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SWR2 Lied zum Sonntag

03OKT2021
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Irgendetwas fehlt immer. Es kommt nicht oft vor, dass ich sagen kann: Ich habe alles, was ich brauche – für Leib und Seele. Es fehlt immer etwas – aber gibt es einen Weg, wie ich trotzdem gut leben kann? Ein altes Lied spricht davon. Philipp Friedrich Hiller hat es vor über 250 Jahren gedichtet.

Musik

„Überschlagen, was da ist“ und „ins Gedränge kommen“, also in Bedrängnis, das trifft für uns heute auf andere Weise zu als zu Hillers Zeiten. Damals ging es ums Essen Darum, dass in vielen Vorratsschränken nicht genug da war, um die Familie zu ernähren.
An Nahrung mangelt es in unseren Breiten den meisten nicht mehr. Und doch hat es in diesem Sommer Menschen auch mitten in Deutschland plötzlich am nötigsten gefehlt. Da standen Menschen fassungslos vor dem, was vor kurzem ein Tisch war, ein Kühlschrank, ein Zuhause – weil die Flut alles weggespült hatte.
Und ich habe den Eindruck: Auch ohne große Katastrophen kommt jeder und jede von uns immer wieder ins Gedränge, wie Philipp Hiller sagt. In Situationen, wo wir das Gefühl haben: Das kann nicht gut gehen. Wer schon älter ist, erlebt, dass es mit der Kraft eng wird. Mir selbst fehlt es oft an Zeit.
Aber dann gibt es auch die andere Erfahrung: Dass die Zeit doch ausreicht – auch wenn es unmöglich schien. Dass ich genügend Kraft habe – auch wenn ich nicht weiß, woher. Dass ich Hilfe bekomme, mit der ich nicht gerechnet habe.
Ich hoffe auch für die Menschen in den Hochwassergebieten, dass sie das erleben. Niemand kann ihnen zurückgeben, was sie verloren haben. Aber es gibt Helferinnen und Helfer – auch über den Augenblick hinaus.
Für Philipp Hiller ist die Erfahrung, trotz Mangel zu bekommen, was ich brauche, eine Begegnung mit Gott. Ein geheimer Segen, wie er sagt:

Musik

Wie dieses mag geschehen, das kann man nicht verstehen. Ja, im Nachhinein wundert man sich oft, wie man eine Notlage überstanden hat. Damit konnte man zuvor nicht rechnen. Nein, sagt Philipp Hiller. Mit Gott kann man nicht rechnen. Aber ihm Vertrauen schenken.

Musik

Das Erntedankfest, das heute in den Kirchen gefeiert wird, erinnert daran: Nichts von dem, was wir haben, ist selbstverständlich. So wie die kleinen Wunder im Alltag – wenn wir im Gedränge sind und es dann doch reicht, für uns und andere. Gerade da, wo wir miteinander teilen.

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Musik 1
Strophe 1 und 3, Solistenensemble (gesungen), Die ihr bei Jesus bleibet

Musik 2
Strophe 4-5, Solistenensemble (gesungen), Die ihr bei Jesus bleibet

Musik3
Instrumental Hufeisen, aus: Was gut ist. Lieder zum Kirchentag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34010