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SWR2 Lied zum Sonntag

08AUG2021
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Den strahlenden Klang kann ich schon von weitem hören. Als ich näher komme, sehe ich sie auch: die Instrumente, die in der Morgensonne blitzen. Blank geputztes Messing, Trompeten und Posaunen, Hörner und eine Tuba. Und die Bläserinnen und Bläser, Männer und Frauen jeden Alters, die ihre Instrumente mit sichtlicher Begeisterung spielen.
Hier draußen bei einem Gottesdienst im Grünen, klingen die Instrumente aus Blech ganz und gar nicht blechern. Sondern festlich und schön. Und mir geht dabei das Herz auf...

Musik

„Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren...Kommet zuhauf, Psalter und Harfe wacht auf, lasset den Lobgesang hören.“

Wie oft habe ich diesen Choral selbst gespielt! Als Zehnjähriger auf dem alten Flügelhorn meines Vaters, ein paar Jahre später dann, als die Arme ausreichend lang geworden waren, auf der Zugposaune.
Sonntagmorgens sind wir oft hinausgezogen zum Gottesdienst ins Grüne. Auf einen freien Platz, der von hochgewachsenen, schlanken Buchen umstellt war, deren Kronen ein grünes Blätterdach bildeten.
Eine Kapelle aus Bäumen, die mitpredigten, wenn der Pfarrer oder die Pfarrerin dieses Lied auslegte:

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not
hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet!

Musik

Die Anfänge der Geschichte der Posaunenchöre liegen im Westfälischen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es ein paar junge Männer, die sich im Wald getroffen haben, um gemeinsam die Bibel zu lesen, miteinander zu beten und zu musizieren. Als instrumentale Begleitung entstanden in den folgenden Jahren die ersten Posaunenchöre.
Heute sind es in Deutschland etwa 7000, die - generationenübergreifend - das Leben vieler evangelischer Gemeinden musikalisch prägen.

Mittlerweile gehören sie sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Wichtiger aber als solche Zahlen und Fakten ist es, finde ich, dass die Chöre das Leben vieler Menschen, alter und junger, Männer und Frauen, in guten wie in schweren Zeiten begleiten.
Bei Taufen und Hochzeiten, bei runden Geburtstagen und Beerdigungen. In Kirchen und auf Plätzen. Wie bewegend es ist, von solchen strahlenden Klängen berührt und getragen zu werden, erlebe ich immer wieder. Und bekomme dabei eine Ahnung von der Schönheit und vom Glanz unseres Schöpfers.

Genauso wie es in der letzten Zeile des Chorals heißt:

Er ist dein Licht,
Seele, vergiss es ja nicht.
Lobende, schließe mit Amen

Musik

CD „Wachet auf ruft uns die Stimme“, Track 4, „Lobet den Herren den mächtigen König“, Westfälisches Blechbläserensemble, Leitung: Gerhard Wilhelm, Gerth-Medien Asslar

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