:
ganz und gar sonderbar- mein lieber Nachbar.
Abertausende von Gerichtsverfahren gehen jedes Jahr über die Bühne, unzählige Streitereien gibt es wegen ihm.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn er vom bösen Nachbarn nicht viel hält.
Juristen wissen es:
In keinem anderen Land werden so viele Konflikte vor Gericht ausgetragen.
Bei uns ist der Nachbar zum Lieblingsfeind geworden.
Es wird gestritten um alles Mögliche und vor allem um alles Unmögliche:
Um Kinderlärm und Parkplatzketten, Wegerechte, Grenzverläufe, Blättermengen, Unkrautsamen, Spatzenspuren, Amseltöne, Haustierschäden, Lärm und Licht, Zaunhöhe und Baumgrößen.
Ehrlich:
Da lacht sich keiner einen Ast ungestraft
Woran das nur liegt. Was ist passiert?
Wieso sind wir so gestraft mit der Nachbarschaft?
Ich glaube, weil sie heute quasi überflüssig geworden ist.
Früher, da hat man noch einander gebraucht. Da war ein guter Nachbar etwas wert.
Der hat die Blumen gegossen und die Post entgegen genommen, wenn wir mal weg waren.
Die Kinder haben zusammen gespielt und Hausaufgaben gemacht.
Am Wochenende hat man sich beim Straße kehren ausführlich über Gott und die Welt unterhalten.
Der Nachbar war verträglich, war uns sehr ähnlich und deshalb vertraut.
So war das mal. Aber das ist vorbei.
Jetzt ist der Nachbar mutiert zum feindlichen Aggressor, vor dem man sich schützen muss.
Er wird nicht mehr gebraucht, ist ja auch nie da, kommt und geht zu den unmöglichsten Zeiten, ist ganz und gar anders, irritiert alle Welt und kümmert sich um nichts dabei.
Schade. Schade.
So einen braucht kein Mensch.
Der könnte gerne woanders wohnen. Tut er aber nicht.
Und jetzt?
Ich hätte da vielleicht eine Lösung, die ist so nobelpreisverdächtig wie einfach.
Sie lautet:
Da ich nicht nur Nachbarn habe, sondern selber einer bin, fange ich heute schon mal an, sein Ansehen zu verbessern.
Ich beginne wieder, ihn zu grüßen, streichle den Hund von Weitem, frag nach dem werten Befinden, und wenn es gut läuft, werde ich am Ende sogar dem alten biblischen Ratschlag folgen, weil es da doch irgendwo mal heißt:
Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis er´s merkt
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Wissen Sie, was ein Handlanger ist?
Möchten Sie heute gerne so jemand sein?
Ich weiß, das klingt nicht so verlockend.
In meiner Kindheit auf dem Bauernhof fiel mir bestimmt nicht zufällig das Amt des Handlangers zu.
In meiner Erinnerung bin ich täglich gefühlte hundert Kilometer durchs Dorf und über den Hof geschickt worden, hinüber zum Stall und quer durch die Scheune und hoch auf den Heuboden und rüber in die Werkstatt und raus in die Milchkammer.
Ob Garten oder Friedhof, Feld oder Wald immerzu sollte ich mich bereithalten, und beistehen.
Was „stand by“ bedeutet, das habe ich schon gewusst ehe es das gab.
Manchmal träume ich heute noch von meiner tragenden Rolle und wach dann mit einem Schraubenschlüssel in der Hand auf, oder mit dem Metermaß, das ich Vater bringen sollte, hab für ihn Hammer und Nägel, halt das Ölkännchen bereit, hab einen Schubkarren vorm Bett stehen, einen Kälberstrick unterm Arm oder 2 Milchkannen rechts und links.
Ich hab noch immer die Taschen voller Schrauben und Muttern, jederzeit bereit, Handlanger zu sein.
Sie sehen: Handlanger sein, das ist eine anspruchsvolle Spezialistentätigkeit.
So war ich also jahrelang als kleiner springender Punkt unterwegs und ahnte damals noch nicht, dass das einmal meine Lebensaufgabe geben sollte.
Handlanger bin ich nämlich geblieben.
Und ob Sies glauben oder nicht, Sie sind es im Grunde auch.
Handlanger des lieben Gottes nämlich.
Das mag in meinem speziellen Fall eine hauptamtliche Beschäftigung sein, in Ihrem Fall eher eine neben – oder ehrenamtliche.
Aber so groß ist der Unterschied jetzt auch wieder nicht.
Gott hat nämlich schon von langer Hand geplant, dass wir alle seine Handlanger sein sollen.
Nicht weil er uns schikanieren möchte, sondern weil er einfach sonst nicht rum kommt.
Er hat ohnedies alle Hände voll zu tun mit seiner erschöpften Schöpfung.
Und da braucht er zusätzlich unbedingt Handlanger, die sich nicht zu schade sind, etwas beizutragen.
Von Anfang an hat er sich solche Leute gesucht.
Kaum ist die Welt auf der Welt, da setzt Gott seine Menschen hinein, dass sie sie bebauen und bewahren sollen.
Das sagt die Bibel gleich auf den ersten Seiten schon.
Wir Menschen sind also Gottes verlängerter Arm, sollen aufhelfen, zupacken, anstoßen, auch mal eingreifen, Hand anlegen
und vor allem: das richtige Werkzeug bereithalten.
Handlanger handeln ja immer im Team, sie sind Glied einer Kette, stehen im Zusammenhang eines Großen und Ganzen.
Und so sind wir heute alle wieder unterwegs.
Handlanger sind immer da, wo sie gerade gebraucht werden.
Das macht sie so wertvoll.
Sie sind die Schlüsselfiguren, auf die es ankommt.
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Vor wenigen Tagen warte ich in einem Blumenladen bis mein Strauß schön verpackt ist und da stehe ich plötzlich vor einem Regal mit reduzierter Ware.
Und da seh ich ihn vor mir. In seiner ganzen Schönheit.
Ein Engel aus Porzellan. Schaut mich an und sagt:
Kauf mich!
Ich frage neugierig, was der denn kostet, und erhalt als Antwort:
der sei billig, weil der sei ja kaputt.
Und erst jetzt sehe ich tatsächlich, dass ihm ein Stück vom Flügel fehlt.
Auf der Heimfahrt schau ich ihn immer wieder so von der Seite an und denke:
Wie schnell doch so ein Engel an Wert verliert!
Leider hatte ich ihn im Auto nicht angeschnallt, was bekanntlich nicht vorfallen soll, jedenfalls vor der Ampel fällt er vor und bricht sich dabei auch noch den Arm, der arme.
Dermaßen schwer vom Leben gezeichnet brachte ich ihn mit nachhause, wo er dann in einer langen Operation zumindest was den Arm betrifft, wieder repariert worden ist.
Inzwischen habe ich Viel von ihm gelernt.
Ich glaube nämlich, dass Gottes irdische Engel, also diejenigen, die ihre Kinder auf Händen tragen und behüten wollen, also diejenigen, die für andere Schutz und Hilfe sein wollen, dass die nicht unbedingt ganz ganz sein müssen, ganz unbeschädigt, ganz unversehrt.
Im Gegenteil:
Ich nehme inzwischen an, dass Gott ganz gut solche Leute zu Boten und hilfreichen Helfern macht, die selbst eigene Gebrechen und Bruchlandungen kennen.
Wer immerzu unversehrt und schmerzfrei geblieben ist, der kann auch gnadenlos erfolgreich und ahnungslos glücklich sein und doch ganz ohne Gespür für Verlust und ohne Herz für Schmerz.
Ich glaube:
Gott braucht Engel mit Macken und Zacken, braucht Leute, die wissen, wie es ist mit Rissen und Wunden wie es sich anfühlt, das liebe Leben, wenn es ehrlich lebensgefährlich wird, Wunden schlägt, Schmerzen macht, Angst und Bange auch.
Mein Engel mit dem Flügelschaden jedenfalls ist mir zum wunderbaren Modellathleten geworden, zum Zeichen für menschenfreundliche Helfershelfer, die wissen, woran es uns gebricht.
Und darum habe ich ihn bei der letzten Taufe auch verschenkt.
Jetzt fliegt er wieder.
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„Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist!“
Das hat Ben Gurion, der Staatsgründer Israels einmal gesagt.
„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist!“
Das bedeutet:
Wunder sind absolut realistisch.
Mit ihnen muss man ernsthaft rechnen.
Und genau das beweist unsere jüngste deutsche Geschichte eindrucksvoll:
Denn:
So ein unglaubliches realistisches Wunder jährt sich heute. Vor 20 Jahren, genau am 9. November 1989 ist die Mauer gefallen. Und das war das Beste, was uns Deutschen je eingefallen ist!
Kein Mensch hatte sich das wirklich realistisch vorstellen können. Und kein Mensch hätte sich träumen lassen, das es wirklich passiert - und zwar genau so passiert.
Nämlich ganz ohne Gewalt.
Ganz ohne Panik, ohne den allzu menschlichen Kurzschluss mit all seinen brutalen Seiten.
Nicht ein Schuss ist gefallen, als die Mauer gefallen ist.
Die friedliche Revolution –sie hat tatsächlich funktioniert.
Und zwar gewaltfrei und mit ganz vielen Gebeten.
„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen!“ sagt die Bibel.
Unter diesem Motto habe ich vor 2o Jahren in meiner Kirchengemeinde einen Dankgottesdienst gefeiert. Vorher war ich nach Berlin gefahren und hatte dort wie im Traum zugesehen, wie sich die Leute ganze Stücke aus der Mauer meißelten.
Die Mauerspechte.
Ich besorgte mir damals ein ziemlich großes Stück. Nie werde vergessen, wie das war, als während dieses Dankgottesdienstes dieser große Mauerbrocken durch die Bänke gereicht wurde, von Hand zu Hand.
Wie wir im Gottesdienst das Souvenir der Freiheit betastet, betrachtet, gewichtet haben, wie wir das Unbegreifliche langsam begriffen.
Scharfkantig war das Ding, vorne bunt besprüht. Schwer natürlich.
Es machte uns alle ganz still und nachdenklich. Ein Stück der Mauer in unseren Händen, ein sichtbares Zeichen dafür, dass etwas überwunden worden war, etwas das sich 28 Jahre auf 168 Km Länge als so felsenfest und unverrückbar präsentiert hatte.
Der Stein des Abbruches war ins Rollen gebracht. Jetzt gab es kein Halten mehr.
Der Durchbruch war geschafft. Ganz real! Ganz Wunderbar!
Und heute?
Noch immer liegen uns so viele Steine im Weg, wenn wir zueinander kommen wollen.
Noch immer gibt es so viele unsichtbare Grenzen zwischen Menschen, so viele Barrieren unter uns.
Nicht nur zwischen Ost und West, sondern lokal, global, überall.
Der Mauerfall von vor 20 Jahren macht mir heute noch Mut.
Er hilft mir, daran zu glauben:
Mit Gottes Hilfe können wir getrost weiterhin phantastische Realisten sein.
„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist!“
„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“
Bis die Steinzeit endgültig vorbei ist.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7112
Einen schönen Sonntagmorgen!
Haben Sies schon gehört?
Es muss bald niemand mehr sitzen bleiben!
Sitzenbleiben wird abgeschafft. Hoffentlich. Denn: Sitzenbleiben ist eine schlimme Sache.
Es bedeutet: Zurückgeworfen werden, auf das Versagen festgelegt, mit dem Vorwurf, nichts dazugelernt zu haben, nicht genug jedenfalls.
Das ist bitter. Wer das jemals erlebt hat, vergisst es nie.
Muss es sozusagen ein Leben lang auf sich sitzen lassen.
Aber jetzt ist vielleicht endlich Rettung in Sicht.
Weil: die Kultusminister der Länder sich zusammengesetzt haben, um über das Sitzenbleiben zu beraten.
Das ist schon ein paar Wochen her. Aber immerhin: sie haben wohl erkannt, dass es Zeit wird, es abzuschaffen.
In Japan, Finnland, England gibt es das schon lange nicht mehr –
Und da können bekanntlich die Menschen auch ganz gut rechnen und schreiben, sind lebenstüchtig und kommen voran.
Also macht man auch bei uns zaghafte Versuche.
In Nordrhein-Westfalen, Bayern und in Berlin hat man schon ein bisschen geprobt.
Und siehe da: es kann funktionieren.
Man erkennt immer mehr, dass man nicht im Gleichschritt lernen kann, dass es darauf ankommt, dass jedes Kind die Zeit bekommt, die es braucht, um dann den nächsten Schritt zu gehen.
Lernen sollen alle schon möglichst viel, aber möglichst so, dass sie es in der für sie passenden Geschwindigkeit schaffen.
Man wird sehen, wie sich das entwickelt und ob es sich durchsetzt gegen das Sitzenbleiben aufzustehen.
Das können die Kultusminister alleine aber nicht schaffen.
Da sind wir alle gefragt. Und das hat nicht nur was mit der Schule zu tun.
Da geht es vor allem auch darum, wie wir miteinander umgehen, wie sehr wir uns und andere auf das festlegen, was gestern war.
Ob das Versagen und das Scheitern in der Vergangenheit uns so magisch anzieht, dass wir nicht davon loskommen.
Und dass uns Andere womöglich immer wieder auf das festlegen wollen, was mangelhaft war in der Vergangenheit.
Heute sollen wir auch nicht sitzen bleiben.
Schon gar nicht auf der alten Geschichte von Schuld und Versagen, von Menschenverachtung und unsagbarem Leid.
Wir sollen in die Lage versetzt werden, Neues zu lernen.
Wie wir Lehren ziehen und Grenzen überwinden.
Wie wir einander den Frieden erklären, wie das geht, dass wir miteinander trotz aller unterschiedlichen Begabungen innerhalb und außerhalb unserer Klassen verträglich und menschenfreundlich sein können.
Nicht auszudenken, was aus uns werden könnte, wenn wir damit anfangen würden, in die Gesamtlebensschule zu gehen, um unsere Begabung zum Glauben, Lieben und Hoffen zu entdecken.
Wohl wissend, dass wir am Ende alle vor dem großen Lehrer im Himmel stehen werden, und von ihm gefragt werden, ob wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7111