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SWR2 Lied zum Sonntag

05DEZ2021
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Regentage im Winter drücken meine Stimmung. Ganz anders ist es in Israel, wo die Wüste sich nach Regentagen in ein Blütenmeer verwandelt. Ich denke, so muss man die Bitte verstehen, die heute im Lied zum Sonntag gesungen wird: „Tauet Himmel den Gerechten! Wolken, regnet ihn herab!“

1. Tauet Himmel den Gerechten!

Wolken, regnet ihn herab!

Rief das Volk in bangen Nächten,

dem Gott die Verheißung gab,

einst den Mittler selbst zu sehen

und im Himmel einzugehen.

Denn verschlossen war das Thor,

bis der Heiland trat hervor.

 

Dieser Regen ist keine zerstörerische Flut, wie wir sie vor kurzem in Deutschland erlebt haben. Es ist ein Regen, der Leben bringt. In der Melodie von Michael Haydn sind sanft abfallende Seufzer zu hören, wenn vom Regen die Rede ist.

 

Sanft träufelt der Regen herab und gibt das Wasser, das Menschen, Tiere und Pflanzen zum Leben brauchen. Wie Menschen, Tiere und Pflanzen nach Wasser und Leben dürsten, so ähnlich ist es mit dem Durst nach Erlösung. Ob Klimakatastrophen, Pandemie oder Konflikte – an vielen Stellen wird deutlich, dass unsere Welt alles andere als vollkommen ist. Ich kann oft nur optimistisch bleiben, weil ich an einen Erlöser glaube und erwarte, dass er alles zum Guten führen wird. Für mich ist Jesus der Erlöser. Auf ihn warte ich, voller Hoffnung und Ungeduld. Der Advent ist eine Zeit, in der ich das bewusst gestalte. Warten bedeutet für mich: Ich weiche der Realität nicht aus. Ich stelle mich, dem was falsch und dunkel ist. Und dann stärke ich die Hoffnung in mir, dass ich mit Gottes Hilfe etwas tun kann: für das Leben, für das Gute, wie ein Geschenk vom Himmel.

Es geht bei dieser Rettung aber nicht nur um mich und mein privates Glück. Was in dieser Welt besser werden muss, betrifft uns Menschen als Gemeinschaft und geht alle an. Es braucht Lösungen, die allen gerecht werden. Dieser himmlische Retter kommt nicht mit Macht und Stärke. Er stärkt die Gemeinschaft, damit sie jedem einzeln gerecht werden kann. Besonders ihren schwächsten Mitgliedern, die am Rand der Gesellschaft sind. Ihnen gerecht zu werden, heißt, sie zu verstehen und ihre Perspektive einzunehmen. Mich berührt es immer wieder, wenn ich sehe, wie Jesus das gemacht hat und sich so als dieser Gerechte zeigt: Er hat ein Ohr für die Verbrecher, die neben ihm am Kreuz sterben und er versteht die Sünderin Maria, die zu seinen Füßen kniet und weint. Vielleicht gilt es ja nicht nur, auf diesen Gerechten zu warten, sondern selbst ein bisschen so einer zu werden, der anderen Menschen gerecht zu werden versucht.

 

2. Doch der Vater ließ sich rühren,

Daß er uns zu retten sann,

Und den Rathschluß auszuführen

Trug der Sohn sich selber an.

Schnell flog Gottes Engel nieder,

brachte diese Antwort wieder:

Sieh! ich bin des Herren Magd,

Mir geschehe was Gott sagt!

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