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SWR2 Lied zum Sonntag

10OKT2021
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Vor ein paar Tagen habe ich beim Spaziergehen eine Mutter mit einem Kinderwagen beobachtet. Sie hat den Wagen mal weit vorausgeschoben, dann wieder ganz nah an sich rankommen lassen. Dabei hat sie das Kind angelächelt und mit großen Augen angeschaut. Als sie vorbei war, habe ich mich umgedreht, weil ich sehen wollte, wie das Kind reagiert. Es hat gebannt auf seine Mutter geschaut und zurück gelächelt. So sieht man aus, wenn man geliebt wird. Wenn ich darauf vertraue, dass Gott mich liebt, stelle ich mir das auch so innig vor. Dann spüre ich, dass er genau mich meint und mich so liebevoll bei meinem Namen ruft, wie eine Mutter ihr Kind. Gott zeigt mir so, ich gehöre zu ihm. Ich verbinde dieses Gefühl mit der Einladung, die das Lied dieses Sonntags anklingen lässt. „Du rufst uns Herr an Deinen Tisch“:

1. Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch

und schenkst uns selber ein.

Du bist das Opfer für die Welt, bezeugt durch Brot und Wein.

Herr, dein Wort ist die Kraft, die das Neue schafft.

 

Aufnahme: Projektband und -chor des Amtes für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter der Leitung von Thomas Gindele (LC3244)

 

Dass eine Gemeinschaft entsteht, wenn man miteinander am Tisch sitzt, ist etwas Grundlegendes. Ich kann mir einen Geburtstag oder die großen Feste wie Weihnachten oder Ostern nicht vorstellen, ohne dass ich mit meiner Familie und mit meinen Freunden gemeinsam an einem Tisch sitze und esse. Das macht uns zu einer Gemeinschaft. Dieser Gedanke war auch für Jesus zentral. Dass er die Menschen in die Gemeinschaft mit Gott und der großen Familie der Glaubenden einlädt, hat er nicht nur mit Worten deutlich gemacht, sondern indem er mit ihnen isst. Er hat sich dabei besonders an die Menschen gewandt, die in seiner Zeit nicht „salonfähig“ waren: Prostituierte, Kranke und Fremde – alles Leute, die damals als Sünder aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren. Deshalb hat Jesus das sogar so zugespitzt, dass er sich bei ihnen zum Essen eingeladen hat.

2. Wir kommen, Herr, zu deinem Mahl

aus der Verlorenheit.

Du hast die Tür uns aufgetan und tust es alle Zeit.

Herr, dein Wort, ist die Kraft, die Versöhnung schafft.

 

Wenn ich mich in diese Tischgesellschaft Jesu einladen lasse, muss mir klar sein, dass es auf den Kopf stellt, wie es sonst bei uns üblich ist: Ich sitze dann nämlich nicht am Tisch der Honoratioren, mit den besonders Geachteten unserer Gesellschaft. Sondern bei denen, die heute ausgeschlossen sind und auf eine zweite Chance im Leben warten: z.B. Flüchtlinge, kriminelle oder suchtkranke Menschen. Sie sind die Ehrengäste an Jesu Tisch. Als Christ ist genau das mein Maßstab.

4. Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch, und rufst uns nicht allein.

Du willst in jedem, der uns braucht, selbst gegenwärtig sein.

Herr, ist die Kraft, die die Liebe schafft.

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