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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Hoffentlich haben Sie gestern Abend daran gedacht, Ihre Schuhe vor die Tür zu stellen. Heute ist nämlich Nikolaus-Tag. In vielen Familien gibt es den Brauch, dass alle am Vorabend ihre Schuhe oder Stiefel vor die Tür stellen. Am Morgen findet man sie dann mit Süßigkeiten gefüllt wieder – der heilige Nikolaus war da und hat sie seine Geschenke ausgeteilt. Er ist ein großer Freund der Kinder und ihr Schutzpatron.
Womit nicht gesagt ist, dass alle Kinder ihn nur positiv erleben. Als Kind habe ich ein wenig Angst davor gehabt, wenn am Abend „der Nikolaus kam“. Da stand der heilige Bischof vor mir, mit Stab und Mitra, schlug sein Buch auf – und las mir die Leviten. Die Ehrfurcht einflößende Gestalt sagte mir, was ich im letzten Jahr so alles falsch gemacht habe. Immerhin beschenkte er uns am Ende doch alle, meine Geschwister und mich, unabhängig davon, wie ‚brav’ oder ‚faul’ wir waren. Wenn der Nikolaus seine Worte pädagogisch klüger gewählt hätte, wenn er auch das Gute aufgezählt und verstärkt hätte, dann hätten wir als Kinder die Güte des Heiligen noch besser erfahren.
Ein mittelalterlicher Brauch macht noch deutlicher, worum es am Nikolaustag im Grunde geht: Es geht darum, den Kinder mit Achtung zu begegnen und sie zu fördern. An den Domschulen entwickelte sich das „Kinderbischofspiel“, in den Klosterschulen war es das „Kinderabtspiel“. Am Nikolaustag durften die Schüler aus ihren Reihen einen „Abt“ oder „Bischof“ wählen, und der regierte dann für einen Tag. Das machte Spaß, weil alle anderen ja seinen Anordnungen Folge leisten mussten, auch die Erwachsenen und der richtige Bischof. Und das bot den Kindern zugleich die Chance, ihren Erziehern und Vorgesetzten einmal die Meinung zu sagen – die konnten nichts dagegen tun, an diesem Tag hatten sie ja nichts zu melden. Einmal im Jahr, am Nikolaustag, waren die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Kinder erlebten ihre Welt aus der Perspektive der Großen, der Erwachsenen, der Mächtigen. Und umgekehrt. Ein Perspektivwechsel, der für beide Seiten aufschlussreich ist. Ein Perspektivwechsel, der beiden die Augen öffnen kann – für die Sichtweise des anderen.
Ich finde es schade, dass dieser Nikolausbrauch in unserer Zeit nicht mehr gepflegt wird. Die Kinder würden sich bestimmt freuen, wenn man ihn heutzutage wieder einführen würde. Und den Erwachsenen könnte er auch gut tun.
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500 Ehepaare tanzen gemeinsam auf dem Domplatz einen festlichen Walzer – ein tolles Bild, das ich im Herbst vor dem Speyerer Dom erlebt habe. Der Anlass: Die Diözese Speyer hatte Jubel-Ehepaare zu einem Gottesdienst und zu einem Empfang eingeladen. Über 500 Ehepaare sind gekommen, die dieses Jahr 65, 60, 50, 25 oder 10 Jahre verheiratet sind.
Und sie wollten Gott danken – dafür, dass sie so lange gut in der Ehe zusammenleben. „Natürlich hat es in den vergangenen fünf Jahrzehnten auch Krisen gegeben“, bekannte eine 83jährige. „Doch sie machen stärker.“ Mit ihrem Ehemann ist sie sich einig: Das Geheimnis ihrer Ehe sind Toleranz und die Fähigkeit, verzeihen zu können.
Ein Silberhochzeitspaar erzählte aus seiner Erfahrung: „Wir glauben, dass eine lebendige Liebesbeziehung bis ins Alter möglich ist. Bis jetzt haben wir das erreicht – mit Gottes Hilfe. Er ist das verbindende Element, der ‚Dritte im Bunde’. Natürlich reflektieren wir unsere Beziehung auch. Und wir beten miteinander.“
Ich hab an diesem Tag erlebt, was viele Studien zeigen: Das Gebet und der Glaube fördern das Miteinander. Deshalb ließen sich die einzelnen Ehepaare am Ende des Dankgottesdienstes noch einen besonderen Segen geben. Es hat mich als Priester sehr bewegt, die langjährigen Eheleute, die da strahlend vor mir standen, zu segnen. Ich breitete die Hände über sie aus und sprach ihnen den Segen zu: „Gott hat euch beide in seiner Liebe zusammengeführt. Er lasse euch weiterhin in Liebe miteinander leben. Er halte seine schützende Hand über euch und eure Familien und schenke euch seinen Segen. Er gebe euch treue Freunde und Frieden mit allen Menschen.“
Ein solcher Segen ist keine Garantie dafür, dass weiterhin alles gut geht. Aber er stärkt die Ehepaare. Wer lässt sie spüren, dass Gott ihnen beisteht, dass er in den Höhen und Tiefen ihrer Liebe bei ihnen ist. Kein Wunder, dass viele Ehepaare nach ihrem Segen Tränen der Rührung und der Freude in den Augen hatten.
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Gestern habe ich einen Schutzengel getroffen. Das war so.
„Wo möchten Sie denn hin?“ fragte jemand hinter mir. Gerade war ich in Stuttgart in die Straßenbahn eingestiegen. Ich stand vor dem Streckennetzplan, suchte die Linie 6. Das hatte der Mann auf dem Sitz hinter mir bemerkt: „Wo möchten Sie denn hin?“ „Nach Möhringen. Ich wollte gerade nachschauen, wie weit es ist, wie lange es wohl dauert.“ „Ungefähr zehn Minuten, dann sind Sie dort.“ sagte der Mann mit freundlicher Stimme. „Danke!“ Erleichtert ließ ich mich ein paar Meter weiter auf einen freien Sitz nieder. Über dem Fenster entdeckte ich den Streckenplan der Linie 6. Kleine Lichtpunkten zeigten an, an welcher Haltestelle wir gerade waren. Noch während mein Blick über den Linienverlauf glitt, hörte ich die freundliche Stimme des Mannes von vorhin wieder. „Nur damit Sie nicht falsch aussteigen: In Möhringen gibt es zwei Haltestellen. Wo wollen Sie denn hin?“ „Ich muss in die Linie 3 umsteigen.“ „Dann müssen Sie in Möhringen-Bahnhof aussteigen; sehen Sie, hier!“ Er zeigte es mir auf dem Linienplan – und ging wieder auf seinen Platz zurück. Ich freute mich: So viel Aufmerksamkeit ist ungewöhnlich. Zwei Haltestellen weiter stand der Mann auf und rief mir im Aussteigen noch zu: „Die U 3 fährt in Möhringen alle 10 Minuten ab – Sie müssen nur über die beiden Gleise gehen, dann sind Sie schon auf dem anderen Bahnsteig!“ Ich habe ihm nachgeschaut, so lange er noch zu sehen war – mit einem dankbaren Blick und einem Stoßgebet im Herzen: Gott, erhalte ihm diese Gabe, dass er so achtsam ist für seine Mitmenschen.
Eine Begebenheit mitten im Alltag. Und doch habe ich sie als etwas Besonderes erlebt. An diesen Mann habe ich noch öfter denken müssen. Irgendwie fühlte ich mich ihm innerlich nahe. Er war ja in der Straßenbahn so etwas wie mein Schutzengel: Er hat sich in meine Situation hineinversetzt. Er hat auf mich aufgepasst, dass ich den richtigen Weg wähle und gut an mein Ziel komme; er hat mich mit liebevoller Aufmerksamkeit begleitet. Und all das auf eine freundliche, unaufdringliche Art, als ob es für ihn normal ist. Wirklich wie ein guter Schutzengel.
In Möhringen bin ich dann innerlich beflügelt umgestiegen. Schutzengel, habe ich gedacht, brauchen keine Flügel, aber sie machen welche.
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Hätten Sie gerne „Rettungsgeschwister“? Das sind Kinder, die gezielt „er“zeugt werden, um dank ihres ähnlichen Erbmaterials einem kranken Bruder oder einer kranken Schwester zu hel-fen. Zum Beispiel als Gewebespender. Das britische Parlament hat in diesem Jahr solche Prak-tiken grundsätzlich erlaubt.
Es ist erschütternd, wenn Politiker die Verzweckung von Menschen erlauben und Mediziner Kinder auf die Funktion eines Medikamentes herabwürdigen. Am meisten erschüttert mich aber die Verzweiflung der kranken Menschen oder ihrer Angehörigen, die für sich keinen anderen Ausweg mehr sehen. Wie groß muss die Not sein, wenn der Verbrauch anderen menschlichen Lebens als einzige Hoffnung erscheint?
Auch wer fragwürdige Heilmethoden ablehnt, muss eine Antwort auf diese Not suchen. Viel-leicht hilft sogar der Begriff der „Rettungsgeschwister“ weiter: Anders als unsere Freunde ha-ben wir unsere Geschwister nicht ausgesucht. Wir haben sie einfach. Das mag uns nicht immer passen. Aber Familienbande existieren ohne unsere Zustimmung und verpflichten uns zum Beistand.
Christen nennen sich seit frühester Zeit „Bruder und Schwester“ und nicht „Freund und Freun-din“. Aus gutem Grund. Denn das macht deutlich: Hier geht es nicht um gefühlsmäßige Zunei-gung, sondern ich bin verantwortlich für jeden Menschen, den Gott neben mich gestellt hat. Wenn es hart kommt, kann ich mich – hoffentlich – auf den Bruder und die Schwester verlas-sen. Mein Bruder wird mich nicht hängen lassen – einfach weil er mein Bruder ist.
Doch diese Geschwisterlichkeit lässt sich nicht erzwingen. Sie hängt von der freien Entschei-dung der Schwestern und Brüder ab. Echte Geschwisterlichkeit lässt sich gerade nicht gen-technisch im Reagenzglas erzeugen.
Wie Geschwister sind deshalb Menschen, die in der Not beistehen, die Hand reichen und Halt geben. Freiwillig, zuverlässig und fast selbstverständlich. Ohne Absicht oder Berechnung, eben wie ein Bruder oder eine Schwester.
Damit ist eine schwere oder gar tödliche Krankheit noch nicht besiegt. Aber dass man nicht alleine ist, kann von der Verzweiflung befreien, auch fragwürdige Mittel um jeden Preis aus-probieren zu müssen. Und wenn der Bruder oder die Schwester an der Seite vielleicht sogar die Ahnung vermitteln kann, dass Gott selbst dem Kranken nahe ist und schon dessen Rettung beschlossen hat, dann sind sie wirkliche „Rettungsgeschwister“ geworden.
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Jeden Samstag steht sie am Supermarkt neben dem Stellplatz für die Einkaufswagen. Woh-nungslos und arbeitslos verkauft die verhärmte Frau eine Obdachlosenzeitung. Doch die meis-ten Käufer stecken ihr einfach so etwas zu. Sie sehen in ihr mehr die Hilfsbedürftige als die Zeitungsverkäuferin. Dabei hat sie ihren Standort geschickt gewählt: Wer seinen Einkaufswa-gen leer wieder zum Stellplatz zurückbringt, hat anschließend den Euro vom Wagenpfand in der Hand. Und statt umständlich die Geldbörse hervorzukramen, gibt mancher das Geld lieber der Frau mit der Obdachlosenzeitung.
Früher standen Bedürftige nicht an den Eingängen von Geschäften, sondern an Kirchentüren, insbesondere sonntags vor und nach den Gottesdiensten. Auch dieser Standort war gut ge-wählt. Die Kirchgänger hatten zwar kein Wagenpfand greifbar, aber ihr Herz und ihre Hand waren offener als werktags. Gottesdienst, Mitleid und Freigiebigkeit passten zusammen. Schon im Mittelalter gaben Christen nach dem Gottesdienst Almosen und brachten so zum Ausdruck: Barmherzigkeit gehört zum Christsein dazu.
Inzwischen sind Bettler an Kirchentüren weniger geworden, während die Verkäufer von Ob-dachlosenzeitungen vor Einkaufszentren zunehmen. In großen Städten sind die Discounter beliebte Standorte. Dafür gibt es praktische Gründe: Gottesdienste und Kirchgänger gibt es immer weniger, aber Einkaufen muss jeder. Und die lange Öffnungszeit am Samstag ist auch günstiger als die Gottesdienstzeiten.
Und: Am Einkaufszentrum sind sie nicht einfach Bettler, die um ein Almosen bitten, sondern sie sind Verkäufer. Sie verkaufen eine Zeitung und sind so auf doppelte Weise am richtigen Platz: Sie haben ihren Platz beim Supermarkt, wo auch ansonsten verkauft wird, und sie haben grundsätzlich auch einen Platz in der Gesellschaft. Denn Kaufen und Verkaufen sind anerkann-te gesellschaftliche Funktionen.
Deshalb ist es vielleicht gar nicht so gut, den Verkäufern einfach das Wagenpfand zuzustecken. Wer anderen Geld schenkt, macht sie – wieder - zu Almosenempfängern. Wir können die Zei-tungsverkäufer besser unterstützen in ihrem Wunsch, keine Bettler zu sein und einen Platz in der Gesellschaft zu haben. Indem wir nach dem Preis fragen, ihn bezahlen und die Zeitung mitnehmen. Aus Respekt vor dem Menschen.


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Unterschiedlicher hätten die beiden Männer kaum sein können. Der eine war ein junger Punk. Ohren und Nase gepierct, Haare grün und rot, die Lederjacke mit merkwürdiger Bemalung und die Füße in schweren Stiefeln. Er saß auf der Fußgängerbrücke und bettelte aufdringlich: „Hey, Alta, haste ma en Euro.“
Der andere war offenbar ein Geschäftsmann. Typ junger Manager im klassischen, eleganten Anzug mit glänzenden schwarzen Schuhen. In der Hand hatte er eine kleine Papiertüte, offen-sichtlich mit seinem Mittagessen. Er war in Eile und ging zügig über die Fußgängerbrücke.
Als der Punk ihn sah, rief er wieder „Hey, Alta…“. Doch anstatt wie andere an ihm vorbeizuge-hen, bog der Geschäftsmann zu ihm ab, beugte sich zu ihm, sprach einige Worte, und gab ihm seine Papiertüte. Dann richtete er sich wieder auf und ging mit zügigen Schritten weiter.
Beide Männer hätten gut in die Bibel gepasst. Der Evangelist Lukas hätte den Punk vielleicht als Beispiel genommen für das Wort Jesu: Bittet und es wird euch gegeben, sucht und ihr wer-det finden, klopft an, und es wird euch aufgetan. Jesus ermuntert die Menschen ausdrücklich, Gott aufdringlich um seine Hilfe zu bitten. Er nennt als Beispiel eine hilflose Witwe, die einen Richter nur durch aufdringliches und unaufhörliches Bitten zum Handeln bewegen kann. Oder einen Mann, der seinen Nachbarn mitten in der Nacht aus dem Schlaf aufscheucht, um sich ein Brot für einen überraschenden Gast zu leihen. So müsst ihr zu Gott beten, sagt Jesus, auf-dringlich, unnachgiebig. Fürchtet nicht, ungelegen zu kommen oder unwürdig zu sein. Seid so frei – wie der Punk zu dem Geschäftsmann.
Und der Geschäftsmann? Er wäre eine gute Illustration für ein Wort aus dem Alten Testament: Versage keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun. Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm wieder, morgen will ich dir etwas geben. Jetzt brauchte der Punk etwas zum Essen, jetzt hatte der Geschäftsmann es in der Hand und jetzt gab er es bereitwillig her.
Die Begegnung zwischen dem Punk und dem Geschäftsmann vermittelt eine erstaunliche Er-fahrung: Es gilt noch immer, was vor tausenden von Jahren galt: Wenn du etwas brauchst, bitte darum, mag die Gelegenheit auch schräg oder unpassend sein. Du wirst sehen, du be-kommst, was du brauchst. Und wenn du helfen kannst, hilf mit dem, was dir gerade zur Verfü-gung steht, und vertröste nicht auf morgen.

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Eigentlich ist die Botschaft des Advents ganz einfach: Advent meint die Ankunft des Herrn Jesus Christus. Und dieses Kommen wird mit entscheidenden Veränderungen einhergehen. Wer darauf vertraut, alles bleibe auf Dauer beim Alten, wird sich wundern. Und ebenso wird sich wundern, wer befürchtet, nichts könne sich ändern. „Das könnte den Herren der Welt so passen, wenn die Herrschaft der Herren und die Knechtschaft der Knechte so weiterginge wie immer“, dichtet der Pfarrer Kurt Marti. Aber es geht eben nicht weiter wie immer, sondern es kommt noch was. Gott selbst kommt und mit ihm eine neue Herrschaft, die jeder Knechtschaft ein Ende setzen will.
Soweit ist die Botschaft des Advents verheißungsvoll und spannend. Doch es bleibt die Frage: Wann – wann kommt denn der Herr und wann verändern sich die Verhältnisse zum Besseren? Antwort der Bibel: Er kommt „bald“. Aber was heißt „Bald“ nach einer Wartezeit von immerhin 2000 Jahren? Es ist nicht einfach, sich jedes Jahr für eine „baldige“ Ankunft zu motivieren – und gleichzeitig mit der Einschätzung zu leben, dass es vermutlich auch dieses Jahr nichts wird. Vielleicht ist Advent doch nur Brauchtum, das man gefahrlos jedes Jahr wiederholen kann?
Doch der griechische Urtext der Bibel verschiebt den Akzent. Was die deutsche Bibel mit „bald“ übersetzt, heißt eigentlich „schnell“. Also nicht in wenigen Tagen, Wochen oder Jahren wird der Herr kommen, sondern: Wenn er kommt, dann kommt er schnell. Wie ein Blitz wird seine An-kunft am Himmel aufleuchten, so beschreibt Jesus selbst sein Kommen. Dann wird keine Zeit bleiben, sich noch umständlich einzurichten. Dann muss man schon bereit sein.
Bald oder schnell – keiner weiß, wann Christus kommt. Das führt aber nicht zu teilnahmsloser Warterei, mit den Händen im Schoß und dem Hintern auf der Bank. Sondern weil es im ent-scheidenden Moment schnell gehen wird, ist wache Aufmerksamkeit gefordert. Deshalb ist schon jetzt die Zeit, sich von der Vorstellung zu lösen, alles bliebe ewig beim Alten. Jetzt ist die Zeit, auf Distanz zu gehen zu allem, was der Herrschaft des wiederkommenden Christus im Weg steht. Jetzt ist die Zeit, ungerechten Strukturen, Elend und Not entgegenzutreten, mögen sie auch so unwandelbar erscheinen wie Naturgesetze. Denn nichts bleibt beim Alten, und am Ende wird alles schnell gehen.
Advent ist nicht das gemütliche Warten auf das, was kommen wird. Advent ist die Zeit der Veränderung, damit alles bereit ist, wenn Jesus kommt.

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