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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Bei uns geht alles automatisch.
Oder anders gesagt:
Ohne Automaten geht gar nichts.
Geld abheben, Fahrkarte kaufen, sowieso.
Überall wo man sich früher einem leibhaftigen Menschen gegenüber sah, und sich erkundigen konnte, steht man heute automatisch vor einem Automaten.
Und jetzt auch noch das.
Es gibt ihn jetzt auch fürs Beten.
Zumindest auf verschiedenen Bahnhöfen wird er grad ausprobiert.
Der Gebetomat.
Sieht aus, wie so ein Passfotoautomat, so eine Kabine jedenfalls für eine Person.
mit schwarzem Vorhang, einem Stuhl und einem Bildschirm.
Wer den berührt, bekommt Kontakt, und kann sich verschiedne Gebete anschauen und anhören.
Vom christlichen Vater Unser bis zum tibetischen Mönchsgebet.
Alle großen Religionen wie Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Judentum oder Islam sind vertreten.
Es kostet 50 Cent und dauert 5 Minuten.
Das ist kein stilles Kämmerlein, sondern der kleinste Gebetsstuhl der Welt, mitten im Trubel aufgestellt.
Bete sich, wer kann- zur Ruhe im vorüber gehen.
Man kann gespannt sein, wie das angenommen wird.
Wäre schon schön, wenn nicht nur Bahnkunden vor lauter Verzweiflung über die Verspätung dahin flüchten.
„Da hilft nur noch beten!“,
dass könnte durchaus zum neuen Passageritus werden, eine 5 Minuten Terrine für die Seele.
Ich wird es ausprobieren!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5202
Haben Sies schon gehört?
Jesus ist wieder schwer im Kommen.
Wenn es nach den neusten Bemühungen einiger Schokoladenhersteller geht, wird er demnächst in aller Munde sein.
Ein Jesus wie aus einem Guss, einem SchokoGuss.
100 Gramm schwer, 21 cm groß.
Sein Name ist:
Gold Jesus weil in Goldfolie verpackt oder noch besser „Sweetlord“ wird er heißen.
Das hat sich der Erfinder schon patentieren lassen.
Nikoläuse und Osterhasen zittern schon.
Der Konkurrenzkampf wird knallhart.
Schließlich hat Jesus immer Saison, was man von den alten Hasen und den niedlichen Nikoläusen so nicht sagen kann.
Da es sich angeblich auch noch um Bio Schokolade handelt, wird das Produkt zweifellos ein Renner.
Bis Ostern soll die Produktion in Massen laufen.
Das wird eine Auferstehung der besonderen Art.
Was glauben Sie, wird das werden?
Ein Erfolg?
Und wenn ja, für wen?
Die Befürworter sagen:
Endlich mal ein Anlass, anlässlich der christlichen Feste über die eigentliche Hauptperson zu reden.
Was hat der Osterhase mit Ostern zu tun?
Was der Nikolaus mit Bethlehem?
Der Goldene Jesus ist genau die Marktlücke, die es zu schließen gilt.
Und die Gegner wettern dagegen:
Diese Nummer zeige, dass Ehrfurcht und Anbetung auf die Liste der bedrohten Arten gehört.
Jesus zu reduzieren auf den Süßen, den man mal so nebenbei vernaschen kann, das habe mit dem christlichen Glauben nichts mehr zu tun und würde auch sicher nicht dazu beitragen, dass Menschen interessierter nach Jesus fragen.
Man kann gespannt sein, was daraus wird.
Fest steht ja, dass auch Gottes Liebe uns nicht nur durch den Kopf, sondern auch durch den Magen gehen soll.
So gesehen, ist Sweetlord wohl die gewagteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5201
Es ist zum Heulen.
Aber die Statistiken machen vor Nichts und vor allem vor Niemandem Halt.
Was da so alles erhoben und berechnet wird, wer, was wie viel und wie oft tut oder lässt.
Unglaublich.
Jetzt gibt es eine neue Statistik zum Thema Weinen.
Man hat errechnet, wie weiß ich nicht, wie viele Tränen ein Mensch bei uns im Durchschnitt vergießt in seinem Leben.
Es sind angeblich 69,5 Liter.
Das wirft natürlich Fragen auf:
Zum Beispiel:
Wie viele Tränen geben überhaupt einen Liter?
Und wie hat man die Tränen gemessen, gewogen, aufgefangen, gesammelt?
Wie viele wurden davon gelacht und wie viele wurden wirklich geweint?
Welche waren echt und welche falsch?
Umso schwieriger wird die Sache zudem, wenn man bedenkt, dass die meisten Tränen alleine und unter Ausschluss der Öffentlichkeit womöglich sogar im Dunkeln vergossen werden.
Oder nicht?
Die sind dann wohl alle gar nicht in die Berechnungen mit eingeflossen.
Da kann man also schon seine Zweifel haben, ob so eine Erhebung wirklich erheblich ist, ob sie irgendetwas aussagt.
Außer dass in der Tat viel geweint wird in dieser Welt.
Statistisch muss das niemand untersuchen.
Das ist auch so schon schlimm genug.
Und außerdem ist es im wahrsten Sinne überflüssig, weil es nämlich längst eine detaillierte Erhebung darüber gibt.
Und die findet unter göttlicher Aufsicht sogar direkt im Himmel statt.
Die Bibel sagt uns nämlich, dass Gott unsere Tränen sammelt, wie in einem Krug.
(Psalm 56,9)
Auch die, die niemand sieht und von denen niemand sonst was weiß.
Gerade die.
Weil die Tränen, die wir weinen ja die Perlen unserer Liebe sind.
Die dürfen niemals verloren gehen.
Und sie tun es auch nicht.
Dafür sorgt Gott schon selbst.
Und das ist auch statistisch gesehen signifikant viel wert.
Und noch mehr wert ist, dass Gott sie nicht nur sammelt, sondern auch abwischen wird.
(Offenbarung 21,4)
Denn:
Was nützte es, sie zu zählen, wenn sie trotzdem quälen.

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Für mich war das der Koffer des Jahres.
Des vergangenen natürlich.
Er ist verloren gegangen.
Jemand hat ihn fallen lassen.
Und das ganze wäre nicht so spektakulär, wenn es nicht im Weltall passiert wäre.
Eine US Astronautin so stand in der Zeitung hatte bei einem Außeneinsatz am 18. November an der Internationalen Raumstation ISS geschraubt.
Und dabei ist ihr die Werkzeugtasche entglitten.
Seither fliegt sie rund um die Erde, falls sie es noch tut.
Kann auch sein, dass sie inzwischen jemandem aufs Dach gefallen ist
oder ist wie Experten vermuten längst verglüht.
Wer weiß…
So schnell kann einem was entgleiten und davon fliegen und niemand kann es so einfach wieder aus der Welt schaffen.
Es fliegt den Anderen um die Ohren und niemand weiß, was noch damit geschieht.

Was haben wir nicht schon alles fallen lassen, nicht nur Schrauben und Schlüssel, nicht nur Taschentücher und Sammeltassen, sondern auch böse Worte zum Beispiel.
Und kaum dass sie uns entglitten waren, sind sie auch schon davon geflogen auf irgendeiner Umlaufbahn, haben sich dann herumgesprochen und haben dem einen oder anderen Kopfzerbrechen gemacht.
Es kommt immer wieder vor, dass wir nicht alles so fest im Griff haben, richtig handhaben, festhalten.
Manchmal rutscht uns was weg oder raus und schon fliegt es uneinholbar davon.
Einfangen unmöglich, zurücknehmen ausgeschlossen.

Wie viele Koffer haben wir schon gepackt und dann fliegen lassen.
Wenn man sich vorstellt, wie die alle im Weltall um uns kreisen.
Könnte sein, dass uns irgendwann allerhand Vorwürfe aus heiterem Himmel treffen und betroffen machen.
Da liegt im wahrsten Sinne allerhand in der Luft.
Wie gut, dass sich unser Gott schon mal vorsichtshalber vorgenommen hat ein Schutzschild zu bilden und unser persönlicher Abwehrchef zu sein.
So dass ein Psalmbeter schon vor tausenden von Jahren beten konnte:
„Von allen Seiten umgibst Du mich nund hälst deine Hand über mir.“
Gottes entschlossene Aufmerksamkeit im Himmel und auf Erden will dafür Sorge tragen, dass uns nicht der fliegende Koffer trifft.
Und selbst wenn der vom 18. November letzten Jahres längst verglüht ist, kann uns die Sache keineswegs einfach Schnuppe sein.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5199
Aufgepasst!
Heute kommen sie wieder.
Die heiligen drei Könige.
Sie tragen einen Stern mit sich.
Das ist ihr Zeichen.
Deshalb werden sie auch die Sternsinger genannt.
Und es ist wohl die symphathischste Dienstleistung der Kirche, durchgeführt von der katholischen Kirche, aber wahrgenommen über die Konfessionsgrenzen hinweg.
Man muss sich das mal vorstellen:
Da sind heute eine halbe Million Mädchen und Jungen auf den Beinen, gewiss mit kalten Ohren, roten Nasen aber auch mit heißen Herzen.
In allen 27 Bistümern, in fast 12 000 Gemeinden.
In den Gewändern der heiligen drei Könige ziehen sie eindrucksvoll von Tür zu Tür.
Was für eine Bewegung. Was für ein Signal.
Und weil sie daran erinnern, dass die Könige von damals das Kind beschenkt haben, sammeln sie Geschenke für Kinder.
Und weil die Könige von damals sich auch zum Schutz des Kindes in der Krippe eingesetzt und nicht im Traum daran gedacht haben, ihn an den König Herodes zu verraten, ist die Aktion als Schutz und Hilfe für Kinder in Not gedacht.
Das macht Sinn.
In diesem Jahr wird gesammelt für Kinder in Kolumbien, wo es nach 40 Jahren Bürgerkrieg so unendlich viel Not und Elend gibt.
Im letzten Jahr kamen so fast 40 Millionen Euro zusammen.
Das ist wirklich eine königliche und eine heilige Aktion.
Aber es geht um noch mehr.
Kaspar, Melchior und Balthasar kommen auch, um dem Haus und den Menschen, die darin wohnen Segen zuzusprechen.
„Christus segne dieses Haus!“
Mit dem Kreidezeichen an der Tür markieren sie so, wer der Herr im Hause ist für dieses neue Jahr.
Wunderbar!
Gut, dass sie kommen, die Sternsinger 2009.

Wussten Sie übrigens, was das vornehmste Kennzeichen von Sterndeutern ist?
Dass sie den Kopf nicht hängen lassen. Das kann man nämlich nicht machen, wenn man die Sterne sehen will von der Welt unten am Himmelszelt da oben.
Aufsehen erregende Sternstunden erleben nur Leute, die erhobenen Hauptes durch die Welt gehen, und aufmerksam sind für jeden Hoffnungsschimmer, der sich zeigt am Horizont.

Also halten wir Ausschau nach Ihnen, begrüßen und unterstützen wir sie freundlich an diesem besonderen Tag:
Die Heiligen drei Könige und die Kinder in Kolumbien.
Und denken Sie dran:
Kopf hoch!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5198
Eine Begegnung vor Weihnachten.
Sie geht mir noch immer nach. Mehr zufällig war ich über Mittag zuhause.
Es klingelte und da stand er vor der Tür.
Grüne Schürze, dicker Pullover in der linken Hand drei Äpfel in der rechten ein kleines Küchenmesser.
Und im Gesicht ein Strahlen.
Das war vielleicht ein Bild.
Ehe ich was sagen konnte, stellte er sich vor:
„Ich bin der Apfelmann!
Wenn Sie mal probieren wollen…“ und schon schnitt er fein säuberlich eine kleine Scheibe vom ersten Apfel ab und reichte es mir.
„Wunderbar!“ sagte ich und genoss den guten Apfelgeschmack.
„Kein Wunder!“ sagte er.
„Das ist ja auch Natur pur.“
Und schon schnitt er eine zweite Scheibe vom zweiten Apfel ab.
Die war noch besser. Wirklich.
Die Dritte war mir zu süß.
Und meine Frau inzwischen auf der Suche nach mir dazugekommen, probierte auch brav alles durch und bestätigte.
„Der Zweite ist der Beste!“
Der Apfelmann strahlte uns an.
Dann erzählte er von zuhause, der Ernte dieses Jahres, und dem einmalig guten Ertrag.
Selten habe ich einen Menschen so stolz, so selbstbewusst, so überzeugt gesehen.
Da fährt einer stundenlang quer durchs Land, geht von Tür zu Tür und schneidet Apfelscheiben zum Probieren ab.
Ganz schön mutig!
Denn er wird nicht immer Erfolg haben.
Jetzt denk ich jeden Tag an ihn, wenn ich mir in der Garage einen Apfel aus der Kiste hole.
Und irgendwie beneide ich ihn, den Apfelmann, um seinen Produktstolz.
Ich hätte auch gerne mal was in der Hand, was ich so überzeugt, so mutig anbieten und weitergeben könnte.
Damit Andere auf den Geschmack kommen Lust und Appetit kriegen.
Begeisterung ist eine tolle Sache.
Sie macht Leute zu Missionaren.
Unaufdringlich, diskret und doch deutlich und ehrlich.
Sie zeigen Anderen, wovon sie begeistert sind, was sie lieben, wovon sie überzeugt sind.
Ob unser christliche Glaube uns selber so stolz so selbstgewiss machen könnte, dass wir ihn anderen unbedingt gerne anbieten möchten?
Oder ob wir eher den Eindruck vermitteln, als Christ hätte man nur in saure Äpfel zu beißen?
Ich würde gerne etwas ausstrahlen von dem Glück, das ich empfinde darüber, ein Christ zu sein.
Vielleicht treffe ich ja heute jemandem, dem ich ein kleines Stück Glauben zum Probieren anbieten kann.
Und falls Sie ihn treffen grüßen Sie mir den Apfelmann.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5197