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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP


Von Tieren kann man eine Menge lernen. Und sie können einem viel geben. Hat schon Jesus gesagt. Dabei hatten es seine Zeitgenossen nicht so sehr mit Tieren. Es sei denn, sie waren Ackergehilfen auf dem Feld. Oder lagen als Braten in der Pfanne. Was sollten sie sich auch mit Tieren abgeben. Das Leben war hart genug und man hatte kaum sein Auskommen, trotz Rennen und Schaffen.

Von Tieren kann man lernen. Hat Jesus gesagt und in den Himmel gezeigt. „Seht an die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht und der himmlische Vater ernährt sie doch.“ Vögel als Botschafter göttlicher Gelassenheit. Vögel als Lehrmeister des Vertrauens.

Jesus ist viel durch die Gegend gewandert. Und da hatte er Vögel immer über sich.
Ich lebe in einem festen Haus. Und habe meine Katze um mich. Was für Jesus die Vögel waren, ist für mich unsere Katze. Von ihr lerne ich jeden Tag was das ist: Gottvertrauen.

Denn das hat sie. Und bekommt alles, was sie braucht. Wie sie das macht? Sie ist nie aufdringlich, nervt nicht und kratzt nicht. Wenn sie Hunger hat, setzt sie sich vor ihr Schälchen, aufrecht, mit großen Augen. Wartet und wartet. Und wenn ich nicht reagiere, läuft sie mir hinterher und setzt einen Blick auf, der Steine zum Schmelzen bringt. Unsere Katze sät nicht, sie erntet nicht und ihr Frauchen ernährt sie doch.

Wie sie das schafft? Ich glaube, weil sie einfach da ist. Sie ist da, wie das vielleicht nur noch Kinder oder sehr alte Menschen können. Da sein. Die Welt anschauen durch halb geschlossene Augen und staunen. Was es so alles gibt! Der Baum vor dem Fenster, die Blätter tanzen im Wind. Die Regentropfen an der Scheibe, wie sie glitzern. Unsere Katze staunt so, dass sie anfängt zu schnurren. Ohne ersichtlichen Grund. Schaut und schnurrt. Die Gelassenheit schlechthin. Fleisch gewordenes Gottvertrauen, eingehüllt in weichen Pelz.

Seht an die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht und der himmlische Vater ernährt sie doch, sagt Jesus. Seht an diese Katze, kann ich da nur hinzufügen, sie nervt nicht und bläst sich nicht auf. Und bekommt doch alles, was sie braucht. Ich glaube, ich schicke sie zum nächsten Gespräch mit meinem Chef.
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Yes we gähn- so lautete die Überschrift einer großen Zeitung nach dem Kanzlerduell am vergangenen Sonntag. Yes, we gähn und ich hab auch gegähnt, als Frau Merkel und Herr Steinmeier sich selbst und ihre Regierungsprogramme vorgestellt haben. Warum gähnst du, wenn es um so was Wichtiges geht?

Arbeitslosigkeit, Mindestlohn, Afghanistaneinsatz, Bildung, Gesundheit, Atomenergie- da flogen einem die globalen Themen nur so um die Ohren. Ich hätte es gern was verstanden. Aber immer wenn es konkret und spannend wurde, hieß es: nächste Frage. Weil im Fernsehen ja immer was passieren muss, möglichst was Emotional, damit die Leute nur ja nicht abschalten. Ein Tatort war das Rededuell nicht: da ist keiner fertig gemacht worden und es gab keinen Show- down. Also- Yes we gähn?

Sind wir wirklich ein Volk von Schnarchnasen, das nur unterhalten werden will?
Ich glaube das nicht. Ich habe bei diesem Rededuell und allen anderen Politdebatten im Fernsehen in dieser Woche eins gelernt: Demokratie ist anstrengend. Und Politik ist Arbeit. Viel Arbeit. Da muss man hartnäckig an seiner Sache dran bleiben, darf nicht gekränkt sich zurückziehen, wenn man mal nicht kriegt, was man wollte. Da muss man seine Sache vertreten und doch auch offen bleiben für die bessere Idee.

Jesus hat gesagt: Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Das ist ein aufregendes Programm. Denn es verspricht uns das Glück, noch bevor wir Gerechtigkeit erreicht haben. Glücklich ist schon, wer hungrig bleibt nach Gerechtigkeit und sich nicht abspeisen lässt mit billigem Konsum und Unterhaltung. Glücklich ist, wer dabei ist und miterlebt, wie Gerechtigkeit wird: mit Geduld und Hartnäckigkeit, mit Erfolgen und Rückschlägen. Das ist Gottes Programm und dazu braucht er uns.

Lassen wir uns das nicht ausreden. Wir sind kein Volk von Schnarchnasen, das nur unterhalten werden will. Wir können wach und aufmerksam mitdenken, auch wenn es mal komplizierter wird. Wir können Demokratie und viele tun das auch. Ganz konkret und ehrenamtlich. In ihrem Gemeinderat oder im Elternbeirat, in der Kirchengemeinde, im Ortsverein, in der Nachbarschaftshilfe und an vielen anderen Stellen. Demokratie leben und wählen gehen? Oh yes, we can. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6804
„Das kann ich ihm nie vergeben. Niemals. Er hat mir mein Leben zerstört.“ Sie saß mir gegenüber und lächelte. Dabei hat sie eben grad eine furchtbare Geschichte erzählt. Die ich hier gar nicht wiederholen will. Dass sie Opfer einer bösen Tat geworden ist, ist schon viele Jahre her. Und doch: Das kann ich ihm nie vergeben. Dabei ist sie Christin. Würde gern vergeben. Aber kann es nicht.

Ja, ich glaube, es gibt Dinge, die kann man nicht einfach so vergeben. Auch wenn man noch so sehr verstanden hat, wie und warum man Opfer eines Verbrechens geworden ist. Es gibt Dinge, die bleiben schlimm und ungerecht. Die Bibel sagt: Am Ende der Zeit wird Gott Gerechtigkeit schaffen. Das ist tröstlich. Aber was ist bis dahin?

Mir hilft da immer wieder das Vater Unser. In einer Bitte geht es auch um die, die an uns schuldig geworden sind. Im Vater Unser jedoch stehen wir mit ihnen in einer Reihe. Da heißt es: vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Will sagen: Erst kommt die Sorge um die eigene Schuld. Dann die um die Schuld der Anderen. Eine Zumutung, ich weiß.
Aber- es nicht darum, fremde Schuld durch die eigene klein zu reden. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln.
Das Vater Unser empfiehlt uns, die Rolle des Opfers hinter uns zu lassen. Und sich selbst als Täter zu sehen. Als Täter des eigenen Lebens. Verantwortung zu übernehmen.

Auch wenn die Kindheit nicht schön war, auch wenn ich Opfer eines Verbrechens bin: Ich bin so frei und übernehme die Verantwortung dafür, was aus mir werden soll.

Ich bin so frei, die zu enttäuschen, die mir Böses wollten. Ich bin so frei, dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Dabei werde ich natürlich andere verletzen, ihnen unterstellen, dass sie Böses wollten.
Und deshalb: Vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Überlassen wir Gott die Schuld vergangener Tage. Und leben das neue Leben, das in der Zukunft auf uns wartet.

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Gott lässt seine Sonne aufgehen über alle Menschen, hat Jesus gesagt. Haben Sie das schon mal beobachtet? In Ihrem Dorf, in Ihrer Stadt?

Manchmal wie jetzt im Spätsommer fahre ich mit dem Rad zur Arbeit in die Innenstadt. So früh morgens kurz nach sieben ist die Sonne ganz samtig auf der Haut, der Fahrtwind mild im Gesicht. Der Fahrradweg führt mich durch den Stadtpark. Ein Hund hebt das Bein an der Eiche, sein Herrchen mit Handy am Ohr, beobachtet ihn aufmerksam.

Zwei Joggerinnen, schon ziemlich durchgeschwitzt, traben vorbei, hochroter Kopf, lachend auf der Zielgeraden. Vor dem Bistro schüttelt eine Frau mit Kopftuch den Teppich aus und kehrt die Zigarettenstummel vor der Tür zusammen. Der Straßenkehrer besorgt mit seinem Reisigbesen den Rest- ein fröhliches Hallo fliegt hin und her. Vor der Bäckerei hält das Brotauto. Öffnet die Tür, als ich grade vorbeifahre. Herrlich, frische Brötchen!

Ich trete in die Pedale und bin auch schon da. Im Büro angekommen höre ich im Radio die Frühnachrichten. Den Moderator kenne ich. Erstaunlich, wie munter er klingt. Musste doch schon um halb vier heute morgen aufstehen. Ich wäre ungenießbar. Aber er ist Profi. Und er sagt: Egal wie es mir geht, die Leute haben ein Recht auf meine Freundlichkeit.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil es so normal ist. Und so ein Wunder. Dieses Miteinander. Wie da morgens eins dem anderen zuarbeitet, wie eins vom anderen abhängt.

Obwohl viele so liebend gern morgens liegen bleiben würden, mich eingeschlossen. Trotz Lust auf Faulsein kommt jeder seiner Pflicht nach. Ja, Pflicht. Und dann entsteht ein Wunder von Geben und Nehmen. Jeder gibt und jeder nimmt. Das ist Frieden.

Manchmal ist es gut, auf Abstand zu gehen und das kleine Stückchen Land, das man so beackert, im größeren Zusammenhang zu sehen. Wie Gott das wohl aus dem großen Abstand heraus sieht?

Jesus hat gesagt: Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, über Gerechte und Ungerechte. Gott lässt leben. Auch die, die uns nicht so in den Kram passen. Deshalb sollen wir auch leben lassen. Denn wer weiß schon, zu welcher Sorte Mensch man gehört – von Gott aus gesehen.
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Wie hast du das nur gemacht? Meine Tochter lächelt mich an. Was gemacht? - Ja, so locker bleiben damals, als wir Kinder waren? Ich verstehe immer noch nicht. Also die Eltern von meinem Patenkind, erzählt sie weiter, die sind fix und fertig, dabei haben sie nur ein Kind. So gereizt warst du nie, sagt sie. Wie hast du das nur gemacht?

Ach, sage ich und lasse mir Zeit. Den Moment muss ich auskosten. Wie war das noch vor wenigen Jahren? Da sagte dieselbe Tochter: Wenn ich mal groß bin, dann bin ich nie gereizt und spiele mit meinem Kind ganz lange. Und da saß ich dann mit meinem ohnehin schon schlechten Gewissen. Weil ich nicht so war wie all die Mütter aus der Werbung. Die immer mit ihren Kindern spielen und backen und einen Schokoriegel parat haben. Und die auch dann noch lachen, wenn die kleine Saubande den frisch geputzten Flur eindreckt.

Bei mir war das nie so. Und seltsamerweise bei denen, die ich kenne, auch nicht. Da wird schon mal geschimpft und geschrieen. Da gehen einem die Gäule durch, weil die Nerven blank liegen. Im wirklichen Leben muss man manchmal Dinge tun, die einem selber wehtun. Die Kinder heulend im Kindergarten zurücklassen, weil man nun mal noch eine Arbeit hat. Sie morgens in die Kälte rausschicken mit schlotternden Knien zur Klassenarbeit. Als Chef im Beruf muss man Leute abmahnen, wenn sie Mist bauen, oder sie in die Kurzarbeit schicken, wissend, dass die Familie darunter leiden wird. Im wirklichen Leben muss man Leuten weh tun. Oder tut es, weil man es nicht besser hinkriegt.

Kurzum: Im wirklichen Leben wird man schuldig- an anderen, an sich selber. Und nicht zuletzt an Gott. Warum? Weil man doch so gern perfekt wäre. Weil man doch kaum ertragen kann, etwas falsch gemacht zu haben und alles dafür tut, es wegzuerklären oder wegzuwischen- als Opfer der Umstände sozusagen.

Im wirklichen Leben aber haben wir einen Gott an unserer Seite, der uns sein lässt, wie wir sind. Der uns liebt und annimmt mit unserer Schuld. Kaum zu glauben. Und kaum zu glauben, dass eine Tochter die Mutter liebt mit all ihren Fehlern. Wenn sie erwachsen wird und im wirklichen Leben angekommen ist.
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Gestern noch war es so kuschelig. Aufgeweckt werden mit einem Kuss, gemeinsamer Spaziergang, lange Gespräche, einander spüren. Heute sitzt er viele Kilometer entfernt an einem Schreibtisch und sie muss sich neu erfinden. Von der Ehefrau zum Single.

Wochenendbeziehung. Nach einer Studie leben derzeit mehr als 13 Prozent aller Lebensgemeinschaften heute in getrennten Wohnsitzen. Und es werden immer mehr. „Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt“, hinter diesem Zauberwort verstecken sich Schicksale von Paaren, die sich über Jahre hin nur am Wochenende sehen können, Kinder, die ihren Papa nur mit dem Sonntagsgesicht kennen.

Früher, da ist der Mann dem Beruf hinterher und die Frau dem Mann. Heute fragt sich ein Paar: Wer von uns beiden gibt den Beruf auf? Oder behalten wir beide unsere Arbeit und leben getrennt?

Natürlich kann man all diese Paare nicht über einen Kamm scheren. Eine Frage aber verbindet sie alle miteinander: Wie können wir uns nah bleiben in der Ferne? Wie kann unsere Liebe reifen?

Ich bewundere Paare, die das versuchen. Nicht zuletzt, weil sie so sehr gegen den Trend leben. Denn heute gilt doch als dumm, wer sich nicht sofort holt, was das Leben zu bieten hat. Verzichten, das sei doch nur was für Spießer und Moralapostel. Und Vertrauen- na ja, schön und gut, aber Kontrolle ist doch besser, oder?

Wer die Liebe aus der Ferne wach halten will, kommt nicht drum herum: zu verzichten, zu warten, Geduld zu haben und vor allem viel Vertrauen. Und – bekommt man auch was dafür? Lohnt sich das?

Ich glaube, dass all das einer Liebe die Tiefe geben kann. Wenn man immer wieder spürt, wie begrenzt die gemeinsame Zeit ist, dann wird sie kostbar. Dann wird sie zum Geschenk. Wissen, wie begrenzt das Leben ist, macht klug, meint die Bibel. Klug genug, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Und das Wichtige dankbar zu genießen.

Und das wünsche ich allen, die sich derzeit nur aus der Ferne lieben können. Sie haben guten Grund zu hoffen, dass Ihre Liebe die Zeit der Trennung gut übersteht. Immerhin- statistisch gesehen werden Wochenendehen weniger häufig geschieden als andere. Ob das etwas mit der Lebensklugheit zu tun hat? *Studie der Gesellschaft für rationelle Psychologie von 1996 (aktuelle Statistik gibt es nicht)
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„Wie konntest du dich nur da drauf einlassen! Du hast es doch gewusst! Und jetzt machst du es trotzdem wieder!“ ich weiß noch genau, wie wütend ich war. Damals auf dem Flur der Entbindungsstation. Und ich hatte die Wehen.
Die überfielen mich mit voller Wucht. Und mit ihnen die Erinnerung an meine erste Geburt. Wie konntest du nur vergessen, wie weh das getan hat! Und zulassen, dass du das noch mal durchmachen musst! So schimpfte ich mit mir. Hätte mir jemand damals auf dem Flur gesagt: du kannst aussteigen, du kannst das alles rückgängig machen, ich hätte es sofort getan.
Aber Gott sei Dank hat mich keiner gefragt. Gott sei Dank musste ich durch. Gott sei Dank kam unser Sohn zur Welt.

Wie konntest du dich nur da drauf einlassen! Vielleicht fragen Sie sich das auch manchmal. Und schimpfen mit sich selber. Da haben Sie einen Job übernommen und der wächst Ihnen gewaltig über den Kopf, raubt Ihnen den letzten Nerv. Oder Sie haben ein Ehrenamt übernommen und müssen zum ersten Mal vor vielen Leuten sprechen oder Sie müssen eine Prüfung ablegen und haben das Gefühl: das schaff ich nie. Wie konntest du dich nur da drauf einlassen. Seit der Geburt meines Sohnes weiß ich: manchmal ist es gut, dass man durch muss. Auch wenn man keine Ahnung hat, wie man das schaffen soll ohne dass einem vorher unterwegs die Puste ausgeht.

Da ist es gut, über die momentanen Bedürfnisse hinaus sich an das große Ganze zu erinnern: Warum hast du dich drauf eingelassen, damals? Was war dein Ziel? Von welchem Wunsch warst du beseelt? Welche Leidenschaft hat dich getrieben? Es gibt ja Wünsche und Ziele, die stellen sich bei näherem Betrachten als überholt heraus. Und andere bleiben einfach wahr und gut, auch wenn die Durchführung schmerzlich wird.
Die Tatsache, dass es Wehen gibt, machen den Wunsch nach einem Kind nicht verkehrt. Und die Tatsache, dass man unter Wehen kaum noch japsen kann, sprechen nicht dagegen, ein Kind zur Welt zu bringen.

Jesus sagte einmal sinngemäß: achtet zuerst auf eure Hoffnungen und Träume. Was könnte es sein, wofür Gott euch gebrauchen kann? Wo könnt ihr mitarbeiten an seinem großen Reich? Bleibt dabei und lauft nicht weg. Dann wird euch alles andere- aus heiterem Himmel- in den Schoß fallen.

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