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Anstöße sonn- und feiertags

18APR2021
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„Tut mir leid, es ist soweit.“ Das sagt Maik zu mir und steht lächelnd in meiner Wohnungstür. Maik ist Umzugsunternehmer und ein Mann wie ein Baum. Ich habe alles für den Umzug vorbereitet: Geschirr, Kleidung, Bücher– alles ist in Kartons. Eigentlich wollte ich erst gar nicht gehen; ich hänge an der Stadt. Trotzdem muss es sein. So stehe ich mit weichen Knien zwischen den Kisten und höre diesen kurzen Satz: „Tut mir leid, es ist soweit.“

Da steckt beides drin: einerseits dieses Gefühl von: ‚Es geht los, du hast das selbst so beschlossen. Das ist gut so!´ Und andererseits höre ich so wie Maik das sagt, auch raus: ‚Ich weiß, das schmerzt. ‘ Es ist oft so: man beschließt zu gehen und weiß genau warum. Das Neue ist verlockend. Und dann kommt trotzdem die Wehmut, weil man sich verabschieden muss. Das ist gar nicht einfach. Vor allem, wenn ich mir diese Wehmut nicht so richtig erlaube, ich will doch weg! Aber zu einem richtigen Abschied gehört für mich auch, dass ich würdige, was war, und nicht einfach schnell allem den Rücken kehre.

Ich kann etwas Neues anpacken und dabei auch noch traurig sein, dass das Alte vorbei ist. Das passt zusammen. „Tut mir leid, es ist soweit.“ Dieser Satz von Maik ist für mich wie ein Türöffner geworden. Nicht nur beim Umzug damals. Er hilft mir über manche Schwellen.

Zum Beispiel, als ich vor ein paar Jahren meinen großen Garten abgeben musste. Das war ein Riesenschritt, weil ich so viele Jahre darin gewerkelt habe und mit meinem Garten verwurzelt war. Und trotzdem war es gut, weil ich die viele Arbeit einfach nicht mehr geschafft hätte.

Oder wenn die Kinder selbständig werden und irgendwann ihre eigenen Wege gehen. Das ist richtig so und eigentlich ein Grund zur Freude, aber für Eltern oft schmerzlich, weil sie jetzt weniger oder anders gebraucht werden. 

„Tut mir leid, es ist soweit.“ Diesen Satz denke ich oft, und er erinnert er mich an damals – an meine weichen Knie und Maiks verschmitztes Lächeln. Seine Warmherzigkeit hat mir über den Umzug geholfen. Dass ich selber mit mir auch warmherzig umgehen kann, wenn ich Abschied nehme und etwas Neues beginnt, das wünsche ich mir. Und ich wünsche es Ihnen auch!

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