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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Kirchengeläut, Autogehupe. Das höre ich fast an jedem Samstag im August – und mehr-mals. Kein Wunder: Heiraten mitten im Sommer hat was. Wenn ich die Glocken und Autos höre, dann denke ich manchmal an die zwei Menschen, die sich gerade das Ja-Wort geben. Feierlich und aufgeregt. In guten und in schlechten Tagen wollen sie einander lieben.
„In schlechten Tagen“. In letzter Zeit muss ich öfter nachdenken über dieses Versprechen. In meinem Freundes- und Familienkreis gibt’s zurzeit einige Ehepaare, die solche schlechten Tage durchmachen. Da ist die Partnerin an Alzheimer erkrankt – und der Mann pflegt seine Frau voller Hingabe. Er hat fast kein Leben mehr außerhalb seiner Wohnung. Und wie schwer ist es für ihn zu spüren: Seine Frau ist eine ganz andere geworden. Bei anderen Bekannten muss der Mann regelmäßig zur Dialyse. Die Therapie raubt ihm viel Lebensenergie – und seiner Frau auch. Und dann ist da der schwere Schlaganfall, kurz vor dem 70. Geburtstag. Wie schrecklich, wenn rechtes Bein und rech-ter Arm gelähmt sind und man nichts mehr alleine hinbekommt. Wie anstrengend – für die Patientin, aber auch für den Ehemann, der für sie da ist.
„In guten und in schlechten Tagen“. So richtig bekommt dieses Versprechen vielleicht erst seine Bedeutung und sein Gewicht, wenn wirklich die schlechten Tage eintreffen. Denn so ganz vorstellen kann man es sich vorher wohl nicht: Wie das ist, wenn einer so krank ist, dass er den anderen wirklich braucht. Wenn nicht nur Körper, sondern auch Seelen sich hundeelend fühlen.
Ich bewundere die Paare in meinem Freundes- und Familienkreis. Dafür, wie sie diese schlechten Tage zusammen hinbekommen. Wie sie es immer wieder schaffen, zärtlich miteinander umzugehen. „Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ (1 Kor 13,7-8) So schreibt es Paulus in der Bibel, oft wird das heute bei Hochzeiten zu hören sein. Was das im Ernstfall bedeuten kann: Dafür sind gerade die Paare, die schlechte Tage durchmachen, für mich ein Zeichen. Ein Liebeszeichen.
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Maria, die höchste Frau der katholischen Kirche. Heute ist ihr höchstes Fest: Mariä Him-melfahrt. An ihm feiert die katholische Kirche ihre Fahrt in höchste Höhen, ihre Aufnahme in den Himmel. Hier auf Erden haben aber manche mit dieser Himmelskönigin Maria auch so ihre Schwierigkeiten. Unter anderem gerade weil diese Frau oft so himmlisch und ab-gehoben wirkt. Maria, die Perfekte, die Jungfrau, diejenige, die Ja und Amen sagt zu dem, was Gott mit ihr vorhat, die mit dem großen blauen Mantel auf den Marienbildchen: Puh, so eine hat scheinbar mit dem Leben ganz normaler Leute, vor allem auch: ganz normaler Frauen wenig zu tun. Oder vielleicht doch?
Sie ist nie nur himmlisch gewesen, diese Maria. Eigentlich hatte sie immer auch viel Irdi-sches an sich: Immerhin hat sie diesen Jesus auf die Welt gebracht. Und die Kirchenge-lehrten früherer Jahrhunderte haben betont: Es ging bei dieser Geburt irdisch zu, mit Schweiß und Tränen und nicht ohne Schmerzen. Sie war keine Frau, die simsalabim ei-nen Gottessohn in der Krippe liegen hatte. Und Maria war auch keine, die immer nur Ja gesagt hat. In dem berühmten Lied, das von ihr in der Bibel überliefert ist, wird das ganz deutlich, im Magnificat. Da hört sich diese himmlische Königin an wie eine irdische Revo-lutionärin. Eine, die weiß, wie sich Armut und Ohnmacht anfühlen. Es heißt da: „Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lk 1,52-53) Das klingt nicht nur nach Ja-Sagerin, sondern auch nach einer großen Nein-Sagerin: Nein, es ist nicht gut, wenn Mächtige es sich gut gehen lassen auf Kosten anderer. Nein, es ist nicht gut, wenn manche ihr Essen verschwenden und andere gar nichts haben. Gott will das nicht. Er will, dass die Menschen sich für Gerechtigkeit einsetzen.
Ich denke mir: Maria ist wohl auch genau deswegen zur großen Himmelskönigin gewor-den: Weil sie verstanden hat: Gott interessiert sich für die Erde, für die Menschen hier unten. Und er will, dass sich auf Erden etwas ändert. Dass der Himmel hier schon an-fängt.
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Mein Gott, sehen die gut aus! Das wird nicht nur mir durch den Kopf gehen, wenn in die-sen Tagen Olympia läuft. Was sehen sie durchtrainiert aus, diese Sportlerinnen und Sportler. Wenn sie elegant ins Schwimmbecken springen, wenn sie die hundert Meter auf der Aschenbahn entlang sprinten oder wenn sie sich beim Turnen für einen Moment auf dem Barren abstützen, bevor sie zum nächsten kräftigen Schwung ausholen. Was für perfekte Körper, mit reichlich Muskeln und praktisch keinem Fett. So mancher wird bei dem Anblick womöglich auch etwas innerlich seufzen und verstohlen an sich selbst her-unterschauen. Nun ja, nicht ganz so perfekt!
Es ist wichtig, dass man sich wohl fühlt in seiner Haut. In seinem Körper. Auch, weil Leib und Seele zusammen gehören – und wenn es einem von beiden schlecht geht, merkt das der ganze Mensch. „Tu deinem Körper Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu woh-nen.“ So hat es einmal die heilige Theresia von Avila gesagt. Und damit dürfte nicht nur gemeint sein: Iss ordentlich, sondern auch: Halt deinen Körper fit, gönne ihm Bewegung. Es muss ja nicht gleich olympische Ausmaße annehmen. Aber ein bisschen Sport, und sei es nur ein langer Spaziergang oder zwei Stockwerke Treppensteigen: Der ist wichtig, damit es Leib und Seele gut geht. Aber natürlich gilt genauso christlich: Der Körper ist nicht alles. Und er muss schon gar nicht perfekt sein. Gott liebt nicht nur den schönen, makellosen Menschen. Er ist auch keiner dieser olympischen Götter, die selbst so wun-derschön sind, dass man sie gleich in Stein hauen und bewundern möchte, wie Zeus oder Aphrodite. Der christliche Gott ist da anders. Er kommt unter die Menschen in einem ganz normalen Körper – in Jesus, von dem nirgends geschrieben steht, dass er umwer-fend aussah. Und dieser Jesus hatte zudem etwas übrig gerade für Kranke, Schwache, Behinderte, für die ohne den perfekten Körper.
„Tu deinem Körper Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Der Spruch der heiligen Theresia bedeutet für mich beides: Ich soll meinen Leib fit halten. Und: Ich soll auch gnädig sein mit ihm und ihn einfach gut finden.


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„Ich glaube an die Wunder der Worte, die in der Welt wirken und die Welten erschaffen. Ich glaube an Dich, Lebensbruder“, so ist es in einem Gedicht von Rose Ausländer zu lesen unter der Überschrift „Glauben“.
Manchmal sind es Worte, die Wunder wirken!
Wir bewundern Menschen mit einem reichen Wortschatz, wir freuen uns an Frauen und Männern, die Worte zu Poesie formen, zu Liedern und Gedichten. Wir können gespannt zuhören, wenn ein Mensch über das redet, was ihn bewegt, über seine Gefühle und Gedanken, über seinen Glauben und seinen Zweifel.
Sprache ist etwas wunderbares und zugleich auch etwas Gefährliches. Mit dem, was ich sage, kann ich aufbauen, ich kann aber auch zerstören. Einerseits können wir mit unseren Worten Wunder wirken, wir können trösten, ermutigen, aufrichten, heilen. Andererseits können wir aber auch verleumden, verletzen und beleidigen. Mit dem, was wir sagen, können wir manipulieren, andere täuschen und belügen, bedrohen und erniedrigen. Jeden Tag aufs Neue bieten sich genügend Gelegenheiten, Worte zu formen aufbauend oder niederreißend.
„Ich glaube an die Wunder der Worte, die in der Welt wirken und die Welten erschaffen. Ich glaube an Dich, Lebensbruder“. Ein Lebensbruder für mein Leben ist Gott selbst. „Sprich nur ein Wort“ so sagt der Hauptmann von Kafarnaum zu Jesus, „dann wird mein Diener gesund“(vgl. Mt 8,8).
Ja, so habe ich es erfahren, seine „Worte“, seine Begleitung, sein „Bruder – Sein“ haben heilende Wirkung, können Wunder wirken.
„Ich glaube an die Wunder der Worte, die in der Welt wirken und die Welten erschaffen…“
Denken wir daran bei allem, was es heute zu sagen gibt, bei all den Worten, die über unsere eigenen Lippen kommen!


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Mag sein, dass Sie dies kennen – Sie stehen vor einer wichtigen Aufgabe, Sie gehen davon aus, dass diese zu lösen sein wird, aber es bleibt die Angst, zu scheitern. „Wer weiß, vielleicht geht’s ja auch schief? “
Keiner scheitert gerne.
Wenn ich mir etwas vornehme, so möchte ich auch, dass dies gelingt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so höre ich andere immer mal wieder sagen. „Wenn Ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann könnt ihr zu diesem Berg sagen: ‚Heb Dich empor, und stürz dich ins Meer!’ und es wird geschehen.“(vgl. Mt. 21,21)
Im übertragenen Sinn kann ich diese Worte aus der Bibel immer mal wieder bestätigen – da ist was dran!
Bei einem schier unlösbaren Problem öffnete sich schon mal doch noch eine Tür und ein nächster Schritt wurde möglich. „Berge“ sind im „Meer“ verschwunden…
Natürlich ist dies nicht immer so zu erfahren. Es gibt auch die Erfahrung des Scheiterns. Es gibt Wege, die nicht mehr zu begehen und Probleme, die nicht einfach zu lösen sind. Wenn etwas zerbrochen ist, wenn Pläne nicht in Erfüllung gegangen sind, so schmerzt dies, so ist dies nicht einfach zu kitten, so tut dies weh – manchmal nicht nur für kurze Zeit. Enttäuschung und Wut können da aufkommen. Die Erfahrung von Bergen, die einfach ins Meer stürzen, ist dann sehr weit entfernt von eigener Wirklichkeit!
Situationen des Scheiterns sind sicherlich nie angenehm, manchmal jedoch vielleicht auch heilsam, hin und wieder kann sich ein Blick auf Neues eröffnen, auf Wichtiges.
Botschaften des Schmerzes und des Scheiterns ernstnehmen kann für mich bedeuten, Wichtiges zu lernen.
Wenn ich nicht immer davon ausgehe, dass alles an Problemen zu lösen ist, wenn ich mich einlasse auf Möglichkeiten des Scheiterns, so werden mich diese Erfahrungen vielleicht nicht verbittern lassen, sondern ich werde milder und verständnisvoller, möglicherweise sogar offener für das Leben als Ganzes.


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Der kleine Bär und der kleine Tiger leben unten am Fluss – dort, wo der Rauch aufsteigt, neben dem großen Baum. Sie haben auch ein Boot – und sie wohnen in einem kleinen, gemütlichen Haus mit Schornstein. „Es geht uns gut“, sagen sie. Manchmal gehen sie am Wasser mit der Angel fischen oder im Wald Pilze finden und dann gibt es ein leckeres Essen. Eines Tages nun finden sie vor ihrem Haus eine Kiste mit der Aufschrift „Panama“. Und nun beginnt das große Träumen! „Wie schön muss es dort sein!“ „Dorthin wollen wir ziehen - nach Panama!“
Panama – das Land ihrer Träume. Die beiden wissen zwar keinen Weg, auch nicht, was sie dort erwarten könnte, aber sie packen ihre Sachen und ziehen los!
Einfach weg – Tapetenwechsel, Neuland!
Einfach weg –vielleicht hatten sie Gelegenheit, in den zurückliegenden Wochen einfach mal weg zu sein im Urlaub: Neuland, Tapetenwechsel; vielleicht liegt diese Zeit für dieses Jahr auch noch vor ihnen.
Einfach mal raus aus dem Alltag – manch einer möchte dies auch unter dem Jahr mal tun. Tapetenwechsel! Es muss ja nicht unbedingt „Panama“ sein wie beim Bär und beim Tiger.
Ach so – wissen Sie eigentlich, wie die Geschichte weitergegangen ist?
Im Laufe der Zeit sind Tiger und Bär unbemerkt im Kreis gegangen.
Klar also, dass sie nach ihrer langen Reise letztendlich wieder zu Hause ankommen! Irgendwo hängt auch das Schild der alten Kiste mit dem Namen Panama. Einerseits finden sie alles bekannt und vertraut, andererseits – nach langer Zeit natürlich – auch wieder eigenartig und fremd. Also sind die beiden der Meinung, jetzt am Ziel ihrer Reise angekommen zu sein.
„Wie gut, dass wir Panama gefunden haben“, sagen sie zueinander. Sie richten ihr altes Haus nach ihrem Geschmack ein und „haben das schönste Haus der Welt gefunden. O wie schön ist Panama!“
Auch für Erwachsene sind in dieser Geschichte des Autors und Grafikers Janosch tiefe Wahrheiten verborgen über das Leben und seine Träume, über Hoffnung und Sehnsucht:
Ich bin sicher: Meine Träume werden nicht nur dort erfüllt, wo alles anders ist, nicht nur beim Tapetenwechsel, sondern auch – vielleicht sogar gerade dort – wo ich zu Hause bin. Das Land meiner Träume kann gerade da sein, wo ich lebe. Ich kann neue Kraft gewinnen aus dem Vertrauen heraus, aus dem Vertrauen auf Gott. Somit keine ewige Suche nach Panama oder was auch immer, sondern: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch!“

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Die olympischen Spiele haben begonnen – in den kommenden Tagen und Wochen geht es um Gold, Silber und Bronze. Siege und Niederlagen sind zu verkraften. Einige werden sehr froh sein, manch andere enttäuscht … - so ist das halt im Leben, auch bei einer Olympiade.
„Werden Sie die olympischen Spiele im Fernsehen verfolgen?“, so wurde ich vor kurzem gefragt – „trotz all den Beschränkungen und Menschenrechtsverletzungen, die der chinesische Staat sicher auch dann in Peking ausübt, wenn die ganze Welt dort hinschaut?“
Meine Antwort ist klar und eindeutig: “Ja!“
Natürlich äußere ich mich gegen Verletzungen der Menschenrechte, wo es nur geht, natürlich denke ich, dass es sinnvoll ist, Manipulationen aufzudecken und darüber aufzuklären.
Mit einem persönlichen Boykott im Kleinen ist jedoch niemandem geholfen, am allerwenigsten denen, um die es auch bei olympischen Spielen zuallererst gehen sollte, den Sportlern selbst. Ich werde mich freuen, wenn unsere Sportlerinnen und Sportler gut abschneiden, ich werde mitfiebern, jubeln und vielleicht auch mal etwas enttäuscht sein.
So ist das halt im Leben!
Ein tiefgründiges Symbol für Leben ist das Feuer. Kraft, Leidenschaft, Vergänglichkeit, Feier und Leben kommen damit zum Ausdruck. In der Antike brannte im Hain von Olympia übrigens ständig ein heiliges Feuer. „Heilig“ deshalb, weil die Spiele zuallererst religiöse Feste waren. Das Entzünden des olympischen Feuers durfte auch bei den Spielen der Neuzeit nicht fehlen; somit brennt es jetzt gerade natürlich in Peking. Diesmal sollte die Fackel sogar auf den höchsten Berg der Welt getragen werden, einem in der dortigen Region als „heilig“ geltenden Berg. Nicht, dass die Spiele somit auf einmal einen „heiligen“ Charakter bekommen könnten – dies läge den Repräsentanten im Land des Veranstalters vermutlich sehr fern. So gab es einige Gegner für diese Tour des Feuers: Die einen sahen hierin „ein unnötiges Spektakel mit zu hohem finanziellen Aufwand“, die anderen „eine Provokation hinsichtlich der Verletzungen von Menschenrechten – nicht nur in Tibet“.
Die olympischen Spiele und das olympische Feuer gehören zusammen.
„Es ist (wirklich) besser, ein Licht zu entzünden als über die Dunkelheit zu klagen“ – dieser Satz des Chinesen Konfuzius vor weit über 2000 Jahren klingt mir immer wieder im Ohr.
Ich hoffe auf Worte und Taten voller Licht, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechten geht - wo auch immer auf dieser Welt- und ich freue mich auf möglichst gute Momente bei diesen olympischen Spielen!

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