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SWR2 Lied zum Sonntag

09JAN2022
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War er nun eher ein Dichter oder ein Musiker? Diese Frage hat Peter Cornelius ein Leben lang begleitet.
Mit dem Lied „Drei Könige wandern aus Morgenland“ hat Cornelius aber bewiesen, dass er beides beherrschte: das Dichten und das Komponieren.
Im Lied berührt mich seine im Pietismus beheimatete Herzensfrömmigkeit. Und besonders, wie sich Cornelius selbst in die biblische Geschichte von den heiligen drei Königen hineinbegibt. So als geschähe sie heute.

Drei Könige wandern aus Morgenland,
Ein Sternlein führt sie zum Jordanstrand,
In Juda fragen und forschen die drei,
Wo der neugeborene König sei.
Sie wollen Weihrauch, Myrrhen und Gold
Zum Opfer weihen dem Kindlein hold.

Kunstvoll ist das Lied mit einem viel älteren Choral verwoben. Während uns die Männerstimme die Geschichte von den Königen erzählt, singt der Chor dazu den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Philipp Nicolai aus dem Jahr 1597.

Und hell erglänzt des Sternes Schein,
Zum Stalle gehen die Könige ein,
Das Knäblein schauen sie wonniglich,
Anbetend neigen die Könige sich,
Sie bringen Weihrauch, Myrrhen und Gold
Zum Opfer dar dem Knäblein hold.

Wir heute sind auch unterwegs - zu unterschiedlichsten Zielen. Und manchmal weiß ich dabei nicht so recht, wohin es gehen soll. Und ob die Richtung stimmt.
Dann bietet mir die Geschichte und das Lied von den heiligen drei Königen eine hilfreiche Erinnerung. Dass es wichtig ist, Schritt zu halten mit ihnen. Und mit dem, was sie auszeichnet: ihrer Suche nach Frieden, ihrer Sehnsucht nach Erlösung.
Und auch wenn wir heute andere Dinge als Weihrauch, Myrrhen und Gold in den Händen halten – worauf es ankommt, ist: „Schenke dem Kind dein Herz!“, wie es in der letzten Strophe heißt:

O Menschenkind! halte treulich Schritt!
Die Kön′ge wandern, o wand're mit!
Der Stern des Friedens, der Gnade Stern
Erhelle dein Ziel, wenn du suchest den Herrn:
Und fehlen Weihrauch, Myrrhen und Gold,
Schenke dein Herz dem Knäblein hold!

 

CD: O magnum mysterium, Weihnachten mit dem Dresdner Kreuzchor, „Die Könige wandern aus Morgenland“

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