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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Guten Morgen!
Für das Ende der Woche habe ich mir eine ganz besondere Verabredung aufgehoben.
Nicht erschrecken, aber heute bin ich mit dem lieben Gott verabredet.
Auf die Gefahr hin, dass Sie mich jetzt für verrückt halten,
sage ich es trotzdem noch mal:
Ich treff mich heute mit Gott.

Ich weiß schon,
dass es öfter schief gegangen ist.
Mit Adam und Eva z.B. hatte Gott fortlaufenden Erfolg,
Moses hat es regelrecht die Schuhe ausgezogen,
andere haben sich die Zunge verbrannt,
manche hat der Schlag getroffen,
oder ein verschwebendes Schweigen in Ohnmacht fallen lassen.
Gott treffen kann lebensgefährlich sein.
Meistens tun es die Leute mit Furcht und Zittern,
weil es eben Gott ist.
Wie sollte das auch einfach sein, ihn zu treffen.

Allerdings ist es inzwischen doch etwas humaner geworden.
Gott selbst hat diese vertrauensbildende Maßnahme ergriffen
und einen leibhaftigen Menschen als Verbindungsmann geschickt.
Jesus ist sozusagen das einzige Bild, das wir von Gott haben.
Ihn zu sehen ist so gut wie Gott selber schauen.
Nun ist es aber auch damit wieder ein Problem.
Denn Jesus ist seit gut 2000 Jahren auch wiederum himmelweit weg, so scheint es uns jedenfalls oft, obgleich er versprochen hat, da zu sein und zu bleiben.
Um ihn zu treffen hat er jede Menge Möglichkeiten geschaffen.
Beten z. B. ist eine solche.
Da kann man eine Konferenzschaltung mit ihm machen
und ist dann sozusagen bei ihm.
Gottesdienst feiern wäre eine Option –
morgen zum Beispiel am Sonntag
in der Kirche ihres Vertrauens.
Aber für den Samstag, da ist eine wirklich werktagsmögliche Möglichkeit
von Jesus selbst installiert worden.
Er sagt nämlich:
Was ihr einem meiner geringsten Schwestern und Brüder getan
oder nicht getan habt, das ist grad so gut, als ob ihr mirs persönlich getan hättet.
So ungeheuerlich es klingt,
aber es bedeutet im Lichte des Samstagmorgens betrachtet:
Dass ich heut Gott treffe
in den Menschen, die mir über den Weg laufen.
Und was ich mit denen mache Oder auch nicht, was ich denen tue oder antue,
das ist so wichtig und so wertvoll,
als ob ich damit Gott selbst gegenüber getreten wäre.
Das macht aus jeder scheinbar belanglosen Begegnung heute
Ein Treffen auf höchster Ebene.
Da kann man gar nicht gottesfürchtig genug sein.
Gott mit menschlichem Gesicht
Kommt uns entgegen

Wenn das mal keine Verabredung ist…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2269
Guten Morgen.
Heute habe ich eine Verabredung der besonderen Art. Ich will mich mit mir treffen. Ich habe fest vor, mir heute im Laufe des Tages höchstpersönlich zu begegnen. Sie werden womöglich entsetzt sein wegen dieser Absicht und mich warnen wollen, weil das gefährlich ist.
Gut, dann gebe ich Ihnen recht und sage: Die Gefahr scheue ich nicht, die nehm ich in Kauf, das ist es mir wert, dass ich mich mal wieder sehe und bei mir erkundigen kann nach dem werten Befinden. Man kommt ja sonst zu nichts. Schon gar nicht zu sich selbst. Immerzu und immerfort ist man mit anderen beschäftigt, die so unheimlich anders sind.
Und selbst ist man kaum noch bei sich. aber heute komm ich heute mal zu mir. Werde mich zu mir nachhause einladen und hoffen, dass ich da bin. Ich bin so frei am Freitag. Und mach ein bisschen früher Schluss.
Das sage ich aber niemandem. Und dann komme ich mit mir überein, dass wir uns einmal schön zurück ziehen ins stille Kämmerlein, meine Sehnsucht und ich, meine Hoffnung und ich, mein Zweifelglaube und ich.

Ich habe deswegen auch kein schlechtes Gewissen. Früher hätt ich das gehabt.
Zumal ich immer dachte, Christen müssen möglichst so wie Christus sein, und der war immer da, hat unentwegt geholfen und geheilt und gepredigt und sich verschleudert und verschenkt. Denkste!
Erst eine gute Freundin musste mich darauf aufmerksam machen, dass Jesus mit Vorliebe nicht nur andere, sondern auch sich selbst getroffen hat. Vor schweren Entscheidungen, wenn er sich gestritten hatte oder einfach, wenn es ihm genug war und die Leute ihn einfach zu sehr bedrängt haben.
Dann hat er sie einfach weggeschickt und sich zurück gezogen, auf den Berg, in die Wüste, an einen geheimen Ort, jedenfalls in sich und hat die Verabredungen mit sich selbst regelmäßig und selbstbewusst eingehalten um in der Nähe seines himmlischen Vaters aufzuatmen.
Und dann war er wieder fit für die Außenschauplätze. Innerlich aufgeräumt und gesammelt, wieder kraftvoll und ehrlich zugeneigt. Darum hat er wohl auch die Parole „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ ausgegeben. Die sagt nämlich, dass nur wer sich selbst regelmäßig trifft, betroffen sein kann in der Nähe der Anderen.
Ohne Verabredung mit mir treffe ich auch sonst keinen Menschen. Die Innenkonferenz macht mich stark, dann bin ich wieder mit mir einig und komme aus mir heraus.
Aber nicht gleich heute. Eine Verabredung am Tage reicht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2268
Guten Morgen! Ich bin wieder verabredet heute. Mit meiner Tochter. Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Und gesprochen auch nicht. Aber heute soll es endlich mal wieder soweit sein. Allerdings nicht so, wie man sich das vielleicht gemeinhin vorstellt. Also wir treffen uns nicht wirklich, wir treffen uns virtuell, im Netz im world wide web wir schreiben uns, wir mailen. Weil Sie in Thailand ist können wir uns nur so treffen.
Sie findet das ganz o.k. Ich übe noch. Für jemanden, der wie ich noch auf der Schiefertafel schreiben gelernt hat, ist dass eine ziemliche Herausforderung.
Internett ist ja ganz nett, aber irgendwie doch gewöhnungsbedürftig. Aber was solls, meine Tochter schreibt herrliche mails und ich antworte ihr heute. Ich werde ihr alles schreiben,
was so passiert ist in letzter Zeit. Natürlich werde ich mir nicht anmerken lassen, dass ich ziemlich in Sorge bin, und kaum noch erwarten kann, dass sie endlich wieder heimkommt.
Wunderbar ist es zu spüren, wie geographische Entfernungen nur bedingt trennen können.

Trotzdem fällt es mir schwer mit dieser gefühlten Ferne umzugehen die mir doch so nahe geht.
Dabei hilft mir der Gedanke, dass wir Christen ja schon immer im chatroom unterwegs sind. Wir nennen das dann BETEN! Das Gebet hat schon lange vor der modernen Kommunikation Sprachräume und Begegnungen im Geheimnis des Unsichtbaren genutzt.
Und wenn ich für einen Menschen bete, dann trete ich ja auch himmelweite Wege an und bin trotzdem erdennah zuhaus. Also nichts Neues unter der Sonne.
Beten war und ist die älteste Form des weltweiten chats, der drahtlosen und virtuell geschaffenen Verbindung. Und wenn ich für meine Tochter bete, dann ist das auch eine Verabredung unterm Himmelszelt, die mich mit ganz viel Nähe und Liebe berührt.
Also mach ich heute Beides: Ich maile meilenweit und bete himmelhoch.
Mehr viel sagende Verabredung geht gar nicht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2267
Guten Morgen!
Heute habe ich mich wieder verabredet. Schließlich haben wir einen freien Tag. Einen Feiertag. Da bin ich doch so frei und feiere mit meiner Frau. Zumindest treff ich mich mit ihr. hoffentlich. Endlich- Sie und ich!
Das ist meine Verabredung am Tag der Einheit. Was nützt mir der Tag der Deutschen Einheit, wenn ich zuhause ein geteiltes Land habe. Ich will den freien Tag nutzen, damit wieder zusammenwächst, was zusammen gehört. Es gehört sich einfach nicht, so wenig Zeit füreinander zu haben. Angeblich reden Paare im Durchschnitt satte 4 Minuten am Tag miteinander. Habe ich mir sagen lassen. Bei der Investition von Aufmerksamkeit. Kann man sich nur wundern, wie lange es dann doch scheinbar gut geht.
Alle Leute kriegen irgendwie einen Termin.
Nur die, die uns am nächsten stehn, tragen wir kaum in den Kalender ein. Darum endlich dieser freie Feiertag, Es heißt zwar immer, dass auch Reibung stets Wärme erzeugt,
aber auch um sich aneinander zu reiben, muss man in der Nähe sein. Fernwärme – Beziehung,
zieht bald nicht mehr, beziehungsweise, die kühlt ab und dann steht man da mit kalten Füßen.
Und daran kann eines allein nicht viel ändern.
Dazu gehören immer zwei. Zweierlei sein ist nicht einerlei. Die Bibel weiß auch dazu etwas Kluges zu sagen. Im Buch der Prediger heißt es nämlich:

„So ist es ja besser zu zweien als allein, denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Partner auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt. Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Und wenn zwei beieinander liegen, so wärmen sie sich. Wie kann ein einzelner warm werden?“ Darum will ich heute die „Nimm Zwei Version“ leben
und nebenbei damit auch meinem einig Vaterland eine innere Stütze geben.
Denn unsere Gesellschaft ist nur insofern gesellschaftsfähig wie sie bindungs - und beziehungsfähig ist. Das muss ab und zu geübt werden. Das kommt viel zu kurz, zwischen den Feiertagen. Und mit wem sind Sie heute verabredet?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2266
Heute habe ich mich wieder verabredet mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wir machen eine Dienstbesprechung. Weil Dienstag ist. Dienstags ist Dienstbesprechung. Das passt doch. Wir treffen uns und tauschen aus, was so läuft. Da hat ja jeder und jede was zu berichten. Gutes und Schlechtes. Und das voneinander zu wissen ist wichtig. Gerade diejenigen, mit denen man Tag für Tag zusammen arbeitet, gerade von denen weiß man oft am Wenigsten. Alles muss funktionieren, jeder und jede tun ihre Pflicht, und solange alles läuft wie geschmiert sieht niemand einen Grund, den andern zu fragen wies geht und steht.
Zeit ist sowieso keine da. Alle sind unter Druck. Da bleibt kein Spielraum. Und doch ist es wichtig. Gerade die Leute, die ständig an einem Strang ziehen sollen, gerade die müssen ab und zu miteinander reden. Sonst kann es passieren wie bei den engsten Mitarbeitern Jesu.
Die hatten wohl zu lange keine Dienstbesprechung mehr gemacht, waren irgendwie im Stress zu nichts mehr gekommen, und als Jesus ihnen endlich mal eine Pause gönnt weil er sich auch einmal zur Beratung mit seinem Chef zurückziehen muss, da wäre das beinahe bös ausgegangen.
Kaum waren sie nämlich ohne Dienstanweisung unterwegs, da rappelts in der Kiste, in der Beziehungskiste.

Und sie rangeln sich um die Rangordnung, wollen wissen, wer von ihnen
wohl der Größte und Beste und Erfolgreichste ist. Die Besprechung endet grausam. Es gibt nämlich keine Einigung, weil niemand gerne klein sein möchte, nur damit ein anderer gerne groß sein kann.
Und als Jesus sie danach wieder trifft, sind sie ziemlich betroffen und erschöpft. Zum Glück machen Sie kein Geheimnis aus dem Dilemma und geben dem Chef knappen und klaren Bericht, worüber sie sich so heftig gestritten haben. Da nutzt er die Gelegenheit und gibt eine neue Dienstanweisung heraus.
Und die heißt: Wer der Größte sein will, der soll es zeigen, indem er dient. „Wer unter Euch der Größte sein will, der sei euer Diener!“ sagt er (Mk.10)
Diener sein für andere, mehr dienlich als dienstlich, das ist nicht nur am Dienstag dran, wenn Dienstbesprechung ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2265
Guten Morgen!
Heute habe ich mich verabredet. Ich treffe einen Freund. Einen alten. Davon hat man nicht so viele. Im Laufe der Jahre hat man sich leicht aus den Augen verloren.
Du musst nur 2/3 mal umziehen und schon bist Du die meisten los. Was Dir mit der Verwandtschaft nicht so leicht gelingt, das passiert mit Freunden ganz schnell. Die sind schon mal weg. Und dann auf einmal so unterwegs stellt man fest, dass Freunde nicht nur wert und teuer sind, sondern vor allem rar. Und dass man was tun muss dafür, sonst verliert man doch den Faden. Ich nehm ihn heute wieder einmal auf. Gleich nach der Arbeit. Wir werden zusammen spazieren gehen. Das finde ich erstmal das Beste. Laufend kann man sich ganz gut treffen. So nebenbei und nebeneinander her. Wir werden viel zu reden haben. Menschenskind, was da alles passiert ist, seitdem wir zuletzt gesprochen haben. Also der Redebedarf wird groß sein. Aber wenn ich ehrlich bin, mir wäre es fast lieber, wir würden erstmal nicht so furchtbar viel Anstrengendes machen. Ich wünschte, wir könnten einfach mal gar nichts sagen. Erstmal nur so zusammen gehen. Und dann schauen, was passiert. Einfach so nebeneinander her gehen. Und fühlen, wie das ist. Das ist schwierig, ich weiß. Bestimmt schwieriger als Reden Schweigen wird ja oft verwechselt mit Nichtstun oder gar unfreundlichem Totschweigen.

Aber seit ich in der Bibel die Geschichte von Hiob und seinen 3 Freunden gelesen habe, seitdem weiß ich, dass es jede Beziehung adelt, wenn man zusammen schweigen kann. Bei Hiob ist nämlich allerhand Unglück geschehen. Und er ist am Boden, hat einen steilen Abstieg erlebt, alles verloren, sogar seine Frau kann ihn nicht mehr riechen und wendet sich von ihm ab.
Da kommen seine 3 Freunde, von weit her, haben sich verabredet und gehen zu ihrem alten Freund. Und als sie da sind, da setzen sie sich zu ihm und schweigen. Erstmal sagen sie nichts, schon gar nichts Kluges.
Zum Beispiel: warum so was von so was kommt oder so. Sie sind einfach da und bleiben und halten es beieinander aus. Erst viele Tage, genauer gesagt 7 Tage später fangen sie mit dem Reden an. Naja, solange werden wir das heute wohl kaum ausdehnen. Aber so ein bisschen warten mit dem Vielen Worten und Erklärungen und erstmal viel sagend nur schweigsam sein, das wäre ein guter Start heute Abend. Ich bin gespannt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2264
Guten Morgen! Gott sei Dank-Es ist Sonntag!
So heißt die große Kampagne. Der Evangelischen Kirche, die gerade begonnen hat.
Eine Werbepause für die Seele, eine heilsame Unterbrechung des allttäglichen non Stopp Betriebes, anstatt im Hamsterrad der Pflichten immer nur zu funktionieren,
soll es einen Tag geben, der anders ist.
Gott sei Dank!
Heute ist Sonntag.
Es ist der erste Tag der neuen Woche. Das heißt: Wenn wir anfangen heute, dann hören wir erst einmal auf mit gestern. Die Woche beginnt mit dem Sonntag, dem Schontag, Neben dieser Einladung zur Pause ist da noch eine Botschaft drin versteckt, die mir gut gefällt.
Denn nach der biblischen Überlieferung ist der Mensch ja so ziemlich das Letzte, was von Gott erschaffen wird.
Die Evolution kommt ziemlich lange ohne uns aus. Es scheint, als habe Gott ganz gerne die meisten Dinge erstmal ganz alleine gemacht. Wir hätten ihm auch womöglich sonst noch früher ins Handwerk gepfuscht. Aber in seinem schöpferischen Drang, Wunderbares zur Welt zu bringen, fasst er dann doch den folgenschweren Entschluss, neben allen anderen waghalsigen Experimenten, auch noch den Menschen zu erfinden. Ganz zum Schluss. Und als er das gemacht hat, und wir sozusagen gemachte Leute sind, da macht er erstmal nichts mehr. Er ruht. Er macht Pause. Nimmt eine Auszeit. Zieht Bilanz.
Er freut sich an dem sehr guten Ergebnis und sonst gar nichts.
Das heißt: Das erste, was der erschöpfte Schöpfer tatsächlich seinen menschlichen Geschöpfen antut, ist: er freut sich an dem, was ist, nimmt sich eine Auszeit und lädt uns ein, dasselbe zu tun. Nämlich nichts! Für uns beginnt die ganze Sache mit einer göttlichen Pause.
Ob Sabbath oder Sonntag letzter oder erster Tag, die Lektion heißt in jedem Fall: „ Hände weg! Möglichst wenig anrichten heute!“ Morgen ist auch noch ein Tag. Montag. Dann ist Werktag. Heute aber. Erst einmal Sonntag! Denkpause, Unterbrechung, Parkplatz. Besinnung, damit wir bis Morgen wieder alle Sinne wieder beisammen haben und in diesem Sinne erinnern, woher wir kommen, wer wir sind und was wir wollen. Darum ist Gott sei Dank. Heute Sonntag! Gönn deiner Seele eine Seelenruhe Denk mal wieder an einen, den du beinahe vergessen hast womöglich an Dich selbst. Ruhe vor dem Sturm. Der Sonntag soll uns heilig sein.
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