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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Drei Geburtstage fallen in unserer Familie auf die Weihnachtstage: Heute, am 23. Dezember, hat mein jüngster Bruder Geburtstag, morgen seine Älteste – und übermorgen bin ich dran. Am Ersten Weihnachtsfeiertag.
Wenn ich das erwähne, dann bedauern die Leute uns meistens: „So ein Pech. Man bekommt bestimmt weniger Geschenke, wenn man an Weihnachten Geburtstag hat. Und außerdem kann man den Geburtstag dann gar nicht so richtig feiern.“
Da ist was Wahres dran. Und doch freue ich mich, dass mein Geburtstag auf dieses Fest fällt. Es hat auch etwas für sich, am Tag der Geburt Jesu geboren zu sein. Man ist da in guter Gesellschaft. Und von daher fällt ein besonderes Licht auf meinen Geburtstag.
An Weihnachten feiern wir den Geburtstag Jesu. Wir staunen darüber, dass Gottes Sohn Mensch geworden ist, ein kleines Kind. Wir sind Gott so wichtig, dass er selbst bei uns sein will. Gott ist nicht weit weg, über den Wolken, sondern will uns menschlich nahe sein. Durch Jesus ist er „einer von uns“, er teilt unser Leben. Gott ist Mensch geworden, um uns Halt zu geben und um uns den Weg zu einem erfüllten Leben zu zeigen, zu einer neuen Lebensqualität. Wie sehr müssen wir diesem Gott am Herzen liegen!
Dass Gott Mensch wird bedeutet also, dass er „Ja!“ sagt, zu uns, zu allen Menschen, zu seiner Welt. Gott ist uns nahe und hält jeden Einzelnen in seiner Liebe geborgen, weil er zu jeder und jedem ein bedingungsloses „Ja!“ sagt. An Weihnachten feiern wir nichts weniger als diese große „Ja!“ Gottes.
Und an meinem Geburtstag, da feiere ich auch das „Ja!“, das unsere Eltern zu mir und meinen Geschwistern gesagt haben. Weil mein Wiegenfest auf Weihnachten fällt, wird besonders deutlich: Hinter dem „Ja!“ unserer Eltern zu uns leuchtet das „Ja!“ Gottes zu mir, zu allen Menschen auf.
„Gott sagt ‚Ja!’ zu mir.“ – diese Gewissheit ist eine große Verheißung und Ermutigung. Sie geht mit mir – wie ein Stern, der über meinem Leben strahlt. Er leuchtet auch über Ihnen.

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Heute Abend höre ich mir im Speyerer Dom das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach an. Und morgen singe ich bei einer anderen Aufführung der Teile IV bis VI selbst mit. In diesen Wochen gibt es so manches Konzert, mit dem man sich auf Weihnachten einstimmen kann.
Was wären der Advent und die Weihnachtszeit ohne die Advents- und Weihnachtslieder? Was wäre die Christmette ohne stimmungsvolle Gesänge? Was wäre das Weihnachtsfest ohne eine feierliche Messe mit mehrstimmigem Chorgesang?
„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede den Menschen seiner Gnade.“ Das haben die Engel damals in Bethlehem über der Krippe gesungen. Und so erklingt es wieder in vielen Weihnachtsgottesdiensten. Aber diese Gesänge „fallen“ heutzutage „nicht vom Himmel“.
Schon seit Wochen üben die Sängerinnen und Sänger der Kirchenchöre, damit sie an Weihnachten den Menschen und Gott eine Freude bereiten können. Woche für Woche kommen sie zur Chorprobe, manchmal sogar an zwei Abenden. Ohne eine solche Verbindlichkeit und Treue kann es kein Chor zu etwas bringen.
Aber natürlich engagieren sich die Sängerinnen und Sänger gern. Das Singen macht ihnen Freude, und auch die Gemeinschaft im Chor ist etwas Wohltuendes; Chorgesang schweißt zusammen. Und sie freuen sich, wenn ein Auftritt im Gottesdienst oder ein Konzert gut geklappt hat – und wenn dann noch ein entsprechendes Echo von den Zuhörern zurückkommt. Schließlich wollen die Chöre ja mit ihrem Gesang den Menschen etwas Gutes tun und ihr Herz anrühren.
Und sie wollen Gott die Ehre geben, wenn sie jetzt in ihren Gesängen die Weihnachtsbotschaft verkünden – oft in einer Weise, die wirklich unter die Haut geht. Das liegt nicht nur an den Liedern. Das kommt auch daher, dass die Sängerinnen und Sänger bestens auf das Fest eingestimmt sind: Durch das wochenlange Üben haben sie längst verinnerlicht, was sie dann darbieten. Wenn sie sich die Botschaft der Engel und das Geheimnis von Weihnachten immer wieder singend zu eigen machen, dann geht das tiefer, dann prägt sie das. Dann sind die Chorsänger schon längst weihnachtliche Menschen, wenn sie in diesen Tagen ihren Gesang zum Besten geben. Kein Wunder, dass sie mit ihrem Singen wirklich unsere Herzen anrühren und dass wir darin eine frohmachende Botschaft spüren.
Ich freue mich über alle, die auf diese Weise heutzutage den Engeln ihre Stimme leihen – und so ein wenig vom Himmel auf die Erde bringen.

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Eine Szene am Speyerer Weihnachtsmarkt: Besucher warten auf den Stadtbus. Er kommt, die Türen gehen auf – und von innen schallt ihnen ein fröhliches „Nur hereinspaziert!“ entgegen. Manche wundern sich, andere freuen sich, weil sie diese freundliche Begrüßung schon kennen. Denn der Busfahrer, Abdulhafid Chigannou, sagt auch sonst oft ein paar einladende Worte, wenn er an der Haltestelle die Türen aufmacht.
Ich freue mich immer, wenn ich mit Abdulhafid fahre. Er lenkt öfter das Shuttle, das zwischen dem Bahnhof und dem Rhein hin- und herfährt, durch die ganze Hauptstraße und am Dom vorbei.
Abdulhafid hat seine ganz eigene Art. Natürlich fährt er sicher und verkauft schnell die richtige Fahrkarte. Doch bekommen die Fahrgäste noch mehr von ihm.
Er hat immer einen Scherz auf den Lippen. Und mit Engelsgeduld erteilt er Auskünfte, wenn Fahrgäste etwas langsamer im Verstehen sind – und oft ruft er den Leuten dann noch etwas Liebes nach, wenn sie zu ihrem Platz gehen. Mit einem „Achtung, wir starten!“ weist er dezent darauf hin, dass man sich beim Anfahren am besten ein wenig festhält. Und wenn er sieht, dass in der Fußgängerzone Frauen zum Einkaufen aussteigen, dann verabschiedet er sie entsprechend: „So, meine Damen, jetzt können Sie aussteigen. Und viel Spaß beim Geldausgeben!“
Mit solchen Bemerkungen und mit der Haltung, die dahintersteckt, verbreitet Abdulhafid eine ganz eigene, gelöste Stimmung im Bus. Manchmal lachen die Leute oder lächeln einander zu. Seine Art tut ihnen gut. Man spürt, dass Abdulhafid von ganzem Herzen Busfahrer ist – und: dass er die Menschen mag. Das strahlt er aus, schon vor jedem Späßchen, mit dem er die Fahrgäste aufmuntert. Er hat ein einladendes Wesen, ein Gespür für die Beziehung zu Menschen und einen Sinn für Gemeinschaft.
Ich habe ihn mal gefragt, woher er stamme. Aus Marokko, hat er mir mit strahlenden Augen gesagt. Von meinen Besuchen in südlichen, arabischen Ländern weiß ich aus eigener Erfahrung, dass deren Bewohner einen ausgeprägten Sinn für die Würde des Menschen haben und dass sie die Gemeinschaft und Gastfreundschaft hochschätzen.
Es ist eine Bereicherung für uns, dass Menschen wie Abdulhafid bei uns leben und arbeiten. Wir profitieren von so manchem ausländischen Mitbürger und von den Schätzen seiner Kultur und Mentalität. Und es tut unserer Gesellschaft gut, wenn etwas davon auf uns abfärbt.
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„Was hättest du anstelle der heiligen 3 Könige wohl dem Jesuskind geschenkt?“ fragte mich meine Tochter, als ich beim Aufstellen unserer Krippenlandschaft die drei Figuren erst mal wieder zurück in die Weihnachtskiste legte. Ja, was würde ich Jesus schenken? Eine Babygrundausstattung, was zum Spielen, einen Hotelgutschein? Das scheint mir alles nicht persönlich, nicht wertvoll genug. Die rettende Idee finde ich in einem Weihnachtslied:
Ich steh an deiner Krippe hier, o Jesu du mein Leben. Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Das klingt aufs Erste erst mal ziemlich komisch: Ich schenke etwas zurück, was ich von Gott bekommen habe!? Na, der wird sich freuen! Wird er auch. Denn das, was ich zurück gebe,ist anders als das, was ich bekommen habe, hat sich verwandelt. Was der Liedvers mir sagt ist: Wenn ich vor Gott stehe, bringe ich, was er mir gegeben hat und womit ich in meinem Leben arbeiten und wuchern konnte. All die Talente und Fähigkeiten, die Ideen und das Kreative, die Geduld, den Mut, die Zähigkeit, die Tatkraft – all das und vieles mehr bringe ich Gott zurück. Er schaut drauf, was daraus geworden ist, schaut auch auf das, was krumm und schepp ist, was misslang oder wovor ich mich gedrückt habe. Ich bringe es ihm zurück und vertraue darauf, dass er mich will und schon immer gewollt hat und es ihm gelingt alles mit liebenden Augen wohlwollend und auch vergebend anzusehen.
Ich glaube, dass die Menschen, die die katholische Kirche Heilige nennt, dies in besonderer Weise kapiert und gelebt haben. Sie haben ihre Talente genutzt um zu tun was Gott gefällt und ihm damit ein wertvolles Geschenk gemacht. Vielleicht ist es sogar ihre wahre Klasse, das sie erkannten, wie arm sie wirklich vor Gott sind. Dass alles Wesentliche im Leben geschenkt ist und sie dieses Geschenkte zur Freude Gottes zu mehren versuchten. Wohlwissend, dass nichts davon ausreichen würde Gottes Gemeinschaft zu erlangen, wäre da nicht ein Gott, der ihnen schon vor ihrer Erschaffung seine Gemeinschaft geschenkt hätte. Das gilt nicht nur für Heilige. Das gilt für alle Christen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=334
„1000 Gründe für ein Leben in Vielfalt.“ So heißt eine Aktion des Bistum Limburg. Die Initiatoren dieser Aktion setzen sich für ein Leben mit behinderten Kindern ein. Sie wehren sich dagegen, eine Behinderung einfach hin mit Leid oder Unglück gleich zu setzen. Im Internet haben sie eine Seite eingerichtet, wo Menschen von ihren Erfahrungen mit behinderten Menschen berichten können. Eine Mutter schreibt:
„Unsere beiden behinderten Kinder sind das liebste und beste was uns passieren konnte. Natürlich ist unser Leben geprägt und auch nicht immer leicht. Dennoch möchte ich unsere Kinder nicht missen und sie nicht eintauschen wollen. Unsere Kinder haben uns gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. Was Lieben bedeutet. Ganz alleine für diese Erfahrung lohnt es sich mit einem behinderten Kind zu leben.“
Für Außenstehende ist dies oft schwer zu verstehen. Auch mir ging es so, bis ich in diesem Jahr ein schwer behindertes Mädchen auf die Erstkommunion vorbereiten durfte. Das Mädchen, nennen wir es Julia, kann nicht reden und gibt nur Laute von sich. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, schaut oft mit leeren Augen an die Decke oder durch einen hindurch. Selten weiß man, was Julia eigentlich von der Welt um sie herum wahrnimmt. Julia braucht ständige Betreuung zum Beispiel um zu verhindern, dass sie sich selbst verletzt.
Am Anfang habe ich sehr wohl das gespürt, was wohl viele zu Distanz oder gar Ablehnung Behinderten gegenüber führt. Was soll ich sagen, wie mich verhalten, kann ich das Kind anfassen – solche und ähnliche Fragen lösten bei mir erst mal eine große Unsicherheit, aus. O je, was habe ich mir da angefangen, dachte ich und fühlte mich ohnmächtig. Doch je länger wir miteinander zu tun hatten und je näher wir uns kamen, umso mehr habe ich Julia kennen und schätzten gelernt und ihre Freude gespürt, ihr Lächeln gesehen und Laute interpretieren können, die Wohlbehagen ausdrücken. Ein für mich sehr beglückendes Gefühl.
Ich bin sicher wenn Julia reden könnte, würde sie mir jetzt sagen: Es gibt 1000 Gründe für ein Leben in Vielfalt.
19.12.2006

„1000 Gründe für ein Leben in Vielfalt.“ So heißt eine Aktion des Bistum Limburg. Die Initiatoren dieser Aktion setzen sich für ein Leben mit behinderten Kindern ein. Sie wehren sich dagegen, eine Behinderung einfach hin mit Leid oder Unglück gleich zu setzen. Im Internet haben sie eine Seite eingerichtet, wo Menschen von ihren Erfahrungen mit behinderten Menschen berichten können. Eine Mutter schreibt:
„Unsere beiden behinderten Kinder sind das liebste und beste was uns passieren konnte. Natürlich ist unser Leben geprägt und auch nicht immer leicht. Dennoch möchte ich unsere Kinder nicht missen und sie nicht eintauschen wollen. Unsere Kinder haben uns gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. Was Lieben bedeutet. Ganz alleine für diese Erfahrung lohnt es sich mit einem behinderten Kind zu leben.“
Für Außenstehende ist dies oft schwer zu verstehen. Auch mir ging es so, bis ich in diesem Jahr ein schwer behindertes Mädchen auf die Erstkommunion vorbereiten durfte. Das Mädchen, nennen wir es Julia, kann nicht reden und gibt nur Laute von sich. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, schaut oft mit leeren Augen an die Decke oder durch einen hindurch. Selten weiß man, was Julia eigentlich von der Welt um sie herum wahrnimmt. Julia braucht ständige Betreuung zum Beispiel um zu verhindern, dass sie sich selbst verletzt.
Am Anfang habe ich sehr wohl das gespürt, was wohl viele zu Distanz oder gar Ablehnung Behinderten gegenüber führt. Was soll ich sagen, wie mich verhalten, kann ich das Kind anfassen – solche und ähnliche Fragen lösten bei mir erst mal eine große Unsicherheit, aus. O je, was habe ich mir da angefangen, dachte ich und fühlte mich ohnmächtig. Doch je länger wir miteinander zu tun hatten und je näher wir uns kamen, umso mehr habe ich Julia kennen und schätzten gelernt und ihre Freude gespürt, ihr Lächeln gesehen und Laute interpretieren können, die Wohlbehagen ausdrücken. Ein für mich sehr beglückendes Gefühl.
Ich bin sicher wenn Julia reden könnte, würde sie mir jetzt sagen: Es gibt 1000 Gründe für ein Leben in Vielfalt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=333
18DEZ2006
DruckenAutor*in
Wann ist Advent? Ja, jetzt, werden Sie sagen. Fast ist er schon wieder vorbei. Ein Kirchenlied sagt da was ganz anderes. Wenn die Gefangenen aus ihren Kerkern kommen und die Wunden der Gefolterten sich schließen. Dann ist Advent. Ich stutze. Zumal es ähnlich weitergeht. Wenn die Kaputten heil werden, wenn die Durstenden satt zu trinken haben, wenn unsere Mutter, die Erde, Platz hat für alle und wir sie hüten wie unser Kind, dann ist Advent. Das ist schwer zu begreifen. Für mich hat Advent was mit Stille und Besinnlichkeit zu tun, mit Warten. Warten auf das Kommen Gottes. Denn Gott ist im Kommen. In der Gestalt des neugeborenen Jesuskindes. Bestimmt spielt im Advent auch eine Rolle, wie ich mich selbst auf dieses Ereignis vorbereite, wie Gott bei mir ankommen kann, wie ich ihn bei mir ankommen lasse. Und so langsam dämmert es mir, was der Texter des Adventslieds meint: Gott ist nicht nur in alten Büchern zu finden, nicht nur im Gottesdienst und den Sakramenten, sondern auch in den Mitmenschen und in der Natur. Wenn ich mich um eine Verbesserung der Lebensverhältnisse von Natur und Mensch kümmere, sorge ich dafür, dass Gott ankommt. Getreu den Worten von Jesus: Was Ihr den Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. Da wo Gutes geschieht, Aufbau geleistet wird, Unrecht beseitigt, da bricht Gott durch, wird er nahbar, auffindbar, spürbar. Wenn das geschieht, dann ist Advent. Sagt das Lied. In diesem Sinne ist das Warten auf das Kommen Gottes dann nichts Passives, sondern bedeutet für die, die sein Kommen wirklich erwarten, Aufbruch. Aufbrechen um die Kaputten heil zu machen, den Durstenden zu trinken zu geben, die Erde zu schützen und zu bewahren. Es muss nicht alles so bleiben wie es ist. Jeder kann dabei mittun. Im Advents und darüber hinaus
https://www.kirche-im-swr.de/?m=332
17DEZ2006
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Nur noch 6 Tage bis Weihnachten! Die Geschenke habe ich längst noch nicht alle. Die Frage, wann wir an den Festtagen die Schwiegermutter besuchen, ist noch nicht geklärt. Einen Christbaum muss ich auch noch besorgen. Und dann heißt der heutige Sonntag in der Gottesdienstordnung der kath. Kirche „Gaudete“! Das ist Latein und bedeutet „Freut euch“. Sicher nicht über die Hektik der Vorweihnachtszeit, die ungelösten Geschenk – und Besuchsprobleme. Das ist mir schon klar. Freuen sollen wir uns darüber, dass mit der Geburt Jesu Gott auf die Welt gekommen ist und damit eine neue Zeit anbricht. Die Propheten des AT sagten das Kommen dieser neuen Heilszeit in ausdrucksstarken Bildern voraus. Wenn Gott kommt, werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben hören wieder, der Lahme springt wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen jauchzt auf, so heißt es z.B. in der heutigen Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaia. Allein: Ich brauche mir nur die Nachrichten der vergangenen 4 Wochen aus aller Welt anzuschauen und mir ist wiederum nicht nach Gaudete zumute. Von diesen wunderschönen Prophezeiungen kann ich in der Realität nichts entdecken. Dass die begonnene Heilszeit nicht zur Geltung kommt, liegt an der Pädagogik Gottes und unserm menschlichen Verhalten. Gott schätzt die Freiheit so hoch, dass er uns Menschen nicht einfach seinen Willen aufzwingt. Wir haben die Wahl, Gutes oder Böses zu tun. Dabei geht er mit gutem Beispiel voran. Geht gewissermaßen in Vorleistung. Gott schenkt sich uns – ohne Bedingungen - und macht sich dabei genauso klein, ohnmächtig und wehrlos wie ein kleines Kind halt nun mal ist. Er lässt seinen Sohn Jesus das Licht der Welt erblicken. Der dann – als er alt genug war – der Welt zeigte, dass es auch ohne Gewalt, Intrige und Misstrauen geht. Und der von seinem liebenden Vater im Himmel erzählte. Es ist, als würde Gott den Menschen damit zurufen: Macht’s Jesus nach. Riskiert es ruhig, denn ich bin und bleibe bei euch. Darauf lässt sich aufbauen! Es ist doch was dran an diesem Gaudete – freuet euch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=331