Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

In einem Straßencafé habe ich es mir bei einer guten Tasse Kaffee gemütlich gemacht. Mein Blick fällt auf eine Hauswand, auf die etwas aufgesprüht ist: „Lust und Laune statt law and order!“ Also: „Lust und Laune statt Recht und Ordnung!“ Beim Bummel durch die Stadt lese ich den Satz noch öfter, immer mit der gleichen Schablone an die Wände gesprüht: „Lust und Laune statt law and order!“
Da hat sich jemand Luft gemacht. Da protestiert jemand gegen eine Gesellschaft, die ihm ihre Gesetze und Ordnungen aufzwingt, die ihn fremdbestimmt, die ihn einengt. Ich lese das als einen Aufschrei: „Ich will frei sein und selbstbestimmt leben, ich will tun und lassen, was mir gefällt, ich will nach Lust und Laune leben. Ich will ich selbst sein!“
Die Sehnsucht, die sich da Bahn bricht, kann ich nachvollziehen. Nur malt dieser plakative Spruch ganz schwarz-weiß. Leben wir wirklich in einem law-and-order-Staat? Und selbst wenn es so manches in unserer Gesellschaft gibt, was die Menschen unnötig einengt – ist „Lust und Laune“ die richtige Alternative dazu?
Wenn jemand seine Launen auslebt, kann das anderen ganz schön zusetzen. Jemand, der launisch ist, ist im Grunde genommen ziemlich rücksichtslos; er kreist um sich selbst. Und was die „Lust“ angeht: Es gut, wenn ich genießen kann und wenn ich ein Gespür für meine Bedürfnisse habe – aber auch das kann nicht der alleinige Wegweiser für mein Verhalten sein.
Leben nach „Lust und Laune“, das klingt eher nach Sich-abreagieren als nach reifem Verhalten. Mir ist etwas anderes sympathischer: „Leben nach Herzenslust“. Nicht mehr oder weniger verbissen gegen etwas Anderes angehen, sondern mit Lebensfreude meinem Herzen freien Lauf lassen. Aus der eigenen Mitte leben, wo Liebe und Leidenschaft, Gemüt und Mitgefühl zusammen kommen.
In der Bibel bittet König Salomon Gott, dass er ihm „ein hörendes Herz“ schenkt (1 Kön 3,9). Es kommt darauf an, in seinem Herzen gut auf seine eigenen Bedürfnisse und die der anderen zu hören. Wer auf seine innere Stimme und die Stimme Gottes lauscht, der hat beste Chancen, in einem positiven Sinn innengesteuert und selbstbestimmt zu leben. Und wer diese innere Freiheit gewinnt, der kann von daher auch manches Enge in unserer Gesellschaft sprengen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3910
Was würden Sie machen, wenn Sie nur noch ein Jahr zu leben hätten? Keine leichte Frage. Über die Hälfte der Bundesbürger sagt: „Auch wenn ich bald sterben müsste: Meinen Lebensstil würde ich dann nicht ändern.“ Etwa ein Drittel würde „noch mal richtig auf den Putz hauen und sich langgehegte Wünsche erfüllen.“ Fast jeder Dritte würde sich vornehmen, vor seinem Tod noch „alte Rechnungen zu begleichen“.
Sicherlich sind das ehrliche Antworten – aber Antworten von Menschen, die sich vorstellen, „wie es wäre, wenn“. Gedankenspiele also. Wie ist es aber, wenn ich unmittelbar in der Situation drin stecke, wenn ich von einem baldigen Tod bedroht werde?
Mir kommen da die todkranken Menschen vor Augen, die in einem eindrucksvollen Dokumentarfilm begleitet werden. „Leben mit dem Tod“ heißt er. Ein Ehepaar sehe ich noch genau vor mir: Beide um die 40 Jahre alt, der Ehemann abgemagert, vom Krebs gezeichnet. Sie wissen, dass sie einander nur noch kurze Zeit haben werden. Und sie erzählen, dass ihr Leben dadurch viel intensiver geworden ist. Seit sie wissen, dass ihre Lebenszeit so begrenzt ist, leben sie viel bewusster. Vieles, was ihnen früher wichtig war, haben sie als unwichtig erkannt. Dafür sind andere Lebenswerte in den Vordergrund gerückt. Sie gehen viel achtsamer miteinander um. Eine Szene im Film hat mich besonders beeindruckt: Die Ehefrau schaut liebevoll zu ihrem todkranken Mann, nimmt zärtlich seine Hand und sagt: „Wir machen keinen Abend im Bett das Licht aus, bevor nicht alles ausgeräumt ist, was noch zwischen uns steht. Unsere gemeinsame Lebenszeit ist viel zu kostbar, um den Tag im Streit zu beenden oder unversöhnt die Augen zuzumachen.“
Sicherlich gelingt das in der besonderen Situation dieses Ehepaars leichter. Im Angesicht des Todes zeigt sich, worauf es im Leben wirklich ankommt. Doch gilt für jeden Menschen: Die Lebenszeit ist begrenzt. Jeder Augenblick ist einmalig und unwiederholbar. Dadurch wird er auch so kostbar. Es klingt paradox: Je mehr ich mir bewusst bin, dass mein Leben endlich ist, desto intensiver kann ich es leben.


Die Umfrageergebnisse sind einer Meldung der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ vom 14. Februar 2008 entnommen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3909
„Ich tue, was ich mit meinen Kräften bequem leisten kann.“ Dieser Satz steht auf einem Zettel auf meinem Schreibtisch. Und ich brauche ihn. Vor allem dann, wenn die viele Arbeit mich an meine Grenzen bringt, wenn ich am Rennen bin. Auch von anderen höre ich immer wieder: „Ich bin furchtbar im Stress. Die Arbeit wird immer mehr, immer komplizierter. Ich renne nur noch hinterher. Wer weiß, wie lange das noch gut geht.“
„Ich tue, was ich mit meinen Kräften bequem leisten kann.“ Der Satz hilft mir, wenn ich überfordert bin. Er stammt von Franz Gárate. Bruder Franz, Mitglied des Jesuitenordens. Franz lebte von 1857 bis 1929. Nach seinem Ordenseintritt arbeitete er zehn Jahre lang als Krankenpfleger, dann war bis zu seinem Tod 42 Jahre lang Pförtner an der Jesuiten-Universität Bilbao. Ein Leben ganz im Dienst für die Mitmenschen.
An der Pforte der Universität wimmelte es nur so von Menschen, die ein und aus gingen und alles Mögliche von ihm wollten. Die Leute wunderten sich, wie gelassen und geduldig er in diesem Trubel für sie da war. Einmal fragten sie ihn: „Sagen Sie mal, hier geht es drunter und drüber, jeder will was von Ihnen – wieso können Sie da so ruhig und fröhlich bleiben?“ Seine Antwort: „Ich tue, was ich mit meinen Kräften bequem leisten kann; was darüber ist, übergebe ich dem Herrn, der alles vermag: Mit seiner Hilfe wird alles leicht, ja angenehm. Wir dienen ja dem besten aller Herren!“
Das sind keine frommen Sprüche. Bruder Franz lebte diese Grundhaltung über 50 Jahre lang überzeugend vor. Er hat sich in seinem Dienst genau das zugemutet, was ihm gut tat. So kam er nie außer sich. Wie er das machte? In aller Ruhe tat er eines nach dem anderen. Den Weg dazu bahnte ihm sein Glauben: Gott erwartet nur das von mir, was ich „bequem leisten kann“. Und das, was ich nicht schaffe, kann ich loslassen, kann ich in Gottes Hände legen. Gott will ja nicht, dass wir uns kaputt machen. Im Gegenteil: „Mit seiner Hilfe wird alles leicht, ja angenehm.“
Diese Weisheit hilft mir immer wieder. Gerade dann, wenn wieder einmal ein Berg von Arbeit vor mir liegt. Und manchmal erlebe ich dann auch, dass mir alles leichter fällt.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=3908
Da unterhalte ich mich mit jemandem – wir sprechen über dies und das, ich erzähle von einem Ereignis, das mich bewegt hat – und auf einmal kommt in mir das Gefühl hoch – der andere hört mir überhaupt nicht mehr richtig zu. Ich frage kurz nach – und: Volltreffer – er war mit seinen Gedanken bereits ganz woanders – ertappt!
Auch mir selbst ging es schon so – da höre ich, wie etwas gesagt wird und merke nach einiger Zeit, dass ich gar nicht richtig zu-gehört hatte! Gut, wenn ich es selbst spüre, peinlich, wenn mir dies von anderer Seite gesagt werden muss.
Kommunikation nennen wir dies, wenn Menschen miteinander in Kontakt sind. Wenn wir miteinander reden, dann kommunizieren wir – in diesem Sinn.
Die technischen Möglichkeiten, heute miteinander Kommunikation zu betreiben, sind vielfältig wie noch nie – Handy, sms, die elektronische Datenübertragung sind nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben.
Und dennoch beobachte ich immer wieder, dass wir es ständig lernen müssen, wirklich zu kommunizieren, uns mitzuteilen und andere sich mitteilen zu lassen. Ja, das Zuhören sollten wir neu lernen – ein Leben lang!
Bereits Mark Twain, Autor der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, spürte vor über 100 Jahren, dass die Kommunikation der Menschen untereinander nicht mehr richtig funktioniert.
Zum Beweis erzählte er folgende Geschichte: Er war eingeladen zu einem größeren Fest und ganz bewusst sei er dorthin zu spät gekommen. Er kam sogar als Letzter. Er ging zum Gastgeber und bat um Entschuldigung: „Ich konnte nicht früher kommen, ich musste zuerst noch jemanden umbringen, und das hat eine Weile gedauert“. Der Gastgeber klopfte ihm auf die Schulter, lächelte und sagte: „Aber ich bitte Sie, das macht doch nichts. Wir freuen uns, dass Sie trotzdem gekommen sind!“ Akustisch wurden die ungewöhnlichen Worte Mark Twains zwar gehört, aber zugehört wurde ihm nicht.
Sicher ein markantes Beispiel, die weniger markanten und doch genauso treffenden finden wir in unserem Alltag.
Wenn ich wirklich zuhören will, so kann ich dies auch. Ich versuche es täglich neu!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3903
17JUN2008
DruckenAutor*in
Ach ja – gleich vorweg eine kurze Frage: Haben Sie heute schon gebetet? Ja? – Nein?
Nein?! Wie – das ist nichts für Sie? Weil Sie keine Zeit haben? Das ist natürlich ein Argument! Klar doch, früh am Morgen, Sie müssen sich richten, pünktlich aus dem Haus, vielleicht vorher noch für andere sorgen – ja klar, da können Sie gar keine Zeit haben…!
„Beten –…? Das ist doch nichts für mich!“
Manchmal werden Menschen belächelt, die regelmäßig beten: „Die verschließen ihre Augen vor dem wirklichen Leben! – die träumen von einer Welt, die es gar nicht gibt…- Mit der harten Realität des Alltags haben die doch nichts zu tun!“ So mag es sich dann anhören, wenn jemand mit Beten „nichts am Hut“ hat.
Wenn ich bete, dann tue ich dies nicht, um bedrängenden Erfahrungen des Lebens zu entfliehen und mir etwas einzubilden oder gar zu träumen – oh nein, ganz und gar nicht!
Für mich ist Beten etwas anderes! Ich versuche, meinen Blick zu schärfen, wach zu werden. Den Augen-Blick möchte ich wahrnehmen. Das, was vor mir liegt, möchte ich er-warten! Ich möchte wach werden für das Leben, so wie es ist und wach werden möchte ich für Gott und sein Dasein mitten im Leben!
Übrigens: Beten heißt für mich nicht, viele Worte zu machen – manchmal sind es nur ganz wenige Worte, in Gedanken, im Herzen oder auch gesprochen. Ein andermal geht beten ganz ohne Worte, im Schweigen, im Fühlen. Wiederum anders ist es, wenn ich ein Gebet zur Hand nehme, das aus anderer Feder stammt, aus der Tradition , aus dem bereits gelebten und erfahrenen Leben. Auch das kann gut tun – ich kann mich einfach hineingeben, mich fallen lassen.
Wenn ich bete, werde ich wach für das, was hinter dem Leben steht. Ich schaue dahinter. Wenn Sie möchten, so beten Sie doch einfach! Vielleicht gelingt es Ihnen, heute einen Moment innezuhalten, um wacher und aufmerksamer zu leben!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3902
Herrje – schon wieder Montag, das Wochenende war viel zu schnell vorbei – eine ganze Woche voller Arbeit liegt jetzt vor uns! Der Montag steht ein wenig unter Verruf – sei es der„blaue Montag“, sei es ein „Montagsauto“ – dem Tag haftet etwas an, das in der Beliebtheitsskala ganz weit unten rangiert. Der Montag und sein Image…!
Sein Name bringt es gleich ans Licht, der Montag ist der Mond-Tag, der Tag des Mondes. Ebbe und Flut, die Gezeiten, aber auch der Bio-Rhythmus sind mit dem Mond eng verbunden. Das wussten bereits die Bauern vor vielen Jahrhunderten, das verstehen auch heute wieder viele Menschen. Ab und zu ein Blick in den Mond-Kalender, manches lässt sich ablesen, planen und es gelingt dann besser.
Gut ist es, wenn ich mich nicht total abhängig mache, weder von den Ratschlägen eines Mond-Kalenders noch vom Image eines Montags, der seit über 30 Jahren international nach einem Beschluss der UNO als der erste Tag der Woche gilt. Schade eigentlich, diese offizielle Regelung, die sich wohl allein am Geschäftsleben orientiert.
In jüdisch-christlicher Sicht verhält es sich anders: Da gilt Montag als der zweite Tag der Woche - Wochenanfang ist bereits am Sonntag.
Auf der einen Seite also Beginn mit Arbeit und Geschäft, auf der anderen Start in die Woche mit schöpferischer Kreativität, Ruhe und Feier des Lebens.
Sicher: Für die meisten Menschen gilt ein Wochenrhythmus, bei dem der Montag gleichzeitig Beginn einer neuen Arbeitswoche ist. Und doch muss nicht alles „grau in grau“ sein, unangenehm, mit schlechtem Image behaftet!
Jeder Augenblick dieses Tages hat etwas Besonderes. Jede Minute – und es gibt wie jeden Tag 1440 davon! – jeder Augenblick also hat seine Chance, genutzt zu werden, auch am Montagmorgen. Leben Sie heute – Jetzt!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3901