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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Ich stehe zu meiner Kirche, in allen Höhen und Tiefen“, das bekam ich als Antwort auf die Frage: „Machen Sie wieder mit?“
„Beraten - Mitbestimmen – Entscheiden“ unter diesem Motto werden in der Pfalz jetzt viele gesucht, die in den Leitungsgremien der protestantischen Kirche Verantwortung übernehmen wollen. Presbyteriumswahlen!

„Zukunft mitgestalten“ steht allerorten auf den Plakaten. Und es ist davon die Rede, dass Christen mutig in der Öffentlichkeit stehen sollen.
„Ich stehe zu meiner Kirche, in allen Höhen und Tiefen“.

Übrigens: unsere muslimischen Schwestern und Brüder haben kein Problem, ihren Glauben öffentlich zu zeigen. Die Frauen und junge Mädchen tragen oft mit viel Charme Kopftuch und lange Gewänder. Die Männer tragen ihr rundes, weißes Käppchen. Der Islam ist eine öffentliche Sache.

Christen betrachten ihren Glauben oft als Herzensache. Glauben ist etwas sehr Persönliches, das lasse ich mir zwar nicht nehmen aber das muss ich nicht unbedingt zeigen.

Doch das Evangelium ist eine öffentliche Sache! Das ist eine gute Nachricht für alle Menschen. Darum brauchen wir Männer und Frauen, die Freude an der Verantwortung für die Kirche haben. Glauben ist ja nicht möglich ohne Gemeinschaft. Und wenn wir eine Gemeinschaft sind, wenn wir Menschen sind, die sich gegenseitig helfen und stützen, um Mensch zu bleiben, dann brauchen wir Räume dafür. Und wir brauchen neben den haupt-und nebenamtlichen auch die ehrenamtliche Kräfte. Dann müssen wir uns organisieren, brauchen Wahlen. Dann müssen wir lernen, Verantwortung auf viele Schultern zu legen. Gemeinschaft gestalten

„Ich stehe zu meiner Kirche“, das ist ein mutiges Wort, finde ich. Denn es sagt: Kirche ist öffentlich, und ich stelle mich dem, was sie sagt und tut. Ich ducke mich nicht weg, wenn es um die Sache des christlichen Glaubens geht. Und ich lasse das auch nicht die anderen machen. Da will ich mich schon selber einmischen und mitmischen. Es ist meine persönliche Sache.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4472
„Blüh im Glanze dieses Glückes“- wie oft haben wir das schon gehört in diesem Jahr? Diesen Vers unserer Nationalhymne. Wie oft haben wir das gerade kürzlich bei der Olympiade besungen, den Blütentraum vom Glück. Ein kleines bisschen Glück, davon träumen viele auch heute früh. Auch wenn man sagt:„Glück und Glas, wie leicht bricht das.“

Ich möchte heute früh das Glück einmal nicht suchen beim Erfolg. Nicht dort, wo die Fußballer und Topmenschen es finden müssen. Auch nicht bei Einigkeit und Recht und Freiheit, wie es in unserer Nationalhymne heißt.

Nein, ich möchte erinnern an das Lied vom Glück in der Bergpredigt. Jesus hat uns das mitgegeben.

Die Bergpredigt ist keine Nationalhymne. Sie ist ein Lied für alle Menschen, für die Erfolgreichen und die Verlierer. Ein Lied für die Rechtlosen, die Fremden und Unfreien. Sie alle werden glücklich gepriesen.
Leider wird es nicht in Fußballstadien und Olympia-Arenen, sondern hauptsächlich in unseren Kirchen gesungen. Aber immerhin: es bewegt die Herzen schon seit fast 2000 Jahren.

Da heißt es in der ersten Strophe:
Glücklich die Armen, denen sogar das Gottvertrauen genommen wurde, denn ihnen gehört Gottes Welt.

Und weiter: Glücklich die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Glücklich die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden satt werden.
Blüh im Glanze dieses Glückes, sagt die Bibel. Und tatsächlich, sie findet das Glück nicht oben, sondern ganz unten.

Das gibt mir Kraft für diesen Tag. Ich muss nicht Spitzenleistungen vollbringen, um ein wenig Glück zu erwischen. Sondern ganz unten, in der Tiefe meines Lebens da ist das Glück zu Hause.

In der Tiefe, ganz unten, wo kein Platz ist für meine Aktivitäten, da blüht das Glück auf. Wenn es mir gelingt, nach vorn zu schauen, zu suchen nach Gottes neuer Welt, in der es Trost gibt und Gerechtigkeit. Das Glück, das ich da unten erleben kann, es liegt vor mir, vor meinen Füßen.
Da will etwas aufblühen auch für diesen Tag.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4471
Ich liebe Wilhelm Busch, den Dichter und Zeichner. Er lebte viele Jahre in einem Pfarrhaus. Mit seinem hintersinnigen Humor war er ein scharfer Beobachter menschlicher Schwächen und hatte einen kritischen Blick für falsche Frömmigkeit. Zwei Sätze von ihm haben mich nachdenklich gemacht. In beiden Sätzen geht es um das Alt werden,

"Alte Bäume behämmert der Specht am meisten."
"So ist nun mal die Zeit allhie, // Erst trägt sie dich, // Dann trägst du sie; // Und wann's vorüber, weißt du nie."

Am meisten hat mir die Sache mit dem Specht gefallen. Und die Frage: warum hämmert er so gern an den alten Bäumen herum? Manchmal fühle ich mich nämlich wie ein alter Baum.

Wenn ich gut drauf bin, fühle ich mich sogar so wie der Baum in der Bibel, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit.

Wenn da der Specht nicht wäre. Dieser hübsche Vogel mit den bunten Farben und dem scharfen Schnabel. Er haut ganz schön zu. Und wenn ich drüber nachdenke: er hat mir in meinem Leben schon so manches Loch in die Rinde gehackt, damals, als ich so krank war. Oder, als ich die Wahl zu einem Superposten verlor. Aber das war gut so. Das hat meine Lebenskraft gestärkt. Ein Mensch ist wie ein Baum.

In der Bibel wird uns das immer wieder gesagt. Männer und Frauen werden verglichen mit dem Olivenbaum und dem Feigenbaum, der aufrecht steht, Frucht bringen und Schatten geben soll.

Es ist interessant zu sehen, wie wenig in der Bibel vom Wald aber oft von einzelnen Bäumen die Rede ist. Jeder Baum steht für sich. Jeder von ihnen ist eine Autorität für sich, wie der Mensch.

Ich bin wie ein alter Baum, den ein Specht behämmert. Und zu dem Menschen kommen und gehen, für manche ein Wegzeichen, für andere ein wenig Geborgenheit. Wie gut.
"So ist nun mal die Zeit allhie, // Erst trägt sie dich, // Dann trägst du sie; // Und wann's vorüber, weißt du nie."
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4470
Heute Abend gibt es einen Lichtergottesdienst. Und zwar im Hildegarten auf der Landesgartenschau in Bingen. Heute ist der Todestag von Hildegard. Die Ordensfrau Hildegard von Bingen starb am 17. September 1179, vor 829 Jahren. Hildegardkochbuch, „Hildegardmedizin“ und Kräuter erinnern an die vielseitige Theologin, Mystikerin und Musikerin.

Sie selber nannte sich „Tischgenossin Gottes“. Als Nonne fühlte sie sich nicht als Dienerin sondern selbstbewusst als Gast bei Gott. Und eins war für sie klar: Gott hat ein Gesicht. Er ist ein DU. Gott ist nicht einfach eine religiöse Struktur, eine Heilkraft oder ein Geheimnis. Als Frau spürte sie: Gott ist ein DU. Und in Jesus kannst du ihn anschauen, ja, lieben. Sie fühlte sich ganz nah bei ihm, als sein Gegenüber bei Tisch.

"Werde was du bist - Mensch, werde Mensch". Denn Gott ist ganz nah. Und Du sitzt an seinem Tisch. so könnte man ihr Denken zusammenfassen.

Doch Hildegard kannte auch die andere Seite:
"Gott kann keiner je begreifen, nicht einmal berühren mit seinem Verstand, so hoch er ihn auch emporrecken mag. Gott ist höher als alles". Das konnte sie auch respektvoll und nachdenklich sagen.

11 Jahre ihres Lebens buchstabierte sie das. Sie schrieb an einem Buch mit dem Titel „Von den Werken Gottes“. Sie beobachtete sorgfältig die Natur um sich herum, entdeckte sie als Kunstwerk. Gottes Urkraft fließt in die Schöpfung und macht sie stark. Sie studierte die Schöpfung und entdeckte die Heilkraft Gottes in den Pflanzen, im Klostergarten genauso wie in den Lichtern am Abendhimmel und in der Morgensonne.

Heute Abend gibt es einen Lichtergottesdienst auf der Landesgartenschau in Bingen. Ich zünde mir jetzt eine Kerze an. So viel Zeit muss sein. Ich denke an eine starke Frau und bin überzeugt: nicht nur sie war Tischgenossin bei Gott.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4469
Kein Blick für andere.
Heute erzähle ich von einem Menschen, der war blind, hatte keinen Blick für andere- wie viele von uns. Sein ganzes Leben war zu. Ja, die Fenster seiner Seele waren einfach vernagelt. Er konnte nur sich selbst fühlen und denken. Kein Durchblick. Keine Orientierung. Er wusste nur eins: so kann es nicht bleiben. Du musst raus aus dem Dunkel.

Die Geschichte von dem blinden Mann steht in der Bibel. Da wird er uns gezeigt als ein Bettler am Wege. Er hat nichts zu bringen. Er hat nur seine Sehnsucht und seine Fragen. Er hat alles verloren, kein Blick für andere. Er weiß nur eins: Raus. Du musst schreien, schreien um Hilfe. Das war seine ganze Hoffnung. Er wollte nicht bleiben im Dunkel. Und jedes Mal, wenn er einen Menschen in seiner Nähe hörte, schrie er um Erbarmen.

Einmal, so wird erzählt, nur einmal kam Jesus in seine Nähe. Und der Blinde schrie mit der ganzen Kraft seines Lebens, das ihm geblieben war: „Erbarme dich meiner“. Der Blinde erwartet nichts mehr von sich, sondern alles vom anderen, von dem einen Menschen, von Jesus. Er wirft seinen Mantel weg und sucht Kontakt mit ihm. Er wagt es sogar, ihm einen Ehrentitel zu geben, einen, den zuvor keiner kannte: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner“.

Und Jesus, er fragt ganz einfach: Was kann ich für dich tun? Er hat ein Auge für all die, die zu sind, vernagelt, die keinen Blick haben für andere. Er baut dem Blinden buchstäblich ein neues Fenster ein für seine Seele. Das bedeutet Licht, raus aus dem Dunkel. Jetzt hat auch der Blinde ein Auge für Menschen. Er kann Menschen als Menschen sehen.

Die Geschichte vom Blinden in der Bibel will unsere Geschichte werden. Sie will wahr werden. Und sie wird wahr, wenn wir den Schrei der Hoffnung nicht überhören, sondern fragen: Was kann ich für dich tun?
Ich wünsche Ihnen guten Durchblick für heute.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4468
Welche Freude. Wieder wird es Tag. Die Sonne geht auf. Sonnenaufgang 6 Uhr und 36 Minuten. Steht heute im Kalender.
Die Bibel macht uns nachdenklich, wenn sie sagt: „Die Sonne geht auf über Böse und Gute“.
Sonne ist nicht nur Energie. Unter der Sonne ist auch Platz, unendlich viel Platz für Gegensätzliches. Schwarz und weiß. Fromm und liberal. Ja, sogar böse und gut.
„Die Sonne geht auf über Böse und Gute“.
Jesus sagt das.
Jesus ist nicht irgendwer. Er ist Mensch, Mensch wie du und ich, Aber Mensch im Gespräch mit Gott, permanent, das ist sein Wesen. Er ist eins mit dem Vater.
Er kann auch die Natur mit den Augen Gottes beobachten. Und findet: „Die Sonne geht auf über Böse und Gute“.

Mit diesem Wort von der Sonne begründet er, das ist überraschend, die Feindesliebe. Warum sollen wir versuchen, unsere Feinde zu lieben? Sie zu akzeptieren und gewinnen suchen?
Weil unter der Sonne viel Platz ist.
Gott bringt zusammen, was wir –krampfhaft oft- auseinander halten.

Wir teilen unsere Welt ein in Leistungsträger und Leistungsschwache. Erfolgreiche und Versager. Gute und Böse. Ja, wir finden es sogar interessant, das zu organisieren, weltweit.

Jesus sagt, schaut hin: Die Sonne geht auf.
Welch ein wunderbares Schauspiel, jetzt im Frühherbst, wenn die Tage kürzer werden. „Und wenn eiserne und stählerne Wolken den Himmel gar bedecken“, die Sonne geht auf.“ Hat Martin Luther mal gesagt.
Das ist Freude für uns alle. Ein Zipfel Leben wird spürbar für alle Menschen. Und es ist kein Unterschied der Person unter der Sonne. Sie schenkt Energie und Wärme für Gute und Böse.

Jesus findet: So ein Naturereignis kann euch provozieren. Schaut euch doch die Welt einmal von der anderen Seite an. Denkt nicht von den Gegensätzen her, sondern macht einen Perspektivwechsel. Betrachtet die Welt von der Sonne her. Dann habt ihr neue Chancen. Ihr habt die eine Welt vor Augen und die Gegensätze werden ganz klein.

Jesus macht daraus ein Programm. Und wir? Können daran mitarbeiten

https://www.kirche-im-swr.de/?m=4467
Unser Glaube.
In der Bibel steht eine einfache Antwort auf die Frage nach dem Glauben. Da ist zu lesen: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“.
Glauben und siegen. Wie soll das zusammen gehen? Die Schmerzen, mit denen ich aufwache heute früh. Wie kann ich sie überwinden? Ich kann sie nicht beherrschen, weder mit meinem Willen, noch mit meinem Medikament.

Doch ich kenne eine Frau, die schafft das. Für sie ist Glauben eine Kraft. Sie ist buchstäblich unterwegs mit einem Kraftpaket. Diese Kraft kommt nicht von innen, sondern von außen. Denn Glauben ist ein Geschenk.

Für diese Frau heißt glauben fragen, Schmerzen hinterfragen. Sie weiß genau: Hinter dem Schmerz muss ja etwas stecken. Sie wacht auf unter dem Schmerz und fragt : was soll das? Wohin führt das? Aber auch: Wo bekomme ich Hilfe? Wo ist ein Mensch, der mich begleitet, mich in den Arm nimmt, mit trägt?
Diese Frau kann buchstäblich, den Schmerz in Frage stellen. Und sie erlebt, wie das Leben tiefer wird, weitergeht,
Der Glaube ist kein Schmerzmittel. Nein. Das wäre zu einfach. Der Glaube nimmt nicht einfach Schmerzen weg. Aber er ist die Kraft zum Fragen, neue Kräfte zu mobilisieren. Den Schmerz hinterfragen, das bedeutet: Er hat nicht das letzte Wort. Es gibt andere Möglichkeiten. Ja, Neues wird sichtbar, Unerwartetes, oft für einen Augenblick nur, wunderbar: ein Blick in das Land der Freiheit, kein Schmerz, keine Tränen, kein Geschrei. Die Bibel erzählt oft davon-

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet.“
Als ich sehr jung war, hat mir mein Pastor dieses Wort mitgegeben, aufgeschrieben auf ein kleines Kärtchen. Da stand mein Name drauf und dieses Wort.
Ich habe mein ganzes Leben gebraucht, das immer wieder zu lernen, oft unter Schmerzen.
Diesen Glauben lasse ich mir nicht nehmen. Weil er trägt
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